Zum Mont Ventoux

In Malaucène, am Fuße des Mont Ventoux gibt es natürlich eine ganz wesentliche Herausforderung: den Mont Ventoux mit dem Fahrrad zu erklimmen. Ich entscheide mich für die Strecke über Bedoin. Zunächst geht es gemächlich von ca. 350 Höhenmeter nach oben bis zum Col de Madelaine auf 460 Meter. Diese Höhenmeter gehen dann aber auch gleich wieder verloren. Bedoin liegt auf 320 Meter. Die Straße von Bedoin steigt langsam durch Weinberge, die 7% fühlen sich streng an, da sich in den Hügeln kaum erkennen lässt, dass es aufwärts geht.

Bald führt der Weg in eine Schlucht und jetzt wird es richtig steil. Ich hatte mich dafür entschieden die langen Klamotten anzuziehen und zur Sicherheit Ärmlinge, Mütze, Handschuhe, Weste noch in die Trikottaschen zu stopfen und verfluche diese Entscheidung jetzt. Es ist so steil und heiß und ich versuche meine Jacke auf ca. 700 Meter um den Lenker zu wickeln, da ja die Trikottaschen schon alle voll sind. Der Berg ist natürlich immer wieder zu sehen und sieht doch noch so weit entfernt aus. Über 1900 Meter zu erreichen klingt nicht so herausfordernd aber es geht von Bedoin ca. 20 km stetig nach oben und das mit erheblichen Steigungen, so dass ich mich über jede Aussicht freue um ein Foto zu schießen und einen Grund für eine kleine Pause zu haben.

Beim Chalet Reynard auf 1400 Metern kommen die Straße von Bedoin und Sault zusammen und es treffen sich alle, die hoch auf den Gipfel wollen. Obwohl ja noch ziemlich früh im Jahr sind doch einige Radler unterwegs, ein paar mit elektronischer Unterstützung sind auch dabei aber ich werde doch von vielen Bergflöhen auf dem Weg zum Chalet überholt. Dort gibt es frisches Wasser und jetzt sind es nur noch 6 Kilometer mit 500 Höhenmetern. Tatsächlich wird es jetzt etwas entspannter, nicht mehr ganz so steil. Immer wieder gibt es diese schönen Wegmarken mit aktueller Höhe und den verbleibenden Kilometern bis zum Gipfel. Eher irritierend ist die Information, dass der Pass geschlossen ist. Beim Chalet frage ich andere Radler, wie sie die Sache einschätzen. Allgemeine Informationslage ist, dass man es mit dem Rad fahren kann, aber der Weg schwierig sein könnte.

Beim Tom Simpson Gedenkmal halte ich nochmal an, in der Zwischenzeit habe ich einen überholt und bin von fünf überholt worden. Mittlerweile habe ich mir Ärmlinge, Weste, Handschuhe angezogen und die Jacke passt nun wieder in die Trikotjacke. Ein eisiger Wind zieht von Westen auf und ich bin schon ganz froh etwas wärmer eingepackt zu sein. Auf dem Gipfel ist es kalt. 10 Grad und starker kalter Wind. Ich ziehe alles an. Der Weg nach unten ist dann auch leider wie angedroht gesperrt. Eine Schranke versperrt den Weg. Ich beobachte zwei Rennradler, die an der Schranke vorbei fahren und machen es ihnen gleich. Nach einem Kilometer kommen sie mir wieder entgegen, der Weg wäre voller Schnee.

Die Straße ist voller Schneereste und Steinschlag aber bei vorsichtiger Fahrweise ganz gut passierbar. Ich bin also weiter mutig und fahre weiter und tatsächlich geht es mit einigen Steinschlägen und Schneefeldern weiter. Einige Radspuren durch den Schnee signalisieren, dass da schon einige andere durch sind. Ich bin so warm eingepackt und das Handy ist in der Jacke gut verpackt, so dass ich da nicht so richtig dran komme aber wenigstens eine Passage muss ich dann doch noch fotografieren. Auch die Abfahrt (21km nur steil bergab) bis nach Malaucène ist eine Herausforderung. Nun bin ich wieder froh alles anzuhaben, 10 Grad, ganz starker Wind mit Böen auf den geraden freien Passagen, Steigungen um die 10-12%. Da oben ein kleines Skigebiet ist, sind die Straßen recht breit ausgebaut. Man kommt also schnell auf Geschwindigkeiten von 60 km/h ohne zu treten. Unten bin ich dann wirklich durchgefroren. Im Supermarkt finde ich ein paar lokale Mont-Ventourx Biere, die entlang der Höhenlinien die Reserven hoffentlich wieder auffüllen helfen und im urigen Le Chevalerie nehmen wir dieses Mal das volle Menü.

Irgendwie klingen 55km und 1800 Höhenmeter gar nicht so imposant aber es ist angesichts der Frühjahrsform schon eine ziemliche Herausforderung gewesen.

Nach Malaucène

Quartierwechsel; wir hatten versucht noch einmal 2 Tage zu verlängern aber war schon belegt. Noch einmal für zwei Tage ein neues Domizil am Fuß des Mont Ventoux haben wir in Malucène ein wunderschönes Appartement in der Stadtmitte. Im zweiten Stock allerdings.

Zwischenstation haben wir in Pernes les Fontaines gemacht. Es gibt dort 41 Brunnen. Wir haben nur circa 10 gefunden. Hier eine Auswahl von sechs.

Es gibt auch noch eine ganze Menge anderer schöner Dinge zu sehen. Interessant diese Holzskulpturen und die Brücke über die Nesque. Durch die zugehörige Schlucht bin ich zuvor geradelt. Witzig, auf dem Bild unten in der Mitte das ist ein gemalter Brunnen an die Hauswand über einem hässlichen Sicherungskasten. Weiß nicht ob der zu den 41 Brunnen mit zählt. Wir nehmen uns nicht viel Zeit, da uns unsere neuen Gastgeber bereits zu Mittag erwarten, so dass wir schon früh in die Wohnung können.

In Malcaucène werden wir sehr herzlich empfangen. Tolles Appartement, frisch renoviert, nur die Treppe, um die Fahrräder im Flur auf der ersten Etage zu platzieren, ist sehr steil.

Eine Wanderung ist noch drin. Die zieht sich allerdings über steile Schotterwege durch Kiefernwälder über 12 km und knapp 600 Höhenmeter ziemlich. Es ist leicht bedeckt und wenn man aus dem Wald kommt ziemliche windig. Es gibt wenige Attraktionen, nach steilem Aufstieg als erstes eine winzige geschlossene Kapelle mit drei Kreuzen davor. Gegen Ende gibt es noch die Quelle der Groseau und die romanische Kapelle (Notre Dame de Groseau) auch geschlossen und eher verwahrlost aber früher offensichtlich wichtiger Ort für die Avignon Päpste.

Über 12 km waren 550 Höhenmeter zu bewältigen.

L’Isle sur la Sorgue, Venasque, Gordes

Der heutige Sonntag ist großer Markttag in L’Isle sur la Sorgue. Schon früh ist alles voller Stände und die Stadt füllt sich mit Touristen. Die Kreisverkehre und die Straßen dazwischen rund um die Insel sind ein einziger Stau. Die Menschen drängen sich durch die Gassen und an Abstand ist nicht zu denken. Ein paar wenige tragen eine medizinische Maske. Das mit den ffp2 Masken hat sich nicht wirklich bis nach Frankreich rumgesprochen. Ziemlich absurd wie kleinste Kommunikationsunterschiede dann ziemlich unterschiedliche und dennoch fanatische Verhaltensweisen hervorrufen.

Kurzum ein guter Tag um eine Tour ganz alleine zu machen. Ich versuche noch einmal der Komoot Tout zu folgen und es gelingt wieder nicht aber ich folge den grünen Fahrradwegweisern und die führen mich über winzige geteerte Strässchen wieder bis zur Fontaine und zuvor unterhalb es Aquaducts. Bei der Fontaine der Vaucluse mache ich nur zwei Fotos an der Brücke. Heute am Palmsonntag ist dann doch schon einiges mehr los.

Der Weg nach Venasque ist dann ab Le Beaucet neu. Es geht zunächst eine moderate Steigung hoch bis man oben den Mont Ventoux sieht, passiert eine weitere Schlucht. In Venasque gibt es dann ein tolles Panorama wieder auf den Mont Ventoux bei den riesigen Mauern der Stadt. Es sind noch ein paar andere schnellere Rennradler unterwegs.

Nach ein bisschen hoch und runter geht es durch die Gorges de Nez. Ein paar hundert Höhenmeter durch eine eindrucksvolle Schlucht, bis es dann auf der Höhe nur noch bergab nach Gordes geht. Auch da ist am Sonntag nun einiges mehr an Menschen geboten. Ich folge nach ein paar Navigationsirrationen der Hauptstraße. Nach ca. 4km auf der ziemlich befahrenen D2 führt der Weg dann wieder über einsame Straßen weiter.

Mit allen kleinen Irrungen sind es heute 65 km und 1100 Höhenmeter geworden.

L‘Isle sur la Sorgue, Roussillon, Gordes

Es ist wieder blauer Himmel, die Sonne scheint aber es weht ein extrem starker Wind, so dass wir die Räder heute in der Garage lassen. In L‘Isle sur la Sorgue starten wir mit dem Auto Richtung Roussillon. L’Isle sur la Sorgue ist voller kleiner Kanäle und wird umrundet durch Seitenarme der Sorgue. Es ist einiges los. Es gibt unzählige Restaurants in vielen Kategorien und ein Quai entlang der Sorgue. Ein wirklich schöner Ort, der ursprünglich mal als Anglerdorf entstanden ist. In der Sorgue und den Kanälen befinden sich unzählige Wasserräder.

Roussillon schmückt sich mit einer Plakette der schönsten Dörfer Frankfreichs am Ortseingang. Auf dem großen Platz sind nur noch sehr wenige Parkplätze frei. Der Eintritt in die Ockerlandschaft ist mit 2×3€ auch moderat und lohnt sich. Eine Stunden spazieren wir durch diese faszinierenden gelb roten Landschaften. Über den Ockerformationen ist der Mont Ventoux zu sehen. Da der Wind so stark bläst verfängt sich der Staub in de Klamotten und meine blaue Cordhose ist danach schön gelb eingefärbt. Auch der Ort auf dem Hügel gelegen ist wirklich sehenswert mit kleinen Restaurants, Bars, Ateliers.

Über winzige/schmale Strässchen geht es dann weiter nach Gordes. Auch hier empfängt uns die offizielle “schönste Dörfer Frankreichs” Markierung. Wir kommen von der falschen Seite in den Ort. Google leitet uns auf diesem Weg, so dass wir erst einmal durch den Ort durch müssen und nicht gleich auf den großen Parkplätzen landen, die nur sehr mäßig belegt sind. Dafür muss diesmal ein aufwändiger Mechanismus an einem Apparat in Gang gesetzt werden, bis wir ihm ein Parkticket entlocken können. Der vor uns brauchte genauso ewig. Gut, dass sich aufgrund geringen Andrangs keine Schlange gebildet hat. Das schönste am Ort ist das Panorama, wie sich Gordes auf dem Hügel präsentiert und natürlich die Ausblicke rundrum in den Luberon und Roussillon in der Ferne. In einem schön gelegenen sehr einfach eingerichtetem Cafe gibt es Café au lait mit Ausblick.

Die letzte Etappe führt uns zu einem Freilichtmuseum – Village des Bories – mit Steinhäusern, die als Wohnung, Stall, Ofen etc. genutzt wurden. Die Steine werden gesammelt, dadurch wird landwirtschaftlich nutzbare Fläche geschaffen und die Häuser entstehen aus dicken Trockensteinmauern, die wieder aus geschichteten Steinen gebaut werden. Um 5 Quadratmeter bewohnbare Fläche zu schaffen werden 50 Tonnen Steine benötigt., ist auf einer Tafel zu lesen. Das Dorf wurde 1977 unter Denkmalschutz gestellt. Es ist die größte Ansammlung von Borie genannten provenzalischen Trockenstein-Rundbauten. Wenngleich typisches bauliches Kulturgut der Provence (so der Führer), so sieht man diese Art von Bauten außerhalb der Museumsfläche doch sehr selten.

So hätten die damaligen Bewohner eine Weg gefunden sich angepasst und respektvoll in die Landschaft zu integrieren. Bin mir nicht sicher ob das ihre primäre Absicht war oder ob einfach die Wahlmöglichkeiten nicht so riesig waren. Bis ins 19. Jahrhundert hätte man diese Bauform noch genutzt. Ob auch als Wohnhaus oder nur als Stall? Älteste Funde reichen bis ins 7. Jahrhundert.

A propos Umwelt und Klima. Es mangelt in dieser Gegen sicher nicht an Wind aber wir haben bislang kein einziges Windrad gesehen, weder von der Autobahn aus, noch im Rest der Landschaft. Auch Photovoltaik Anlagen gibt es trotz Sonne satt keine.

Ein wirklich gelungener Ausflug, der mit den Rädern zu aufwändig gewesen wäre, wenn man denn Zeit für die eigentlichen Attraktionen einplanen möchte.

L‘Isle sur la Sorgue, Quelle und Carpentras

In L‘Isle sur la Sorgue verlassen wir unser wunderschönes Appartement, ein provencalisches Haus, ganz für uns mitten in der Stadt und trotzdem völlig ruhig.

Mit den Rädern versuchen wir einer Komoot Runde zu folgen, was uns nicht gelingt. Wir finden dann trotzdem nach ein paar Kilometern die Quelle der Sorgue, Fontaine de Vaucluse. Es ist ein schöner Tag mit blauem Himmel und es ist so warm, dass die Jacken schon bald in die Tasche können. Das spektakuläre grünblaue Wasser der Sorgue zieht schon einige Touristen an, aber die riesigen Kiesparkplätze am Ortsrand sind noch völlig leer. Man kann sich vorstellen, was hier in der Hochsaison los ist.

Über Saumane-de-Vaucluse führt uns ein kleines Strässchen durch den durchgefrästen Fels hoch. Le Baucet liegt mal wieder ziemlich malerisch am Hang. In St. Didier entscheiden wir Richtung Carpentras weiter zu fahren. Das ist eine lebhafte größere Stadt wo es auch eine Patisserie mit Käsekuchen gibt. Außerdem eine Kathedrale an einem Platz mit mehreren Brunnen. Rund um die größere Stand gelingt es uns leider nicht so gut die richtigen Wege zu finden.

Aus Carpentras heraus landen wir schnell wieder auf der großen Verbindungsstraße mit breitem Radstreifen. Am Tor von Pernes les Fontaines suchen wir einen besseren Weg und vergessen die 41 Brunnen zu suchen und navigieren eisern den Berg hoch, landen dann aber auf einem ziemlich üblen Schotterweg mit Schiebepassage. Kurz vorm Canal de Carpetras kommen wir wieder auf geteerte Straßen. Das Viadukt über die Sorgue nahe bei der Quelle führt übrigens keine Bahn sondern auch den Canal de Carpetras.

53 km mit 600 Höhenmeter sind es so geworden.

Von Vence nach L’Isle sur la Sorgue

Quartierwechsel steht an. Nach vier Tagen in Vence haben wir uns ein Appartement in L‘Isle sur la Sorgue gebucht. Die 240 km meistern wir natürlich mit Auto aber nutzen den Tag um nochmal in Grasse auszusteigen und da ein bisschen durch die Altstadt zu laufen nachdem wir zuvor Teile der Strecke mit dem Fahrrad absolviert haben. So startet diese Reise wieder mit dem Panoramabild von Tourette sur Loup bis wir dann nach Grasse kommen. Erfreulicherweise ist noch recht wenig los. Schulkinder spielen Fußball auf dem zentralen Platz mit Blick auf die Kathedrale.

Wenn wir schon so weit in den Süden vorgedrungen sind, dann müssen wir auch noch einmal ans Meer. Wir peilen westlich von Cannes die kleine Stadt La Napoule mit großem Hafen an. Wir bekommen an einer einsamen Vorsaisonbar einen Café au Lait im Pappbecher, den wir gut festhalten müssen, denn der Wind ist ziemlich stark. Dort entscheiden wir spontan die Küstenstraße nach St. Raphael zu nehmen. Das kostet zwar eine Stunde extra aber wir haben ja Zeit und es ist ein derart sensationelles Panorama. Alle 5 Minuten könnte wir anhalten um noch ein Foto zu schießen. Das Esterel Gebirge mit den roten Felsen, die steil ins Meer abfallen, ist jede extra Minute wert.

Von St. Raphael nehmen wir dann wieder die Autobahn und kommen pünktlich um 18h an.

Zur Gorges du Loup und St. Paul de Vence

Wieder alle Vorhersagen ist der Himmel heute eher grau. Wir ziehen uns etwas wärmer an und machen uns mit den Fahrräder auf Richtung Gorges du Loup. Teilweise führt auch die Fahrradwege über die Hauptverbindungsstraße von Vence nach Grasses, teilweise sind sie so geführt, dass es zwar von der Straße über Seitenstraßen abgeht, dann aber steil nach unten und ebenso steil wieder zurück. Das drückt auf den Schnitt und zehrt an den Kräften. Ab Tourrettes sur Loup (erstes Foto, malerisch auf dem Felsen gelegen) bleiben wir dann auch auf der Hauptstraße bis Pont du Loup wo es zum Einstieg in die Schlucht. Die Brücke bei Pont du Loup existiert nur noch in Form riesiger Brückenpfeiler. Nach ein paar Kilometern aufwärts mit moderaten 5-7% sehen wir den ersten faszinierenden Wasserfall (Cascade de Courmes) mit tollen Farben und Formationen. Fast wären wir dran vorbei gefahren so unauffällig ist der Platz von der Straße aus. Beim zweiten Wasserfall (Cascade u Saut du Loup) gibt es dann Parkplatz und ein Restaurant und Eintritt. Von hier lassen wir uns durch die Schlucht wieder runterrollen und folgen dem Loup bis nach Colle sur Loup.

In Colle sur Loup ist noch wenig los, es ist Mittagszeit und wir finden für einen Café aus dem Pappbecher nur eine Creperie. Eine Crêpe gibt es dann auch noch dazu. Von dort suchen wir einen Weg nach St. Paul de Vence und müssen die verlorenen Höhenmeter wieder einholen.

Erwartungsgemäß ist in diesem Dörfchen voller Galerien, Künstler und Kunsthandwerker trotz Vorsaison ziemlich viel los. Wir schieben unsere Räder durch enge Gassen und blicken von oben auf den Friedhof ohne das Chagall-Grab zu suchen. Beim Rausfahren aus dem Ort (Richtung Vence) unterläuft mir leider ein Navigationsfehler. Wir verlieren fast die gesamten Höhenmeter und müssen alles wieder hoch bis nach Vence. Teilweise über ziemlich befahrene Straßen.

So haben wir über 54 km immerhin gute 900 Höhenmeter gesammelt.

Vence, Col de Vence und 7 Dörfer

63 km, 1100 Höhenmeter, moderat aber durchaus anspruchsvoll und wunderschöne Panoramen.

Heute nehme ich mein Reiserad, beim Aufpumpen stelle ich fest, das aus der Felge Wasser quillt. Wird sich hoffentlich wieder verziehen. Der Himmel ist strahlend blau. Auf der Terrasse ist es wunderschön warm und so bin ich erstmal unschlüssig wie warm ich mich anziehen soll. Ich entscheide mich für die Dreiviertel Radhose umd eine Jacke. Die dünnen Handschuhe ziehe ich besser auch an.

Nach wenigen Kilometern biegt die Straße zum Col de Vence ab. Es geht von knapp 400 Meter über knapp 10 km auf knapp 1000 Meter hoch. Die Steigung ist moderat und es ist kaum Verkehr. Die Jacke stopfe ich irgendwie in die Trikottasche, denn der Aufstieg bringt mich schnell zum Schwitzen. Die Franzosen legen großen Wert auf Fahrradfreundlichkeit. Zu jedem Kilometer wird über Reststrecke und verbleibende Höhenmeter bis zum Pass informiert. Außerdem wird den Autofahrern mit ebenso häufig angezeigten Informationstafeln eingeschärft 1,5 Meter Abstand zu halten. Die meisten halten sich erfreulicher Weise dran, außerdem ist sehr wenig Verkehr.

Oben angekommen stürzt ein Franzose auf seinem Carbonrad im Stehen, kommt nicht mehr aus den Pedalen. Ich will ihm helfen und vergesse dabei das Gipfelfoto. Im Osten sind die verschneiten Berge zu sehen, im Süden das Meer und der Fels von St. Jeannet.

Nach dem Pass fällt die Straße kurz ab, passiert auf einer Höhe verschiedene einsame Täler bis das Dorf Coursegoules in Sicht kommt. Farblich hebt es sich kaum vom Felsen ab, an dem es dran hängt. Zum Dorf hin hebt sich sich die Straße auf über 1000 Meter. Am Brunnen, mit der freundlichen Kreidetafel, das Wasser frisch und trinkbar sei, fülle ich die Flaschen wieder auf. Handwerker sitzen draußen zum Mittagstisch und ich fahre weiter zu Dorf 2, Bezaudon des Alpes. Es liegt etwas ab von der Hauptstraße und ich klettere den Kilometer nach oben und werde mit einem schönen Ausblick auf das Dorf und ein sensationelles Panorama auf verschneite Berge belohnt.

Es folgen weitere Dörfer. Bouyon (3), da esse ich am Brunnen einen Riegel, Le Broc (4), Carros (5) mit großem Besucheransturm, die Polizei steht mit drei Mann am mittelalterlichen Übergang und stellt sicher, dass nur Fußgänger rüber dürfen, Gattieres (6), auch wieder malerisch auf einem Hügel gelegen. Das Panorama der Dörfer wehrhaft auf Hügeln angesiedelt vor verschneiten Bergen ist einzigartig.

Zuletzt geht es bei St. Jeannet (7) noch einmal steil 2 km nach oben. so knacke ich insgesamt mit 63km die 1100 Höhenmeter Marke. Diesmal sehe ich den Felsen, den ich zuvor aus allen Perspektiven von der Seite und von gesehen haben direkt über seinem namensgebendem Dorf. Der Platz für die heilige Barbara bietet wieder den faszinierenden Ausblick und der Brunnen wird offensichtlich mit kleinen Steinen und Zettelchen als Wunschbrunnen genutzt. In der kleinen Bar „chez Lisa“ bewirtet von einem ziemlich alten, wettergegerbten Althippie gönne ich mir einen Milchkaffee bevor es wieder runter und ein paar Kilometer bis zu unserem Domizil auf der Straße nach Vence zurück geht.

Die letzten Höhenmeter hole ich mir dann noch indem ich einen Durchgang von der sehr befahrenen Straße zwischen St. Jeannet und Vence zur alten Straße suche. Die Verbindung gibt es, aber sie endet auch für Fahrräder in einer Sackgasse, bzw. Trampelpfad mit Tragepassage. Besonderer Gag, ein 7,5 Tonner aus Polen versucht in der Sackgasse zu wenden, keine Chance. Die Stichstraße ist gerade breit genug für seinen Laster und da muss er jetzt 500 Meter bei ca. 14% Neigung rückwärts hoch. Fahrer Pole, kein französisch, ein bisschen englisch. Ich versuche noch bei den Nachbargrundstücken zu klingeln ob einer von den Villen vielleicht sein Tor aufmachen kann – ohne Erfolg, keiner da. Auf der Hälfte gibt es eine halb offene Einfahrt. Bis zu der rückwärts hoch und dann wenden. Deutlich schweißtreibender als das mit dem Rad zu fahren. Also besser 2x aufs Navi schauen.

Wanderung über die Hausberge von Vence

Dem deutschen Aprilwetter sind wir entflohen, bis nach Vence, Südfrankreich haben wir es geschafft. Auf der Fahrt Schnee und strömender Regen. Hat mir ein bisschen Leid getan für unsere Räder. In Vence ist das Wetter schön ankündigt, kühl so um 12 bis 15 Grad aber sonnig. Am ersten Tag gab es noch ein paar Wolken und wir sind auf die Hausberge Baou Noir und Baou Blanc gestiegen.

Auf der Baou Noir begegnen wir einer kleinen Wandergruppe, der einzigen. Das Panorama über die Felsen von St. Jeannet, Nizza, Vence, Antibes ist ziemlich eindrucksvoll. Oben an der Baou Blanc hängt die Wolke, so daß wir hier wieder nach Vence auf einem sehr steilen Kletterpfad absteigen.

St. Jeannet

Abends laufen wir noch ein bisschen durch das Bergdorf St. Jeannet. Sensationell schöne Ecken und es werden sogar noch Immobilien verkauft.

Von Soultzeren nach Basel

Heute ist es ein langer Tag geworden. 9 Stunden unterwegs, 114 km, 1462 Höhenmeter.

Es war ein sonniger Tag und so war schnell klar, das ich noch einmal nach oben wollte. Allerdings noch einmal zum Col de la Schlucht hoch zu fahren wollte ich wegen des vielen Verkehrs auf der Strecke nicht, obwohl der Anstieg mit 7 bis 8 Prozent durchweg moderat gewesen wäre.

Stattdessen entscheide ich mich für den Aufstieg von Metzeral über Münster. Bis Metzeral geht es moderat über Nebenwege.

In Metzeral ein kurzer Blick von der Brücke und auf das Hotel in dem wir vor 25 Jahren einmal waren, an der Abzweigung nach Mittlach.

Ab Sondernach wird es dann richtig steil. Teilweise 10 bis 14 Prozent bis zum Col de Platzerwasel. Leider ist man da noch nicht oben, es geht nur kurz abwärts und bis zum Breitfirst muss man nochmal über 100 Meter klettern. Insgesamt war das mit den vier Taschen eine besondere Herausforderung aber es lief ganz gut.

Oben bleibt die Route des Crêtes auf ca. 1200 Meter und beim Grand Ballon muss man dann nochmal steigen. Es ist irre viel los. Beim Aufstieg war wenig Verkehr, nur die unvermeidlichen Motorradschwärme stören. Oben ist ein Getümmel rund um die vielen kleinen Ferme Auberges. Neben Motorrädern, Autos, gibt es  auch ein paar Rennradler.

Der Blick auf beide Seiten der Passstraße Route des Crêtes ist faszinierend. Man sieht weit in alle Richtungen. Am Pass des Großen Belchen, dem höchsten Punkt, lege ich eine Rast ein. Dann geht es runter (so denke ich) leider stellen sich aber noch ein paar kleinere giftige Anstiege dazwischen. Ein Blick zurück auf den Ballon und dann geht’s irgendwann steil in die Serpentinen bis Cernay. Der Garmin Edge 830 bekommt nun den Auftrag mich nach Basel zu navigieren.

Das funktioniert bis Mulhouse ziemlich gut, durch die Stadt ganz passabel aber auf einer breiten Landstraße ohne Seitenstreifen und schnellem Verkehr übergebe ich an Google und fahre ab jetzt durch stille Wälder auf asphaltierten Radwegen bis zum Kanal Huningue auf ganz feinem Kiesweg bis zum Rhein, praktisch mitten in die Stadt ohne ein einziges Auto und über Radwege bis zum gebuchten Hotel Rheinfelder Hof, auch 2*, kostet mit Frühstück das Gleiche, wie das Hotel gestern, es liegen aber Qualitätswelten dazwischen.

In Basel ist ganz großer Betrieb. Jazzbands überall in der Innenstadt und am Rhein.

Die Pizza kostet mit 20 CHF ebenfalls etwa das Selbe, wie das Choucroute von Gestern. Der Unterhaltungswert ist aber in Basel ungleich interessanter, die Stadt wirkt sehr lebendig.