Von Olema nach San Francisco

Zunächst stellte sich in der Nacht heraus, dass die Dame im Campground Büro Recht hatte. Es war tatsächlich unter 0 Grad. Am Morgen war der Campingtisch mit einer Frostschicht bedeckt. In der Nacht habe ich mir eine Jacke angezogen, damit ging es, aber die Comfortzone des Schlafsacks wird bei dieser Temperatur langsam erreicht. Trotz der Kälte herrscht hohe Luftfeuchtigkeit, so dass das gesamte Zelt ziemlich nass wurde und auch der Schlafsack war zumindest von außen etwas feucht.

Die Entscheidung für den Campground mit offener Wiese erweist sich damit als goldrichtig. In der stärker werdenden Sonne kann das ganze Zeugs erst einmal trocknen. Das funktioniert gut. Immerhin hat es am späten Vormittag schon an die 30 Grad. Kurz nach 12 Uhr fahre ich los.

Die Strecke (69 km, 780 Höhenmeter) ist zunächst wenig spektakulär. Am Anfang führt der Weg einmal durch Redwoods (mit dem Hike & Biker Campground). In der Düsternis der Bäume kommen mir mehrere Rennradler entgegen, manche überholen mich auch. Zu grüßen, wie zuvor Pflicht, ist in der Nähe der Großstadt nicht mehr so angesagt. Ein Schwarzer, dunkel gekleidet kommt entgegen. Ich sehe ihn erst im letzten Moment, gut getarnt.

Ein älterer Herr mit Rennrad überholt mich, aber am höchsten Berg hole ich ihn fast wieder ein. Ab Fairfax wird man dann über kleinere Sträßchen und echte Radwege geführt, so komme ich nach Sausalito. Dort kommt tatsächlich das Gefühl auf in einem richtigen Urlaubsort zu sein, viel Wasser, Restaurants Bars und viele Menschen. Es kommen noch ein paar kurze giftige Anstiege bis ich die Aussichtsplattform vor der Golden Gate Bridge erreiche. So viele Leute auf einem Haufen, man kommt kaum in die erste Reihe um nur ein Foto zu machen.

In Olema am Camping hatte mich ein Radler angesprochen, der auch schon in Deutschland und in den Alpen war und mir Strecken nach San Francisco erklärt hat. Seinem Vorschlag über die 7 bitches, von denen er mir vorschwärmt, folge ich für dieses Mal nicht. Er erzählte, dass die Fliegerstaffel der US Navy, die Blue Angels, heute Showflüge veranstalten. Genau zu dem Zeitpunkt an dem es lost geht, komme ich an die Brücke. Besser hätte man es nicht planen können. Irre, wie die im Tiefflug, in Formation und über die Brücke und die Stadt fliegen, das ist schon Wahnsinn.

Wegen Bluegrass Festival und dieser Fleetweek ist San Francisco leider ziemlich voll. Das treibt mich in die Außenbezirke, immerhin nochmal 10 Meilen bis Daly City wo ich dann endlich im Appartement einchecke, welches ich mir mit Mitbewohnerin Natalia aus Toronto teile. Sie ist seit neuestem bei Google im Bereicht Cost Compensation. Der Kühlschrank ist leer, ich finde die versprochene Waschmaschine zunächst nicht und die Ausstattung ist auch nicht gerade auf Top Niveau. Das WiFi funktioniert aber gut und alles ist ordentlich und sauber.

Von Bodega Dunes nach Olema

Heute waren die Beine richtig schwer. Nach unruhiger Nacht, wegen des Schnarchers, der Tiere, des Nebelhorns (alle 20 sec.) und der Tropfen aus den Bäumen, die den Nebel auffingen und die Tropfen abgaben, als ob es regnete, bin ich mit aufgehender Sonne kurz nach 7 Uhr aus dem Zelt. Nachdem ich bislang versucht hatte den Sand aus dem Zelt zu halten wurde mir bei Rückkehr aus dem Bad bewusst, wie aussichtslos das ist. Regen und Sand ist eine verdammt schlechte Kombination. Das Rad war von einer nassen Sandschicht bedeckt, das Zelt ebenso, alles war durch und durch nass. Im Zelt wurde dann alles so gut es ging in die Taschen verpackt. Außentemperatur 6 Grad und alles nass. In Bodega Bay erhoffte ich dann noch irgendwas zu entdecken, was man ich an die Vögel erinnert und tatsächlich gab es auch ein kleines Café mit diesem Namen.

Bodega Bay - Olema
Bodega Bay – Olema

Interessanterweise kannte Greenbriaer weder den Film „Die Vögel“ noch „The Fog“, noch die Serie „Die Straßen von San Francisco“. Er hat immer nur gelacht, wenn ich ihm davon erzählt habe. Er arbeitet mit Kindern und erklärt ihnen Outdoor – Techniken. So ganz habe ich nicht verstanden, wie das geht.
Die längere Zeit für die Tour hat er weil er gerade den Job wechselt.

Also fahre ich mit dicker Jacke und Handschuhen 10 Meilen bis ich in Valley Ford an ein Café komme, in dem es ein richtiges Frühstück gibt. Omelett, Kartoffeln, Toast. Da sitze ich dann, spiele im WiFi, wärme mich, telefoniere und nachdem ich endlich wieder rauskomme ist es tatsächlich heiß. Ich buche noch ein Appartement bzw. Zimmer in San Francisco.

Die Strecke geht schnell von der Küste weg und überquert viele Prairie – Hügel, braunes Gras, Farmland. Immer mehr oder weniger der kürzeste Weg über die Hügel, d.h. 100 Fuß mit 10% hoch und wieder runter usw. bis die Tomales Bucht erreicht ist. Auf der geht es zwar so weiter aber zur Auflockerung kommen statt der Farmgebäude auch ein paar kleine Küstendörfer mit Touristenrestaurants oder Imbiss. Die Bucht ist ein langer schmaler Einschnitt, den ich bis zu Ende fahren muss.

Nach erneuter Lektüre meines Roadbooks komme ich zu dem Schluss, dass der nächste State Park mit Hike & Bike Bereich im tiefen Schatten alter Redwoods nicht das Richtige ist um meine Ausrüstung zu trocknen und zu säubern. Erfreulicherweise gibt es in Olema nach 60 km und auch schon wieder 750 Höhenmeter einen kommerziellen Campground, der sich das allerdings mit 42$ für mein kleines Zelt teuer bezahlen lässt. Die Dame an der Registratur entpuppt sich rasch als Deutsche und fragt mich, nachdem sie meinen Vornamen kennt, ob ich auch Flensburger trinke. Nachts wird es Frost geben meint sie, die letzten Nächte war Eis auf den Picknicktischen. Immerhin ist die offene Wiese in praller Sonne nicht so schlecht geeignet mein Zeugs zu trocknen und alles aufzubauen. Außerdem gibt es WiFi und freie heiße Duschen und nicht zuletzt in unmittelbarer Nähe ein gutes Restaurant mit King Salmon, Gemüse und verschiedene lokale Biere zur Auswahl. Da sitze ich jetzt, schreibe das und freue mich auf San Francisco. Ein riesiges Blue Grass Musik Festival ist da im Golden Gate Park. Freier Eintritt — nach den Ereignissen in Las Vegas sehe ich das nur mit Bedenken. Auf dem Campground treffe ich zwei Österreicherinnen und die sind mit Wohnmobil unterwegs und waren zum Attentat in Las Vegas; war natürlich ein ziemlicher Schock für die beiden. Morgen wollen sie weiter nach San Francisco.

Zurück am Zeltplatz ist es eisig, so geselle ich mich zu einem Feuer an dem zwei Paare: Eltern, Sohn und Schwiegertochter sitzen. Da ist es warm und wir unterhalten uns. Alle vier entpuppen sich als Zeugen Jehovas und die beiden Jüngeren wohnen in Mexiko, freuen sich, dass ich Deutscher bin, denn sie lernen gerade plattdeutsch. Irgendwie hat es mit ihrer Zeugentätigkeit zu tun aber so richtig habe ich es nicht verstanden.

Von Manchester State Beach nach Bodega Dunes

Zunächst ging es auf unserem Campground bei Manchester vielversprechend los, wunderbares Wetter und ich bin zeitig nach kleinem Snack losgekommen.

Zunächst war ich mit Greenbriaer aus Arizona zusammen (seltsamer Name, nach dem Namen eines Typen, den die Mutter toll fand), den ich nun auch schon auf dem dritten Campground wieder getroffen und mich mit ihm unterhalten hatte. Aber er hat bei Gualala die Segel gestrichen, da es ihm zu anstrengend war.

Was mich allerdings geritten hat, der Empfehlung meines Reiseführers zu folgen und 68 Meilen hoch und runter entlang der Küste zu fahren, weiß ich heute nicht wirklich. Es wurden 111 km und 1458 Höhenmeter und es gab praktisch keine flachen Passagen.

Vielleicht lockte mich ein bisschen die Verheißung, dass Bodega Bay als Drehort von „Die Vögel“ und „The Fog“ etwas Interessantes zu bieten hat. Bodega Bay machte allerdings keinen besonders spannenden Eindruck. Vielleicht ist es gerade dieser Gegensatz, der den Ort und die Gegend für die Filme qualifizierte.

Irgendwann konnte man draußen auf dem Pazifik ganz in der Ferne eine kleine weiße Wand entlang des Horizontes sehen. Und dann, ab Gualala, war der Küstennebel auch schon da. So ging das mal in den Nebel hinein und dann wieder raus. Die ganze Strecke war sehr einsam, es gab kaum Ortschaften, Läden oder Restaurants.

Ein ganz kleiner Grocery hat mir einen Kaffee und ein Stück Käse verkauft.
Einen kleinen Abstecher nach Fort Ross habe ich mir gegönnt. Die Anlage gibt einen schönen Eindruck, wie diese befestigten Anlagen früher aussahen. Es war früher eine russische Handelsstation.

Oben schön auf der Strasse neblig und die Küste ganz zu.

Teilweise stieg die Straße auf 600 Fuß hoch und von da oben hatte man einen wunderbaren Blick über das Nebelmeer.

Vor Bodega Bay wurde es dann wieder schön sonnig und es ließ sich ganz vielversprechend an auf dem Camping. Allerdings waren die Hike und Biker Plätze auf einer Sanddüne angesiedelt und das sollte sich als ziemlich übel erweisen. Nachdem ich das Zelt aufgebaut hatte, ging es auf die Suche nach einem Restaurant. Das war gar nicht einfach, denn der Nebel war wieder sehr dicht geworden. Auf dem Rad konnte man fast nichts mehr sehen. Aber ich bin fündig geworden und Fisch und Chips gibt es eigentlich überall. Die Adventure Cyclists waren zufällig auch im gleichen Restaurant und haben Lagebesprechung gemacht. Auf dem Rückweg wurde es dann noch ein bisschen schwieriger sich im noch dichter gewordenen Nebel zu orientieren, aber schließlich habe ich das Zelt gefunden.

Die Nacht war ziemlich unruhig. Erstens war der Schnarcher wieder nah bei mir, dem ich schon in ein paar Campgrounds begegnet war. Zweitens wimmelte es von Stinktieren und Waschbären. Drittens, aber das merkte ich erst vormittags, erwies sich die Kombination von Sand und Nebel als ausgesprochen schwierig für die Ausrüstung. Mal sehen ob ich das alles wieder sauber kriege.

Von MacKerricher Beach State Park nach Manchester State Beach

Heute in der Nacht ist es dann wieder auf drei bis vier Grad abgekühlt. Die verschiedenen Zeltlagen sind alle recht feucht geworden, entweder durch Verdunstung oder durch Luftfeuchtigkeit. Der deutsche Stefan, ist ebenfalls zu diesem Campground gekommen und hat in der gleichen Hike & Biker Ecke übernachtet. Wir haben abends noch ein Bier getrunken und uns unterhalten. Er wollte noch länger in Fort Bragg bleiben, da er noch viel Zeit hat bis er seinen Rückflug in San Francisco antreten muss.

In Fort Bragg habe ich mich dann erstmal in einem Café aufgewärmt und konnte mit Croissant und Kaffee im WiFi telefonieren.

Die Strecke (72 km, 850 Höhenmeter) heute hatte es in sich, es war wunderschön. Ständig neue Ausblicke. Wieder geht es hoch und runter. Immer nur ca. gut 100 Meter hoch und dann wieder runter, teilweise mit giftigen Anstiegen bis zu 15 %. Wieder gilt, bleibt man an jeder schönen Ecke stehen, dann kommt man so gut wie überhaupt nicht voran.

In dem recht einsam liegenden Städtchen Mendocino sind wenige Touristen, ein paar Läden und Cafés. Zeit für eine Pause und einen weiteren Kaffee.

Das Ziel ist ein KOA Campground kurz vor der winzigen Stadt Manchester, die heute erfreulicherweise auch Hike & Bike für 10 $ anbieten Dafür gibt es kostenloses Duschen, WiFi, Strom einen Laden, also tatsächlich etwas Komfort.

Hier treffe ich auch den Chinesen und den Koreaner wieder, letzterer raucht untentwegt Pot und kann kaum aufhören zu husten.

Ein Restaurant gibt es leider nicht. Aus einer Gefriertruhe kann man sich ein Fertiggericht aussuchen und in der Küchenecke in der Mikrowelle aufwärmen.

Von Standish-Hickey nach MacKerricher Beach State Park

Der Tag heute (71 km, 1090 Höhenmeter) war geprägt von Kletterpartien und entsprechend rasanten, kurvigen und steilen Abfahrten, schon fast alpin. Eine Meile und etwas mehr nach dem Campground kam die kleine Ortschaft Leggett in der ich als erstes beobachtet habe, wie die Dame vom US Postal Service die Flagge auf Halbmast gesetzt hat. Ich habe das dann gleich von Las Vegas gelesen und das ist schon erschütternd, was für Unheil diese Idioten stiften.

Um 9:20 bin ich losgekommen und es war natürlich noch eisig kalt. Direkt nach Leggett beginnt dann aber der Berg, der von knapp 1000 Fuß auf knapp 2000 Fuß ansteigt und da wurde es dann langsam warm.

Bei Leggett verlässt man übrigens die 101. Jetzt geht es auf Highway 1 weiter. Die Straße ist schmaler und es ist deutlich weniger Verkehr.

Es kam dann noch ein zweiter Berg, bis ich wieder den Pazifik erreicht habe. Aber auch an der Küstenstraße geht es mit der Kletterei weiter, immer nur wenige Höhenmeter hoch und dann wieder runter aber immer steil.

So erreiche ich Westport (Mendocino County) wo ich im einzigen Grocery erstmal ausgiebig Pause mit Kaffee umd Sandwich mache. Von dort, entlang der Küstenstraße mit unendlich vielen Ausblicken, sind es dann noch ca. 14 Meilen bis zum Campground.

Die Adventure Association ist auch wiedet da, aber ich will heute mal im Restaurant essen und fahre die 5km nach Fort Bragg um in der lokalen Brauerei die Biere auszuprobieren und Fish, Shrimps & Fries zu essen.

Von Burlington nach Standish-Hickey

Der Morgen startet recht kühl und ich nutze zunächst das kostenfreie WiFi um noch Karten zu laden und ein paar Emails zu schreiben. Zunächst weiter durch die Avenue of Giants und nach ca. 14 Meilen mündet diese wieder zurück in der 101. Zunächst geht es auf dem Randstreifen gut voran. Da am Sonntag keine Trucks unterwegs sind ist das Fahren recht angenehm. Leider wird der Randstreifen kleiner. Irgendwann mutiert der vierspurige Freeway zu einem zweispurigen Highway und der Randstreifen verschwindet fast ganz. Erfreulicherweise kann man irgendwann wieder runterfahren und es gibt eine kleine Straße Highway 271, der parallel läuft.

Es geht weiter entlang des Eel River und auf den gibt es immer wieder schöne Blicke. Ab und zu fährt man an einem Souvenirladen vorbei, scheint die einzige Einnahmequelle der hiesigen Bewohner zu sein.

Das Haus im Baum und der dazugehörige Laden haben auf jeden Fall schon wieder zugemacht.

Auf dieser Straße treffe ich dann Chrissi, die als Betreuerin für die Adventure Cycling Association arbeitet, die mit Begleitfahrzeug ebenfalls von Washington nach San Diego unterwegs sind. Mit ihr fahre ich den Rest bis zum Campground, es ist schon noch eine Kletterei. Da wir in Summe doch einige Höhenmeter machen müssen, 80km und 910 Höhenmeter . Sie lädt mich zum Abendessen in ihrer Gruppe ein, das sind 12 ältere Herrschaften plus zwei jüngere Begleiterinnen, Begleitfahrzeug und unglaublich viel Gerätschaften, die man für dennoch recht primitives Camping Abendessen so braucht.

Im Hike & Biker Bereich treffe ich Stefan, einen weiteren deutschen, der auch schon über 3 Monate unterwegs ist. Er hat sich gleich beschwert, dass ich schon beim dritten Wort erkannt hatte, dass er Deutscher ist. Außerdem sind auf dem Campground der Koreaner und der Chinese angekommen, die ich vor Tagen schon in der großen Gruppe getroffen hatte. Der Koreaner erzählt, dass er tags zuvor im Gefängnis war, da er immer illegal übernachtet und ihn diesmal die Polizei geschnappt hat. Auch auf diesem Campground wollen sie die 5$ für die Hike & Bike Übernachtung nicht bezahlen.

In der Nacht wird es ziemlich kühl, wie die Amerikaner so nett umschreiben, wenn es ziemlich kalt wird (a bit chilly). Draußen 3 Grad und im Zelt 7 Grad. In meinen Daunenschlafsack alles kein Problem, ich schlafe wunderbar.

Von Eureka nach Burlington Campground

Nachdem ich nun gestern Abend alleine die lokale Brauerei besucht hatte, anschließend das Wifi des Hotels zur Aktualisierung des Blogs genutzt und die Zeltplanen im Zimmer zum Trocknen aufgehängt hatte, habe ich wunderbar geschlafen. Somit bin ich auch diesmal ohne Eile, packe alles zusammen und komme gegen 11 Uhr los.

Um die viktorianischen Gebäude zu sehen kurve ich noch um ein paar Häuser und mache Fotos. Shantel erzählte mir, dass Eureka die Hauptstadt des Pot-Rauchens ist. Im Stadtbild macht sich das unangenehm bemerkbar, eigentlich überall Penner oder erkennbar Drogensüchtige. Zufällig komme ich in einer Straße vorbei, wo irgendeine Einrichtung ist und da sind auf einmal mindestens 50 zwielichtige Gestalten mit Drogen zu Gange.

Den örtlichen Naturladen an der 101 finde ich schnell, decke mich mit dem Notwendigsten ein, insbesondere zwei Büchsen Pale Ale für den Abend, esse eine Banane und los geht’s. Es ist wunderbares Wetter, fast 25 Grad.

Der Highway mutiert zum Freeway, das heißt vier Spuren und ein riesiger Randstreifen. Man fühlt sich zwar wie auf der Autobahn, aber es ist tatsächlich gar nicht so schlecht, denn man hat viel Platz und die Laster sind einem nicht so nah und man kommt schnell voran.

In Rio Dell gehe ich runter, esse etwas, fahre durch Scotia, schau mir dort die riesige Sägemühle an und das „Winema Theater“ vollständig aus Holz und dann komme ich auch schon bald in die Avenue of Giants. Auf einen Schlag sinkt die Temperatur um fast 10 Grad, ich muss meine Brille wechseln weil es ganz dunkel wird und es ist erfreulicherweise fast gar kein Verkehr mehr. Die Straße folgt dem Eel River.

Nach ca. 15 Meilen habe ich dann nach insgesamt 80 km und nur 430 Höhenmeter auch den Campground Burlington erreicht. Er liegt mitten in den Redwoods und ich kann auf dem Hiker & Biker Platz mein Zelt unter den großen Bäumen aufbauen. Natürlich gibt es hier weit und breit nichts zu kaufen und zu essen, so dass ich mich über meine mitgebrachten Pale Ale ein Stück Käse und eine Banane freue.

Freudige Überraschung: es gibt freies WiFi auf dem Platz. Somit kann ich gleich meinen Bericht einstellen.

Von Elk Prairie Campground nach Eureka

Diese Tour, die sehr gemütlich beginnt, wird dann am Ende doch ein bisschen länger (85 km, 564 Höhenmeter). Wir fahren zu fünft los und in einem Diner, nach ca. 5 Meilen, gibt es dann erst einmal ein ausgiebiges Frühstück. Leider hat es genau zu der Zeit, als wir zusammen gepackt haben, begonnen zu regnen. Also Zelt usw. alles nass. Es regnet nicht konstant aber immer wieder.

Wir sehen Elks und kommen dann in sehr moderatem Tempo nach Trinidad. folgen einer total verrotteten Straße entlang der Küste, kommen tatsächlich über verschiedene Radwege und einsame Sträßchen abseits der 101 voran. Allerdings müssen wir auch eine ganze Zeit auf der 101 fahren, und ohne Randstreifen ist das teilweise sehr unangenehm. In Trinidad gibt es dann noch noch einmal ein Vesper am Supermarkt.

In Arcata löst sich die Gruppe auf. Wir machen ein Abschiedsfoto, immerhin sind wir eine Woche gemeinsam gefahren, Jeder hat andere Verabredungen.
Ich entscheide mich für ein Hotel in Eureka um meine Sachen zu trocknen und bin nun wieder allein unterwegs.

Von Crescent City nach Elk Prairie Campground

In unserem Matratzenlager habe ich halbwegs geschlafen, konnte immerhin meine Elektronik aufladen und bin dann mit Jean und Shantel in den Grocery gegangen um Frühstück einzukaufen. Das war dann wieder einer dieser Läden mit tollen organischen Lebensmitteln und ich weiß nicht was alles, so dass wir über eine Stunde rum hingen, bis wir in unserer Megaküche endlich dazu gekommen sind unser Frühstück zu machen. Ich habe die Rühreier und harte Eier gekocht und den ultimativen Trick erfahren, wie sich hartgekochte Eier leicht abpellen lassen. Ein bisschen Backpulver ins Wasser geben!

So kommen wir nach diesen gemütlichen Vorbereitungen erst um 12 Uhr los, sind nur 62 km bei immerhin 800 Höhenmeter unterwegs. Das waren schon einige Hügel, die wir da zu bewältigen hatten.


Während es am Tag zuvor fast 30 Grad heiß war, sind es heute bei Küstennebel gerade mal 15 Grad. Der Nebel fühlt sich wie Regen an und die Handschuhe, die ich schon fast als Fehlkauf eingeschätzt habe, kommen wieder zum Einsatz. Die Geschwindigkeit mit den beiden ist sehr moderat und wir schauen uns so ziemlich alle Sehenswürdigkeiten am Wege an. Insbesondere das indianische Museum bei den Trees of Mystery ist super. Gegenüber gibt es dann Kaffee usw. und wir kommen irgendwann an den Baum durch den man durchfahren kann. Kostet für Autos 5$ und für Radler 1$ also insgesamt 3$. Super Geschäftsmodell.

Der Abend endet in einem ziemlich abgelegenen Campground (Elk Prairie) vor einer großen Wiese in denen diese speziellen großen Hirsche zu sehen sind. Wir treffen auf dem Hiker & Biker Platz Gianna und Kevin, die wir zuvor auch schon 2x gesehen haben. Ich kaufe wieder Feuerholz und wir machen ein großes Feuer.

Von Brookings nach Crescent City

Die Nacht heute war etwas unruhig. Der Campingplatz war zwar super aber in Hörweite war eine Baustelle. Außerdem mussten wirklich alle Lebensmittel in die Boxen, da die Waschbären sehr aktiv waren.

Die schöne Wanderung an den Strand des Platzes sparen wir uns, wie wir gestern auch die Naturschönheiten Indian Sand und Natural Bridge haben liegen lassen. Hat uns gestern Abend Lee erzählt, wie toll das sein soll. Leider hat sie mir auch erzählt, das im Hinterland viele Einwohner evakuiert werden müssen, da dort massive Waldbrände wüten. Auf der Straße aus Brookings heraus finden sich viele Dankesplakate oder Leuchtschriften mit „Thank you Firefighter“.

Nach nur 8 Meilen erreichen wir Kalifornien. Mit Welcome werden wir an der Agrarkontrolle empfangen, wo auf illegale Pflanzen oder Früchte geprüft wird.

Kalifornien ist erstmal flaches Farmland und wir entscheiden uns für einen Umweg. Wir wollen in den ersten der Redwood Nationalparks entlang des Smith River. Der erweist sich als in den Wald eingebetteter kristallklarer Fluss in den man einfach rein springen muss. Zwei Meilen nach dem Informationszentrum, die uns mit Karten versorgen finden wir dann eine Stelle, bewachen abwechselnd die Fahrräder und gehen im eiskalten Wasser schwimmen.

Weiter geht es auf einer ungepflasterten Straße durch einen dunklen Regenwald mit riesigen Redwood Bäumen, bis wir dann wieder in Crescent City raus aus dem Wald kommen. Das drückt auf den Durchschnitt, denn wir kommen durch den Wald nur mit 3-4 Meilen pro Stunde, so dass wir immerhin 70 km schaffen.

Deshalb stehen wir in Crescent City wieder vor der Frage wo wir übernachten und ich lerne wieder etwas Neues kennen. Das Portal Warmshowers vermittelt zwischen Anbietern und Suchenden eine kostenfreie Bleibe (wieder nur für Hiker und Biker). Wir landen in der St. Pauls Kirche. Das ist dann eine Art Matratzenlager. Neben uns ist da ein spanisches Pärchen, zwei Amerikaner, ein Japaner und wie es der Zufall will: Jean, die ich an ihrem Fahrrad erkenne. Allerdings treffen wir sie erst in der lokalen Brauerei, wo wir sie schon vermutet hatten und wo wir das Wiedersehen feiern. Ein weiterer Radler B. ist auch noch da und es wir ein ziemlich lustiger Abend.