Nachdem wir heute unser Frühstück mit guten Ratschlägen zur „Nach-Fastenphase“ und n(n-1)/2, bei n=8, also 28 Umarmungen mit allen Teilnehmerinnen beendet haben, sind wir zunächst zur nah gelegenen Tankstelle gefahren und haben nun erstmal wieder für aktuell günstige 1,80 getankt. Leider musste ich auch gleich ein Ticket für die Waschanlage kaufen, da ich einen Parkplatz unter einer Linde gewählt hatte. Das gesamte Auto war völlig verklebt ebenso die Hände, wenn sie es versehentlich berührt hatten.
Über eine serpentinenreiche Straße geht es dann über 17 km bis Goslar, wo wir den Wagen vor unserer Unterkunft parken, die aber noch nicht besetzt ist. In wenigen Minuten sind wir in der Altstadt, in der wir bis zum Abend über 11 km ohne nennenswerte Höhenmeter kreuz und quer zurückgelegt haben.
Vorbei am alt-ehrwürdigen Hotel Achtermann, was wir wegen vielen nicht so positiven Bewertungen nicht ausgewählt hatten, betreten wir die Altstadt am Rosentor. Dahinter liegt die Neuwerkkirche, deren Inneneinrichtung durch dezente aber schöne Farbgebung sehr freundlich wirkt. Das Damenstift liegt gegenüber und der grüne Kräutergarten wird zur Naherholung genutzt.

Über die Rosengasse vorbei an der Bronzplastik „Mann mit Stock und Frau mit Schirm“ von Fernando Botero und dem Einhorn führt uns unser Weg als erstes zur einem kleinen Café, wo es neben opulentem Frühstück auch Hafermilch gibt und somit für uns seit längerem wieder einen Cappucino mit „Milch“, um zu testen, ob wir das trotz der guten Ratschläge noch gut vertragen. Er hat sehr gut geschmeckt.
Der Weg durch die Altstadt führt an hunderten wunderschönen Häusern vorbei, die alle individuelle Besonderheiten aufweisen. Kaum ein hässlicher Platz. Mit den Fotos, die ich gemacht habe, ließe sich eine ganze Galerie füllen. Hier ist eine Auswahl von sechs.

So kommen wir zur evangelischen Marktkirche mit den beiden unterschiedlichen Türmen. Als erstes sehen wir das Ticketbüro für den linken Turm, auf dem sich in 45 Metern Höhe eine Aussichtsplattform befindet. So entscheiden wir uns kurzentschlossen für den recht abenteuerlichen Aufstieg über einige Treppenstockwerke, vorbei am Glockengeläut und der inneren Mechanik der Turmuhr mit riesigen Gewichten.
Der Ausblick über die Stadt, beispielsweise über den Marktplatz oder zur Kaiserpfalz in alle Richtungen bei diesem Wetter ist selbstredend großartig. Lediglich der Ausblick auf die kahlen Harzhänge, die intensiv von den Gleitschirmfliegern benutzt werden, stimmt ein bisschen wehmütig. Auch das Interieur der Kirche ist sehenswert. Besonders schön, die Bilder auf der Kanzeltreppe.

Entlang verschiedener kleiner Geschäfte, die wir passieren, kommen wir auf dem Hohen Weg über die Anzucht zur Domvorhalle. Den Dom gibt es nicht mehr. Der Domplatz ist ein großer Parkplatz. Dahinter liegt die Kaiserpfalz. Die erstrahlt auf einem kleinen grünen Hügel gelegen in vollem Glanz, von Kaiser Wilhelm „dem Großen“ und Kaiser Friedrich I (Barbarossa) bewacht.
Mit freimütig eingeräumten großzügigen Rabatten können wir die Ausstellung mit sehr viel interessantem Text zu Kaisern, Adel, Klerus, Bauern, Bürgern besuchen. Das Highlight ist der Kaisersaal, der behängt ist mit monumentalen Gemälden, die jeweils ein bedeutsames geschichtliches Ereignis repräsentieren. Erfreulicherweise wenigstens mit römischer Jahresangabe markiert, um recherchieren zu können, was das Bild wohl darstellen soll.

Auf dem Rückweg sehen wir Löwen und die beiden Kaiser von hinten, ohne damit eine Wertung abgeben zu wollen. Wir wollen nun unsere Zimmer im Hotel beziehen. Auf dem Weg finden wir einen Erdbeerstand und erstehen dort eine Schale mit ganz hervorragenden Erdbeeren für eine kurze Picknickpause auf unseren Zimmern.
Dann starten wir wieder in die Altstadt, als erstes zum Mönchhausmuseum. Neben den modernen Kunstwerken und Videoinstallationen im Haus ist die eigentliche Attraktion das alte Gemäuer selbst mit der Konstruktion der Zimmer und der Stockwerke. Im beschaulichen grünen Innenhof sind auch nette Außenkunstwerke zu sehen.
Auf dem Weg zum Siemens-Haus beginnt uns langsam der Hunger zu plagen, da wir nun auf 17:30 für das abendliche Dinner konditioniert sind. Nach einiger Diskussion landen wir im sehr gut bewerteten indischen Bombay, wo es auf jeden Fall vegane und basische Gerichte geben dürfte. Wir werden nicht enttäuscht, das Essen ist ganz hervorragend.

Über den Marktplatz mit der roten nun in der Abendsonne liegenden Kaiserworth, dem historischen Gildehaus der Kaufleute, der Worthgilde, überqueren wir den Marktplatz. In entgegengesetzter Richtung liegt als Teil der alten Stadtbefestigung noch das „Breite Tor“. Auf dem Rückweg folgen wir wieder der Anzucht mit malerischen Häusern, kleinen blumengeschmückten Brücken, ein paar kleinen Kaskaden und auch noch ein paar illustrativ platzierten Kunstwerken über dem Bach. Auf dem Moritz-von-Sachsen Platz sehen wir denselben mit seinem Ross, beide offensichtlich Opfer einer Fastenkur.
Wir beschließen den Abend auf dem Marktplatz mit einem kleinen Bier und hoffen, dass unsere Kursleiterin, sollte sie das hier lesen, uns gnädig bewertet. Wir haben es sehr gut vertragen und es hat noch besser geschmeckt.
Goslar zu besuchen war eine sehr gute Idee. Eine sehenswerte freundliche Stadt und der allgegenwärtige Leerstand ist hier deutlich geringer. Dafür gibt es ein große Anzahl an sehenswerten Plätzen und Gebäuden.








