Von Fougères zum Le Mont-Saint-Michel

In unserem „Chambre d‘hôte“ gab es heute zunächst ein familiäres Frühstück gemeinsam mit anderen Gästen am großen Esstisch in der Küche. Von allem gab es reichlich. Zwei Franzosen waren unterwegs auf einer Wanderung zum Mont-Saint-Michel, haben dafür aber fünf Tage eingeplant. Unsere Wirtin zitiert ausführlich Victor Hugo, der sich wohl auf einer Reise über den schönen Ort ausgelassen hat. Da muss ich aber trotz fleißiger Französisch-Übungen passen, verstehe leider nichts.

Die Straßen sind vom nächtlichen Regen noch teilweise nass und angesichts kühler 17 Grad entscheiden wir uns heute erstmals dafür, die langärmligen Jacken anzuziehen. Als erstes gibt es noch einmal eine schöne Aussicht auf das Schloss und leider hat Komoot einen Weg gefunden, bei dem wir gleich zu Anfang steil nach oben müssen, aber wir kommen so auf ganz verkehrsarmen Straßen aus der Stadt hinaus, bis wir auf dem Radweg „Voie verte / Grüne Route“ kommen. Der führt uns später trotz lautem Protest vom Garmin auf feinem Kies an allen gelben und orangenen Straßen vorbei, die Komoot eigentlich eingeplant hatte. Weiter geht es auf winzigen „weißen“ Wegen durch einsame Landschaften. Wir kommen nur durch wenige Ortschaften, ab und zu sieht man mal einen steinernen Kirchturm in der Ferne oder kommt an einem „Hinkelstein“ vorbei.

Das ändert sich je näher wir unserem Ziel kommen. Bereits in Pontorson ist einiges los und der Radweg wird immer belebter. Der Mont-Saint-Michel ist von weitem sichtbar und je näher er rückt, umso mehr pilgern die Wege entlang. Viele werden mit Bussen gebracht, die Autos müssen weit entfernt stehen bleiben. Stattdessen gibt es große Shuttle-Busse, die alle 3-4 Minuten völlig überfüllt die letzten 3 Kilometer überwinden. Diejenigen, die nicht auf die überfüllten Busse warten wollen, bevölkern die Wege, auch die Radwege und so müssen wir irgendwann auf die Straße ausweichen.

Mit dem Fahrrad dürfen wir auch über die Brücke bis hin zur Außenmauer. Ab da ist allerdings Schluss mit dem Rad. Hinter den Mauern auf den Treppen, in den unzähligen Souvernier-Shops, den verschiedenen Essensangeboten, sind so unfassbar viele Menschen unterwegs, dass man fast überhaupt nicht voran kommt.

Nachdem ich mir das Treiben kurz angeschaut habe, bis zum Friedhof mit einer malerischen Möwe auf einem Grabmal habe ich es ganz gut geschafft. Auf dem Rückweg bin ich leider falsch in den ultimativen Stau abgebogen.

Die großen Seemöwen haben ihre Scheu vor Menschen völlig verloren und so gibt es immer wieder abenteuerliche Szenen, wenn einer der Vögel ein Stück Brot erbeutet und von allen anderen gejagt wird.

Auf dem Rückweg gönnen wir uns noch in einem der riesigen Läden einen Milchkaffee aus dem Pappbecher und suchen unser Zimmer in einem Privathaus Mammoucafecoulette nahe des Dörfchens Roz-sur-Couesnon.

Aus dem Fenster unseres kleinen Appartements gibt es einen schönen Blick auf die Ebene und den Mont-Saint-Michel, der musste zuvor durch einige steile Höhenmeter erkauft werden. Das Dörfchen ist ziemlich abgelegen und wir fahren mit den Rädern knapp zwei Kilometer zur „Épicerie“, bekommen dort ein Bier zu trinken und ein Baguette (das letzte) mit Käse und Wurst, denn auf Restaurant müssen wir heute verzichten. Zu oder zu weit weg.

Wir waren heute 64 km mit 395 Höhenmetern unterwegs. Die Höhenmeter haben sich auf Anfang und Ende konzentriert, da dann aber recht heftig.

Von Laval nach Fougères

Heute haben wir ziemlich tief geschlafen. Wir sind gegen 9h mit den Rädern auf die Suche nach einem Frühstücks-Café gestartet und wurden auch schon bald fündig. Erst um 10:30 haben wir dann das Appartement verlassen und sind auf dem Mayenne-Radweg einige Kilometer gefahren, bis wir über ein Wohngebiet in Richtung D30 gelenkt wurden.

Das war über ca. 20 km keine besonders angenehme Strecke, viel Verkehr auf einer recht engen zweispurigen Straße. Danach ging es wieder auf den bekannten einspurigen einsamen Straßen weiter. Diesmal allerdings mit einigen Steigungen und einigem Gegenwind. Der Himmel war durchweg bedeckt, aber es hat nicht geregnet und die Temperatur war moderat. Die Landschaft ist wieder so weit, viel Platz für die Tiere und die Landwirtschaft, keine Windräder (gestern haben wir ein paar gesehen) und in jedem Dorf eine große Kirche. Wir begegnen einem Reisenden, der sich ein Fahrrad mit Haus und Hundeanhänger gebaut hat und mit hoher Trittfrequenz aber sehr sehr langsam sein Gefährt bewegt.

Ungefähr 10 km vor Fougères werden wir auf einen Radweg mit Sand und Split gelenkt, der auf einer alten Eisenbahntrasse verläuft. Ein paar Schranken und verfallene Bahnhöfe sind zu sehen. so kommen wir direkt in den recht großen Ort.

In Fougères habe ich unzählige Bilder gemacht. Wir sind in unserem Chambre d‘hote mitten im Zentrum gelandet. Allerdings liegt das auf der Bergkuppe und so war noch eine kleine Kletterpartie notwendig. Die Wirtin war sehr freundlich. Wir sind im Turm eines alten Stadthauses untergebracht und unserer Fahrräder werden unten im Turm versteckt.

In der Stadt ist ein längerer Spaziergang markiert, der uns zunächst zur Kirche des heiligen Leonhard führt. Das ist eine gotische Kirche mit fantastischen Glasfenstern aus dem 11 Jahrhundert. Davor ist ein großer öffentlicher Park mit einem ganz tollen Panorama, insbesondere auch auf die alten Befestigungsanlagen. Schließlich geht es wieder über eine weitere gotische Kirche und die Befestigungsanlagen, das Chateau wieder zurück hoch in den oberen Teil. Das besondere an dieser Stadt ist die Anordnung mit der Festung im Tal und der Stadt auf der Kuppe und der Burg / Château mit unglaublich dicken Mauern.

Die Atmosphäre ist entspannt, es sind zwar einige Touristen da, aber es verläuft sich und im zentralen Platz im oberen Teil der Stadt bieten einige Cafés und Bars eine lebhafte Umgebung.

Zum Abendessen folgen wir der Empfehlung unserer Wirtin und die Empfehlung ist tatsächlich sehr gut. Das Lokal ist sehr gut besucht und wir hatten Glück, dass wir zu früh rein kamen und so für später reservieren konnten.

Wir haben uns heute 54 km mit dem Fahrrad bewegt und dabei 510 Höhenmeter überwunden.

Von La Flèche nach Laval

Heute sind wir kurz nach 9 Uhr aufgebrochen. Da wir für diese Nacht ein Appartement im Zentrum gebucht hatten, gab es kein Frühstück und wir mussten auf die Suche gehen. Das war gar nicht so einfach, denn in Frankreich ist der Montag offensichtlich sehr beliebt, um das Wochenende zu verlängern. Fast alle Bäckereien und Bars hatten geschlossen. Wir wurden dann doch fündig, konnten in einer kleinen Bar ein Baguette mit Butter und einen Milchkaffee ergattern.

Diesmal sind wir direkt nach La Flèche auf der Hauptverkehrsstraße gelandet und haben dann versucht, diese Erfahrung zu vermeiden, was dann trotz energischer Proteste des Garmin, der die Komoot Tour abfahren wollte, auch gut gelang. Wir sind auf eigene Faust über die schönsten einspurigen Strässchen gefahren und waren wieder perplex, wie dünn die Gegend besiedelt ist und wieviel Platz für Landwirtschaft und Viehzucht ist. Wenige Kühe oder Pferde teilen sich jeweils eine große Weide und die Felder wogen bis an den Horizont.

Es gibt nur wenige Dörfer, die wenigsten haben irgendeine Infrastruktur, aber es gibt eigentlich immer eine ziemlich beachtliche Kirche zu sehen, die irgendwie von außen wie schmucklose Steinhaufen wirken, aber doch immer sehr individuelle Formen aufweisen.

Nach 28 km erreichen wir Sablé sur Sarthe und mit der Sarthe den nächsten Loire Zufluss, bzw. fließt die Sarthe mit der Mayenne zur Maine zusammen und dann geht es erst in die Loire. Auf jeden Fall ist in Sablé sur Sarthe eine kleine Bar offen. Es gibt immerhin einen Kaffee, aber einen Lebensmittelladen finden wir dort auch nicht. Von Sablé sur Sarthe geht es dann über weitere 50 km durch Landschaft, leicht hügelig manchmal ein bisschen steiler, aber immer nur kurz und manchmal bläst uns auch der Wind ziemlich entgegen.

Nach knapp 70 km erreichen wir dann den Mayenne Radweg. Auf feinem Split fahren wir die letzten 12 km bis nach Laval. Auf diesem Radweg begegnen uns ein paar Radler, nachdem wir kurz zuvor nur einer einzigen großen Seniorentruppe auf Rennrädern begegnet sind.

Die Mayenne wird von Hügeln und Schlössern umrahmt, alle ca. 3-4 km kommt eine Schleuse. Einem der gemieteten großen Hausboote schauen wir beim Schleusen zu.

In Laval beziehen wir unser Appartement, nachdem wir die Checkin-Puzzles gelöst hatten und machen uns in das historische Zentrum auf mit krummen faszinierenden Fachwerkhäusern, einer alten Brücke, einem alten und einem neuen Schloss und einer viele denkmalgeschützte Werke enthaltende „Dreieinigkeit“ Kathedrale, sowie einem imposanten Stadttor.

Leider haben am Montag auch hier ganz viele Lokale zu, so dass wir in einem halbwegs gut bewerteten Italiener landen, bei dem es dann eine ganz ordentliche Pizza gibt. Im Appartement macht leider das WLAN schlapp und damit sparen wir uns das Fernsehen. Mehr Zeit für den Blog.

81 km sind wir gefahren und haben dabei 520 Höhenmeter überwunden.

Von Tours nach La Flèche

Für diesen Sommer haben wir uns eine Radtour in der Bretagne vorgenommen.  Der Plan ist in Tours zu starten, nach Norden bis Mont St. Michel, entlang der Küste bis Brest, nach Süden bis Nantes und entlang der Loire wieder bis Tours.

Mit dem Auto sind wir angereist und haben in Palaiseau bei lieben Verwandten übernachtet. In Tours konnten wir unser Auto in einer kleinen Garage bei Freunden sicher unterstellen. Es gab Pizza und Kuchen und Kaffee und Cidre und es hat eine ganze Zeit gedauert bis wir das Auto in der Garage hatten und wir dann los gekommen sind.  Mit den Rädern sind wir in unser erstes Domizil direkt im Zentrum geradelt.

Es ist sehr heiß, auf der Fahrt regnet es ganz kurz und Tours ist voller Leben mit ganz vielen Leuten. Wir schauen uns die Kathedrale an und haben gleich ein schlechtes Gewissen, denn mit all den Beschreibungen zu den Artefakten und Fenstern kann man da auch einen Tag verbringen.

Die Altstadt ist toll und voller Touristen und es gibt unendlich viele nette Bistros, Restaurants, Bars. Da wir schon so viel gegessen haben, wollen wir eigentlich nur eine Kleinigkeit. Stattdessen kam eine leckere übergroße Käse/Wurst Platte. Anschließend im Pub mit Self Service bekamen wir dann noch Bier mit Aussicht auf die lebhafte Szene.

In der Frühe werden wir mit Donner und dunklem Himmel geweckt. Es regnet 10 Minuten und wir bekommen vom sehr freundlichen Hotelier im Hotel Berthelot ein gutes Frühstück und kurz nach 9h holen wir unsere Räder aus der sicheren Garage.

Großteils führt der Weg über kleine und ganz kleine Nebenstraßen oder Radwege nur in der Mitte müssen wir ca. 15 km auf eine stark befahrene Straße mit Radstreifen. Kaum sind wir aus Tours raus stellen wir fest, wie dünn besiedelt das Gebiet ist und die kleinen Sträßchen führen an riesigen geernteten Getreidefeldern und ebenso riesigen Sonnenblumenfeldern vorbei.

In Le Lude erhaschen wir einen Blick auf das Schloss von außen und folgen dem Fluss „Le Loir“ bis nach La Flèche. La Flèche liegt sehr malerisch an diesem Fluss (nicht zu verwechseln mit „La Loire“ in Tours).

Heute ist autofrei in der Innenstadt und es wird das 30. Jubiläum „Les Affranchis, le festival du spectacle de la rue“ gefeiert. Überall Musik und Theater und Stände mit Essen und Getränken.

Insgesamt waren wir heute 79 km unterwegs und die Höhenmeter hielten sich mit 383 im Rahmen und auch der Gegenwind war nicht so schlimm.

Zum Mont Ventoux

In Malaucène, am Fuße des Mont Ventoux gibt es natürlich eine ganz wesentliche Herausforderung: den Mont Ventoux mit dem Fahrrad zu erklimmen. Ich entscheide mich für die Strecke über Bedoin. Zunächst geht es gemächlich von ca. 350 Höhenmeter nach oben bis zum Col de Madelaine auf 460 Meter. Diese Höhenmeter gehen dann aber auch gleich wieder verloren. Bedoin liegt auf 320 Meter. Die Straße von Bedoin steigt langsam durch Weinberge, die 7% fühlen sich streng an, da sich in den Hügeln kaum erkennen lässt, dass es aufwärts geht.

Bald führt der Weg in eine Schlucht und jetzt wird es richtig steil. Ich hatte mich dafür entschieden die langen Klamotten anzuziehen und zur Sicherheit Ärmlinge, Mütze, Handschuhe, Weste noch in die Trikottaschen zu stopfen und verfluche diese Entscheidung jetzt. Es ist so steil und heiß und ich versuche meine Jacke auf ca. 700 Meter um den Lenker zu wickeln, da ja die Trikottaschen schon alle voll sind. Der Berg ist natürlich immer wieder zu sehen und sieht doch noch so weit entfernt aus. Über 1900 Meter zu erreichen klingt nicht so herausfordernd aber es geht von Bedoin ca. 20 km stetig nach oben und das mit erheblichen Steigungen, so dass ich mich über jede Aussicht freue um ein Foto zu schießen und einen Grund für eine kleine Pause zu haben.

Beim Chalet Reynard auf 1400 Metern kommen die Straße von Bedoin und Sault zusammen und es treffen sich alle, die hoch auf den Gipfel wollen. Obwohl ja noch ziemlich früh im Jahr sind doch einige Radler unterwegs, ein paar mit elektronischer Unterstützung sind auch dabei aber ich werde doch von vielen Bergflöhen auf dem Weg zum Chalet überholt. Dort gibt es frisches Wasser und jetzt sind es nur noch 6 Kilometer mit 500 Höhenmetern. Tatsächlich wird es jetzt etwas entspannter, nicht mehr ganz so steil. Immer wieder gibt es diese schönen Wegmarken mit aktueller Höhe und den verbleibenden Kilometern bis zum Gipfel. Eher irritierend ist die Information, dass der Pass geschlossen ist. Beim Chalet frage ich andere Radler, wie sie die Sache einschätzen. Allgemeine Informationslage ist, dass man es mit dem Rad fahren kann, aber der Weg schwierig sein könnte.

Beim Tom Simpson Gedenkmal halte ich nochmal an, in der Zwischenzeit habe ich einen überholt und bin von fünf überholt worden. Mittlerweile habe ich mir Ärmlinge, Weste, Handschuhe angezogen und die Jacke passt nun wieder in die Trikotjacke. Ein eisiger Wind zieht von Westen auf und ich bin schon ganz froh etwas wärmer eingepackt zu sein. Auf dem Gipfel ist es kalt. 10 Grad und starker kalter Wind. Ich ziehe alles an. Der Weg nach unten ist dann auch leider wie angedroht gesperrt. Eine Schranke versperrt den Weg. Ich beobachte zwei Rennradler, die an der Schranke vorbei fahren und machen es ihnen gleich. Nach einem Kilometer kommen sie mir wieder entgegen, der Weg wäre voller Schnee.

Die Straße ist voller Schneereste und Steinschlag aber bei vorsichtiger Fahrweise ganz gut passierbar. Ich bin also weiter mutig und fahre weiter und tatsächlich geht es mit einigen Steinschlägen und Schneefeldern weiter. Einige Radspuren durch den Schnee signalisieren, dass da schon einige andere durch sind. Ich bin so warm eingepackt und das Handy ist in der Jacke gut verpackt, so dass ich da nicht so richtig dran komme aber wenigstens eine Passage muss ich dann doch noch fotografieren. Auch die Abfahrt (21km nur steil bergab) bis nach Malaucène ist eine Herausforderung. Nun bin ich wieder froh alles anzuhaben, 10 Grad, ganz starker Wind mit Böen auf den geraden freien Passagen, Steigungen um die 10-12%. Da oben ein kleines Skigebiet ist, sind die Straßen recht breit ausgebaut. Man kommt also schnell auf Geschwindigkeiten von 60 km/h ohne zu treten. Unten bin ich dann wirklich durchgefroren. Im Supermarkt finde ich ein paar lokale Mont-Ventourx Biere, die entlang der Höhenlinien die Reserven hoffentlich wieder auffüllen helfen und im urigen Le Chevalerie nehmen wir dieses Mal das volle Menü.

Irgendwie klingen 55km und 1800 Höhenmeter gar nicht so imposant aber es war angesichts der Frühjahrsform schon eine ziemliche Herausforderung.

Nach Malaucène

Quartierwechsel; wir hatten versucht noch einmal 2 Tage zu verlängern aber war schon belegt. Noch einmal für zwei Tage ein neues Domizil am Fuß des Mont Ventoux haben wir in Malucène ein wunderschönes Appartement in der Stadtmitte. Im zweiten Stock allerdings.

Zwischenstation haben wir in Pernes les Fontaines gemacht. Es gibt dort 41 Brunnen. Wir haben nur circa 10 gefunden. Hier eine Auswahl von sechs.

Es gibt auch noch eine ganze Menge anderer schöner Dinge zu sehen. Interessant diese Holzskulpturen und die Brücke über die Nesque. Durch die zugehörige Schlucht bin ich zuvor geradelt. Witzig, auf dem Bild unten in der Mitte das ist ein gemalter Brunnen an die Hauswand über einem hässlichen Sicherungskasten. Weiß nicht ob der zu den 41 Brunnen mit zählt. Wir nehmen uns nicht viel Zeit, da uns unsere neuen Gastgeber bereits zu Mittag erwarten, so dass wir schon früh in die Wohnung können.

In Malcaucène werden wir sehr herzlich empfangen. Tolles Appartement, frisch renoviert, nur die Treppe, um die Fahrräder im Flur auf der ersten Etage zu platzieren, ist sehr steil.

Eine Wanderung ist noch drin. Die zieht sich allerdings über steile Schotterwege durch Kiefernwälder über 12 km und knapp 600 Höhenmeter ziemlich. Es ist leicht bedeckt und wenn man aus dem Wald kommt ziemliche windig. Es gibt wenige Attraktionen, nach steilem Aufstieg als erstes eine winzige geschlossene Kapelle mit drei Kreuzen davor. Gegen Ende gibt es noch die Quelle der Groseau und die romanische Kapelle (Notre Dame de Groseau) auch geschlossen und eher verwahrlost aber früher offensichtlich wichtiger Ort für die Avignon Päpste.

Über 12 km waren 550 Höhenmeter zu bewältigen.

L’Isle sur la Sorgue, Venasque, Gordes

Der heutige Sonntag ist großer Markttag in L’Isle sur la Sorgue. Schon früh ist alles voller Stände und die Stadt füllt sich mit Touristen. Die Kreisverkehre und die Straßen dazwischen rund um die Insel sind ein einziger Stau. Die Menschen drängen sich durch die Gassen und an Abstand ist nicht zu denken. Ein paar wenige tragen eine medizinische Maske. Das mit den ffp2 Masken hat sich nicht wirklich bis nach Frankreich rumgesprochen. Ziemlich absurd wie kleinste Kommunikationsunterschiede dann ziemlich unterschiedliche und dennoch fanatische Verhaltensweisen hervorrufen.

Kurzum ein guter Tag um eine Tour ganz alleine zu machen. Ich versuche noch einmal der Komoot Tout zu folgen und es gelingt wieder nicht aber ich folge den grünen Fahrradwegweisern und die führen mich über winzige geteerte Strässchen wieder bis zur Fontaine und zuvor unterhalb es Aquaducts. Bei der Fontaine der Vaucluse mache ich nur zwei Fotos an der Brücke. Heute am Palmsonntag ist dann doch schon einiges mehr los.

Der Weg nach Venasque ist dann ab Le Beaucet neu. Es geht zunächst eine moderate Steigung hoch bis man oben den Mont Ventoux sieht, passiert eine weitere Schlucht. In Venasque gibt es dann ein tolles Panorama wieder auf den Mont Ventoux bei den riesigen Mauern der Stadt. Es sind noch ein paar andere schnellere Rennradler unterwegs.

Nach ein bisschen hoch und runter geht es durch die Gorges de Nez. Ein paar hundert Höhenmeter durch eine eindrucksvolle Schlucht, bis es dann auf der Höhe nur noch bergab nach Gordes geht. Auch da ist am Sonntag nun einiges mehr an Menschen geboten. Ich folge nach ein paar Navigationsirrationen der Hauptstraße. Nach ca. 4km auf der ziemlich befahrenen D2 führt der Weg dann wieder über einsame Straßen weiter.

Mit allen kleinen Irrungen sind es heute 65 km und 1100 Höhenmeter geworden.

L‘Isle sur la Sorgue, Roussillon, Gordes

Es ist wieder blauer Himmel, die Sonne scheint aber es weht ein extrem starker Wind, so dass wir die Räder heute in der Garage lassen. In L‘Isle sur la Sorgue starten wir mit dem Auto Richtung Roussillon. L’Isle sur la Sorgue ist voller kleiner Kanäle und wird umrundet durch Seitenarme der Sorgue. Es ist einiges los. Es gibt unzählige Restaurants in vielen Kategorien und ein Quai entlang der Sorgue. Ein wirklich schöner Ort, der ursprünglich mal als Anglerdorf entstanden ist. In der Sorgue und den Kanälen befinden sich unzählige Wasserräder.

Roussillon schmückt sich mit einer Plakette der schönsten Dörfer Frankfreichs am Ortseingang. Auf dem großen Platz sind nur noch sehr wenige Parkplätze frei. Der Eintritt in die Ockerlandschaft ist mit 2×3€ auch moderat und lohnt sich. Eine Stunden spazieren wir durch diese faszinierenden gelb roten Landschaften. Über den Ockerformationen ist der Mont Ventoux zu sehen. Da der Wind so stark bläst verfängt sich der Staub in de Klamotten und meine blaue Cordhose ist danach schön gelb eingefärbt. Auch der Ort auf dem Hügel gelegen ist wirklich sehenswert mit kleinen Restaurants, Bars, Ateliers.

Über winzige/schmale Strässchen geht es dann weiter nach Gordes. Auch hier empfängt uns die offizielle „schönste Dörfer Frankreichs“ Markierung. Wir kommen von der falschen Seite in den Ort. Google leitet uns auf diesem Weg, so dass wir erst einmal durch den Ort durch müssen und nicht gleich auf den großen Parkplätzen landen, die nur sehr mäßig belegt sind. Dafür muss diesmal ein aufwändiger Mechanismus an einem Apparat in Gang gesetzt werden, bis wir ihm ein Parkticket entlocken können. Der vor uns brauchte genauso ewig. Gut, dass sich aufgrund geringen Andrangs keine Schlange gebildet hat. Das schönste am Ort ist das Panorama, wie sich Gordes auf dem Hügel präsentiert und natürlich die Ausblicke rundrum in den Luberon und Roussillon in der Ferne. In einem schön gelegenen sehr einfach eingerichtetem Cafe gibt es Café au lait mit Ausblick.

Die letzte Etappe führt uns zu einem Freilichtmuseum – Village des Bories – mit Steinhäusern, die als Wohnung, Stall, Ofen etc. genutzt wurden. Die Steine werden gesammelt, dadurch wird landwirtschaftlich nutzbare Fläche geschaffen und die Häuser entstehen aus dicken Trockensteinmauern, die wieder aus geschichteten Steinen gebaut werden. Um 5 Quadratmeter bewohnbare Fläche zu schaffen werden 50 Tonnen Steine benötigt., ist auf einer Tafel zu lesen. Das Dorf wurde 1977 unter Denkmalschutz gestellt. Es ist die größte Ansammlung von Borie genannten provenzalischen Trockenstein-Rundbauten. Wenngleich typisches bauliches Kulturgut der Provence (so der Führer), so sieht man diese Art von Bauten außerhalb der Museumsfläche doch sehr selten.

So hätten die damaligen Bewohner eine Weg gefunden sich angepasst und respektvoll in die Landschaft zu integrieren. Bin mir nicht sicher ob das ihre primäre Absicht war oder ob einfach die Wahlmöglichkeiten nicht so riesig waren. Bis ins 19. Jahrhundert hätte man diese Bauform noch genutzt. Ob auch als Wohnhaus oder nur als Stall? Älteste Funde reichen bis ins 7. Jahrhundert.

A propos Umwelt und Klima. Es mangelt in dieser Gegen sicher nicht an Wind aber wir haben bislang kein einziges Windrad gesehen, weder von der Autobahn aus, noch im Rest der Landschaft. Auch Photovoltaik Anlagen gibt es trotz Sonne satt keine.

Ein wirklich gelungener Ausflug, der mit den Rädern zu aufwändig gewesen wäre, wenn man denn Zeit für die eigentlichen Attraktionen einplanen möchte.

L‘Isle sur la Sorgue, Quelle und Carpentras

In L‘Isle sur la Sorgue verlassen wir unser wunderschönes Appartement, ein provencalisches Haus, ganz für uns mitten in der Stadt und trotzdem völlig ruhig.

Mit den Rädern versuchen wir einer Komoot Runde zu folgen, was uns nicht gelingt. Wir finden dann trotzdem nach ein paar Kilometern die Quelle der Sorgue, Fontaine de Vaucluse. Es ist ein schöner Tag mit blauem Himmel und es ist so warm, dass die Jacken schon bald in die Tasche können. Das spektakuläre grünblaue Wasser der Sorgue zieht schon einige Touristen an, aber die riesigen Kiesparkplätze am Ortsrand sind noch völlig leer. Man kann sich vorstellen, was hier in der Hochsaison los ist.

Über Saumane-de-Vaucluse führt uns ein kleines Strässchen durch den durchgefrästen Fels hoch. Le Baucet liegt mal wieder ziemlich malerisch am Hang. In St. Didier entscheiden wir Richtung Carpentras weiter zu fahren. Das ist eine lebhafte größere Stadt wo es auch eine Patisserie mit Käsekuchen gibt. Außerdem eine Kathedrale an einem Platz mit mehreren Brunnen. Rund um die größere Stand gelingt es uns leider nicht so gut die richtigen Wege zu finden.

Aus Carpentras heraus landen wir schnell wieder auf der großen Verbindungsstraße mit breitem Radstreifen. Am Tor von Pernes les Fontaines suchen wir einen besseren Weg und vergessen die 41 Brunnen zu suchen und navigieren eisern den Berg hoch, landen dann aber auf einem ziemlich üblen Schotterweg mit Schiebepassage. Kurz vorm Canal de Carpetras kommen wir wieder auf geteerte Straßen. Das Viadukt über die Sorgue nahe bei der Quelle führt übrigens keine Bahn sondern auch den Canal de Carpetras.

53 km mit 600 Höhenmeter sind es so geworden.

Von Vence nach L’Isle sur la Sorgue

Quartierwechsel steht an. Nach vier Tagen in Vence haben wir uns ein Appartement in L‘Isle sur la Sorgue gebucht. Die 240 km meistern wir natürlich mit Auto aber nutzen den Tag um nochmal in Grasse auszusteigen und da ein bisschen durch die Altstadt zu laufen nachdem wir zuvor Teile der Strecke mit dem Fahrrad absolviert haben. So startet diese Reise wieder mit dem Panoramabild von Tourette sur Loup bis wir dann nach Grasse kommen. Erfreulicherweise ist noch recht wenig los. Schulkinder spielen Fußball auf dem zentralen Platz mit Blick auf die Kathedrale.

Wenn wir schon so weit in den Süden vorgedrungen sind, dann müssen wir auch noch einmal ans Meer. Wir peilen westlich von Cannes die kleine Stadt La Napoule mit großem Hafen an. Wir bekommen an einer einsamen Vorsaisonbar einen Café au Lait im Pappbecher, den wir gut festhalten müssen, denn der Wind ist ziemlich stark. Dort entscheiden wir spontan die Küstenstraße nach St. Raphael zu nehmen. Das kostet zwar eine Stunde extra aber wir haben ja Zeit und es ist ein derart sensationelles Panorama. Alle 5 Minuten könnte wir anhalten um noch ein Foto zu schießen. Das Esterel Gebirge mit den roten Felsen, die steil ins Meer abfallen, ist jede extra Minute wert.

Von St. Raphael nehmen wir dann wieder die Autobahn und kommen pünktlich um 18h an.