Ende Oktober reisen wir nach Neapel. Mit dem Zug nach Stuttgart, mit der S-Bahn zum Flughafen. Das klappt alles reibungslos, nur in Neapel erwartet uns eine recht lange Schlange am Alibus. Der fährt zum Bahnhof und Hafen und ist die günstigste und einfachste Möglichkeit, um in die Stadt zu kommen. Die Busse sind eng getaktet und schon den dritten Bus erreichen wir und beziehen das Quartier im historischen Zentrum. Einigermaßen ruhig gelegen zwischen den beiden touristischen Hot-Spot-Straßen Via dei Tribunali und Via Vicaria Vecchia. Die zu trocknende Wäsche hängt malerisch über unsere Straße.

Unser Spaziergang über 17 km mit 363 Höhenmetern führt uns durch die meisten bekannten Orte in der Innenstadt. Der Verkehr in den engen Gassen mit Motorrollern und Autos, die sich nicht immer rücksichtsvoll in ihren Weg durch die Touristenmassen bahnen, ist ziemlich abenteuerlich. Man ist gut beraten, immer sehr aufmerksam zu bleiben. Wir starten in der Nähe der weißen Fassade der „Chiesa dei Girolamini“ und zwischen den überall präsenten Schmierereien finden sich alle paar Meter schönere Wandfresken mit meist entweder Sofia Loren oder Diego Maradona.

Als erstes haben wir das „MANN (museo archeologico nazionale di napoli)“ besichtigt. Dort sind viele der in Pompei gefundenen Kunstwerke ausgestellt. Teilweise riesige Marmorstatuen, wie der Herkules mit Keule und Löwenfell, die Gruppe „Farnesischer Stier“ oder der „Farnese-Atlas“ der statt der Weltkugel eine Himmelskugel mit vielen Sternzeichen trägt.
In einem der Ausstellungsräume mit antiken roten Wandfresken wurde auch Angela Merkel abgebildet, die ihren Urlaub gleichzeitig, mit etwas mehr öffentlicher Aufmerksamkeit verbunden, hier verbringt. An dem berühmten aber unscheinbar aufgehängten Porträt-Medaillon „Sappho“ einer Frau mit Schreibtafel (Pompeji-Fresko) und der Bronzestatue des tanzenden Faun läuft man fast vorbei. Es wird viel renoviert, was eigentlich schön ist, aber das geheime Zimmer oder das Alexander-Mosaik sind deshalb nicht zugänglich.

An der gotischen Kathedralenfassade des „Duomo di Napoli“ kommt man in den prunkvoll verzierten Kircheninnenraum mit goldenem Altar. Die vielen Kirchen sind alle aufs prächtigste mit unzähligen Gemälden und Statuen ausgestattet. Große Maradona-Wandgemälde, -Trikots mit der Nummer 10, -Magnete, Figuren sind allgegenwärtig, und werden mit dem Akronym „D10S“ zum Kult erhoben. In der Via S. Gregorio Armeno gibt es hunderte Verkaufsstände mit Krippenfiguren und den roten Glücksbringern (Cornicelli), die vor bösen Blicken schützen. Über das Portal in der rustikal gebuckelten Fassade der „Chiesa del Jesu Nuovo“ kommt man wieder in einen riesigen prachtvollen Kircheninnenraum mit Kassettendecken und Marmorböden.

Ein breiter Fußweg, der dank einiger Stufen erfreulicherweise mal verkehrsfrei ist und den wir uns nur mit einigen andern Touristen, die den steilen Aufstieg nicht scheuen, teilen müssen, führt zum Panoramablick über Neapel (Belvedere San Martino). Dieser liegt unweit der weithin sichtbaren Anlage „Certosa die San Martina“, das aber Dienstag, wie viele Museen, geschlossen hat.
Der Vesuv ist allgegenwärtig im Hintergrund. Über einige weitere steile Treppen mit Blick auf Terrassenhäuser und den Golf von Neapel kommen wir ins spanische Viertel. Über das Tor in der klassizistischen Palastfassade des „Palazzo Reale di Napoli“ geht es in ein weiteres beeindruckendes Museum.
Es gibt die Möglichkeit, in einem festgelegten Zeitslot die Dachterrasse zu besichtigen. Dort ist ein begrünter Wandelgang mit gusseisernen Bögen und einem tollen Blick auf den Hafen von Neapel wieder mit dem Vesuv im Hintergrund. Durch das spanische Viertel mit der eleganten Jugendstil-Galerie mit Glasdach in der „Galleria Umberto I“ erreichen wir dann langsam wieder unser Quartier.