Von Castillon-en-Couserans nach Aulus-les-Bains

Das Frühstück bei Natasha beginn mit einer festlich vorbereiteten Tafel. Alle Gäste des Hauses essen an einem Tisch. Mit Messerbänkchen, silbernen Serviettenringen alles äußerst vornehm aufbereitet. Mit mir frühstücken um 7:30 noch zwei Franzosen aus Dinan, wo wir letztes Jahr durchgekommen sind. Die Unterhaltung ist etwas holprig aber wir können uns verständigen. Der Tag beginnt mit einem Bilderbuchhimmel. Es ist mit 16 Grad noch etwas kühl aber nach wenigen Kilometern geht es zur ersten Steigung hoch zum Col de la Core. Der Anstieg ist diesmal moderat. Über lange Strecken unter 6%, gegen Ende wird es dann steiler aber kaum über 7%. Man passiert verschiedene Dörfchen und in der Ferne präsentieren sich die hohen Berge mit ein bisschen Schnee.

Auf dem Pass öffnen sich dann neue Panoramen und bis Seix am Fluss „le Salat“ ist es dann nur noch eine lange schnelle Abfahrt. Entlang des Flusses steigt das Gelände leicht an. Es gibt auch einen Kayakverleih aber ich habe keine Boote auf dem doch recht wilden Gewässer gesehen. Dann biege ich ins Ustou Tal ab, das über 7 km leicht ansteigt, bis dann die letzten 4,5 km bis zum Col de Latrape steiler werden. Die Aussichten da hoch sind überschaubar aber das Thermometer steigt auf weit über 30 Grad in der Sonne. Oben bin ich dann doch etwas geschafft.

Jetzt kommt nur noch eine weitere schnelle Abfahrt am Wasserfall und mit Blick auf den Ort Aulus-les-Bains. Ich kann heute auch sofort mein „Appartement“ beziehen. Das ist eine Küche mit Schlafsofa auf niedrigstem Niveau. Dafür wollen sie 60€ und Bettzeug plus Handtuch kosten 10€. Es gibt zwar ein Grandhotel und verschiedene Gites aber ich habe zuvor alles versucht was anderes zu finden. Entweder ausgebucht oder sie nehmen nicht für nur eine Nacht. Bei zwei Nächten hätte ich mehr Optionen gehabt, was ich auch überlegt hatte. Also hatte ich das schon so erwartet, wird für eine Nacht schon gehen.

Der Ort hatte wohl mal eine größere Zeit es gibt Therme und besonderes Wasser aber das scheint nicht besonders frequentiert zu sein. Ich denke, dass Grand Hotel gegenüber dem Thermepark lebt in erster Linie von den Wanderern, die hier dann mehrere Tage verbringen. Es gibt hier zwei Restaurants aber das eine hat nur Donnerstags bis Sonntags auf. So sitze ich im einzigen offenen. Der Wirt ist freundlich und ab 19h gibt es hier auch was zu essen. Der Fluss Le Garbet fließt fotogen durch den Ort und in erster Linie kann man hier eben Wandern oder Radfahren.

Diesmal waren es 54 km und 1512 überwundene Höhenmeter.

Von Cierp-Gaud nach Castillon-en-Couserans

Trotz oder wegen des Rauschens der Pique direkt vor meinem Fenster konnte ich sehr gut schlafen. In einiger Entfernung beim Rathaus feierten Sie ein Fest mit Zelt, DJ-Musik und Bar. Als ich nachts gegen 4:30 mal aufgewacht war, habe ich immer noch leise die Musik gehört. Der Blick aus dem Fenster stimmt mich nicht optimistisch. Dafür ist das Frühstück von Ed ein echtes Highlight und bringt ein bisschen Glanz in die tristen Ausblicke grauer Mauern in grauer Landschaft mit grauen tief hängenden Wolken. Kurz vor 9h geht es bei Niesel los und nach 5 km ist St. Beat wieder erreicht. Die Garonne fließt durch den Ort aber das Erscheinungsbild des Ortes ist trotzdem recht düster.

Auf dem Weg zum Col de Menté sind die Straßen nass aber bis auf 1060 Meter bleibt es trocken. Nur für die letzten 300 Höhenmeter setzt der Nieselregen wieder ein. Kurz vor der Passhöhe überholen mich die ersten Rennradler. Es gibt eine Hütte aber ich bin nicht hungrig.

Auf dem Gipfel gibt es das obligate Pass-Gipfel-Foto, diesmal auch mit mir selbst von einem freundlichen Franzosen gemacht. In steilen Serpentinen geht es dann wieder tief runter bis der 4,5 km kurze aber sehr steile Anstieg zum Col de Portet d‘Aspet erreicht ist. Auch da gibt es ein paar Gehöfte und auf einer Terasse sitzen Freudenstädter und ein paar Franzosen und ich bekomme alkoholfreies Bier, eine Tarte und einen Kaffee bei ganz entspannter Jazz-Musik. Ab jetzt kommen keine nennenswerten Anstiege mehr. Nach anfänglichen vielen Serpentinen zieht sich die Strecke über 30 km bis Castillon. In jedem Ort auf der Abfahrt wird ordentlich Werbung für die Tour de France gemacht, die mir hier am 14. Juli dieses Jahr folgt.

Castillon ist ist ein sehr kleines Örtchen in dem ich bei Natasha ein Zimmer gefunden habe. Eigentlich ist Einlass erst ab 15:30. Ich probiere es trotzdem mal. Natasha öffnet mir nach einiger Zeit und war nicht so sehr begeistert, da ich ihren Mittagsschlaf unterbrochen habe. Nach einiger Zeit war sie dann aber ganz engagiert. Es gibt hier wieder nur ein Restaurant und das wollte heute gar nicht aufmachen. Aber nach verschiedenen Telefonaten von Natasha darf ich heute um 19h kommen. Mal sehen was mich erwartet.

Auf der Distanz von 52 km über zwei Pässe hatte ich nach 30 km etwa knapp 1400 Höhenmeter erreicht. Insgesamt sind es 1458 Höhenmetern geworden.

Nach der Dusche schreibe ich erst einmal meinen Bericht für heute und verlasse meine Unterkunft um den Ort zu erkunden. Ich muss noch einmal zurück und die Jacke wechseln, denn es ist auf einmal ganz warm geworden und die Sonne scheint. Auf einem kleinen Gipfel über dem Ort gibt es eine alte Kapelle inmitten eines wild gewachsenen Park. Entlang eines Kreuzgangs, den die Eidechsen als Revier in Beschlag genommen haben, kommt man hoch und hat einen guten Blick über den Ort und die Berge. Als ich wieder runter komme stoße ich direkt auf die Bar im Ortszentrum, die als einzige geöffnete Gastronomie gut besucht ist. Hier lasse ich mich erst einmal für einen Café au lait nieder und ergänze dies hier.

Von Arreau nach Cierp-Gaud

Bei fast blauem Himmel und schön beleuchtetem Rathaus bin ich heute von meiner Airbnb Privatunterkunft bei Katia in ihrer kleinen Wohnung in einem kleinen Zimmer in dem ich sehr gut geschlafen und mich wohl gefühlt habe. Wir haben uns gut unterhalten und alles war sehr unkompliziert. Direkt an der Wohnung ging es über die kleine Ortsstraße in Richtung des ersten Passes heute dem Col de Peyresourde. Auf den knapp 20 km dahin zieht es sich erst mit ganz gemütlicher Steigung. Insgesamt geht es ganz gut auf die erste Höhe von 1569 Metern mit grandiosen Blicken auf die hohen Berge.

In langer schneller Abfahrt geht es über tolle Serpentinen nach Luchon hinunter. Die Orte schmücken sich schon für die Tour de France, die dieses Jahr auch über diesen Pass kommt. Witzig sind die kleinen Ampeln extra oder auch für Radfahrer: wenn man zu schnell ankommt sind sie rot, wenn man etwas bremst, dann werden sie gleich grün. Luchon ist ganz attraktiv, einige Hotels und Restaurants und eine Gondel mit der man ins Skigebiet kommt. Dementsprechend auch viele „Location Ski“. Ab hier wären es noch 15 km zum Hotel und ich kämpfe mit der Versuchung den direkten Weg zu nehmen.

Dann schlage ich aber doch die Richtung zum Col de Portillion ein. Der ist leider im oberen Teil mal wieder richtig hart und ich pedaliere mich in den ganz kleinen Gängen nach oben. Meist ist es hier waldig, kaum Fernblicke nur immer wieder Wasserfälle, die aus den steilen Felsen runter rauschen. Hier einer, vor dem sich einer der vielen Motorradfahrer von seiner Freundin ablichten lässt. Als ich komme muss ich natürlich ein Foto von beiden machen. Kurz vor der Höhe überholt mich eine Rennradlerin, die hier lebt und mich lobt ob meines extra Gepäcks. Nachdem ich ihr erzähle, dass ich bis ans Mittelmeer will, möchte sie gleich ein Foto von mir machen. Auf dem Pass überquert man wieder die Grenze nach Spanien. Auf einem Platz mit schöner Aussicht in die spanischen Pyrenäen kommt man an einer Statue vorbei mit der, durch das daneben angebrachte Schild, alle spanischen Tour de France Sieger geehrt werden.

Bis zum spanischen Ort Bossòst geht das auch sehr flott auf gut ausgebauter Straße runter. Dann sind es leider noch 35 km auf großer Nationalstraße mit viel Gegenwind entlang der Garonne oder in Spanien Garona. Der Hotelwirt hat schon per SMS angefragt wann ich denn komme und ich hatte ihm optimistisch 15:30 geantwortet. Aber angesichts des Windes wird es dann doch fast 16h. Ed, der Besitzer des „Les Deux Rives“ ist sehr freundlich. Mein Fahrrad steht direkt hinterm verschlossenen Eingang. Ich bekomme ein kleines originell eingerichtetes Zimmer.

Eigentlich hatte ich ja in St. Beat was gesucht aber es gab nichts. So muss ich sowohl heute als auch morgen 5 km extra in Kauf nehmen. Das Hotel und mein Zimmer liegt direkt an dem auch wieder viel Wasser führenden Fluss „La Pique“ so heisst auch die Bar gegenüber. Kurz nach dem Ort mündet er in der Garonne. So lässt sich sicher der Name des Hotels herleiten. Sonst gibt es wenig bis gar nichts hier. Ein Intermarché ist da in 15 Minuten Entfernung zu Fuß und „das“ Restaurant (Lou Casteu) des Ortes hinterm Intermarché. Das besuche ich dann heute auch und es gibt wieder eine sehr gut Pizza. Eine große Flasche Wasser ist wie überall gratis und der Wein ist gut und günstig.

Auf der Distanz von 75 km habe ich 1645 Höhenmeter erklettert. Leider waren die letzten Kilometer unter sehr dicker Wolkendecke und es nieselte zuletzt immer wieder. Aber ich habe es trocken ins Hotel geschafft so auch bislang bei den kleinen Spaziergängen.

Von Argelès-Gazost nach Arreau

Nachdem ich heute sehr gut geschlafen habe und ein ganz hervorragendes Frühstück genossen habe und ich mit Blick auf dem Fenster sehe, dass es mit dem Hotelnamen geklappt hat und die Sonne scheint gibt es doch eine Enttäuschung. Als ich der Hoteldirektorin erzähle, das heute der Col de Tourmalet dran ist, meint sie, der wäre heute zu. Ich frage ob das auch für Fahrräder gilt. Sie wollte um 9h beim Tourismusbüro anrufen und um 9h bestätigt sich: für alle Fahrzeuge geschlossen, Arbeit mit großen Maschinen, zu gefährlich.

Man kann sich hier nie sicher sein ob das wirklich ernst ist aber auf 2100 Meter hoch radeln um dann im schlimmsten Fall wieder zurück geschickt zu werden, ist mir dann doch zu riskant. Ich suche einen Weg außen rum. Am einfachsten wäre Lourdes und dann rechts abbiegen, das ist eher flach oder ganz kleine weiße Sträßchen zum Col de Croix Blanche für was ich mich entscheide. Die Flüsse führen irrsinnig viel Wasser. An der Abzweigung vom flachen Radweg nach Lourdes sehe ich, dass ich nur noch 4 km entfernt bin, eigentlich hätte ich ja Zeit, aber entscheide mich dann doch dagegen, vor allem weil plötzlich nicht mehr blau sondern grau am Himmel dominiert. Eine weitere Sperrung auf dem Weg nach oben signalisiert, dass in 2km Schluss sei. Das Risiko gehe ich ein, zumal mir ein Rennradler entgegen kommt. Da stehen dann ein paar Laster und die Straße ist frei. Oben gibt es einen tollen Blick über die Pyrenäenausläufer.

Der Weg zum Col d‘Aspin zieht sich zunächst entlang der Aspe lang leicht steigend hin. Kurz vor Bayenne ein paar Nieseltropfen, dann auf einmal ein paar Regentropfen, ich erinnere mich an das Werbeschild von McDonalds, gebe Gas und erreiche das rettende Vordach von McDonalds gerade als der Wolkenbruch losgeht. Ich war schon lang nicht mehr bei McDonalds und bestellt wird an großen Touchscreens an denen man dann auch direkt mit Karte bezahlt. Man nimmt sich ein Nummernschild und schon bald wird einem das Essen gebracht. In meine Fall das Menü mit Burger, Salat und Cola.

Nachdem ich damit fertig bin, hat sich auch der Regen verzogen. So geht es immer weiter bis in St. Marie-de-Campan die Abzweigung zum Tourmalet kommt. Merkwürdigerweise steht hier „offen“ und es gibt keine Warnschilder. Ab hier wird es steiler obwohl der Col d‘Aspin kein sehr steiler Pass ist, so zwischen 4 und 10 Prozent. Aber ich komme auch wieder nur sehr gemächlich voran und werde von vielen Rennradlern überholt. Der Blick in die verschiedenen Richtungen oben ist gut aber es gibt immer wieder dunkle Wolken zu sehen. Auf der Auffahrt beim Ski- und Touristenzentrum Payolle beginnt es wieder zu nieseln. Schnell die Regenjacke an aber 150 Höhenmeter weiter ist schon wieder Schluss damit. Die Jacke wieder ausziehen und es hat schon gereicht, dass die Arme und Ärmel von innen nass sind. Das ist halt doch noch nicht die optimale Atmungsaktivität.

Von oben sind es dann noch 12 km steile Serpentinenabfahrt bis nach Arreau. Auf dem Weg begegnen mir ein paar Motorräder, viele Rennradler, die auch noch nach oben wollen und einer der mit vier Packtaschen und einer großen Quertasche hinten mit sehr kleiner Übersetzung zügig pedaliert. In Arreau komme ich eine Stunde zu früh an und wärme mich im Salon de Thé mit einer Quiche und Kaffee. Auch hier wieder tosende Gebirgsflüsse in einem schönen kleinen Ortszentrum. Da werde ich sicher nachher was gutes zu essen finden.

Ich bin in einem sehr preiswerten und sehr kleinen Privatzimmer untergebracht und muss mein Rad 2 Stockwerke tragen um es sicher vor der Tür zu platzieren.

Insgesamt war ich dann heute 72 km unterwegs und die 1516 Höhenmeter waren etwas angenehmer als die ursprünglich 2400 geplanten. Mir hat es trotzdem gereicht. Trotzdem sehr schade, dass ich dieses Highlight verpasst habe. Hier hat Jan 1997 das ok bekommen seine Funktion als Edelhelfer aufzugeben und voll zu fahren, was zum einzigen deutschen Tour de France Sieg geführt hat. Das waren allerdings 253 km, die er in 7 Stunden und 46 Minuten gefahren ist (33 km/h). Selbst mit den Einwänden: „kein Gepäck, gedopt, 40 Jahre jünger“ sind das schon unglaubliche Leistungen verglichen mit meinen 11 km/h.

Im Restaurant l’Arbizon werde ich fündig. Da ich heute sehr preisbewusst unterwegs bin: billiges Privatzimmer, billiges Menü mittags bei McDonalds (war gerade richtig für mich) kann ich mir abends was leisten. Aber die empfohlene Flasche Wein und das Drei-Gang-Menü plus Café ist heute auch für unter 40€ zu haben. Salat mit Lachs und Meeresfrüchten, Forellenfilet mit Reis und Gemüse und schließlich noch ein kleines Eis und dabei pro Gang noch eine tolle Auswahl versöhnen mich ganz langsam mit der französischen Küche.

Live Musik gab es dann auch mit französischen und internationalen Hits. Ich habe den Platz hinter der Scheibe gewählt. Da kann ich die beiden super sehen und es ist nicht so laut. Gute Idee: ein Whiteboard, auf dem alle Gäste ihre Wünsche aus einem Repertoire-Menü aufschreiben können.

Von Laruns nach Argelès-Gazost

Die Distanz 47 km mit 1363 Höhenmetern war heute nicht das Problem. Nachdem ich um halb acht in einer Boulangerie wieder einen Croque-Monsieur (freundlicher Weise ausgepackt und aufgewärmt) bekommen habe und in einer Bar noch einen Café au lait bekommen hatte, habe ich mich bis 10h im Apartment aufgehalten und mich dann für strömendem Regen in die Regengarnitur verpackt. Das Fahren ging ganz gut langsam zwar aber stetig. Unter positiv könnte man auch vermerken, dass ich die Sonnencreme gespart habe und vielleicht, dass fahren im Regen etwas meditatives hat. Man hört die Tropfen auf der Regenmütze, tosende Bergbäche rauschen links und rechts von einem hinunter, man überquert die Schlucht mit dem rauschenden Wasser zwischen dem Ort Eaux-Bonnes (bezeichnender Weise „gutes Wasser“) und dem auf über 1000 Meter liegenden Gourette mehrmals. In Eaux-Bonnes sah es einen winzigen Moment so aus, das sich die Sonne herauswagt, so dass ich auf dem Umweg über einen Feldweg, über den mich Komoot geführt hat, die Gelegenheit hatte von dem Aussichtspunkt einen Regenbogen einzufangen.

Das war aber dann das letzte Bild bis zum berühmten Pass „Col d‘Aubisque“ obwohl es auf dem Weg einige interessante Ausblicke hätte geben können. Dort habe ich mich dann überwunden die nassen Handschuhe und die ebenso nassen Überhandschuhe auszuziehen und mit eiskalten und nassen Fingern ein Foto vom Fahrrad und der Passhöhe mit den Tour de France Rädern im Nebel zu schießen. Dann habe ich mich nach drinnen verzögen. Sehr erfreulicher Weise gab es da oben eine schöne urige Hütte und in der war es ganz voll obwohl die Straße völlig leer war. Mangels Bildmaterial hier eine Innenaufnahme trotz Foto- und Videoverbot. Ein Rennradler ist kurz vor dem Gipfel an mir vorbei gezogen und ich habe es ihm nachgetan und einen leckeren „Gateau de Basque“ mit heißer Schokolade bestellt und später noch einen Milchkaffee um noch ein bisschen bleiben zu können. Durchnässtes Unterhemd und Trikot habe ich gewechselt.

Die Straßen hoch sind gut ausgebaut, teilweise überbreit, da Gourette ein Skiort mit Gondeln etc. ist. Da gäbe es auch was zum einkehren mit dem Charme eines verlassenen Skiortes. Da wollte ich aber noch nicht pausieren, da hatte ich noch 600 Höhenmeter vor mir, wenngleich mir der immer lauter werdende Donner und damit ein näher kommendes Gewitter gewisse Sorgen gemacht hat. Kurz vorm Gipfel sehe ich dann auch noch einen gewaltigen Blitz und bis zum Donner sind es noch 9 Sekunden, also ca. 3 km entfernt. Aber es verzog sich langsam.

Gestärkt und etwas getrocknet mache mich an die erste Abfahrt bis es zum Col de Soulor wieder hoch geht. Dort, nach knapp 200 weiteren Höhenmetern, verzichte auf das Pass-Foto und sehe mit Entsetzen, dass die Straße nach Argelès-Gazost gesperrt ist und eine weite Umleitung zu fahren ist. Das wollte ich nur äußerst ungern, denn die Hände waren schon wieder eiskalt. Ich rolle über die Sperrung und sehe einen Mann am Restaurant was werkeln und frage ihn ob ich da mit dem Fahrrad durchkomme. Er meinte das ginge schon, ein bisschen müsste ich das Rad tragen, die Straße sei abgesackt. Nach 3 km erreiche ich einen Zaun und mit einiger Wuchterei schaffe ich es das Rad dran vorbei zu tragen und schiebe es durch die Baustelle. Die Bauarbeiter, wie ich, im strömenden Regen schauen nur. Zwischen Bagger und Rand bleibt noch eine kleine Lücke, wo ich durch passe und auf der anderen Seite der Absperrung wieder das gleiche Spiel.

Dann geht es ohne weitere Zwischenfälle die ca. 20 km runter zu meinem Zielort Argelès-Gazost. Mit Google-Navigation, was bei strömendem Regen und kalten Fingern auch mühsam ist, habe ich das Hôtel du Soleil Levant schnell gefunden und komme zeitgleich mit einer Rennradlergruppe an, die vom Tourmalet kommen.

Wir werden alle sehr freundlich empfangen obwohl alle nass und dreckig sind und die Räder dürfen in eine Garage des Hotels. Das Zimmer ist sehr angenehm und ich kann alles zum trocknen aufhängen. Mal sehen ob das Soleil im Hotelnamen für morgen die gleiche Wirkung hat, wie Eaux-Bonnes für heute.

Während ich mich in meinem Zimmer wieder aufwärme und alles zum trocknen aufhänge und dann beginne diesen Beitrag zu schreiben, hört es doch tatsächlich auf zu regnen. Höchst erfreut mache ich mich noch zu einem Spaziergang durch den wirklich netten Ort auf und kann noch ein paar optimistisch stimmende Bilder nachlegen. Auf dem Bild unten ist in der Mitte das Hotel zu sehen.

In der Annahme, dass ich nicht mehr rauskomme, habe ich mich im Hotel zum Abendessen angemeldet. Das ist zwar nicht mit Larrau vergleichbar aber für 17€ ist es ein solides 3 Gänge Menü.

Von Oloron-Sainte-Marie nach Laruns

Heute war die Distanz nur 43 km und auch die Höhenmeter muten mit 1032 bescheiden an. Dennoch ist es die immer wieder gleiche Geschichte: steil, steiler, noch steiler. So teilt das Schild in dem kleinen Ort Escot mit, dass der Pass Col de Marie-Blanque „ … eine echte Herausforderung für Fahrradfahrer darstellt, egal auf welchem Niveau …“ Es geht ganz gemütlich bei 330 Metern Höhe los und wird dann auf den letzten Kilometern immer steiler. Die letzten drei Kilometer bis 1035 Meter steigen mit 12-13%. Dennoch fällt es heute leichter, da die Steigungen kontinuierlich sind. Es geht nicht ständig wieder runter und dann mit unterschiedlichen Steigungen weiter, wie gestern.

Was mir seit gestern aufgefallen ist, dass sie die Ortsschilder immer verkehrt rum aufhängen. Erst dachte ich, dass wäre ein einzelner Gag, aber es zieht sich durch alle Orte durch.

Nachdem es gestern heftig gewittert und geregnet hat, sind die Straßen heute noch nass, die Wolken hängen tief, aber zunächst hält es. Dann bei ca. 800 Meter Höhe komme ich in die Wolke und es beginnt ein leichter beständiger Nieselregen. Für die letzten 200 Höhenmeter ziehe ich mich nicht um. Das kommt dann oben auf dem Pass. Regenjacke, Überschuhe und Handschuhe schützen mich vor Abfahrtswind und Nieselregen. Einige echte Rennradler sind unterwegs auch einer mit Gravel-Bike und „Bike-Packing“ Taschen. So komme ich in den Genuss eines Fotos mit mir selbst. Ein ganz besonderes Gefährt kommt kurz nach mir oben auf dem Pass an. Es ist elektrisches Einrad über und über mit kleinen Taschen bepackt und der Fahrer steht darauf. In den Abfahrten ist er so schnell wie die Fahrräder und unten im Flachen ist er mit über 30km/h unterwegs.

Auf dem Hochplateau „Les chevaux du Benou“ ist es bestimmt ganz idyllisch mit vielen frei laufenden Pferden und Kühen. Heute hängt die Wolke dicht über dem Plateau. Gerade eben waren die Kühe noch da, jetzt sind sie im Nebel. Durch die Wolke durch ist dann eine Zeit lang kaum was zu sehen bis es im Tal wieder fast trocken und nur noch wenige Tropfen vom Himmel kommen.

Schon um 13h bin ich in Laruns. Ich schreibe eine Nachricht über Airbnb bekomme aber keine Antwort. Leider ist Einlass in meine Appartement erst um 16h. So muss ich mir die Zeit vertreiben. Trotz der mitgenommenen Frühstücksnüsse habe ich Hunger und bekomme am zentralen Platz mit mehreren Gastronomien einen Croque Monsieur, ein Eis, ein Cola, einen Milchkaffee und fange an meinen heutigen Blogbeitrag zu erstellen, auch wenn das Fotomaterial noch recht bescheiden ist.

Das Appartement ist geräumig, einfach muffig. Fahrrad hat in der Küche Platz. Um 16h ist keiner da um mich reinzulassen, nach Anfrage mit kryptischen Antwort und 2x versucht wo anzurufen kommt endlich ein Rückruf. Ich soll zur blauen Tür, die sei offen, ist sie aber nicht.  Oh, das habe die Freundin wohl vergessen. Kurz danach kommt die Freundin, macht sich am Schlüsselkästchen zu schaffen, sie brauchte wohl auch erst die Nummer und lässt mich dann rein. Die Wohnung war also mittags schon fertig und mit winzigen Engagement hätte ich da auch früher rein können. Das wird meine erste negative Airbnb Bewertung.

Auch nachdem ich das Dorf erkundet habe gibt es nicht viele neue Bilder. Gegessen habe ich abends im l’Emabaradère, sehr gut.

Von Larrau nach Oloron-Sainte-Marie

Nach dem vorzüglichen Abendessen gestern Abend hatte ich trotz eines sehr guten lokalen Weines nicht sehr tief geschlafen. Abend saß ich noch auf dem Balkon und habe dunkle Wolken aufziehen sehen. Heute früh sieht es ziemlich düster aus. Grauer Himmel und dichte Wolken in den Bergen. Es gibt ein gutes Frühstück aber auch das ist nicht inklusive, so daß es diesmal keine kleine Rechnung ist. Aber es war ein wirklich guter Aufenthalt.

Neben mir sind um 7:30 schon eine Gruppe von 5 Italienern da, die ganz offensichtlich die Besitzer der 4 Edelrennräder in der Garage sind. Da sie alle sehr ordentlich mit gutem Schuhwerk gewandet sind, vermute ich, dass der fünfte Mann der Fahrer für das Gepäck ist. Das erweist sich als richtig. sie fahren kurz vor mir los, auf dem Weg stehen sie und ich überhole. Auf dem Weg zum Col du Soudet überholen sich mich kurz bevor es steil wird.

Während es zunächst bei der steilen Abfahrt ganz leicht bei kühlen 17 Grad nieselte, ist die Straße Richtung nach Saint Engrace trocken und es zeigt sich der ein oder andere Sonnenstrahl. Bis zur romanischen Kapelle am Ortsende des lang gestreckten Ortes geht es mit moderaten Steigungen voran, so daß ich einigermaßen vorwärts komme. Dann wird es wieder übel.

Die durchschnittlichen 5,6% Steigung, die auf dem Schild angezeigt sind, beziehen sich eben auf die ganze Strecke. Auf über 10 km ergeben sich wieder Steigungen jenseits der 10%, was mein Fortkommen erheblich behindert. Für die ersten 10 km benötige ich 25 Minuten für die nächsten 55, für die nächsten knapp zwei Stunden und dann geht es im Rekord mit ca. 15 Minuten für 10 km wieder nach unten. In der Auffahrt gibt es große Splitfelder, die ich durch Wechsel der Fahrbahn zu umgehen suche.

Das geht heute ganz gut, denn bis auf einen einzigen Motorrad-Schwarm ist hier heute kaum Verkehr. Auf dem Pass gibt es ein paar Ausblicke, insbesondere der Blick über das Wolkenmeer ist schön. Sonst gibt es nichts, keine Gastronomie, wahrscheinlich ist das alles ein Stück oberhalb an der spanischen Grenze.

Die Kollegen, die in Komoot ihre Touren zur Verfügung gestellt hatten, sind auf diesem Abschnitt nach Spanien und dann wieder zurück, was 2.400 Höhenmeter und über 100 km gewesen wäre. Das habe ich mir gespart und bin den direkteren Weg zum Col du Soudet gefahren, den ich nach 30 km erreicht habe. Der kürzeste Weg wäre übrigens nur bergab und ca. 40 km lang gewesen.

Neben und auf der Straße weiden Schafe, Kühe und Pferde, was dazu führt, das reichlich Hinterlassenschaften auf der Straße sind. Das freut die Fliegen, die sich immer sehr erschrecken, wenn ich mich mit dem Rad nähere und dann einen großen Schwarm um mich bilden. Auf der Abfahrt sind dann viele kleine Geschosse, die auf Brille oder im Gesicht landen.

Ab jetzt geht es in langer steiler Abfahrt über breite sensationelle Straßen, fast verkehrsfrei von über 1500 Meter auf ca. 400 Meter runter. Auf den letzten 20 km geht es dann mit geringem Gefälle bis nach 70 km und 1309 Höhenmetern Oloron-Sainte-Marie erreicht ist.

Das ist ein recht schöner Ort durch den die Gave fließt. Mein Zimmer ist heute ein kleines Appartement in einem ziemlich scheußlichen Gebäude mit dem klangvollen Namen Entre terre et mer. Schlüssel liegt in einer Box und nur das Aufschließen bringt mich zu Anfang etwas zur Verzweiflung. Die Wohnung ist im dritten Stock, das Rad kommt im Aufzug mit. Nachdem ich eine Zeit durch den Ort geschlendert bin und sehe wie ganz dunkle Wolken von Westen kommen, erreiche ich das Appartement kurz bevor das Gewitter ausbricht.

Von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Larrau

Mangels Vorhänge bin ich in meinem gemütlichen Zimmer bei Patricia schon früh aufgewacht und habe mir als erstes ein Café für das Frühstück gesucht. Das erste Café wird primär von Einheimischen frequentiert, so dass ich nun Originalbaskenmützen zu sehen bekomme. Das Frühstück selbst ist ein bisschen robust wie auch der Wirt aber für 10€ bekomme ich Schinken-Sandwich, 2 Café au lait, Croissant und Pain au chocolat. Das hält hoffentlich eine Zeit lang vor. Es geht leicht ansteigend in Saint-Jean los.

Der Startpunkt für viele Pilger ist auch mit Bahnhof zu erreichen und bedeutet: Heiliger Johannes am Fuße des Passes, den die Pilger gehen müssen um nach Spanien zu kommen. Schon bald erreiche ich Saint-Jean-le-Vieux auf einer Straße mit viel Verkehr, der aber deutlich nachlässt, nachdem ich auf die D18 zum Pass Col d’Iraty abbiege. Es geht noch eine Zeit lang leicht ansteigend in Richtung Berge, denen ich so immer näher komme.

In Frankreich ist ja Service für all Radler, dass man kontinuierlich informiert wird, wie weit es noch ist und wieviel Höhenmeter noch zu leisten sind. Leider sieht die Anzeige hier etwas harmloser aus, denn es gibt hier einen kleinen Zwischenpass auf 1100 Metern und über 2 km verliert man wieder an die 200 Meter. Für die eigentlich zu überwindenden Höhenmeter bleiben also weniger Kilometer, das bedeutet es ist wesentlich steiler als das Schild suggeriert. Und dann geht es auch gleich mitten rein in die Wand. 12, 13, 14, 15 Prozent Steigung werden bei mir angezeigt und mein Schnitt für die nächsten 10 Kilometer sinkt auf unter 6 km/h. Dann kommt ab 800 Metern auch noch Gegenwind.

Nach der kleinen Zwischenabfahrt auf der der Wind so bläst, dass ich viel bremsen muss, liegen die Schafe auf der Straße. Entlang des Weges wie auch oben am Pass, den ich endlich nach knapp 4 Stunden erreicht habe, grasen die Kühe. Für Menschen gibt es leider nichts, da sie hier oben alle Mittagspause machen. So fahre ich ohne was zu essen bis zu meinem Zielort Larrau.

Leider geht es nach langer, zunächst sehr ruppiger, Abfahrt von 1327 Metern auf etwa 400 Meter noch einmal 2 km auf 620 Meter hoch, natürlich genauso steil. So sind auf einer Distanz von nur 45 km 1507 Höhenmeter zusammen gekommen.

In der Erwartung mir etwas anschauen zu können laufe ich, nachdem sie mich dann doch vor 15h und nicht erst nach 16h auf mein Zimmer gelassen haben, durch den Ort und es gibt da schlicht nichts. Kein Café, keine Bar, keinen Laden nur das 3 Sterne Hotel in das es mich verschlagen hat. Erfreulicherweise mit Abendessen und Frühstück. Abendessen ist aber erst um 20h. Was mache ich in den 4 Stunden?

Da fällt mir ein Prospekt in die Hand: die Pont d‘Holzarten ist eine Hängebrücke über eine riesige Schlucht und nur knapp 5 km entfernt. Ich bin zwar schon geduscht und in zivil aber ich packe Fahrradschloss und die notwendigsten Utensilien ein und setze mich wieder auf mein Rad. 2,5 km geht es dann sehr steil den Berg runter bis zu einem Parkplatz an dem ich das Rad an einem Baum befestige und dann mit kleinem Rucksack den 2 km Spaziergang in meinen Merrel Barfussschuhen angehe. Die Schuhe begleiten mich auf allen hier geschilderten Radtouren zuverlässig und sind mit mir schon weite Wege gegangen. Die Herausforderungen auf diesen 2 km übertreffen aber das für sie bisher geleistete.

Anfänglich ist der Waldweg noch moderat, dann wandelt er sich aber zu einer extrem steilen und sehr schweißtreibenden Kletterpartie. Es sind zwar nur 200 Höhenmeter auf 2 km auf dem GR 10 (auf dem man zu Fuß die Pyrenäen überwinden kann), aber durch ein paar flache Passagen bleiben genügend Höhenmeter für extrem steile, steinige und verblockte Passagen. Nach einer Stunde habe ich mein Ziel erreicht. Grandiose Aussichten gibt es hier und auch den ganzen Weg entlang. Die Mutprobe über die schwankende Brücke mit Blick durch den Boden in die Schlucht hinunter meistere ich auch noch.

Nach zwei Stunden erreiche ich mein Fahrrad wieder und nehme in der Gite Etappe, an dem die GR 10 Wanderer ihre Sachen trocknen, ein großes Panaché (Radler) zu mir.

Die 2,5 km zurück zum Hotel sind nun bei 10-12% und gut 200 weiteren Höhenmetern in einer knappen schweißtreibenden halben Stunde bewältigt. Mal sehen, wie sich mein kurzes Hemd macht, nachdem ich es getrocknet habe. Auf diese Weise sind dann noch einmal 11 km dazu gekommen und mit 468 Höhenmeter addiert sich das für den Tag auf 1975 Höhenmeter.

Der Himmel war heute wieder den ganzen Tag blau mit kleinen Wölkchen, oft kletterte das Thermometer auf über 30 Grad.

Zur Belohnung gibt es im Hotel ein Dreigängemenü mit Wein, nachdem ich seit dem Frühstück das essen völlig vergessen hatte. Das Menü ist zumindest das bisherige kulinarische Highlight.

Von Biarritz nach Saint-Jean-Pied-de-Port

Im Hotel wurde für 13€ auch noch ein Frühstück angeboten, was ich recht früh zusammen mit einer Gruppe Motorradfahrer eingenommen habe. Bis gegen 9h hat es dann doch gedauert bis ich losgekommen bin. Zuvor musste ich mit der hoteleigenen Pumpe die Reifen auf ein gutes Niveau bringen und den Sattel nach justieren. Zunächst noch einmal runter zum Grand Plage wo sich die ersten Surfer bereits in die Wellen wagen. Mit der geplanten und auf dem Garmin installieren Tour ist es kein großes Problem aus der Stadt zu kommen. Über äußerst hügeliges Gelände, das heißt immer ca. 40 Meter runter und wieder hoch und das ständig, geht es bis zur spanischen Grenze. Obwohl ich relativ kleinen Nebenstraßen folge, ist doch ziemlich Verkehr.

In Spanien geht es dann zum ersten Pass der Tour „Otsondo“, mit 600 Metern kein Riese aber mir langt es. Bis da hoch sind sicher 1000 Motorräder und eine Schwarm von um die 50 Porsches (alte und neue) lautmalerisch, neben dem sonstigen Verkehr, an mir vorbei gezogen. Nach dieser ersten Abfahrt geht es dann irgendwann auf ein sehr kleines Strässchen Richtung Frankreich ab. Dort komme ich durch das malerische Dörfchen Erratzu. Die spanischen Namen in Spanien und die französischen Namen in Frankreich sind meistens übermalt, damit nur die baskische Form zu lesen. Wenigstens schmeißen die Nationalhelden keine Bomben mehr.

Auf dieser engen Straße entlang des Flüsschen Araneko ist der Verkehr geringer, was nicht bedeutet, dass in den engen Serpentinen nicht immer irgendeine Gruppe Motorräder zu hören ist. Auf der namenlosen Passhöhe, die wieder die Grenze zu Frankreich markiert, sind drei Bars, unzählige Autos und Motorräder und ein großartiges Panorama zurück in die spanischen Berge und auf der andern Seite in die französischen Berge zu bewundern. Eine kleine Pause mit einem alkoholfreien Heineken aus der Büchse gönne ich mir an einem Stehtisch.

Nach langer, steiler und schneller Abfahrt, bei der ich trotz zügiger Fahrweise noch von einem Rennradler überholt werde, erreiche ich das Dorf Saint-Étienne-de-Baigorry, bei dem ich den ersten Nive-Arm gleich mehrmals quere. Eine alte Steinbogenbrücke gibt es da zu sehen. Auf der Abfahrt kommt mir diesmal ein Großschwarm von mindestens 30 alten und neueren BMW Motorrädern entgegen, die offensichtlich die gemeinsame Ausfahrt unter Gleichgesinnten genießen. Aber einmal hat mich auch ein VW ID4 überholt, wissentlich das einzige E-Mobil. Wird alles sicher noch werden. Da werde ich mich jetzt wohl ein bisschen dran gewöhnen müssen und verspreche nicht immer darüber zu klagen,

Nach etwas ermüdender Fahrt auf größerer Straße und einem letzten Anstieg erreiche ich dann den heutigen Zielort Saint-Jean-Pied-de-Port. Das Zimmer ist nicht ganz im Zentrum in einer ruhigen Gegend und nachdem ich alles und mich versorgt habe, laufe ich in einer Viertelstunde wieder ins Zentrum zurück.

Der Ort liegt mitten auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella. Es gibt hier zwar viele Unterkünfte für wenige Euros, wenn man gewillt ist in einem Schlafsaal zu übernachten, aber wenige Zimmer. Meine Unterkunft habe ich als fast einziges Angebot nur über Airbnb gefunden. Die liegt im Privathaus von Patricia, die ein Ensemble von Schlafraum, Küche, Bad und WC vermietet. Sonst werkelt sie auch am Sonntag in ihrem großen Gemüsegarten. Saint-Jean liegt an einem anderen Arm der Nive und mehrere malerische Brücken kann ich bei meinem Stadtrundgang bewundern. Das nur am Sonntag oder Freitag stattfindende baskische Pelote Spiel schenke ich mir dann doch heute. Es gibt sogar ein eigenes Pelote Museum.

Stattdessen lande ich in einer kleinen Bar und probiere den Gateau-de-Basque mit einer Kugel Vanilleeis und schau den Pilgern auf der Straße zu. Fast jedes Haus in der Innenstadt wirbt mit Schlafsaalzimmern. Angeblich gibt es dort auch Zimmer aber keine Ahnung wo ich die hätte finden können. Wahrscheinlich sind die immer als erstes ausgebucht. Obwohl es erst 17h ist, ist das eine Haus schon ausgebucht.

In einem ganz gut bewerteten Restaurant begnüge ich mich heute mit Cäsar-Salat und Bier.

Die Strecke war heute 78 km lang und die 1520 Höhenmeter waren wahrscheinlich schon Rekord für dieses Jahr. Auf den Steigungen komme ich nur sehr langsam voran und neben dem o.g. Verkehr sind auch unzählige Rennradler unterwegs, die oft in abenteuerlicher Geschwindigkeit an mir vorbei ziehen. In Saint-Jean sehe ich dann auch zwei Langstreckenradler, die mit einer irrsinnigen Menge an Gepäck fahren.

Das Wetter hat heute sehr gut mitgespielt. Durchweg blauer Himmel mit ein paar Wölkchen und Temperaturen an die 30 Grad.

Nach Biarritz

Mein heutiges Ziel liegt wieder an der Atlantikküste, aber ein bisschen nördlicher im Baskenland. Der Zug bringt mich von Heidelberg bis Frankfurt Hauptbahnhof und von dort mit der Regionalbahn zum Frankfurter Flughafen. Der fast pünktlich aus Österreich kommende IC hat erfreulicherweise ein großes Fahrradgepäckabteil, meinen Fahrrdplatz hatte ich zuvor reserviert.

Lufthansa fliegt mich dann nach Biarritz. Dafür war das Rad vorher in einer Kiste zu verpacken. Die habe ich mir beim sehr netten Radladen Scheuber in Kirchheim geholt. Nachdem ich Lenker, Vorderrad, Pedale und Sattel abgemacht hatte, passen Fahrrad und alle drei Taschen in den Karton und mit 26 kg ist auch noch Luft zur Lufthansa Höchstgrenze von 32 kg.

Um den Karton rollen zu können habe ich mir bei Obi einen Gasflaschenroller mit 4 kleinen Rädern für 17 Euro gekauft und das funktioniert super, nachdem ich den Karton darauf ausbalanciert habe. Das Tape habe ich dabei, damit ich ganz zuletzt auch noch diesen Roller und die letzten Sachen in den Karton legen und wieder verschließen kann. Bei der Sperrgepäckabgabe helfe ich dem netten Personal den Karton auf den Transportwagen zu legen und muss dann 2 Stunden am Flughafen verbringen bis es um 15h in den Flieger geht. Das ist genügend Zeit um im Rewe beim Fernbahnhof noch ein Wasser für 49 Cent und ein Brötchen zu holen. Im Flughafen sind sie mittlerweile bei der gleichen Menge Wasser bei 4.50. Nichts ist los an der Kontrolle und fast pünktlich erreichen wir Biarritz.

Der Karton kommt auch fast unversehrt in Biarritz an und in einer halben Stunde habe ich das Rad wieder zusammen geschraubt. Ein alter Schlafanzug hat in zerschnittener Form dazu gedient die empfindlichen Komponenten zu schützen. Der landet wie auch der Rollring im Müll und nach Nachfrage beim freundlichen Gepäckservice darf ich den Karton neben dem Mülleimer stehen lassen.

Im Anflug auf Biarritz sehe ich in der Ferne die mit Schnee bedeckten Gipfel der Pyrenäen. Mal sehen was mich da für ein Wetter erwartet.

Kurz nach Abfahrt mit dem Rad am Flughafen schalte ich noch meine Uhr in den GPS Modus und fahre die 3 km mit 3 Höhenmetern zum Hotel Akena. 5 Minuten zu Fuß sind es zum Grand Plage, wo in den hohen Wellen einige Surfer in Neoprenanzügen dümpeln. In zweiter Reihe gibt es einen gut besuchten Italiener les Colonnes mit gutem Essen zu halbwegs akzeptablen Preisen.

Obwohl die Ferien in Frankreich und auch sonstwo nicht begonnen haben ist in Biarritz einiges unterwegs. Viele Kneipen, viele Surfer Typen.