Spaziergang durch Rom

Heute ist der Himmel blau. Noch ist keine einzige Wolke zu sehen. Die kommen erst am Nachmittag. Wir folgen einem Rundweg entlang verschiedener touristischer Highlights, den ich mir mit Mapy erstellt habe. Insgesamt sind es 24 km geworden und immerhin 360 Höhenmeter waren zu bewältigen. Unser Quartier ist nahe des Bahnhofs S. Pietro.

Unser erstes Ziel ist der Petersdom mit Blick auf die Kuppel vom Vorplatz (1). Drinnen waren wir schon gestern Abend, also nur kurz von außen. Dann geht es weiter zum Castel Sant’Angelo, der Engelsburg (2) und dort über den Tiber zur Piazza Navona (3) mit dem Vierströme-Brunnen vor Sant’Agnese in Agone. Danach kommt das Pantheon (4) mit dem ägyptischen Obelisken.

Von dort ist es nicht mehr weit zum Trevi-Brunnen und der Frontansicht der berühmten Brunnenanlage. Die Menschen drängen sich hier rund um den Brunnen und wie man heute so schön sagt erfordert es robustes Vorgehen, um sich für einen kurzen Moment einen Platz für ein Foto zu sichern. Wenn man direkt an den Brunnen will, zahlt man 8€. Das ist was für Touristinnen, die eine optimale Position für Instagram etc. benötigen. Das nächste Ziel ist die Piazza Spagna.

Dort wartet die Spanische Treppe auf uns. Der Blick hinauf zur Trinità dei Monti ist mit Passanten gesäumt, die zwar von nur wenig entschlossen agierenden Caribinieri ab und zu verscheucht werden, aber schon sitzen wieder neue da. Wir steigen die spanische Treppe hoch und bekommen die Via Condotti von oben zu sehen. Die Trinità deì Monti hat noch eine halbe Stunde auf, deswegen schauen wir uns das Kircheninterieur mit Gipsabdruck der Marmorskulptur der Pietà in der Seitenkapelle Borghese und die unzähligen Kunstwerke, die hier zu sehen sind, direkt an. Die Piazza del Popolo erreichen wir über die Via Condotti mit vielen teuren Geschäften.

Den besten Blick hat man von oben auf den Platz mit dem Obelisk. Dazu steigt man über ein paar Treppen zur erhöht liegenden Terrasse (Terrazza del Pincio). Eigentlich ein schöner Garten, der allerdings durch die vielen rumliegenden Plastikflaschen und die lehmigen Abkürzungspfade ganz vieler Touristen nicht schöner geworden ist. Der Mosesbrunnen (Fontana dell’Acqua Felice) befindet sich auf der Piazza San Bernardo, nachdem wir an der Piazza Barberini eine kleine Rast eingelegt haben. In diesem Viertel sieht man einige Banken und Menschen in schicken Klamotten, die in in der Mittagspause an ihren Lieblingsbars lange Schlangen bilden.

Schließlich erreichen wir die Piazza della Repubblica. Parken in drei Reihen ist hier die Regel und tosender Verkehr ohne Ampeln, der Mut und Entschlossenheit beim Überqueren der Straßen erfordert. Hier sind die ehemaligen Therme von Diocletian – von außen ein ruinenhafter Backsteinbau mit großen Rundbogenfenstern – in denen die beeindruckende Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri untergebracht ist, die nach Entwürfen von Michelangelo entstanden ist.

Nun kommen wir zu nächsten Kirche: Santa Maria Maggiore. Hier die Außenansicht der Basilika und das prachtvolle Innenschiff mit Kassettendecke und den Blick von oben auf die Skulptur von Papst Pius IX in der unterirdischen Confessio-Krypta mit den faszinierenden Marmorböden. Viele ehemalige Päpste sind hier. Die meisten versuchen sich im Prunk ihrer Grabstätte zu übertreffen. Der letzte Papst Franziskus setzt mit einer kahlen Wand (immerhin eine ligurische Marmorplatte) und einem kleinen Silberkreuz (Nachbildung seines schlichten Brustkreuzes) einen kleinen Kontrapunkt zum einfachen Lebensstil.

Gute 20 Minuten benötigen wir bis zum Kolosseum. Die Außenansicht des Amphitheaters ist wiederum Motiv für Tausende. In den fantasievollsten Posen und Bekleidungen hat allein die Betrachtung dieses Treibens schon erheblichen Unterhaltungswert. Vorbei am Konstantinsbogen, direkt neben dem Kolosseum, wandern wir die Via Sacra entlang in Richtung Titus Triumphbogen, der allerdings innerhalb des Foro Romano Gelände steht. Heute Nachmittag ist das Kollosseum und das Foro ausverkauft. Vom Foro Romano sieht man auch einiges von den verschiedenen Aussichtspunkten.

So kommen wir am Forum Romanum mit Ruinen mit Blick auf antike Säulen und Kirche vorbei, bis wir dann das Vittoriano (Altare della Patria) oder Monumente a Vittorio Emanuele II über die Via dei Fori Imperiali erreichen. Wir begnügen uns mit der Frontansicht mit Treppe und Nationalflagge, um dann gleich vorbei an der riesigen Baustelle der Piazza Venezia zum Kapitolsplatz mit Blick auf den Palazzo Senatorio mit dem Reiterstandbild des Marc Aurel zu kommen. Dahinter gibt es wieder einen schönen Panoramablick auf das Forum Romanum über die Ruinen mit Saturntempel. Auf der andern Seite des Kapitols steht dann die Monumentalstatue vom Kaiser Konstantin in frei zugänglichen Kapitolsgärten.

Vorbei am Teatro di Marcello mit einer Außenansicht des antiken Theaters, die sich dadurch auszeichnet, dass einfach ein paar Wohnungen darüber gebaut worden sind, kommt man ins Judenviertel, was an hebräischischer Schrift und koscheren Pizzas einfach zu erkennen ist. Es ist noch nicht viel los und in einem Straßenrestaurant mit weitgehend beschäftigungslosem Koch und Kellnerin machen wir eine kleine Pause. Der Campo de‘ Fiori ist ein ziemlich belebter Marktplatz, allerdings ist der Markt schon zu Ende. Auf der Bruno-Giordano-Statue beobachtet eine Möwe das Treiben ohne viel darauf zu geben, dass die Statue unter ihr mit ziemlich grimmigem Blick in Richtung Vatikan schaut, der für seinen Tod auf dem Scheiterhaufen die Verantwortung trägt.

Über die kleine Fußgängerbrücke Ponte Sisto kommt man über den Tiber. Bei Dämmerung kommen wir über den Tiber im Abendlicht nach Travestere. Wir kreuzen durch dieses belebte Viertel. Das Angebot an Restaurants scheint unerschöpflich. Uns ist es noch ein bisschen früh. Wir laufen erstmal zu unserer Wohnung. Diesmal spielt uns die Wegeplanung von Mapy einen Streich, da sie uns direkt durch den Autotunnel schicken will, was zu einer kleinen Verirrung führt, bis wir dann doch wieder an den Säulen des Peterdoms vorbeikommen. Hier sind in den Nischen kleine Zelte aufgebaut, die tagsüber noch nicht da waren und den hiesigen Obdachlosen als improvisiertes Dach über dem Kopf dienen.

Die Osteria dei Pontefici ist sehr voll, denn das Essen dort ist gut und nicht sehr teuer. Am letzten Abend gibt es nochmal Pizza.