Nachdem wir uns mit den Rahmenbedingungen, wenig Essen und ein kleines Bewegungspensum, arrangiert haben, sind heute immerhin insgesamt 11 km mit 224 Höhenmetern zusammengekommen. Zunächst gehen wir entlang der alten Lorenschienen, die noch ab und zu auch touristisch verwendet werden, in Richtung Ottiliaeschacht. Zuvor passieren wir eine Wohngegend mit exklusiveren Häusern und schönen Gärten mit direktem Blick auf einen der vielen kleinen Seen.

Dann führt der Weg weiter durch den Wald und entlang vieler mit Blumen übersäten Wiesen. Landwirtschaftliche Nutzung gibt es praktisch keine. Beim Ottiliaeschacht sehen wir einen relativ modernen Turm. Bei diesem Schacht handelt es sich um einen, der zuletzt aus dem Betrieb genommen wurde. 1930 war fast überall Schluss mit Bergbau im Harz. Einige der alten Transportzüge, die Transportwagen heißen Hunde, sind auf dem Gleissystem zu sehen.
Entlang eines weiteren künstlichen Wassergrabens kommen wir dann wieder nach Clausthal zurück, wo wir uns von der Gruppe absondern. Clausthal ist der etwas lebhaftere Teil von Clausthal-Zellerfeld mit ein paar Geschäften, Restaurants und Cafés. Dabei passieren wir das Robert-Koch Haus, in dem er seine Jugend verbracht hat und kommen schließlich zur größten Attraktion, der blauen Marktkirche.
Die größte Holzkirche Europas liegt auf einem großen Platz, der frei von Pflanzen gehalten worden ist, um den imposanten Bau besser zur Geltung kommen zu lassen. Bei einer Hitze von 30 Grad, die aktuell herrscht, wirkt das dann allerdings ein bisschen leblos. In der Kirche ist es kühl. Der imposante große Innenbereich ist, wenngleich protestantisch, barock gestaltet. Auf dem Weg passieren wir auch das Hotel Krone, das damit wirbt, Heinrich Heine auf seiner Harzreise beherbergt zu haben. Das Restaurant ist dauerhaft geschlossen.

Die Häuser in Clausthal und Zellerfeld geben ein sehr unterschiedliches Bild ab. Insbesondere entlang der Hauptdurchfahrtsstraße reihen sich Leerstände und völlig verwahrloste Gebäude aneinander. Unser nächstes Ziel ist das Waldseebad. Auf dem Weg dahin kommen wir wieder durch bessere Viertel mit wunderschön gestalteten Fassaden und Gärten. Insbesondere die verstreuten Gebäude der verschiedenen Institute der Technischen Universität von Clausthal, in beschaulichen Parks verstreut, wirken einladend.

Die Bergwerkstransportwägen (Hunde) sind ein beliebtes Motiv, um den Vorgarten aufzuwerten. Dass wir hier einen alten Kramer-Traktor aus Überlingen zu sehen bekommen, kommt allerdings unerwartet.
Bei 30 Grad freuen wir uns auf Abkühlung im Waldseebad, kostenlos, allerdings ohne Kiosk, mit Umkleidekabinen und Toiletten und einem schönen angenehmen Einstieg in den gestauten See. Das Wasser ist bereits warm genug, um angenehm schwimmen zu können.

Auf dem Rückweg schauen wir uns dann noch das Innere der Zellerfelder St. Salvatoris Kirche in unmittelbarer Nähe des Hotels an. Ein imposanter grauer, von außen eher schmuckloser großer Kasten. Innen ist eine ganz interessante Kunstausstellung einer lokalen Künstlerin. Das Besondere in dieser Kirche ist das neuzeitliche Altarbild von Werner Tübke, welches 1997 eingeweiht wurde und ob seiner atheistischen Einstellung zu kontroversen Diskussionen führte.
Direkt gegenüber ist die historische Apotheke zu bewundern mit beeindruckender Eingangstür und der Besonderheit gleichmäßig angebrachter Gesichter oder Fratzen rundum die Ballustrade.
Kurzum ein schöner abwechslungsreicher Tag, mit blauem Himmel ohne ein einziges Wölkchen, viel grün, interessanten Gebäuden und sogar einer kleinen Erfrischungspause im See.