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Von Zingst nach Stralsund

Heute war unsere Etappe mal knapp unter 60 Kilometer (59km, 140 Höhenmeter) und mit völlig anderer Atmosphäre gegenüber der Etappe von gestern. Während gestern die Wege und die Orte voll mit Touristen waren ist heute kaum etwas los, weder auf den Wegen noch in den wenigen Orten. Unsere erste Station nach der Brücke ist Barth und der Hafen ist beschaulich. Der graue, mit EU Fördermitteln gestaltete, Hafenplatz erscheint mir nicht als Paradebeispiel für sinnvolle Verwendung öffentlicher Gelder.

Wir kommen durch verschiedene Landschaftsschutzgebiete, Felder und Wiesen so lange das Auge reicht. Zunächst entlang der still gelegten Bahnlinie und fast immer schön asphaltiert. Irgendwann endet der schön asphaltierte Weg. Erfreulicher Weise ist diese Unterbrechung nur einen knappen Kilometer lang, erst kommen wir plötzlich auf eine winzige Holzbrücke, dann ist es ein einspuriger Kiesweg, Gegenverkehr ist nicht möglich. Einer, der uns tatsächlich gerade hier entgegenkommt, wartet auf uns. Es riecht ziemlich nach Landluftdünger und unerwartet im landschaftlichen Idyll liegen tote Fische unter der kleinen Brücke.

Wir kommen schnell wieder auf tolle Radwege durch das Landschaftsschutzgebiet. Leider gibt es kein Rastangebot und erst im Familienhotel Gut Nisdorf werden wir fündig. Dort gibt es guten Kaffee und guten frisch gebackenen Kuchen für uns. Die Mittagspause ist gerettet. Leider kommen nun ein paar Tröpfchen aber es hört gleich wieder auf. Wir entschließen uns weiterzufahren und können an der Bushaltestelle gerade noch unser Regenzeug im nun strömenden Regen anziehen. Kurz nachdem wir uns dann zum Losfahren entscheiden ist auch schon wieder Schluss. Wir fahren nur noch auf nassen Straßen bis die dann schnell wieder abgetrocknet sind. Hier sind wir ein Stück auf die Straße ausgewichen und haben die ca. 3 km an der Küste umfahren, denn bei Regen durch den Dreck wollten wir vemeiden,

Eine weitere kurze Unterbrechung leisten wir uns am Eiseck. Das ist mit tollen selbst gemachten Eissorten an einer Radwegkreuzung zu finden und wirklich eine Empfehlung. Wir erreichen Rostock, umfahren das Hafenfest und beziehen unser Appartement in der Altstadt.

Es ist viel los, viele Übernachtungsgäste und das Festival am Hafen zieht wohl einige Besucher an. Auch hier sind die verschiedenen Altstadtplätze mit Rathaus oder den beiden Monumentalkirchen Nicolaikirche und Marienkirche schon phänomenal. Aber auch der Hafen, diesmal lebhaft mit Buden und Restaurants und schönem Ambiente, lädt wirklich ein sich niederzusetzen. Da sich der Original Bismarckhering – Hersteller (Rasmus) als schon geschlossen erweist, gibt es ein Bismarckheringbrötchen bei Anja am Hafen und trotz schlechter Kritiken, wegen trockener Brötchen, schmeckt es vorzüglich.

Stralsund stellt sich für uns als wirklich attraktive lebhafte Stadt mit schöner Altstadt und faszinierenden Gebäuden dar.

Eine Anekdote zum Schluß: da die Anreise diesmal kürzer war hofften wir wieder etwas mehr Zeit für Besichtigung zu haben. Diese haben wir aber verbraucht, da ich blöderweise eine Zimmerkarte vom Haus 54 auf Zingst mit genommen habe und sie wieder zurück schicken wollte. Also Briefumschlag mit Fenster an der Rezeption mit Din A4 Blatt für Fenster erbittert. Briefmarke? Nicht im Hotel, Postamt direkt daneben, Automat kaputt, Onlinemarke leider nur mit Ausdruck über Privat E-Mail der Rezeptionistin aus der Ukraine mit der wir gemeinsam über die hiesige Infrastruktur klagen. Die Ukraine sei ja nun nicht so entwickelt wie hier aber es gäbe eine Post und eine Wettbewerbspost. Wenn man was mit Priorität verschickt, dann kommt das auch schnell an. Außerdem haben die bis 22h auf, hier im Hauptpostamt Stralsund ist Samstag um 12h Schluß. Naja wir haben die Marke gedruckt, mit Klebestift alles aufgeklebt und verschlossen. Die nächste Leerung ist dann ja bereits Montag um 14:30.

Von Rostock nach Zingst

Das Appartement in Rostock in der faulen Straße bietet kein Frühstück. Das bekommen wir in der Fußgängerzone, die wir mit dem Rad ansteuern. Die Sonne scheint schon recht kräftig und mit ein bißchen Rückenwind starten wir von Rostock Richtung Graal-Müritz wo wir wieder auf den Ostseeradweg treffen. Bis dahin sind die Radwege sehr gut.

In Graal-Müritz blüht der Rhododendron und wir machen einen kleinen Abstecher und spazieren durch den Garten. Graal-Müritz hat viele traditionelle Häuser und natürlich wird überall viel gebaut. Je weiter man vor in Richtung Strand kommt, umso größer die Hotelblöcke. Plakate an den traditionellen Häusern mahnen dann auch, dass jeder Baum zählt und Hotels dem wichtigen Küstenwald viel Platz rauben.

Ab Seebrücke geht es dann wieder entlang der Küste hinter der Düne bis zum nächsten Küstenwäldchen mit obligatem Split- und Waldboden – Radweg. Auf dem Deich auf der Düne, die die schmale Landbrücke zum Darß bildet, ist dann auch wirklich viel los. Viel Gegenverkehr, viele gemütlich Radler und damit nur langsames Vorankommen entlang kleiner Siedlungen mit unzähligen Reetdachhäusern und Übergangen zum endlosen Strand auf der andern Seite. Die Düne verdeckt meist die Sicht auf Deich und Meer.

Auch in Wustrow tümmeln sich wieder viele vor der Seebrücke und dem schön mit wilden Rosen eingefassten Radweg, der ebenfalls stark frequentiert ist. Wir kommen wieder durch ein paar Küstenwäldchen und vielleicht ist es ja irgend ein Naturschutzgesetz, dass die Wege dort nicht asphaltiert sind. Deshalb fahren die Leute dann auch kreuz und quer wo es Platz gibt und Schilder gebieten genau dies nicht zu tun.

Von Wustrow Richtung Osten kann man von der Seebrücke aus die Steilküste sehen. Eine besondere kleine Attraktion ist ein alter verfallener Bunker. Von dort gibt es auch wieder super Ausblicke insbesondere auf die Steilküste. Natürlich sollte man es unterlassen sich auf die Kante zu stellen, denn die könnte abbrechen, ist auf vielen Plakaten zu lesen.

Das Wetter hat sich mittlerweile zu einem heißen Sommertag mit strahlend blauem Himmel entwickelt und trotz einer frischen Briese spüren wir die Sonne nun.

In Ahrenshoop ist der Trubel nun noch einmal stärker. Auf dem Radweg umfahren wir die Fußgänger in langsamem Slalom und entdecken etwas abseits ein sehr schönes Kaffeehaus in einer alten Mühle mit Garten und gönnen uns die lang ersehnte Pause mit wirklich gutem Kuchen.

Bis dahin sind wir wunderbar voran gekommen und in einem guten Flow. Das wird nun über die miserable Qualität der Radwege rund um Born am Darß (erst bis dahin und dann bis zum nächsten Ort Wiek am Darß) vermiest. Holprig, schlecht geführt, mit Gegenverkehr gefährlich eng und das eben nicht über eine kurze Passage sondern die ganze Strecke. Den Bewahrern in Born (es geht wohl um ein mögliches neues Baugebiet) würden wir den Willen wünschen, erst einmal zu gestalten. Ab dann mit kurzer Unterbrechung durch ein kurzes fieses Single-Trail-Waldgebiet bei Perow liegt dann bis Zingst der Radweg auf der Deichspitze und ist frisch fein asphaltiert.

In Zingst stärken wir uns auf dem riesigen Campingplatz im Steakhaus. Direkt daneben ist unser kleines Hostel 54, dass wir mit etwas Sorge bezogen haben (habe nichts mehr sonst gefunden) aber wo wir ganz hervorragend untergebracht sind. Wir wandern dann durch den sehr lang gezogenen Ort bis zum Hafen und dann zur Seebrücke und dort postieren sich dann auch schon einige hundert Menschen für den Sonnenuntergang. Am Ende der Seebrücke gibt es eine Taucherglocke für 30 Personen, mit der man 4 Meter tief in die Ostse abtauchen kann.

In Summe ein sehr schöner Tag mit viel Sonne und tollen Landschaften. Aus den eigentlich angezeigten 67 Kilometern sind auf geheimnisvolle Weise dann doch wieder 78 Kilometer geworden.

Von Wismar nach Rostock

In Wismar haben wir, wie bereits erwähnt, ein sehr schönes Hotelzimmer. Die notwendige Bettschwere ist eigentlich gegeben, aber der Regen klopft nachts ziemlich hörbar auf die Fensterbretter. Auch das Frühstück im Hotel ist sehr gut. Interessant sind die kulturellen Nuancen im Verhalten der Leute. Maske ist hier im Nordosten völlig out. wer eine trägt kassiert genervte Blicke. Der Himmel ist grau, es ist kühl und besorgt schauen wir in alle Richtungen ob es nicht gleich wieder mit dem Regen los geht.

Der Ostseeradweg ist leicht zu finden und gut ausgeschildert und diesmal wirklich ziemlich gut ausgebaut. Während gestern kleine Wälder (mit wenig Sicht) dominieren, sehen wir heute eigentlich ständig das Meer neben riesigen Weizen- oder Zuckerrübenfeldern. Die Kultur der Bauern im Süden, wie in Baden-Württemberg, ein grünes Kreuz als Protest gegen landwirtschaftsfeindliche Politik aufzustellen, fehlt hier völlig. Große Flächen scheinen damit offensichtlich weniger Probleme hervor zurufen.

Unser erstes Ziel ist Rerik, hier ist die Seebrücke gesperrt aber am Hafen gibt es verschiedene Restaurants wo wir einen Kaffee und Pizzabrot bekommen.

Kühlungsborn präsentiert sich als extrem lebhafter Ferienort mit sehr großzügiger Promenade und mondänen Gebäuden. Der Ort zieht sich über einige Kilometer entlang der Küste. Nach kurzem Aufenthalt beim Riesenrad fahren wir weiter nach Heiligendamm.

Leider sind die Radwege nun wieder nicht mehr so gut. Split oder Waldboden durch die Küstenwälder. Sowohl in Kühlungsborn als auch in Heiligendamm steht zwischen den mondänen Hotelburgen oder Ferienwohnungsarealen auch wieder die ein oder andere Ruine. In Heiligendamm sehe ich dann auch keine Politprominenz sondern muss im Hinterrad den Schlauch tauschen. Ein kleiner Kiesel hat sich durch den neuen Schwalbe Pro One durchgearbeitet. Wollen wir mal hoffen, dass das hält, denn die Wege sind teilweise leider oft weiterhin auf diesem Niveau.

Schließlich erreichen wir Warnemünde, ich habe aber ein Appartement in Rostock reserviert. Das sind noch 20 Kilometer und es ist schon spät. Für die Fährfahrt bei Priwall haben wir das 9 Euro Ticket gekauft und das gilt nun auch für die S-Bahn, die uns von Warnemünde nach Rostock bringt und von dort suchen wir dann das Appartement in der faulen Straße in Hafennähe.

Das Wetter hat sich während des ganzen Tages verbessert und wir haben das Gefühl am Ende eher ein bisschen zu viel Sonne erwischt zu haben. In der Altstadt von Rostock gibt es wieder einige der typischen Speicherarchitekturgebäude aber das Erscheinungsbild des Ortes ist weit weniger homogen als das von Wismar. In der Kogge in Hafennähe gibt es sehr leckere Fischgerichte und wir sind im oberen Stock am kleinen Dreiertisch über der Theke ganz alleine.

71 km mit 320 Höhenmetern waren es bis Warnemünde von wo wir dann in die S-Bahn gestiegen sind. Insbesondere rund um den Hafen hat Warnemünde einen sehr lebhaften interessanten Eindruck vermittelt, während die größeren Städte – Lübeck, Wismar, Rostock – weniger lebhaft wirken.

Von Lübeck nach Wismar

Gestern sind wir mit den Rädern nach Lübeck angereist. Ein paar Etappen auf dem Ostseeradweg sind geplant. Wir starten mit einem Spaziergang durch die Altstadt von Lübeck, die ziemlich ausgestorben wirkt. Die gigantischen Bauten Dom, Rathaus aber auch die anderen Kirchen können somit weitgehend ohne weitere Besucher betrachtet werden. Ein paar Jugendliche machen im Kreuzgang der Marienkirche Party. Das Essen im afghanischen Restaurant ist eine echte Empfehlung.

Es gibt dann auch noch das Willi Brandt und das Günther Grass Haus. Die Hinterhöfe bilden in Lübeck eine eigene interessante Wohnwelt auch wenn einzelne Bewohner vielleicht manchmal ein bisschen zurückhaltend sind.

Das kleine Baltic Hotel am Bahnhof ist wirklich gut organisiert. Unsere Räder stehen sicher in der Garage und das Frühstück ist sehr in Ordnung. Der Weg aus Lübeck heraus gestaltet sich erfreulicher Weise wenig kompliziert nur auf dem Radweg nach Travemünde landen wir zunächst auf einer holprigen Schotterstrecke um dann auf Nebenstraßen (asphaltiert) Travemünde zu erreichen. Die Promenade von Travemünde, die vorderste Reihe (Vorderreihe) bestand ursprünglich aus vornehmen Ferienhäusern und ist jetzt halt eine typische Promenade.

Nach Priwall setzen wir mit der Fähre über (mit 9 Euro Ticket). Von Priwall geht es weiter über schottrige Radwege. Der Anteil an Schotterwegen ist ziemlich hoch und damit nur bedingt für Rennradreifen geeignet.

Wer denkt, dass an der Ostsee alles flach ist, der hat sich getäuscht. Es ist ziemlich wellig mit ganz kurzen steilen Anstiegen. Man sammelt ein paar Höhenmeter. Steil und schottrig, das kostet Zeit, so sind wir eher mit gemütlichem Schnitt unterwegs. Bis zum Ostseebad Boltenhagen und auch danach ist das alles ok, wenngleich in den Orten ziemliche Aggressionen bei Autofahrern zu spüren sind. Im Kreisel schneidet mich eine VW Bus Fahrerin ziemlich übel und irgendeiner überholt völlig sinnlos in den Gegenverkehr, weil ein paar E-Biker offensichtlich zu langsam für ihn sind.

Nach Boltenhagen zieht es zu und obwohl wir Gas geben holt uns ca. 10 Kilometer vor Wismar der Regen ein. Am Anfang ein paar Tropfen, dann ziehen wir die Regenjacken an und dann strömt es doch richtig. In Wismar klart es wieder auf, blauer Himmel, aber wir sind nass.

Im Hotel am alten Hafen, können wir erstmal die Räder wieder in einer Garage sicher unterstellen, die Zimmer sind super und wir machen einen kleinen Spaziergang durch die Stadt. Wismar ist ja Kulturerbe und es sind viele ursprüngliche und schöne Hanse-Architektur-Häuser zu sehen. Die Geschäfte sind allerdings schon meist zu und einige Restaurants schließen teilweise um 19h. Der Italiener, bei dem wir ob guter Bewertung landen, offeriert dann auch nur noch Pizza.

80 km sind wir gefahren und haben 450 Höhenmeter überwunden.

Zum Mont Ventoux

In Malaucène, am Fuße des Mont Ventoux gibt es natürlich eine ganz wesentliche Herausforderung: den Mont Ventoux mit dem Fahrrad zu erklimmen. Ich entscheide mich für die Strecke über Bedoin. Zunächst geht es gemächlich von ca. 350 Höhenmeter nach oben bis zum Col de Madelaine auf 460 Meter. Diese Höhenmeter gehen dann aber auch gleich wieder verloren. Bedoin liegt auf 320 Meter. Die Straße von Bedoin steigt langsam durch Weinberge, die 7% fühlen sich streng an, da sich in den Hügeln kaum erkennen lässt, dass es aufwärts geht.

Bald führt der Weg in eine Schlucht und jetzt wird es richtig steil. Ich hatte mich dafür entschieden die langen Klamotten anzuziehen und zur Sicherheit Ärmlinge, Mütze, Handschuhe, Weste noch in die Trikottaschen zu stopfen und verfluche diese Entscheidung jetzt. Es ist so steil und heiß und ich versuche meine Jacke auf ca. 700 Meter um den Lenker zu wickeln, da ja die Trikottaschen schon alle voll sind. Der Berg ist natürlich immer wieder zu sehen und sieht doch noch so weit entfernt aus. Über 1900 Meter zu erreichen klingt nicht so herausfordernd aber es geht von Bedoin ca. 20 km stetig nach oben und das mit erheblichen Steigungen, so dass ich mich über jede Aussicht freue um ein Foto zu schießen und einen Grund für eine kleine Pause zu haben.

Beim Chalet Reynard auf 1400 Metern kommen die Straße von Bedoin und Sault zusammen und es treffen sich alle, die hoch auf den Gipfel wollen. Obwohl ja noch ziemlich früh im Jahr sind doch einige Radler unterwegs, ein paar mit elektronischer Unterstützung sind auch dabei aber ich werde doch von vielen Bergflöhen auf dem Weg zum Chalet überholt. Dort gibt es frisches Wasser und jetzt sind es nur noch 6 Kilometer mit 500 Höhenmetern. Tatsächlich wird es jetzt etwas entspannter, nicht mehr ganz so steil. Immer wieder gibt es diese schönen Wegmarken mit aktueller Höhe und den verbleibenden Kilometern bis zum Gipfel. Eher irritierend ist die Information, dass der Pass geschlossen ist. Beim Chalet frage ich andere Radler, wie sie die Sache einschätzen. Allgemeine Informationslage ist, dass man es mit dem Rad fahren kann, aber der Weg schwierig sein könnte.

Beim Tom Simpson Gedenkmal halte ich nochmal an, in der Zwischenzeit habe ich einen überholt und bin von fünf überholt worden. Mittlerweile habe ich mir Ärmlinge, Weste, Handschuhe angezogen und die Jacke passt nun wieder in die Trikotjacke. Ein eisiger Wind zieht von Westen auf und ich bin schon ganz froh etwas wärmer eingepackt zu sein. Auf dem Gipfel ist es kalt. 10 Grad und starker kalter Wind. Ich ziehe alles an. Der Weg nach unten ist dann auch leider wie angedroht gesperrt. Eine Schranke versperrt den Weg. Ich beobachte zwei Rennradler, die an der Schranke vorbei fahren und machen es ihnen gleich. Nach einem Kilometer kommen sie mir wieder entgegen, der Weg wäre voller Schnee.

Die Straße ist voller Schneereste und Steinschlag aber bei vorsichtiger Fahrweise ganz gut passierbar. Ich bin also weiter mutig und fahre weiter und tatsächlich geht es mit einigen Steinschlägen und Schneefeldern weiter. Einige Radspuren durch den Schnee signalisieren, dass da schon einige andere durch sind. Ich bin so warm eingepackt und das Handy ist in der Jacke gut verpackt, so dass ich da nicht so richtig dran komme aber wenigstens eine Passage muss ich dann doch noch fotografieren. Auch die Abfahrt (21km nur steil bergab) bis nach Malaucène ist eine Herausforderung. Nun bin ich wieder froh alles anzuhaben, 10 Grad, ganz starker Wind mit Böen auf den geraden freien Passagen, Steigungen um die 10-12%. Da oben ein kleines Skigebiet ist, sind die Straßen recht breit ausgebaut. Man kommt also schnell auf Geschwindigkeiten von 60 km/h ohne zu treten. Unten bin ich dann wirklich durchgefroren. Im Supermarkt finde ich ein paar lokale Mont-Ventourx Biere, die entlang der Höhenlinien die Reserven hoffentlich wieder auffüllen helfen und im urigen Le Chevalerie nehmen wir dieses Mal das volle Menü.

Irgendwie klingen 55km und 1800 Höhenmeter gar nicht so imposant aber es war angesichts der Frühjahrsform schon eine ziemliche Herausforderung.

Nach Malaucène

Quartierwechsel; wir hatten versucht noch einmal 2 Tage zu verlängern aber war schon belegt. Noch einmal für zwei Tage ein neues Domizil am Fuß des Mont Ventoux haben wir in Malucène ein wunderschönes Appartement in der Stadtmitte. Im zweiten Stock allerdings.

Zwischenstation haben wir in Pernes les Fontaines gemacht. Es gibt dort 41 Brunnen. Wir haben nur circa 10 gefunden. Hier eine Auswahl von sechs.

Es gibt auch noch eine ganze Menge anderer schöner Dinge zu sehen. Interessant diese Holzskulpturen und die Brücke über die Nesque. Durch die zugehörige Schlucht bin ich zuvor geradelt. Witzig, auf dem Bild unten in der Mitte das ist ein gemalter Brunnen an die Hauswand über einem hässlichen Sicherungskasten. Weiß nicht ob der zu den 41 Brunnen mit zählt. Wir nehmen uns nicht viel Zeit, da uns unsere neuen Gastgeber bereits zu Mittag erwarten, so dass wir schon früh in die Wohnung können.

In Malcaucène werden wir sehr herzlich empfangen. Tolles Appartement, frisch renoviert, nur die Treppe, um die Fahrräder im Flur auf der ersten Etage zu platzieren, ist sehr steil.

Eine Wanderung ist noch drin. Die zieht sich allerdings über steile Schotterwege durch Kiefernwälder über 12 km und knapp 600 Höhenmeter ziemlich. Es ist leicht bedeckt und wenn man aus dem Wald kommt ziemliche windig. Es gibt wenige Attraktionen, nach steilem Aufstieg als erstes eine winzige geschlossene Kapelle mit drei Kreuzen davor. Gegen Ende gibt es noch die Quelle der Groseau und die romanische Kapelle (Notre Dame de Groseau) auch geschlossen und eher verwahrlost aber früher offensichtlich wichtiger Ort für die Avignon Päpste.

Über 12 km waren 550 Höhenmeter zu bewältigen.

L’Isle sur la Sorgue, Venasque, Gordes

Der heutige Sonntag ist großer Markttag in L’Isle sur la Sorgue. Schon früh ist alles voller Stände und die Stadt füllt sich mit Touristen. Die Kreisverkehre und die Straßen dazwischen rund um die Insel sind ein einziger Stau. Die Menschen drängen sich durch die Gassen und an Abstand ist nicht zu denken. Ein paar wenige tragen eine medizinische Maske. Das mit den ffp2 Masken hat sich nicht wirklich bis nach Frankreich rumgesprochen. Ziemlich absurd wie kleinste Kommunikationsunterschiede dann ziemlich unterschiedliche und dennoch fanatische Verhaltensweisen hervorrufen.

Kurzum ein guter Tag um eine Tour ganz alleine zu machen. Ich versuche noch einmal der Komoot Tout zu folgen und es gelingt wieder nicht aber ich folge den grünen Fahrradwegweisern und die führen mich über winzige geteerte Strässchen wieder bis zur Fontaine und zuvor unterhalb es Aquaducts. Bei der Fontaine der Vaucluse mache ich nur zwei Fotos an der Brücke. Heute am Palmsonntag ist dann doch schon einiges mehr los.

Der Weg nach Venasque ist dann ab Le Beaucet neu. Es geht zunächst eine moderate Steigung hoch bis man oben den Mont Ventoux sieht, passiert eine weitere Schlucht. In Venasque gibt es dann ein tolles Panorama wieder auf den Mont Ventoux bei den riesigen Mauern der Stadt. Es sind noch ein paar andere schnellere Rennradler unterwegs.

Nach ein bisschen hoch und runter geht es durch die Gorges de Nez. Ein paar hundert Höhenmeter durch eine eindrucksvolle Schlucht, bis es dann auf der Höhe nur noch bergab nach Gordes geht. Auch da ist am Sonntag nun einiges mehr an Menschen geboten. Ich folge nach ein paar Navigationsirrationen der Hauptstraße. Nach ca. 4km auf der ziemlich befahrenen D2 führt der Weg dann wieder über einsame Straßen weiter.

Mit allen kleinen Irrungen sind es heute 65 km und 1100 Höhenmeter geworden.

L‘Isle sur la Sorgue, Roussillon, Gordes

Es ist wieder blauer Himmel, die Sonne scheint aber es weht ein extrem starker Wind, so dass wir die Räder heute in der Garage lassen. In L‘Isle sur la Sorgue starten wir mit dem Auto Richtung Roussillon. L’Isle sur la Sorgue ist voller kleiner Kanäle und wird umrundet durch Seitenarme der Sorgue. Es ist einiges los. Es gibt unzählige Restaurants in vielen Kategorien und ein Quai entlang der Sorgue. Ein wirklich schöner Ort, der ursprünglich mal als Anglerdorf entstanden ist. In der Sorgue und den Kanälen befinden sich unzählige Wasserräder.

Roussillon schmückt sich mit einer Plakette der schönsten Dörfer Frankfreichs am Ortseingang. Auf dem großen Platz sind nur noch sehr wenige Parkplätze frei. Der Eintritt in die Ockerlandschaft ist mit 2×3€ auch moderat und lohnt sich. Eine Stunden spazieren wir durch diese faszinierenden gelb roten Landschaften. Über den Ockerformationen ist der Mont Ventoux zu sehen. Da der Wind so stark bläst verfängt sich der Staub in de Klamotten und meine blaue Cordhose ist danach schön gelb eingefärbt. Auch der Ort auf dem Hügel gelegen ist wirklich sehenswert mit kleinen Restaurants, Bars, Ateliers.

Über winzige/schmale Strässchen geht es dann weiter nach Gordes. Auch hier empfängt uns die offizielle „schönste Dörfer Frankreichs“ Markierung. Wir kommen von der falschen Seite in den Ort. Google leitet uns auf diesem Weg, so dass wir erst einmal durch den Ort durch müssen und nicht gleich auf den großen Parkplätzen landen, die nur sehr mäßig belegt sind. Dafür muss diesmal ein aufwändiger Mechanismus an einem Apparat in Gang gesetzt werden, bis wir ihm ein Parkticket entlocken können. Der vor uns brauchte genauso ewig. Gut, dass sich aufgrund geringen Andrangs keine Schlange gebildet hat. Das schönste am Ort ist das Panorama, wie sich Gordes auf dem Hügel präsentiert und natürlich die Ausblicke rundrum in den Luberon und Roussillon in der Ferne. In einem schön gelegenen sehr einfach eingerichtetem Cafe gibt es Café au lait mit Ausblick.

Die letzte Etappe führt uns zu einem Freilichtmuseum – Village des Bories – mit Steinhäusern, die als Wohnung, Stall, Ofen etc. genutzt wurden. Die Steine werden gesammelt, dadurch wird landwirtschaftlich nutzbare Fläche geschaffen und die Häuser entstehen aus dicken Trockensteinmauern, die wieder aus geschichteten Steinen gebaut werden. Um 5 Quadratmeter bewohnbare Fläche zu schaffen werden 50 Tonnen Steine benötigt., ist auf einer Tafel zu lesen. Das Dorf wurde 1977 unter Denkmalschutz gestellt. Es ist die größte Ansammlung von Borie genannten provenzalischen Trockenstein-Rundbauten. Wenngleich typisches bauliches Kulturgut der Provence (so der Führer), so sieht man diese Art von Bauten außerhalb der Museumsfläche doch sehr selten.

So hätten die damaligen Bewohner eine Weg gefunden sich angepasst und respektvoll in die Landschaft zu integrieren. Bin mir nicht sicher ob das ihre primäre Absicht war oder ob einfach die Wahlmöglichkeiten nicht so riesig waren. Bis ins 19. Jahrhundert hätte man diese Bauform noch genutzt. Ob auch als Wohnhaus oder nur als Stall? Älteste Funde reichen bis ins 7. Jahrhundert.

A propos Umwelt und Klima. Es mangelt in dieser Gegen sicher nicht an Wind aber wir haben bislang kein einziges Windrad gesehen, weder von der Autobahn aus, noch im Rest der Landschaft. Auch Photovoltaik Anlagen gibt es trotz Sonne satt keine.

Ein wirklich gelungener Ausflug, der mit den Rädern zu aufwändig gewesen wäre, wenn man denn Zeit für die eigentlichen Attraktionen einplanen möchte.

L‘Isle sur la Sorgue, Quelle und Carpentras

In L‘Isle sur la Sorgue verlassen wir unser wunderschönes Appartement, ein provencalisches Haus, ganz für uns mitten in der Stadt und trotzdem völlig ruhig.

Mit den Rädern versuchen wir einer Komoot Runde zu folgen, was uns nicht gelingt. Wir finden dann trotzdem nach ein paar Kilometern die Quelle der Sorgue, Fontaine de Vaucluse. Es ist ein schöner Tag mit blauem Himmel und es ist so warm, dass die Jacken schon bald in die Tasche können. Das spektakuläre grünblaue Wasser der Sorgue zieht schon einige Touristen an, aber die riesigen Kiesparkplätze am Ortsrand sind noch völlig leer. Man kann sich vorstellen, was hier in der Hochsaison los ist.

Über Saumane-de-Vaucluse führt uns ein kleines Strässchen durch den durchgefrästen Fels hoch. Le Baucet liegt mal wieder ziemlich malerisch am Hang. In St. Didier entscheiden wir Richtung Carpentras weiter zu fahren. Das ist eine lebhafte größere Stadt wo es auch eine Patisserie mit Käsekuchen gibt. Außerdem eine Kathedrale an einem Platz mit mehreren Brunnen. Rund um die größere Stand gelingt es uns leider nicht so gut die richtigen Wege zu finden.

Aus Carpentras heraus landen wir schnell wieder auf der großen Verbindungsstraße mit breitem Radstreifen. Am Tor von Pernes les Fontaines suchen wir einen besseren Weg und vergessen die 41 Brunnen zu suchen und navigieren eisern den Berg hoch, landen dann aber auf einem ziemlich üblen Schotterweg mit Schiebepassage. Kurz vorm Canal de Carpetras kommen wir wieder auf geteerte Straßen. Das Viadukt über die Sorgue nahe bei der Quelle führt übrigens keine Bahn sondern auch den Canal de Carpetras.

53 km mit 600 Höhenmeter sind es so geworden.

Von Vence nach L’Isle sur la Sorgue

Quartierwechsel steht an. Nach vier Tagen in Vence haben wir uns ein Appartement in L‘Isle sur la Sorgue gebucht. Die 240 km meistern wir natürlich mit Auto aber nutzen den Tag um nochmal in Grasse auszusteigen und da ein bisschen durch die Altstadt zu laufen nachdem wir zuvor Teile der Strecke mit dem Fahrrad absolviert haben. So startet diese Reise wieder mit dem Panoramabild von Tourette sur Loup bis wir dann nach Grasse kommen. Erfreulicherweise ist noch recht wenig los. Schulkinder spielen Fußball auf dem zentralen Platz mit Blick auf die Kathedrale.

Wenn wir schon so weit in den Süden vorgedrungen sind, dann müssen wir auch noch einmal ans Meer. Wir peilen westlich von Cannes die kleine Stadt La Napoule mit großem Hafen an. Wir bekommen an einer einsamen Vorsaisonbar einen Café au Lait im Pappbecher, den wir gut festhalten müssen, denn der Wind ist ziemlich stark. Dort entscheiden wir spontan die Küstenstraße nach St. Raphael zu nehmen. Das kostet zwar eine Stunde extra aber wir haben ja Zeit und es ist ein derart sensationelles Panorama. Alle 5 Minuten könnte wir anhalten um noch ein Foto zu schießen. Das Esterel Gebirge mit den roten Felsen, die steil ins Meer abfallen, ist jede extra Minute wert.

Von St. Raphael nehmen wir dann wieder die Autobahn und kommen pünktlich um 18h an.