Gestern Nachmittag haben wir von Salerno nach Sorrento gewechselt. Erst mit der Regionalbahn und dann mit der U- oder Straßenbahn. Die eine Verbindung weiß von der andern nichts und Google ist hier nicht vollständig zu trauen. Aber es hat alles geklappt. Bahnhofswechsel von Torre Annunziata Città nach Torre Annunziata, etwa 15 Minuten zu Fuß über kleine Sträßchen mit dem Rollkoffer manchmal ein bisschen unhandlich. Insgesamt waren wir zwei Stunden unterwegs und konnten direkt in unser Hotel Zi’Teresa aufs Zimmer.

Wir haben also den ganzen Nachmittag, um Sorrento noch einmal zu durchqueren. Es ist sonnig, aber windig und es sind einige Touristengruppen unterwegs. Das Größte für die ganzen kleinen Italiener ist allerdings Halloween. In professionell makabren Kostümen, teilweise sind die Mamas auch solidarisch eingekleidet, wandern sie von Geschäft zu Geschäft, um ihre Plastikeimer im Kürbisdesign mit Süsswaren zu füllen.
Wir kommen am historischen Uhrturm mit Bogeneingang vorbei. Es gibt auch hier Streetart-Wandbilder und es dominiert Sophia Loren, wie man sie sich in moderner Kleidung vorstellt. In der Via S. Cesareo, die so eng ist, dass sich nur sehr selten ein Motorroller hier reinwagt, reihen sich die Souvenirshops aneinander. Bunte Limoncello-Flaschen und Zitronenprodukte sind hier überall zu bekommen. Keramik-, Leder-, „Original-Italian“ Bekleidung- und Holzintarsien-Geschäfte wechseln sich ab.
An der fantastischen Steilküste beginnt bereits der Sonnenuntergang mit Blick aufs Meer. Als Sehenswürdigkeiten werden der Kreuzgang des „Chiostro di San Francesco“ und die „Basilica di Sant’Antonio“ genannt. In der Dunkelheit wage mich noch einmal auf unsere dunkle Dachterrasse und werde mit einem nächtlichen Blick über die beleuchtete Stadt mit dem Vesuv im Hintergrund belohnt.
Heute haben wir uns zu einer Wanderung entschlossen, die ich auf Komoot gefunden habe. Der Wetterbericht ist nicht so schön. Regen, Wolken und Gewitter sind angesagt. Nach dem ganz ordentlichen Frühstück starten wir. Während wir die ersten hundert Meter gehen, kommen auch die ersten Tropfen und nach wenigen Minuten ist es dann richtiger Regen. Regenjacken an und nach einem Kilometer wieder zurück, es schüttet, aber nach zwei Stunden ist der Himmel wieder blau.
Wir starten also erneut und diesmal schaffen wir die gesamte Distanz von 18 km mit 552 Höhenmetern über Sorrento, dem Ortsverbund Massa Lubrense und Marina della Lobra.

Durch die Fußgängerzone bis zum Ortsende, ein paar hundert Meter entlang der Fahrstraße mit sicherem Bürgersteig und dann geht es auch schon steil hoch. Es öffnen sich weite Blicke über unzählige Olivenhaine auf Sorrento. Über alte, meist gepflasterte Wege durch Steinmauern hindurch ist das Panorama am Anfang noch etwas eingeschränkt.
Zunehmend öffnen sich die Blicke über grüne Zitronenkulturen auf das Meer. Die Besiedelung ist sehr dicht, wird aber immer durch Zitronen- oder Orangenplantagen oder Olivennetze durchbrochen. Massa Lubrense besteht wohl aus einer Reihe von kleinen Ortschaften, die dicht beieinander liegen. Der Kirchturm der alten gelben Kirche hat sicher schon bessere Zeiten gesehen. Einfaches Verputzen reicht da nicht mehr.

Je weiter wir nach Süden kommen, werden wir mit Panoramablicken belohnt. Dabei übertrifft der nächste immer den vorangehenden. Zunächst der Blick über die Häuser von Massa mit Vesuv im Hintergrund. Dann sehen wir vor uns Capri liegen. Oben auf dem Gelände des Wachturms glauben wir das Optimum erreicht zu haben. Rechts der Vesuv, vorne Ischia, auf der andern Seite Capri. Aber der Belvedere dell’Annunziata übertrifft das dann doch noch: Capri, Ischia, Procida und der Vesuv sind alle gleichzeitig zu sehen. Allerdings ist Ischia nicht mehr sehr gut zu sehen, denn eine bedrohlich dunkle Wolkenwand braut sich von dort über dem Meer zusammen.

Nun beginnt ein steiler Abstieg mit Treppen und sehr engen Wegen, aber trotzdem gibt es links und rechts immer wieder ein Anwesen mit tollem Blick und Autos, die es irgendwie da hin schaffen. Erster Hunger stellt sich ein und überraschender Weise steht auf einmal ein Marktstand mit Nüssen, Nougat, Keksen und Süßigkeiten am Straßenrand unter einem Zeltdach. Wir kaufen ein bisschen ein und er freut sich, dass wir uns bemühen, italienisch mit ihm zu sprechen. Bei der Kirche mit Friedhof kommt uns die Erkenntnis, warum er da steht: heute ist Allerheiligen und viele Italiener besuchen die Friedhöfe und holen sich dabei ein paar Süßigkeiten. Wir sehen den kleinen Hafen Marina della Lobra mit Fischerbooten und bunten Häusern.
Nachdem wir bei Angelo’s am Hafen zwei gute Cappucini und eine bescheidene Pizza mit 2x Coperto zu uns genommen haben, folgen wir der Küstenpromenade mit schwarzen Felsen und zunehmend bewölktem Himmel. Kurz vor der Steilküste führt eine steile Treppe nach oben und nach steilem Anstieg müssen wir dann ein paar hundert Meter der befahrenden Straße folgen, bis wir wieder auf abgeschiedene schmale Wege mit überwuchernder Vegetation kommen. Ein bisschen mulmig ist es uns bei diesen Wegen, ob sie nicht irgendwann im Nichts enden. Unter dunklen Wolken mit einem hellen Streifen sehen wir Capri noch einmal von oben. Der Blick auf die Inseln im Meer und den stimmungsvollen Himmel genießen wir nur kurz, denn es ist offensichtlich, dass der Regen bald kommt. Auf den letzten zwei Kilometern kommen dann die Regenjacken und der Regenschutz für den Rucksack zum Einsatz und so kommen wir nach knapp fünf Stunden bei ziemlich strömendem Regen gut geschützt im Hotel an.






























