Von Dresden nach Meißen und zurück

Von Rügen sind wir gestern ein recht langes Stück mit dem Auto bis nach Dresden gefahren. Da haben wir heute Freunde aus Heidelberg getroffen, die auch zufällig da waren und sind zu einer kleinen Radtour auf dem Elberadweg nach Meißen aufgebrochen. Rechts der Elbe hin und auf der andern Seite zurück.

Beide Radwege sind in sehr ordentlichem Zustand, kurz mal Schotterwege auf der rechten Seite aber insbesondere der Rückweg war vorzüglich  bis nach Dresden rein.

Heute ist eine ziemliche Hitze angesagt, über 30 Grad, aber es ist gut auszuhalten. Gegenüber unserem letzten Besuch in Meißen ist das Stadtbild nun lebhaft und die Lokale haben geöffnet.

So gönnen wir uns in Meißen eine kleine Pause und dann nochmal auf dem Rückweg beim Biergarten an der Mühle. 67 Kilometer sind es geworden und weitgehend flach. Nur der Fußweg hoch auf die Albrechtsburg hat ein paar Höhenmeter gebracht.

Zum Kap Arkona

Zum Abschluss noch eine kleine gemütliche Besichtigungstour. Das Auto hatte ich gestern über 4 Stunden Bahn- und 2 Stunden Autofahren nach Rügen geholt und das haben wir genommen um eine kleine Tour in Juliusruh zu starten.

Da Kap Arkona vom kleinen und überfüllten Fischerort Vitt ausgesehen ist auch ein Kreidefelsen, der wie alle andere auch jährlich ca. 20 cm vom Wasser abgegraben wird. Eine alte Slavenburg wurde drauf gebaut, es ist aber nicht erlaubt sich das näher anzuschauen. Auch die Königstreppe zum Strand runter ist gesperrt, weil auch das viel zu schwierig ist es funktionstüchtig zu halten. Oben zwischen den beiden Leuchttürmen ist dann einiges los. Es ist wahrscheinlich der Ort auf Rügen, zu dem die meisten Besucher einen Ausflug machen. Man kann mit Bus oder kleiner Bimmelbahn vom Parktplatz in Putgarten hinfahren.

Ab dann geht es mit viel Gegenwind durch riesige Gersten- und Rapsfelder zum Wieker Bodden. Dort ändert sich dann unsere Fahrtrichtung und der Wind kommt von hinten. Vor Wiek finden wir einen Imbiss mit tollem Ausblick auf die Bucht und leckeren Fischbrötchen. Kurz vor Wiek gibt es mehrere Kite Schulen und bei ordentlichem Winden können wir dabei ein bisschen zuschauen.

Am Ortsausgang von Wiek machen wir dann schon wieder eine kleine Pause um in einem idyllischen kleinen Kaffee einen Milchkaffee zu trinken, bevor wir dann die Runde wieder in Juliusruh beenden, insgesamt 33km, 174 Höhenmeter.

Von Sassnitz zum Königsstuhl

Heute gehen wir es gemächlich an. Nachdem wir den örtlichen Rewe aufgesucht haben konnten wir erst einmal gemütlich frühstücken. Dann haben wir uns, diesmal zu Fuß, zum Königsstuhl aufgemacht. Das 40 % Regenrisiko hat sich nicht materialisiert. Es ist zwar etwas kühler und ziemlich windig aber wieder blauer Himmel.

Der Weg, ca. 7 Kilometer durch Buchenwald, bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die Kreidefelsen. Für Fahrräder ist der Weg nicht erlaubt und das ist ganz gut so. Der Weg ist gut frequentiert, Richtung Königsstuhl, je näher die Parkplätze kommen, umso mehr wird es.

In die Ausstellung und zum eigentlichen Königsstuhl-Aussichtspunkt gehe ich alleine. Nur der Blick rechtfertigt die 10 Euro Eintritt kaum, die Ausstellung ist aber sehenswert. Gerade wird der Königsweg gebaut. Das wird wohl eine Art Aussichtsplattform, behindertengerecht und ersetzt den alten Weg und die alte Plattform.

Der nächste Bus geht erst in 40 Minuten also marschier ich zügig los und nach schon nach 1,5 Stunden habe ich es dann auch geschafft. Hin und zurück waren das ca. 18 km und es waren im häufigen Auf und Ab immerhin 580 Höhenmeter zu überwinden.

Von Stralsund nach Sassnitz

Die letzte Etappe führt nach Sassnitz auf Rügen. Mit 56 Kilometern heute der kürzeste Abschnitt. Trotz weitgehend flacher Strecke sammeln sich 378 Höhenmeter. In der Mitte der Insel rund um Bergen wird es hüglig.

Es geht los unter der spektakulären Autobrücke von Stralsund nach Rügen. Auf Rügen führt der Weg durch einsame landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Auch hier wieder sehr große Flächen, die bewirtschaftet werden.

Von Stralsund bis kurz vor Bergen sind die Radwege einwandfrei. Vor Bergen müssen wir dann aber auf eine große zweispurige Straße. Erstmal glauben wir es nicht und die Gruppe E-biker, mit den wir gerade zusammen getroffen waren, auch nicht. Der vermeintliche Radweg entpuppt sich als Sackgasse und wir müssen die Räder über einen kleinen Graben heben um dann doch auf der großen Straße zu landen. Die E-biker drehen lieber um. Nach kurzer Radwegpassage kommt es dann beim Ortseingang ganz schlimm. Zweispurig eng mit viel Verkehr und genervten Autofahrern und Wohnmobilen, einer muss dann natürlich auch extrem knapp überholen.

Zur Entschädigung finden wir im Café Meyer einen ganz hervorragenden Käsekuchen und danach auch wieder einen guten Radweg bis Sassnitz. Nach nur 13 Kilometern bei Lietzow machen wir noch mal eine kleine Pause an einer schönen flachen Bucht planschen auch schon ein paar Kinder im Wasser.

In Sassnitz beziehen wir unser großzügiges Appartement am Marktplatz. Wir sind heute wirklich früh da und die Zeit reicht für einen ausgiebigen Spaziergang zu den ersten weißen Kreidefelsen und anschließend zum Stadthafen. Beim König Gustav Restaurant gibt’s dann noch leckere Fische und mit den ersten Regentropfen, nach einem ganzen Tag unter blauem Himmel, kommen wir zurück ins Appartement.

Von Zingst nach Stralsund

Heute war unsere Etappe mal knapp unter 60 Kilometer (59km, 140 Höhenmeter) und mit völlig anderer Atmosphäre gegenüber der Etappe von gestern. Während gestern die Wege und die Orte voll mit Touristen waren ist heute kaum etwas los, weder auf den Wegen noch in den wenigen Orten. Unsere erste Station nach der Brücke ist Barth und der Hafen ist beschaulich. Der graue, mit EU Fördermitteln gestaltete, Hafenplatz erscheint mir nicht als Paradebeispiel für sinnvolle Verwendung öffentlicher Gelder.

Wir kommen durch verschiedene Landschaftsschutzgebiete, Felder und Wiesen so lange das Auge reicht. Zunächst entlang der still gelegenen Bahnlinie und fast immer schön asphaltiert. Irgendwann endet der schön asphaltierte Weg. Erfreulicher Weise ist diese Unterbrechung nur einen knappen Kilometer lang, erst plötzlich eine eine winzige Holzbrücke, dann ein einspuriger Kiesweg, Gegenverkehr ist nicht möglich. Einer, der uns tatsächlich gerade hier entgegenkommt, wartet auf uns. Es riecht ziemlich nach Landluftdünger und unerwartet im landschaftlichen Idyll liegen tote Fische unter der kleinen Brücke.

Wir kommen schnell wieder auf tolle Radwege durch das Landschaftsschutzgebiet. Leider gibt es kein Rastangebot und erst im Familienhotel Gut Nisdorf werden wir fündig. Dort gibt es guten Kaffee und guten frisch gebackenen Kuchen für uns. Die Mittagspause ist gerettet. Leider kommen nun ein paar Tröpfchen aber hört es gleich wieder auf. Wir entschließen uns weiterzufahren und können an der Bushaltestelle gerade noch unser Regenzeug im nun strömenden Regen anziehen. Kurz nachdem wir uns dann zum Losfahren entscheiden ist auch schon wieder Schluss. Wir fahren nur noch auf nassen Straßen bis die dann schnell wieder abgetrocknet sind. Hier sind sind wir ein Stück auf die Straße ausgewichen und haben die ca. 3 km an der Küste umfahren, denn bei Regen durch den Dreck wollten wir vemeiden,

Eine weitere kurze Unterbrechung leisten wir uns am Eiseck. Das ist mit tollen selbst gemachten Eissorten an einer Radwegkreuzung zu finden und wirklich eine Empfehlung. Wir erreichen Rostock, umfahren das Hafenfest und beziehen unser Appartement in der Altstadt.

Es ist viel los, viele Übernachtungsgäste und dad Festival am Hafen zieht wohl einige Besucher an. Auch hier sind die verschiedenen Altstadtplätze mit Rathaus oder den beiden Monumentalkirchen Nicolaikirche und Marienkirche schon phänomenal. Aber auch der Hafen, diesmal lebhaft mit Buden und Restaurants und schönem Ambiente, lädt wirklich ein sich niederzusetzen. Da sich der Original Bismarckhering – Hersteller (Rasmus) als schon geschlossen erweist, gibt es ein Bismarckheringbrötchen bei Anja am Hafen und trotz schlechter Kritiken, wegen trockener Brötchen, schmeckt es vorzüglich.

Stralsund stellt sich für uns als wirklich attraktive lebhafte Stadt mit schöner Altstadt und faszinierenden Gebäuden dar.

Eine Anekdote zum Schluß: da die Anreise diesmal kürzer war hofften wir wieder etwas mehr Zeit für Besichtigung zu haben. Diese haben wir aber verbraucht, da ich blöderweise eine Zimmerkarte vom Haus 54 auf Zingst mit genommen habe und sie wieder zurück schicken wollte. Also Briefumschlag mit Fenster an der Rezeption mit Din A4 Blatt für Fenster erbittert. Briefmarke? Nicht im Hotel, Postamt direkt daneben, Automat kaputt, Onlinemarke leider nur mit Ausdruck über Privat E-Mail der Rezeptionistin aus der Ukraine mit der wir gemeinsam über die hiesige Infrastruktur klagen. Die Ukraine sei ja nun nicht so entwickelt wie hier aber es gäbe eine Post und eine Wettbewerbspost. Wenn man was mit Priorität verschickt, dann kommt das auch schnell an. Außerdem haben die bis 22h auf, hier im Hauptpostamt Stralsund ist Samstag um 12h Schluß. Naja wir haben die Marke gedruckt mit Klebestift alles aufgeklebt und verschlossen. Die nächste Leerung ist dann ja bereits Montag um 14:30.

Von Rostock nach Zingst

Das Appartement in Rostock in der faulen Straße bietet kein Frühstück. Das bekommen wir in der Fußgängerzone, die wir mit dem Rad ansteuern. Die Sonne scheint schon recht kräftig und mit ein bißchen Rückenwind starten wir von Rostock Richtung Graal-Müritz wo wir wieder auf den Ostseeradweg treffen. Bis dahin sind die Radwege sehr gut.

In Graal-Müritz blüht der Rhododendron und wir machen einen kleinen Abstecher und spazieren durch den Garten. Graal-Müritz hat viele traditionelle Häuser und natürlich wird überall viel gebaut. Je weiter man vor in Richtung Strand kommt, umso größer die Hotelblöcke. Plakate an den traditionellen Häusern mahnen dann auch, dass jeder Baum zählt und Hotels dem wichtigen Küstenwald viel Platz rauben.

Ab Seebrücke geht es dann wieder entlang der Küste hinter der Düne bis zum nächsten Küstenwäldchen mit obligatem Split- und Waldboden – Radweg. Auf dem Deich auf der Düne, die die schmale Landbrücke zum Darß bildet, ist dann auch wirklich viel los. Viel Gegenverkehr, viele gemütlich Radler und damit nur langsames Vorankommen entlang kleiner Siedlungen mit unzähligen Reetdachhäusern und Übergangen zum endlosen Strand auf der andern Seite. Die Düne verdeckt meist die Sicht auf Deich und Meer.

Auch in Wustrow tümmeln sich wieder viele vor der Seebrücke und dem schön mit wilden Rosen eingefassten Radweg, der ebenfalls stark frequentiert ist. Wir kommen wieder durch ein paar Küstenwäldchen und vielleicht ist es ja irgend ein Naturschutzgesetz, dass die Wege dort nicht asphaltiert sind. Deshalb fahren die Leute dann auch kreuz und quer wo es Platz gibt und Schilder gebieten genau dies nicht zu tun.

Von Wustrow Richtung Osten kann man von der Seebrücke aus die Steilküste sehen. Eine besondere kleine Attraktion ist ein alter verfallener Bunker. Von dort gibt es auch wieder super Ausblicke insbesondere auf die Steilküste. Natürlich sollte man es unterlassen sich auf die Kante zu stellen, denn die könnte abbrechen, ist auf vielen Plakaten zu lesen.

Das Wetter hat sich mittlerweile zu einem heißen Sommertag mit strahlend blauem Himmel entwickelt und trotz einer frischen Briese spüren wir die Sonne nun.

In Ahrenshoop ist der Trubel nun noch einmal stärker. Auf dem Radweg umfahren wir die Fußgänger in langsamem Slalom und entdecken etwas abseits ein sehr schönes Kaffeehaus in einer alten Mühle mit Garten und gönnen uns die lang ersehnte Pause mit wirklich gutem Kuchen.

Bis dahin sind wir wunderbar voran gekommen und in einem guten Flow. Das wird nun über die miserable Qualität der Radwege rund um Born am Darß (erst bis dahin und dann bis zum nächsten Ort Wiek am Darß) vermiest. Holprig, schlecht geführt, mit Gegenverkehr gefährlich eng und das eben nicht über eine kurze Passage sondern die ganze Strecke. Den Bewahrern in Born (es geht wohl um ein mögliches neues Baugebiet) würden wir den Willen wünschen, erst einmal zu gestalten. Ab dann mit kurzer Unterbrechung durch ein kurzes fieses Single-Trail-Waldgebiet bei Perow liegt dann bis Zingst der Radweg auf der Deichspitze und ist frisch fein asphaltiert.

In Zingst stärken wir uns auf dem riesigen Campingplatz im Steakhaus. Direkt daneben ist unser kleines Hostel 54, dass wir mit etwas Sorge bezogen haben (habe nichts mehr sonst gefunden) aber wo wir ganz hervorragend untergebracht sind. Wir wandern dann durch den sehr lang gezogenen Ort bis zum Hafen und dann zur Seebrücke und dort postieren sich dann auch schon einige hundert Menschen für den Sonnenuntergang. Am Ende der Seebrücke gibt es eine Taucherglocke für 30 Personen, mit der man 4 Meter tief in die Ostse abtauchen kann.

In Summe ein sehr schöner Tag mit viel Sonne und tollen Landschaften. Aus den eigentlich angezeigten 67 Kilometern sind auf geheimnisvolle Weise dann doch wieder 78 Kilometer geworden.

Von Wismar nach Rostock

In Wismar haben wir, wie bereits erwähnt, ein sehr schönes Hotelzimmer. Die notwendige Bettschwere ist eigentlich gegeben, aber der Regen klopft nachts ziemlich hörbar auf die Fensterbretter. Auch das Frühstück im Hotel ist sehr gut. Interessant sind die kulturellen Nuancen im Verhalten der Leute. Maske ist hier im Nordosten völlig out. wer eine trägt kassiert genervte Blicke. Der Himmel ist grau, es ist kühl und besorgt schauen wir in alle Richtungen ob es nicht gleich wieder mit dem Regen los geht.

Der Ostseeradweg ist leicht zu finden und gut ausgeschildert und diesmal wirklich ziemlich gut ausgebaut. Während gestern kleine Wälder (mit wenig Sicht) dominieren, sehen wir heute eigentlich ständig das Meer neben riesigen Weizen- oder Zuckerrübenfeldern. Die Kultur der Bauern im Süden, wie in Baden-Württemberg, ein grünes Kreuz als Protest gegen landwirtschaftsfeindliche Politik aufzustellen, fehlt hier völlig. Große Flächen scheinen damit offensichtlich weniger Probleme hervor zurufen.

Unser erstes Ziel ist Rerik, hier ist die Seebrücke gesperrt aber am Hafen gibt es verschiedene Restaurants wo wir einen Kaffee und Pizzabrot bekommen.

Kühlungsborn präsentiert sich als extrem lebhafter Ferienort mit sehr großzügiger Promenade und mondänen Gebäuden. Der Ort zieht sich über einige Kilometer entlang der Küste. Nach kurzem Aufenthalt beim Riesenrad fahren wir weiter nach Heiligendamm.

Leider sind die Radwege nun wieder nicht mehr so gut. Split oder Waldboden durch die Küstenwälder. Sowohl in Kühlungsborn als auch in Heiligendamm steht zwischen den mondänen Hotelburgen oder Ferienwohnungsarealen auch wieder die ein oder andere Ruine. In Heiligendamm sehe ich dann auch keine Politprominenz sondern muss im Hinterrad den Schlauch tauschen. Ein kleiner Kiesel hat sich durch den neuen Schwalbe Pro One durchgearbeitet. Wollen wir mal hoffen, dass das hält, denn die Wege sind teilweise leider oft weiterhin auf diesem Niveau.

Schließlich erreichen wir Warnemünde, ich habe aber ein Appartement in Rostock reserviert. Das sind noch 20 Kilometer und es ist schon spät. Für die Fährfahrt bei Priwall haben wir das 9 Euro Ticket gekauft und das gilt nun auch für die S-Bahn, die uns von Warnemünde nach Rostock bringt und von dort suchen wir dann das Appartement in der faulen Straße in Hafennähe.

Das Wetter hat sich während des ganzen Tages verbessert und wir haben das Gefühl am Ende eher ein bisschen zu viel Sonne erwischt zu haben. In der Altstadt von Rostock gibt es wieder einige der typischen Speicherarchitekturgebäude aber das Erscheinungsbild des Ortes ist weit weniger homogen als das von Wismar. In der Kogge in Hafennähe gibt es sehr leckere Fischgerichte und wir sind im oberen Stock am kleinen Dreiertisch über der Theke ganz alleine.

71 km mit 320 Höhenmetern waren es bis Warnemünde von wo wir dann in die S-Bahn gestiegen sind. Insbesondere rund um den Hafen hat Warnemünde einen sehr lebhaften interessanten Eindruck vermittelt, während die größeren Städte – Lübeck, Wismar, Rostock – weniger lebhaft wirken.

Von Lübeck nach Wismar

Gestern sind wir mit den Rädern nach Lübeck angereist. Ein paar Etappen auf dem Ostseeradweg sind geplant. Wir starten mit einem Spaziergang durch die Altstadt von Lübeck, die ziemlich ausgestorben wirkt. Die gigantischen Bauten Dom, Rathaus aber auch die anderen Kirchen können somit weitgehend ohne weitere Besucher betrachtet werden. Ein paar Jugendliche machen im Kreuzgang der Marienkirche Party. Das Essen im afghanischen Restaurant ist eine echte Empfehlung.

Es gibt dann auch noch das Willi Brandt und das Günther Grass Haus. Die Hinterhöfe bilden in Lübeck eine eigene interessante Wohnwelt auch wenn einzelne Bewohner vielleicht manchmal ein bisschen zurückhaltend sind.

Das kleine Baltic Hotel am Bahnhof ist wirklich gut organisiert. Unsere Räder stehen sicher in der Garage und das Frühstück ist sehr in Ordnung. Der Weg aus Lübeck heraus gestaltet sich erfreulicher Weise wenig kompliziert nur auf dem Radweg nach Travemünde landen wir zunächst auf einer holprigen Schotterstrecke um dann auf Nebenstraßen (asphaltiert) Travemünde zu erreichen. Die Promenade von Travemünde, die vorderste Reihe (Vorderreihe) bestand ursprünglich aus vornehmen Ferienhäusern und ist jetzt halt eine typische Promenade.

Von Priwall geht es weiter über schottrige Radwege. Der Anteil an Schotterwegen ist ziemlich hoch und damit nur bedingt für Rennradreifen geeignet.

Wer denkt, dass an der Ostsee alles flach ist, der hat sich getäuscht. Es ist ziemlich wellig mit ganz kurzen steilen Anstiegen. Man sammelt ein paar Höhenmeter. Steil und schottrig, das kostet Zeit, so sind wir eher mit gemütlichem Schnitt unterwegs. Bis zum Ostseebad Boltenhagen und auch danach ist das alles ok, wenngleich in den Orten ziemliche Aggressionen bei Autofahrern zu spüren sind. Im Kreisel schneidet mich eine VW Bus Fahrerin ziemlich übel und irgendeiner überholt völlig sinnlos in den Gegenverkehr, weil ein paar E-Biker offensichtlich zu langsam für ihn sind.

Nach Boltenhagen zieht es zu und obwohl wir Gas geben holt uns ca. 10 Kilometer vor Wismar der Regen ein. Am Anfang ein paar Tropfen, dann ziehen wir die Regenjacken an und dann strömt es doch richtig. In Wismar klar es wieder auf, blauer Himmel, aber wir sind nass.

Im Hotel am alten Hafen, können wir erstmal die Räder wieder in einer Garage sicher unterstellen, die Zimmer sind super und wir machen einen kleinen Spaziergang durch die Stadt. Wismar ist ja Kulturerbe und sind ist sehr viele ursprüngliche und schöne Hanse-Architektur-Häuser zu sehen. Die Geschäfte sind allerdings schon meist zu und einige Restaurants schließen teilweise um 19h. Der Italiener, bei dem wir ob guter Bewertung landen, offeriert dann auch nur noch Pizza.

80 km sind wir gefahren und haben 450 Höhenmeter überwunden.

Zum Mont Ventoux

In Malaucène, am Fuße des Mont Ventoux gibt es natürlich eine ganz wesentliche Herausforderung: den Mont Ventoux mit dem Fahrrad zu erklimmen. Ich entscheide mich für die Strecke über Bedoin. Zunächst geht es gemächlich von ca. 350 Höhenmeter nach oben bis zum Col de Madelaine auf 460 Meter. Diese Höhenmeter gehen dann aber auch gleich wieder verloren. Bedoin liegt auf 320 Meter. Die Straße von Bedoin steigt langsam durch Weinberge, die 7% fühlen sich streng an, da sich in den Hügeln kaum erkennen lässt, dass es aufwärts geht.

Bald führt der Weg in eine Schlucht und jetzt wird es richtig steil. Ich hatte mich dafür entschieden die langen Klamotten anzuziehen und zur Sicherheit Ärmlinge, Mütze, Handschuhe, Weste noch in die Trikottaschen zu stopfen und verfluche diese Entscheidung jetzt. Es ist so steil und heiß und ich versuche meine Jacke auf ca. 700 Meter um den Lenker zu wickeln, da ja die Trikottaschen schon alle voll sind. Der Berg ist natürlich immer wieder zu sehen und sieht doch noch so weit entfernt aus. Über 1900 Meter zu erreichen klingt nicht so herausfordernd aber es geht von Bedoin ca. 20 km stetig nach oben und das mit erheblichen Steigungen, so dass ich mich über jede Aussicht freue um ein Foto zu schießen und einen Grund für eine kleine Pause zu haben.

Beim Chalet Reynard auf 1400 Metern kommen die Straße von Bedoin und Sault zusammen und es treffen sich alle, die hoch auf den Gipfel wollen. Obwohl ja noch ziemlich früh im Jahr sind doch einige Radler unterwegs, ein paar mit elektronischer Unterstützung sind auch dabei aber ich werde doch von vielen Bergflöhen auf dem Weg zum Chalet überholt. Dort gibt es frisches Wasser und jetzt sind es nur noch 6 Kilometer mit 500 Höhenmetern. Tatsächlich wird es jetzt etwas entspannter, nicht mehr ganz so steil. Immer wieder gibt es diese schönen Wegmarken mit aktueller Höhe und den verbleibenden Kilometern bis zum Gipfel. Eher irritierend ist die Information, dass der Pass geschlossen ist. Beim Chalet frage ich andere Radler, wie sie die Sache einschätzen. Allgemeine Informationslage ist, dass man es mit dem Rad fahren kann, aber der Weg schwierig sein könnte.

Beim Tom Simpson Gedenkmal halte ich nochmal an, in der Zwischenzeit habe ich einen überholt und bin von fünf überholt worden. Mittlerweile habe ich mir Ärmlinge, Weste, Handschuhe angezogen und die Jacke passt nun wieder in die Trikotjacke. Ein eisiger Wind zieht von Westen auf und ich bin schon ganz froh etwas wärmer eingepackt zu sein. Auf dem Gipfel ist es kalt. 10 Grad und starker kalter Wind. Ich ziehe alles an. Der Weg nach unten ist dann auch leider wie angedroht gesperrt. Eine Schranke versperrt den Weg. Ich beobachte zwei Rennradler, die an der Schranke vorbei fahren und machen es ihnen gleich. Nach einem Kilometer kommen sie mir wieder entgegen, der Weg wäre voller Schnee.

Die Straße ist voller Schneereste und Steinschlag aber bei vorsichtiger Fahrweise ganz gut passierbar. Ich bin also weiter mutig und fahre weiter und tatsächlich geht es mit einigen Steinschlägen und Schneefeldern weiter. Einige Radspuren durch den Schnee signalisieren, dass da schon einige andere durch sind. Ich bin so warm eingepackt und das Handy ist in der Jacke gut verpackt, so dass ich da nicht so richtig dran komme aber wenigstens eine Passage muss ich dann doch noch fotografieren. Auch die Abfahrt (21km nur steil bergab) bis nach Malaucène ist eine Herausforderung. Nun bin ich wieder froh alles anzuhaben, 10 Grad, ganz starker Wind mit Böen auf den geraden freien Passagen, Steigungen um die 10-12%. Da oben ein kleines Skigebiet ist, sind die Straßen recht breit ausgebaut. Man kommt also schnell auf Geschwindigkeiten von 60 km/h ohne zu treten. Unten bin ich dann wirklich durchgefroren. Im Supermarkt finde ich ein paar lokale Mont-Ventourx Biere, die entlang der Höhenlinien die Reserven hoffentlich wieder auffüllen helfen und im urigen Le Chevalerie nehmen wir dieses Mal das volle Menü.

Irgendwie klingen 55km und 1800 Höhenmeter gar nicht so imposant aber es war angesichts der Frühjahrsform schon eine ziemliche Herausforderung.

Nach Malaucène

Quartierwechsel; wir hatten versucht noch einmal 2 Tage zu verlängern aber war schon belegt. Noch einmal für zwei Tage ein neues Domizil am Fuß des Mont Ventoux haben wir in Malucène ein wunderschönes Appartement in der Stadtmitte. Im zweiten Stock allerdings.

Zwischenstation haben wir in Pernes les Fontaines gemacht. Es gibt dort 41 Brunnen. Wir haben nur circa 10 gefunden. Hier eine Auswahl von sechs.

Es gibt auch noch eine ganze Menge anderer schöner Dinge zu sehen. Interessant diese Holzskulpturen und die Brücke über die Nesque. Durch die zugehörige Schlucht bin ich zuvor geradelt. Witzig, auf dem Bild unten in der Mitte das ist ein gemalter Brunnen an die Hauswand über einem hässlichen Sicherungskasten. Weiß nicht ob der zu den 41 Brunnen mit zählt. Wir nehmen uns nicht viel Zeit, da uns unsere neuen Gastgeber bereits zu Mittag erwarten, so dass wir schon früh in die Wohnung können.

In Malcaucène werden wir sehr herzlich empfangen. Tolles Appartement, frisch renoviert, nur die Treppe, um die Fahrräder im Flur auf der ersten Etage zu platzieren, ist sehr steil.

Eine Wanderung ist noch drin. Die zieht sich allerdings über steile Schotterwege durch Kiefernwälder über 12 km und knapp 600 Höhenmeter ziemlich. Es ist leicht bedeckt und wenn man aus dem Wald kommt ziemliche windig. Es gibt wenige Attraktionen, nach steilem Aufstieg als erstes eine winzige geschlossene Kapelle mit drei Kreuzen davor. Gegen Ende gibt es noch die Quelle der Groseau und die romanische Kapelle (Notre Dame de Groseau) auch geschlossen und eher verwahrlost aber früher offensichtlich wichtiger Ort für die Avignon Päpste.

Über 12 km waren 550 Höhenmeter zu bewältigen.