Zur Gorges du Loup und St. Paul de Vence

Wieder alle Vorhersagen ist der Himmel heute eher grau. Wir ziehen uns etwas wärmer an und machen uns mit den Fahrräder auf Richtung Gorges du Loup. Teilweise führt auch die Fahrradwege über die Hauptverbindungsstraße von Vence nach Grasses, teilweise sind sie so geführt, dass es zwar von der Straße über Seitenstraßen abgeht, dann aber steil nach unten und ebenso steil wieder zurück. Das drückt auf den Schnitt und zehrt an den Kräften. Ab Tourrettes sur Loup (erstes Foto, malerisch auf dem Felsen gelegen) bleiben wir dann auch auf der Hauptstraße bis Pont du Loup wo es zum Einstieg in die Schlucht. Die Brücke bei Pont du Loup existiert nur noch in Form riesiger Brückenpfeiler. Nach ein paar Kilometern aufwärts mit moderaten 5-7% sehen wir den ersten faszinierenden Wasserfall (Cascade de Courmes) mit tollen Farben und Formationen. Fast wären wir dran vorbei gefahren so unauffällig ist der Platz von der Straße aus. Beim zweiten Wasserfall (Cascade u Saut du Loup) gibt es dann Parkplatz und ein Restaurant und Eintritt. Von hier lassen wir uns durch die Schlucht wieder runterrollen und folgen dem Loup bis nach Colle sur Loup.

In Colle sur Loup ist noch wenig los, es ist Mittagszeit und wir finden für einen Café aus dem Pappbecher nur eine Creperie. Eine Crêpe gibt es dann auch noch dazu. Von dort suchen wir einen Weg nach St. Paul de Vence und müssen die verlorenen Höhenmeter wieder einholen.

Erwartungsgemäß ist in diesem Dörfchen voller Galerien, Künstler und Kunsthandwerker trotz Vorsaison ziemlich viel los. Wir schieben unsere Räder durch enge Gassen und blicken von oben auf den Friedhof ohne das Chagall-Grab zu suchen. Beim Rausfahren aus dem Ort (Richtung Vence) unterläuft mir leider ein Navigationsfehler. Wir verlieren fast die gesamten Höhenmeter und müssen alles wieder hoch bis nach Vence. Teilweise über ziemlich befahrene Straßen.

So haben wir über 54 km immerhin gute 900 Höhenmeter gesammelt.

Vence, Col de Vence und 7 Dörfer

63 km, 1100 Höhenmeter, moderat aber durchaus anspruchsvoll und wunderschöne Panoramen.

Heute nehme ich mein Reiserad, beim Aufpumpen stelle ich fest, das aus der Felge Wasser quillt. Wird sich hoffentlich wieder verziehen. Der Himmel ist strahlend blau. Auf der Terrasse ist es wunderschön warm und so bin ich erstmal unschlüssig wie warm ich mich anziehen soll. Ich entscheide mich für die Dreiviertel Radhose umd eine Jacke. Die dünnen Handschuhe ziehe ich besser auch an.

Nach wenigen Kilometern biegt die Straße zum Col de Vence ab. Es geht von knapp 400 Meter über knapp 10 km auf knapp 1000 Meter hoch. Die Steigung ist moderat und es ist kaum Verkehr. Die Jacke stopfe ich irgendwie in die Trikottasche, denn der Aufstieg bringt mich schnell zum Schwitzen. Die Franzosen legen großen Wert auf Fahrradfreundlichkeit. Zu jedem Kilometer wird über Reststrecke und verbleibende Höhenmeter bis zum Pass informiert. Außerdem wird den Autofahrern mit ebenso häufig angezeigten Informationstafeln eingeschärft 1,5 Meter Abstand zu halten. Die meisten halten sich erfreulicher Weise dran, außerdem ist sehr wenig Verkehr.

Oben angekommen stürzt ein Franzose auf seinem Carbonrad im Stehen, kommt nicht mehr aus den Pedalen. Ich will ihm helfen und vergesse dabei das Gipfelfoto. Im Osten sind die verschneiten Berge zu sehen, im Süden das Meer und der Fels von St. Jeannet.

Nach dem Pass fällt die Straße kurz ab, passiert auf einer Höhe verschiedene einsame Täler bis das Dorf Coursegoules in Sicht kommt. Farblich hebt es sich kaum vom Felsen ab, an dem es dran hängt. Zum Dorf hin hebt sich sich die Straße auf über 1000 Meter. Am Brunnen, mit der freundlichen Kreidetafel, das Wasser frisch und trinkbar sei, fülle ich die Flaschen wieder auf. Handwerker sitzen draußen zum Mittagstisch und ich fahre weiter zu Dorf 2, Bezaudon des Alpes. Es liegt etwas ab von der Hauptstraße und ich klettere den Kilometer nach oben und werde mit einem schönen Ausblick auf das Dorf und ein sensationelles Panorama auf verschneite Berge belohnt.

Es folgen weitere Dörfer. Bouyon (3), da esse ich am Brunnen einen Riegel, Le Broc (4), Carros (5) mit großem Besucheransturm, die Polizei steht mit drei Mann am mittelalterlichen Übergang und stellt sicher, dass nur Fußgänger rüber dürfen, Gattieres (6), auch wieder malerisch auf einem Hügel gelegen. Das Panorama der Dörfer wehrhaft auf Hügeln angesiedelt vor verschneiten Bergen ist einzigartig.

Zuletzt geht es bei St. Jeannet (7) noch einmal steil 2 km nach oben. so knacke ich insgesamt mit 63km die 1100 Höhenmeter Marke. Diesmal sehe ich den Felsen, den ich zuvor aus allen Perspektiven von der Seite und von gesehen haben direkt über seinem namensgebendem Dorf. Der Platz für die heilige Barbara bietet wieder den faszinierenden Ausblick und der Brunnen wird offensichtlich mit kleinen Steinen und Zettelchen als Wunschbrunnen genutzt. In der kleinen Bar „chez Lisa“ bewirtet von einem ziemlich alten, wettergegerbten Althippie gönne ich mir einen Milchkaffee bevor es wieder runter und ein paar Kilometer bis zu unserem Domizil auf der Straße nach Vence zurück geht.

Die letzten Höhenmeter hole ich mir dann noch indem ich einen Durchgang von der sehr befahrenen Straße zwischen St. Jeannet und Vence zur alten Straße suche. Die Verbindung gibt es, aber sie endet auch für Fahrräder in einer Sackgasse, bzw. Trampelpfad mit Tragepassage. Besonderer Gag, ein 7,5 Tonner aus Polen versucht in der Sackgasse zu wenden, keine Chance. Die Stichstraße ist gerade breit genug für seinen Laster und da muss er jetzt 500 Meter bei ca. 14% Neigung rückwärts hoch. Fahrer Pole, kein französisch, ein bisschen englisch. Ich versuche noch bei den Nachbargrundstücken zu klingeln ob einer von den Villen vielleicht sein Tor aufmachen kann – ohne Erfolg, keiner da. Auf der Hälfte gibt es eine halb offene Einfahrt. Bis zu der rückwärts hoch und dann wenden. Deutlich schweißtreibender als das mit dem Rad zu fahren. Also besser 2x aufs Navi schauen.

Wanderung über die Hausberge von Vence

Dem deutschen Aprilwetter sind wir entflohen, bis nach Vence, Südfrankreich haben wir es geschafft. Auf der Fahrt Schnee und strömender Regen. Hat mir ein bisschen Leid getan für unsere Räder. In Vence ist das Wetter schön ankündigt, kühl so um 12 bis 15 Grad aber sonnig. Am ersten Tag gab es noch ein paar Wolken und wir sind auf die Hausberge Baou Noir und Baou Blanc gestiegen.

Auf der Baou Noir begegnen wir einer kleinen Wandergruppe, der einzigen. Das Panorama über die Felsen von St. Jeannet, Nizza, Vence, Antibes ist ziemlich eindrucksvoll. Oben an der Baou Blanc hängt die Wolke, so daß wir hier wieder nach Vence auf einem sehr steilen Kletterpfad absteigen.

St. Jeannet

Abends laufen wir noch ein bisschen durch das Bergdorf St. Jeannet. Sensationell schöne Ecken und es werden sogar noch Immobilien verkauft.

Von Soultzeren nach Basel

Heute ist es ein langer Tag geworden. 9 Stunden unterwegs, 114 km, 1462 Höhenmeter.

Es war ein sonniger Tag und so war schnell klar, das ich noch einmal nach oben wollte. Allerdings noch einmal zum Col de la Schlucht hoch zu fahren wollte ich wegen des vielen Verkehrs auf der Strecke nicht, obwohl der Anstieg mit 7 bis 8 Prozent durchweg moderat gewesen wäre.

Stattdessen entscheide ich mich für den Aufstieg von Metzeral über Münster. Bis Metzeral geht es moderat über Nebenwege.

In Metzeral ein kurzer Blick von der Brücke und auf das Hotel in dem wir vor 25 Jahren einmal waren, an der Abzweigung nach Mittlach.

Ab Sondernach wird es dann richtig steil. Teilweise 10 bis 14 Prozent bis zum Col de Platzerwasel. Leider ist man da noch nicht oben, es geht nur kurz abwärts und bis zum Breitfirst muss man nochmal über 100 Meter klettern. Insgesamt war das mit den vier Taschen eine besondere Herausforderung aber es lief ganz gut.

Oben bleibt die Route des Crêtes auf ca. 1200 Meter und beim Grand Ballon muss man dann nochmal steigen. Es ist irre viel los. Beim Aufstieg war wenig Verkehr, nur die unvermeidlichen Motorradschwärme stören. Oben ist ein Getümmel rund um die vielen kleinen Ferme Auberges. Neben Motorrädern, Autos, gibt es  auch ein paar Rennradler.

Der Blick auf beide Seiten der Passstraße Route des Crêtes ist faszinierend. Man sieht weit in alle Richtungen. Am Pass des Großen Belchen, dem höchsten Punkt, lege ich eine Rast ein. Dann geht es runter (so denke ich) leider stellen sich aber noch ein paar kleinere giftige Anstiege dazwischen. Ein Blick zurück auf den Ballon und dann geht’s irgendwann steil in die Serpentinen bis Cernay. Der Garmin Edge 830 bekommt nun den Auftrag mich nach Basel zu navigieren.

Das funktioniert bis Mulhouse ziemlich gut, durch die Stadt ganz passabel aber auf einer breiten Landstraße ohne Seitenstreifen und schnellem Verkehr übergebe ich an Google und fahre ab jetzt durch stille Wälder auf asphaltierten Radwegen bis zum Kanal Huningue auf ganz feinem Kiesweg bis zum Rhein, praktisch mitten in die Stadt ohne ein einziges Auto und über Radwege bis zum gebuchten Hotel Rheinfelder Hof, auch 2*, kostet mit Frühstück das Gleiche, wie das Hotel gestern, es liegen aber Qualitätswelten dazwischen.

In Basel ist ganz großer Betrieb. Jazzbands überall in der Innenstadt und am Rhein.

Die Pizza kostet mit 20 CHF ebenfalls etwa das Selbe, wie das Choucroute von Gestern. Der Unterhaltungswert ist aber in Basel ungleich interessanter, die Stadt wirkt sehr lebendig.

Von Adelspach nach Soultzeren

Heute hat sich meine Schlechtwetterkleidung bewähren müssen. Leider verhindert der Regenschutz beim Aufstieg nicht, dass man aufgrund des Kondenswasser innen dann doch ziemlich nass wird. Vielleicht hätte ich doch besser einen Tag Ruhe mit Ausflug nach Mulhouse einlegen sollen. Dort sei es heiß und trocken gewesen.

Nach einem ziemlich reichhaltigen Frühstück und ein paar Kickerspielen hat es sich draußen mit leichtem Niesel eingeregnet. Also Ruhetag oder weiter fahren? Obwohl mich alle zum Ruhetag überreden wollen, entscheide ich mich für weiter und in voller Regenmontur geht es kurz vor 12h los.

Schon nach kurzem erreiche ich den Col de Freland. Es geht auf eine lange Abfahrt und ich verliere Höhe bis auf 360 Meter. Unten ist die Straße trocken und ich verpacke die Regenklamotten. Es steigt langsam bis nach Obrey. Von dort biege ich rechts ab Richtung der Seen Lac Noir und Lac Blanc. Ab 800 Meter, wohin es ziemlich steil hinauf ging, ist die Wolke wieder erreicht. Regenklamotten wieder an, am Lac Blanc auf 1050 Meter im strömendem Regen vorbei bis zum Col de Calvaire auf 1134 Meter. Alles nass und ich ziehe mir unter die Regenjacke eine trockene Jacke an.

Die Route des Crêtes führt wellig ohne sehr große Steigungen bis zum Col de la Schlucht. Zwischendurch klart es auf und man erahnt schöne Ausblicke in den Wolken.

Am Col de la Schlucht pausiere ich und versuche die Logistik der Übernachtung zu lösen. Leider sind die vielen Auberges entlang der Route des Crêtes alle ausgebucht und mit bleibt nichts anderes übrig um ein sehr einfaches Hotel in Soultzeren zu buchen, denn auch Münster weiter unten ist vollkommen ausgebucht. Also wieder auf 500 Meter runter, es regnet wieder in Strömen.

Kurz vorm Ziel, mit traumhaften Blick aufs Münstertal, ist alles wieder trocken. Das 2* Hotel Geradmer ist extrem einfach. Ich habe das Familienzimmer mit 4 Betten und Minibad gebucht. Alleine geht es gerade, zu viert mag ich es mir nicht vorstellen. Der Transport meiner kompletten Camping Garnitur erweist sich bislang als überflüssig.

Mit 57km eher eine kurze, gleichwohl anstrengende Etappe. 1000 Höhenmeter habe ich gesammelt und mal sehen ob ich morgen noch einmal die Route des Crêtes anpeile.

Von Straßburg nach Aubure

Gegen einen kleinen Aufpreis gab es dann im Hotel ein ordentliches Frühstück. Das Hotel Appart City, in unmittelbarer Nähe zur modernen Kunstgalerie ist in einem alten Energieversorgergebäude untergebracht, 15 Minuten zu gehen bis ins Zentrum oder nach Petite France. Über Radwege und asphaltierte Feldwege führt mich Garmin nach Obernai meinem ersten Zwischenziel. Dort ist großer Markt rund um das Kirchengelände und ich schiebe das Rad durch das Getümmel.

Auf der elsässichem Weinstraße, die ich aber manchmal verfehlt habe, führt der Weg durch viele pittoreske Fachwerkdörfer bis nach Selestat. Auch hier wieder eine sehenswerte Altstadt mit beeindruckendem Münster. Ich gönne mir eine Quiche Lorraine mit Salat und einem Radler. Auf dem Weg sind unzählige Kreuze zwischen den Weinbergen aufgestellt, mit Blick auf Burgen unter denen die Königsburg auf dem kegelförmigen Berg bei Selestat besonders hervor sticht.

Das nächste Ziel ist Ribeauville, wieder ein sehr schöner Ort. Es ist eine Menge los in der Fußgängerzone, die sich durch den ganzen Ort mit Blick auf eine von drei Burgen zieht.

Bislang ging es wellig entlang der Weinstraße, nun wird es steiler auf dem weg nach Aubure, bzw. muss ich eigentlich noch weiter in das kleine abgelegene Adelspach, bis auf 850 Meter. Es sind wieder 90km aber diesmal haben sich die Höhenmeter auf über 1100 angesammelt.

Dort empfangen mich meine Cousine mit ihrer Familie und im weitläufigen Ferienhaus mitten auf der Wiese, umgeben von Wäldern, wird als erstes großartig gegrillt. Die Sorge, dass ihr Mann zu viel Bier gekauft hat, können wir schnell zerstreuen.

Zuletzt schauen wir uns Ribeauville noch einmal bei Nacht an und absolvieren die gleiche Strecke mit dem Auto und es sieht recht steil aus.

Der Wetterbericht für die nächsten Tage ändert sich ständig.

Von Karlsruhe nach Straßburg

Heute bin ich nun ganz improvisiert zu einer kleinen Etappen-Tour mit dem Rad aufgebrochen ohne schon ganz genau zu wissen wohin es gehen soll. Bis Karlsruhe habe ich mich in die S-Bahn gesetzt. Dann wurde der neue Edge 830 auf die Probe gestellt in dem er zunächst nach Rastatt und dann nach Kehl navigieren musste. Das hat ziemlich gut geklappt, immer schön auf asphaltierten Radwegen und selbst durch Straßburg hatte er eine gute Radweg – Linie vorgegeben.

Zunächst habe ich in Rastatt eine Kleinigkeit gegessen und das Barockschloss von außen angeschaut.

Über kleine asphaltierte Wege entlang der Straße nach Kehl im Allgemeinen durch Felder am Baden Airpark vorbei, Blick auf Höhenzüge des Schwarzwalds, vorbei an verschiedenen kleinen Orten bis nach Kehl mit sehr internationalem Stattbild über die Europabrücke und dann sehr gut geführt über sehr gut ausgewiesene Radwege durch Straßburg.

Am Campingplatz wurde ich dann aber enttäuscht. Alles voll, kein Platz fur einen Radler mit Minizelt. Also dann doch ein Hotel und von dort durch Petite France und zum Münster. Leckere Kässpätzle mit Münsterkäse gab es bei Oncle Freddy.

Das waren 87km und vernachlässigbare Höhenmeter und hat sich doch gezogen. Eigentlich war der Campingplatz in Obernai das anvisierte Ziel aber das war mir dann zu weit.

Die Wettervorhersage ist aktuell nicht so prickelnd. Heute war es trotz 23 Grad auf Grund des ziemlich starken Gegenwind relativ kühl.