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Von Deggendorf nach Passau

Nachdem ich gestern mit dem Gedanken gespielt hatte, das Hotel zu stornieren, war ich heute beim Frühstück sehr froh, dass wir unseren Plan eingehalten haben. Für das Frühstück ist ein riesiges Buffet entlang des breiten Korridors angerichtet. In schön eingerichteten Räumen, die den Charme eines alten etablierten Hotels versprühen, genießen wir die grandiose Auswahl.

Gestern sind wir zur Abwechslung mal in einem indischen Restaurant eingekehrt und mit der hervorragenden Bewertung von 4.8 waren wir einverstanden. Das Essen kam so schnell, so dass wir es sogar noch zur Sneak Preview Night des lokalen Kinos geschafft haben. Der Film war nicht ununterhaltsam, aber im Großen und Ganzen ein ziemlicher Schmarrn, wie der Niederbayer dazu sagen würde. Da wir ein paar Minuten zu spät kamen und bis zum Ende des Abspanns der Name des Films nicht genannt wurde, musste ich den Namen des Films recherchieren. Mit den Stichworten “ … film usa 2024 kansas kalifornien brüder korea dreieck homosexualität … “ konnte mich Google zielsicher zum Namen des Films „On Swift Horses“ führen. Erster Eintrag bei taz.de „Spielfilm über unterdrückte Queerness“.

Auf dem Weg kommen wir an einem Museum zu Ehren Gerhard Neumann vorbei, es geht um fliegen und Triebwerke. Es gibt wieder Baustellen auf dem Donauradweg und Umleitungen, die tatsächlich über gute Wege führen. Es gibt wenige Attraktionen auf dem Weg, hier mal eine große Linde mit einem versteckten Kreuz und in der kleinen Gemeinde Winzer gibt es eine Burgruine und ein verwirrende Wegführung: darf man nun hier fahren oder nicht?

In Vilshofen machen wir eine Pause. Am Kai liegen Kreuzfahrtschiffe und direkt vorm Tor finden wir eine kleine Bäckerei, in der es ein bisschen Kuchen und Kaffee gibt. Ungefähr 12km vor Passau geht es dann wieder auf Schotterwegen weiter, bis wir dann weitgehend gut, aber einmal dann doch wieder verwirrend durch Passau geführt werden. Wir sehen unser erstes fahrendes Kreuzfahrtschiff und wundern uns über die geringe Frequenz von Booten, die wir bisher beobachtet hatten. Bevor wir unser mk Hotel beim Bahnhof in Passau beziehen, fahren wir erst einmal bis zur Spitze der Insel, wo der Inn in die Donau mündet, das ist das erste große Ziel: die deutsche Donau. Die nächste Etappe wird nach Österreich führen. Grund genug mein Rad vor der Mündung ins Bild zu bringen.

In Passau werden wir eine weitere Nacht bleiben und können deshalb ein bisschen was waschen. Die Treppe im Hotel läuft um den beleuchteten Globus. Dann geht es zum Rundgang durch die Altstadt, mit Dom von außen und innen und dem Passauer Tölpel und über den Inn-Kai wieder zurück.

Abends erwartet uns eine besonders schöne Überraschung, denn Tochter-2 kommt mit Freund im Camper auf dem Weg nach Süden in Passau vorbei und wir werden zum Abendessen eingeladen.

Das Wetter auf den 64 km mit 246 Höhenmetern war sonnig, bis es ab Vilshofen wieder wolkiger wurde. Morgen soll es schlecht werden. Mal sehen, wie wir unseren Ruhetag da verbringen können.

Von Straubing nach Deggendorf

In unserem geräumigen Zimmer hatten wir genügend Platz, all die nassen Sachen irgendwo hinzuhängen und morgens war auch alles wieder trocken. Ich suche meine Bürste aus den Tiefen einer meiner Taschen und begebe mich in den Hof, um die Regenklamotten vom trockenen Dreck zu befreien.

Das Frühstück ihm Gasthof Röhrl war gut, deutlich besser als gestern. Der Gasthof gehört wohl zu einer eigenen Brauerei, denn gestern hatte ich noch ein dunkles Röhrl Bier, genannt der „schwarze Bruder“. Den ein oder andern Sonnenstrahl sieht man. Aber gerade als ich langsam alles nach draußen bringen will, kommen kleine Tropfen von oben. Wir haben noch ein bisschen gewartet und dann wurde es immer heller.

In Straubing ist es bei der Abfahrt in Richtung Westen schon deutlich freundlicher, während es im Osten noch ziemlich düster ist. Der Stadtturm ist schon von blau umgeben. Die zwei Donauarme um die Insel liegen noch unter dunklen Wolken. Der Fluss hat nun mittlerweile schon deutlich an Breite gewonnen, aber Schiffe sind kaum zu sehen.

Auf den ersten 20 Kilometern waren die Straßen nass, was bei mir ohne Schutzbleche ordentlich spritzte. Dann auf einen Schlag war alles trocken und von oben kam heute auch nichts mehr nach. Vorsichtigerweise habe ich mir wieder eine Tour zusammengestellt, die mit dem Rennrad befahrbar ist, um größere Schmutzpassagen zu vermeiden.

Diese Planung hatte allerdings nicht im Kalkül, dass die Niederbayern offensichtlich den Klimawandel und dabei den Hochwasserschutz besonders ernst nehmen. Denn als erstes mussten wir durch eine riesige Baustelle hinter dem Donaudamm. Beim Reinfahren konnten wir die Absperrung umfahren, beim Rausfahren ging es dann eine steile Böschung runter und wieder hoch. Alles voller Kieswege, aber eine Umleitung oder Alternative war nirgends ausgeschildert.

Später bei Mariaposching fahren wir auch wieder in Richtung Donaudamm, aber sehen von weitem die riesige Baustelle, so dass wir auf der zweispurigen Straße bleiben und das war gut so.

Auf dem Weg gibt es auf dem Hügel bei Bogen die Wallfahrtskirche Heilig Kreuz von weitem zu sehen. Wir verzichten auf den Umweg und kommen an weiteren Donaudamm-Baustellen vorbei. Das bringt die Wege und Straßenführung ein bisschen durcheinander. Manchmal ist es perfekter Asphalt, dann wieder Baustellenschotter.

Nach gut zwei Stunden haben wir Deggendorf erreicht. Es wäre also kein Problem, heute auch noch 60 km bis Passau zu machen und das Hotel Donauhof zu stornieren, aber wir entscheiden dagegen, beziehen schon vor 14h unser extrem geräumiges Zimmer, diesmal mit Ausblick auf die Donau und die Brücke, da wir direkt unterm Dach im vierten Stock sind.

Frisch geduscht machen wir uns zum Stadtspaziergang bei blauem Himmel und 22 Grad auf, zunächst über einen kleinen Pfad hoch ich den Wald zum einzig verbliebenen Weinberg der Stadt. Dann weiter oben entlang mit Aussicht über die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt, vorbei an der Heilig-Grabkirche St. Peter und St. Paul in die Altstadt mit schön breiten boulevardartigen Straßen und Plätzen in Richtung altes Rathaus. Unschön ist der ziemlich intensive Verkehr, der hier mitten durchfließt.

Nach einer Kugel Eis schauen wir beim Bike-Händler vorbei. Nach dem Regen-Debakel von gestern mit eiskalten Fingern, lasse ich mich auf ein neues Roeckl-Handschuh-Experiment ein, denn der Wetterbericht lässt noch den ein oder anderen Regentag erwarten.

Die Distanz von 43 km war mit 148 Höhenmetern wieder fast flach und erfreulicherweise kam auch der Wind meist aus der richtigen Richtung.

Von Regensburg nach Straubing

Nach drei Stunden Fahrt im Dauerregen bei 10 Grad musste ich ein paarmal an die Abschiedsworte des gemütlichen Wirts vom Hotel Adler in Donaueschingen denken „… und immer dran denken, ist alles freiwillig … „. Glücklicherweise waren die Wege heute einwandfrei asphaltiert, nur 2,5 km übelsten Schotter mussten wir nach ca. 35 km überwinden. Wir kommen über die erste Brücke, kurz nach der Mündung der Regen, auf den markierten Radweg.

Die Etappe war ohne größere Höhepunkte. Den Aufstieg zur Wallhalla im Regen bei Donaustauf haben wir uns gespart. Das haben wir uns alles schon letztes Jahr angeschaut. Die Ausblicke auf die Donau waren selten und wenn, dann war alles düster und grau. Ein erster sehr großer Lastkahn ist uns begegnet, nachdem wir bei Kelheimwinzer gestern schon den ersten Jachthafen mit Motorbooten gesehen haben.

Vor dem Einstieg in die Schotterpiste schauen wir nach Alternativen, aber das ist alles zu umständlich. Nur die Schafe auf dem Deich scheinen sich trotz kürzlich erfolgter Schur nicht am Wetter zu stören.

Während gestern am Samstag das Leben überall tobte kommen uns heute nur wenige andere Radler entgegen. Alles wie ausgestorben.

Schon deutlich vor 14h haben wir unser Ziel, das Hotel Röhrl in Straubing, erreicht und können die Räder in einer eigens dafür eingerichteten Fahrradgarage mit Rolltür auf einem Haken aufhängen. Die Räder, die Taschen und die Regenklamotten sind völlig verdreckt. Schön, dass der Regen nun ein bisschen nachlässt, so dass wir uns in der gut besuchten Konditorei Schmidt unweit unseres Hotels mit Milchkaffee und Käsekuchen eine Stärkung gönnen können. Das Frühstück heute im Hampton in Regensburg war ok, aber auch nicht mehr. Angesichts Preis und Standard war die Auswahl eher nicht in Ordnung, zumal sie auch den Massenbetrieb am Sonntag nicht so wirklich im Griff hatten. Wir sind dennoch gut satt geworden, aber die Fahrt im Regen braucht noch ein bisschen mehr Energie.

Die Zeit bis zum nächsten Regenschauer nutzen wir mit einem Altstadtrundgang durch Straubing. Die goldene Dreifaltigkeitssäule glänzt ohne Sonne nicht so eindrucksvoll, der Stadtturm ist immer im Blick und die schönen historischen Gebäude mit Skulpturen und bemalten Fassaden sind auch bei diesem Wetter schön.

Über die Karmeliterkirche laufen wir zur Donau runter und sehen in der Ferne die Anlegestelle, die es offensichtlich innerhalb der Schleife gibt. Über die begradigte Fahrrinne mit riesiger Schleuse sind wir schon mit den Rädern gekommen. Durch den Park im Moosgraben kommen wir zum Spitaltor und von dort zur dominanten und weit sichtbaren Basilika St. Jakob, die nicht ganz so in Barock umgestaltet ist wie die vielen Kirchen, die wir bisher gesehen haben.

Stattdessen gibt es sehr eindrucksvoll bemalte Fenster, die wohl Anfang des 20. Jahrhunderts neu geschaffen worden sind. Orgelkonzert war gestern, aber heute testet ein Organist die Orgel mit Dauertönen auf den hohen Pfeifen. Das beendet unsere Besichtigung und draußen hat der Regen wieder eingesetzt.

Die flache Etappe von 49 km mit 133 Höhenmetern haben wir weitgehend ohne Pause absolviert. Die Schutzklamotten haben uns innen weitgehend trocken gehalten, aber Spaß beim Radfahren fühlt sich anders an.

Von Ingolstadt nach Regensburg

Die Beerdigung, auf der wir zu Gast in Durbach waren und wegen der wir mit dem Zug von Ingolstadt nach Offenburg gefahren sind und dort übernachtet hatten, war einerseits ein äußerst trauriger Anlass, andererseits ein schönes Zusammenkommen von Vielen, die wir schon lange nicht mehr gesehen hatten, in einer wunderbaren Umgebung und vorzüglichem Essen. Mit dem Zug zurück nach Ingolstadt hat auch alles geklappt, auch wenn es manchmal ein bisschen eng wurde. Die Räder im Hotel Anker waren auch da, unser Zimmer lag im vierten Stock unterm Dach und war klein und winklig. Das Frühstück war gut und das Gespräch mit den vier Österreichern auf E-Bikes ergab, dass von Weltenburg keine Schiffe wegen Niedrigwasser fahren.

Nach anfänglichen Navigationsschwierigkeiten finden wir den Donauradweg, der sich mal wieder dadurch auszeichnet, dass man auf staubigen Schotterpisten fährt. Das Kraftwerk am Schotterweg ist die erste Attraktion, neben kleinen Kirchlein und der wenig attraktiven Silhouette von Vohburg mit einem Radweg, der diesen Namen beim besten Willen nicht verdient. Wir wechseln die Donauseite, da geht es asphaltiert weiter, aber wir machen den Fehler, den Fahrradwegweisern zu folgen und landen wieder auf einem Schotterweg. Bis zum Kloster Weltenburg lass ich mich noch zweimal reinlegen, aber wir folgen dann der kaum befahrenen Straße.

In Weltenburg frage ich den Mann im Ticketcontainer, ob es kein Wasser mehr gibt und der erläutert uns die Misere, gibt uns aber den Tipp, dass wir die Fahrräder und uns auch mit einer Zille durch den Donaudurchbruch bringen lassen können. Das setzen wir unmittelbar in die Tat um, denn es ist sehr viel Betrieb im und um das Kloster und wir wollen schnell weiter.

Unsere Räder und ein großer Kinderanhänger haben neben ca. 15 Leuten Platz in der Zille (einem kleinen offenen Boot mit Motor) und die fährt zwar nicht den gesamten Weg bis Kelheim, aber bis zu einer Stelle, wo wir die Räder auf den kleinen Radweg bekommen, der dann bis Kelheim führt.

Auf diese Weise kommen wir in den Genuss ca. 2 km über den Fluss zu gleiten und die faszinierende Felslandschaft vom Wasser aus zu sehen. Dem Nepomuk (in der Mitte auf dem Bild rechts oben) ging das Wasser angeblich letztes Jahr bis an die Füße. Das ist schon ein großer Unterschied.

Auf einem kleinen Wanderweg, der dann mehr und mehr zu einem richtigen Weg später auch mit Asphalt wird, fahren wir bis Kelheim. Es sind sehr viele Leute unterwegs. Beim Donautor finden wir dann auch ein schönes Café und die haben guten Käsekuchen und Milchkaffee. Ich schaue mir den Weg bis Regensburg an und entscheide mich dafür, eine rennradtaugliche Strecke auszuwählen.

Der Anfang ist nicht so schön, große Straße mit wenig Verkehr, der ist dann aber schnell. Sobald wir über die spektakuläre Brücke die Donau queren, fahren wir auf kleinen einspurigen Straßen und durch Dörfer und immer wieder läuft neben uns der offiziell angezeigte Donauradweg. Einfach zu erraten: staubiger Schotter.

Ganz zuletzt schon in Regensburg folgen wir wieder dem Radweg und es bleibt beim Schotter bis fast zur steinernen Brücke. Unser Hampton Hotel liegt am anderen Ende, vorbei an den Kreuzfahrtschiffen. Nachdem wir wieder sauber und in Zivil sind, laufen wir ca. 5 km durch die Stadt auf der Jagd nach den besten Perspektiven von Brücken und Dom. So sind es heute doch einige Fotos bei idealen Wetterbedingungen geworden.

Heute ist auf der andern Seite der Donau auch ein großes Volksfest mit Riesenrad und Kettenkarussell schon von weitem zu sehen. Die Jugend hüllt sich in schicke Trachten meist mit jeweils einem offenen Bierfläschchen als Accessoire. Man sieht kaum Flaschensammler, aber einer ist unterwegs und der ist äußerst bepackt.

Das Essen im Bischofshof am Dom inklusive dem preisgekrönten Weltenburger Dunkel Barock Bier ist ganz hervorragend, wird in Rekordzeit zu absolut akzeptablem Preisniveau geliefert.

Die heute bewältigte Distanz war mit 89 km mit ca. 2 km Bootsfahrt deutlich mehr, als wir bisher gemacht hatten. Die 270 Höhenmeter lassen sich weitgehend auf die beiden Fahrstraßen zurückführen, die wir, entnervt von den Radwegen, genommen hatten. Insgesamt ist es aber gut gelaufen und wir sind bei bestem Wetter und wenig Wind zügig vorangekommen.

Von Neuburg nach Ingolstadt

Heute haben wir nur eine sehr kurze Etappe bis Ingolstadt vor uns. Das Frühstück im kleinen Frühstücksraum mit Einbauküche, Rezeption und drei Tischen haben eine fünfköpfige E-Biker-Truppe, eine einzelne Frau und wir beide Platz. Es gibt weiße Brötchen, Vollkornbrot, Marmelade und Aufschnitt. Ausreichend für uns. Nachts hatte es geregnet. Die meisten Straßen sind schon wieder trocken, aber unter Bäumen spritzt es. Bis zum Jagdschloss Grünau geht es auf schnurgerader Straße mit gut ausgebautem Radweg.

Da wir aber dann darauf verzichten, uns nach asphaltierten Wegen umzuschauen, kommen wir leider nun auch auf Wege, die noch nass und schmutzig sind. Das sind dann die Räder und die Taschen danach auch. Nach einer guten Stunde erreichen wir Ingolstadt. Im Hotel Anker angekommen, erklären wir noch einmal unser Anliegen, dass wir nicht von heute auf morgen, sondern von morgen auf übermorgen hier übernachten wollen. Sie sind alle sehr freundlich und die Umbuchung hatte geklappt. Die Räder finden im Innenhof Platz, unsere Taschen, nachdem wir uns umgezogen haben, in der Bügelstube. Dann reicht die Zeit noch für einen kurzen Rundgang durch Altstadt am Rathaus vorbei mit mehreren Hochzeitsgesellschaften.

Dann setzen wir uns in den Bus zum Bahnhof. Mit Deutschlandticket ausgestattet, suchen wir uns einen Weg im Nahverkehr nach Offenburg, wo wir heute übernachten, um morgen schon sehr früh in Durbach an einer Beerdigung teilzunehmen. Ein Freund, einer der wenigen, die diese Reisen hier im Reiseblog auch immer wieder verfolgt hat und auch selbst gern auf Reisen war, ist leider gestorben.

Mit einer Distanz von 23 km bei praktisch ebenen 45 Höhenmetern sind wir heute nur eine gute Stunde unterwegs gewesen. Der Himmel war bedeckt, aber es blieb trocken, nur die Wege waren es leider nicht immer.

Von Dillingen nach Neuburg

Das Frühstück im Sleepy Sleepy Hotel wurde im knallgrünen Frühstückssaal serviert. Es war nicht viel los, was wahrscheinlich am Aufpreis von 14€ pro Person lag. Es war nicht üppig, aber von allem was da und wir waren zufrieden.

Die Wetterprognose war ziemlich schlecht und die Wege, die als Donauradweg ausgezeichnet sind, versprachen wieder Staub, Schmutz und Schlaglöcher. Angesichts des prognostizierten Starkregens, Gewitters und Hagels habe ich Komoot nach einer Strecke für das Rennrad befragt, der wir dann gefolgt sind. Pfeilgerade geht es über vollständig ausgebaute Radwege entlang der B16 bis nach Donauwörth. Für uns erfreulich war eine Baustelle ab Höchstädt, so dass wir völlig ungestört einige Kilometer auf dem nichtgesperrten super asphaltierten Radweg fahren konnten.

So haben wir die kurzen 25 km bis Donauwörth mit einem Schnitt von 21 km/h schon nach einer guten Stunde erreicht. Da sich erste kleine Tröpfchen auf uns niederließen, verzichteten wir auf die Stadtbesichtigung und fuhren südlich um die Stadt herum. Hier wurde die Navigation etwas schwieriger, bis wir den richtigen Weg wieder hatten. Meistens gab es gut ausgebaute Radwege, aber kurze Passagen waren wir auch auf größeren verkehrsreicheren Straßen unterwegs.

Das erste Foto des Tages habe ich dann in Genderkingen gemacht, wo wir auf die „romantische Straße (vom Main bis an die Alpen)“ eingebogen sind. Kurz danach überqueren wir den ziemlich breiten Lech, der kurz danach in die Donau einmündet und kommen dann in die „historische Stadt Rain“, wie sie sich selbst selbstbewusst bezeichnet. Es gibt ein Stadttor aus Ziegeln und ein Denkmal für den Feldherrn Tilly. Kurz bevor wir in den Ort einfahren, ist die riesige Südzucker-Raffinerie zu sehen. Das Tilly-Denkmal erinnert an eine Schlacht in der Nähe am 15. April 1632, in der besagter Feldherr tödlich verletzt wurde.

Kurz nach Rain begann es stärker zu regnen, wir begannen schon die Regensachen anzuziehen, aber es hörte dann gleich wieder auf, so dass wir Neuburg an der Donau nach knapp vier Stunden trocken erreicht haben und kurz vor 14h unser kleines Hotel Garni am Schrannenplatz beziehen können.

Nach einem Besuch in der Konditorei, unserer ersten Pause für heute, wandern wir entlang der Donau, mit einem einsamen Paddler über die Elisenbrücke mit Blick auf die Altstadt und dann durch die Altstadt mit Barock und Rokoko bis zum Obertor. Die Sankt Peter Kirche ist voller Barock, Bilder und Statuen, insbesondere der Dame, die auf einer Schlange steht.

Abends führt uns die Google Bewertung 4.4 in den Gasthof Rennbahn, alles was besser bewertet ist, scheinen Kebabs zu sein. Oben ist heute eine Versammlung, zu dem alle zwei Jahre stattfindenden Schlossfest und ein Großteil der Neuburger scheint da mitzumachen. Verschiedene Teilnehmer essen noch schnell was. Die Unterhaltungen hören sich schon sehr bayrisch an, während in Dillingen noch das Schwäbische dominierte.

Was uns anfänglich noch kurzweilig erscheint, führt zunehmend zu Verärgerung, denn während alle aufgetischt bekommen, sind wir nach einer Stunde immer noch ohne Essen. Uneinsichtiges Personal (keiner ist Schuld) und ein recht einfach zurecht gemachter Salatteller schmälern das Vergnügen deutlich. Während wir essen kommt der lang angekündigte Regen, der sich aber wieder verzogen hatte, als wir fertig waren.

Danach werden wir mit einem ziemlich eindrücklichen Konzert entschädigt. Zuvor hatte ich ein bisschen recherchiert und habe gesehen, dass das „American-Roots-Duo True North mit Kristen Grainger und Dan Wetzel)“ in der Klavierschule Più Piano auftreten. Einfache melodiöse Lieder , 1-2 Gitarren und schöne Stimmen war ein Höhepunkt. James ist der Leiter der Klavierschule, der sich um solche Konzerte bemüht, ist Kanadier und in Neuburg hängen geblieben. Er meint, dass es ein Geschenk wäre, dass die beiden uns beehren, da sie sonst vor viel größerem Publikum spielen, statt vor den knapp 40 Leuten, die in der Klavierschule Platz gefunden hatten.

Durch die Abkürzungen über die gut ausgebauten Radwege sind wir heute 63 km mit 337 Höhenmetern bei bedecktem Himmel und ganz wenigen Regentropfen unterwegs gewesen. Die Höhenmeter sammelten sich hauptsächlich im letzten Teil der Tour, wo die Landschaft wieder deutlich hügeliger wurde.

Von Ulm nach Dillingen

Nach einem guten Frühstück im mittelmäßig ausgelasteten Frühstückssaal (obwohl das Hotel Comfor ausgebucht ist) kommen wir vor 10h los und die Radwegführung aus Ulm heraus ist sehr ordentlich. Leider wird es dann nach ca. 10 km undurchsichtig und wir müssen „nachnavigieren“. Bis 17km sind die Wege dennoch gut ausgebaut, alles asphaltiert, aber dann geht es in einen Wald und jetzt folgen weitere 17km auf Split und mit vielen Löchern. Eine staubige Angelegenheit. Kurz vor Günzburg kommen wir wieder direkt an die Donau zurück. An der Mündung der Günz in die Donau sehen wir erstmalig ein Wasserfahrzeug. Zwei einsame Kanuten, die offensichtlich einiges an Gepäck mit sich führen.

Da ich mich schon gewundert hatte, warum überhaupt nichts auf dem Wasser los ist, hab ich bei einem der Vermieter recherchiert. Kanu/Kajak fahren ist erst ab 53cm Pegel (wo auch immer gemessen) erlaubt und aktuell verboten.

In Gundelfingen ist es Zeit für eine kleine Pause, beim historischen Bäcker Mack, der allerdings ganz modern am Rewe hängt. Kurz danach gibt es noch eine kleine römische Tempelruine mit geschichtlichem Hintergrund auf Tafeln erläutert. Auf dem kurzen Weg bis Dillingen passieren wir Lauingen, wo der ganz besondere Schimmelturm das Stadtbild prägt.

Als nächstes kommen wir nach Dillingen, was als schwäbisches Rom bezeichnet wird, weil es da so viele Kirchtürme und Brunnen gibt. Wir schaffen sie nicht alle, aber eine kleine Auswahl gelingt uns doch. Von innen schauen wir uns nur die Basilika St. Peter an, mit ziemlich eindrucksvollem Barockdekor. Eine Besonderheit ist die Ölbergkapelle mit oberschwäbischen Terracotta Figuren aus dem 15. Jahrhundert.

Beim kleinen Italiener, der seine gute Bewertung auch wert ist, umgeben von unzähligen Lehrern, denn die ehemalige Universitätsstadt Dillingen ist ein wichtiges Lehrer-Weiterbildungszentrum, beschließen wir den Abend. Bei blauem Himmel, ein bisschen Gegenwind haben wir die 55 km mit 152 Höhenmetern bis um 14h geschafft. Wir hoffen, dass sich die schlechten Wettervorhersagen nicht ganz bewahrheiten werden, denn aufgrund einer Umplanung müssen wir morgen nicht nur bis Donauwörth, sondern bis Neuburg an der Donau.

Von Obermarchtal nach Ulm

Im Frühstücksraum sind außer uns noch die beiden Gäste, die auch gestern im Gasthof Adler gegessen haben und sich dabei recht laut unterhalten hatten, so dass wir deren Unterhaltung insoweit folgen konnten, dass der eine Stammgast im Schwarzen Peter in der Heidelberger Weststadt ist. In der kleinsten Stadt in Baden-Württemberg Munderkingen begegnen uns die beiden schon wieder. Der schwarze Peter Stammgast hat ein echtes Renn-Touren-Rad, der andere ein einfaches Pedelec. Unsere erste Station ist Ehingen mit dem eindrucksvollen Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist.

Der große Marktplatz mit dem phantasievollen Brunnen ist um 11:30 noch recht wenig belebt und mir ist es auch noch zu früh eine Rast einzulegen. Auch heute begleiten uns wieder Störche und Storchennester, manchmal sind die Nistplätze ein bisschen skuril, wie hier direkt auf dem Weg. Raps wird zur Kulturpflanze Nummer Eins, ein Feld folgt dem nächsten, auch gestern sind wir schon durch endlose Rapsfelder gefahren. Die Stadt Erbach, wo wir uns dann zu einer kleinen Rast entschließen, hat bei unserer Erkundung nicht viel zu bieten, nur Schloss und Kirche liegen auf dem Hügel und den haben wir nur von Ferne als Motiv wahrgenommen.

Der Radweg führt um Ulm herum erst durch ein Industrie- oder Gewerbegebiet und aus jeder Werksausfahrt kommen Autos oder Laster, deren Weg wir kreuzen. Das ist ein bisschen nervig und verlangt Aufmerksamkeit. In Ulm kommen wir dann nach zweimaligem Verfahren bei unserem Hotel Comfor an. Die Räder werden in einem großen Fahrradraum in der Tiefgarage eingeschlossen und unser Zimmer ist sehr geräumig und in sehr gutem Zustand.

In wenigen Minuten erreichen wir durch die Fußgängerzone den Münsterplatz und verbringen einige Zeit in dieser großartigen Kirche. Das gotische Chor-Gestühl mit lebensecht geschnitzten Figuren, den unzähligen Kunstgegenständen wie dem tollen Altarbild und den riesigen Ausmaßen, wie dem höchsten Kirchturm der Welt, ist es schon eine besondere Kirche.

Eine Dame kommt auf mich zu, sie muss Seelsorge in der Kirche leisten und der dafür benötigte Tisch steht an der falschen Stelle und so unterstütze ich sie dabei, den Tisch durch die Kirche zu tragen. Eine weitere Dame erzählt uns Geschichten zur Geschichte, wie beispielsweise, dass die jüngeren Fenster im zweiten Weltkrieg zerstört worden sind und durch neue ersetzt wurden, aber die wirklich alten Fenster wurden zuvor in Sicherheit gebracht und so gibt es sie noch im Original.

Als nächstes schlendern wir zur Donau runter, durch den Metzgerturm mit einer künstlerischen Verzierung aus lauter Seilen in Harfenform, der lebhaften Donauwiese und dem Rathaus mit prächtiger Fassadenmalerei. Auf der Brücke markiert eine Leiste die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Ein Scherzbold hat auf der bayerischen Seite den Aufkleber „Nett hier aber waren sie schon mal in .Baden-Württemberg“ angebracht.

Die 54 km haben wir mit allen Pausen in knapp vier Stunden absolviert, die Beine waren ein bisschen schwerer heute und der Wind war zwar nicht stark, aber meistens kam er von vorne. Wenige kleine Anstiege haben 266 Höhenmeter verursacht. Am blauen Himmel waren heute nur ganz wenige kleine Wölkchen zu sehen.

Von Sigmaringen nach Obermarchtal

Im Pfefferle ist das Frühstück direkt an den Tischen vorbereitet und man muss sich nicht zum Buffet bemühen. Wir werden vom Herbergsvater auch noch über die geschichtlichen Verschönerungen, die wiederum sein Vater eingebaut hatte, informiert und ich habe Gelegenheit im ausliegenden Spiralheft zum Donauweg bis Passau nachzulesen.

Durch die Radwegführung unter Straße und Bahn und über die Donau sind wir gleich wieder am Schloss. Beim Abschiedsfoto werden wir von der Betreuerin der Royal Rangers Pfadfinder, die hier heute 35 jähriges Bestehen feiern, in ein längeres Gespräch über Glaube und Werte verwickelt.

Beim Buck / Gaggli Produktionsstandort in Ennetach / Mengen, mit einer kunstvoll geformten Nudel aus Metall, kann man sich wochentags die Nudelproduktion oder zumindest verschiedene Erzeugnisse anschauen. Heute ist Sonntag und wir fahren gleich weiter.

Dabei werden wir in Mengen direkt nach der Kirche im oberschwäbischen Stil Zeuge einer großen Prozession. Diese wird immer am Sonntag nach dem 18. Mai abgehalten, um für die Rettung vor den Schweden im Jahr 1632 durch Unterstützung von 1000 Salemer und Überlinger Reiter zu danken.

Nach gut zwei Stunden haben wir die ersten 36km in Riedlingen, dem nächsten größeren Ort, hinter uns gebracht. Hier gibt es wieder einen oberschwäbischen Kirchturm mit Zwiefaltener Tor und verschiedenen Fachwerkhäusern, teilweise mit reich verzierten Fassaden. Immerhin einen Kaffee gibt es auf dem Marktplatz im Eiscafé, denn die Konditorei hat noch zu. Auffällig sind die vielen Storchnester und auch die vielen umherfliegenden Störche.

Nach nur weiteren 15 Kilometern erreichen wir schon unser Ziel, das relativ kleine Dorf Obermarchtal, was aber ein recht eindrucksvolles Kloster hat, welches schon aus der Ferne in der Sonne erkennbar ist. Wir sind früh dran und unser Zimmer, heute mit „Self-Check-In“, ist nicht sehr geräumig, aber dafür ist diesmal alles sauber und in gutem Zustand. Es liegt ein paar hundert Meter außerhalb.

Zu Fuß machen wir uns dann in den Ort auf und wandern durch den Klosterpark, das St. Peter und Paul Münster mit eindrucksvoller Barockverzierung, bis runter an die Donau.

Dort erhält man dann die ultimativen Fotomotive des Ortes, Kloster über die neu angelegte Fischtreppe in der neu naturierten Umgebung. Kajak- oder Kanufahrer müssen dieses Hindernis fortan umtragen.

Die heutige Distanz belief sich auf 54 km und es war mit 273 Höhenmetern nur mäßig hügelig. Anspruchsvoller war ein kühler manchmal recht heftiger Wind, der uns leider auch häufig entgegen wehte. Die letzten Etappen konnten wir mit kurzer Hose fahren, aber oben hatten wir die langen Jacken lieber anbehalten.

Von Fridingen nach Sigmaringen

Obwohl wir heute im Hotel Sonne diesmal bereits um kurz nach 8h beim Frühstück waren, denn um 9h wäre Schluss gewesen, haben wir uns dennoch ein bisschen Zeit gelassen, denn es war wirklich kalt. Zwei ältere Herren, die wir bereits gestern im Wendelstein „Da Giovanni“ gesehen hatten, waren bereits vor uns im Frühstücksraum und sind dann mit ihren E-Bikes entsprechend früh und warm angezogen los gezogen. Sie wollten bis Obermarchtal (unser Ziel für morgen). Wir sind es dagegen gemütlich angegangen und um kurz vor 10h war es dann auch nicht mehr ganz so kalt.

Während wir uns gestern über die wunderbar asphaltierte Strecke gefreut hatten, wurde diese Erwartung heute leider deutlich gedämpft. Ein sehr großer Teil der Strecke bestand aus Kies- / Split- / Schotterwegen. Das war eine ziemlich staubige Sache. Erfreulicherweise ist es trotz dunkel drohender Wolken trocken geblieben. Im Wohnort des Ministerpräsidenten Sigmaringen-Laiz sind wir in einer Bäckerei noch ein zweites Mal eingekehrt, da jetzt gerade ein paar Tropfen runter kamen.

Unser erstes Ziel war das Kloster Beuron, was sich uns sonnig präsentierte. Nur die Kirche war für die Besichtigung frei gegeben. Dort habe ich festgestellt, dass ich eine meiner beiden Trinkflaschen offensichtlich nicht gut in den Halter eingesteckt hatte, sie war weg.

Auf dem ganzen Wege wechseln sich die spektakulären Felspanoramen mit idyllischen Flusslandschaften ab. Ab und zu war der Himmel recht düster, aber immer wieder ist er dann doch aufgerissen, so dass es auch sonnige Motive gab.

Den Teufelsfelsen auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses war einer der vielen kleinen und oft steilen Anstiege voran gegangen. Das Felspanorama mit Felsen, die eng an den Fluss heran reichen, hat den Preis, dass man ab und zu einen Hügel überwinden muss, so dass sich doch ein paar steile Höhenmeter summieren.

In Sigmaringen, das wir schon gegen 14h erreichen, können wir unser einfaches Zimmer im Gasthof Pfefferle schon früher beziehen und uns zum Stadtrundgang durch Sigmaringen rüsten. Bei der Anmeldung haben wir einen Prospekt mit einem historischen Rundgang bekommen, dem wir weitgehend folgen und von dem wir hier eine kleine Auswahl der Sehenswürdigkeiten ausgewählt haben.

Das spektakulärste Motiv ist natürlich das Schloss und für die richtige Perspektive mussten wir zu einem kleinen Aussichtspunkt hochsteigen, der in den Prospekten oder den vielen Wegweisern nicht verzeichnet ist. Also ein Geheimtip, aber in Google und OSM ist alles verzeichnet.

Im Anschluss sind wir wieder runter und direkt zur Empfehlung „Brauwerk“ marschiert. Da gab es diesmal das lokale Zoller-Bier und gutes rustikales Essen. Auf dem Spaziergang durch die Stadt sind immerhin 7 km zusammen gekommen. Die Distanz mit dem Rad war heute 46 km mit 399 Höhenmetern, die wir sehr gemütlich und mit vielen Pausen bewältigt haben.