Unsere Befürchtung, heute durch Regen fahren zu müssen, ist nicht eingetreten. Der Himmel war blau, allerdings bewegten sich die Blätter in den Bäumen ziemlich heftig. Auch dieses Frühstück im letzten geplanten Hotel dieser Tour war völlig in Ordnung. Brot ist nicht mehr die Beilage der Wahl, aber es gibt eine Reihe guter Alternativen. 9:40 sitzen wir auf den Rädern und schon nach wenigen Metern spüren wir, dass wir besser erst einmal eine Jacke anziehen. Auch der Wind wendet sich nicht sehr freundlich gegen uns. Die Kuppel der Basilika und die Brücke sehen bei wenigen weißen Wolken deutlich freundlicher aus. Auch die Felsen, die wir nach wenigen Kilometern Radweg auf der gegenüberliegenden Seite sehen, präsentieren sich ab und zu in Sonnenlicht.

Nach wenigen Kilometern ist allerdings Schluss mit Radweg und wir müssen auf die Straße. Das ist die Nationalstraße 11, an deren Seite wir schon einmal mit perfektem Radweg fahren durften. Hier ist davon leider nichts zu sehen. Komoot und Google zeigen mir einen Weg über die Donau und wir fahren eine längere Stichstraße bis zum Fluss. Eine Fähre ist da nicht zu sehen. Nach ein bisschen rum suchen sehe ich den Rest einer Informationstafel, die erklärt (auch in englisch), dass diese Fähre seit Oktober 2022 nicht mehr funktioniert. Nächste Möglichkeit die Donau zu überqueren, wäre in Visegrad, in 12 km. Wir müssen also die Stichstraße wieder zurück und fahren die 12 km bis Visegrad auf einer ziemlich stark befahrenen Straße. Bei den ungarischen Fahrern gibt es auch solche und solche. Manche mit Abstand und Respekt, andere absichtlich eng und behindernd. Ab und zu ein „Poser“ mit hochgetuntem, geräuschoptimierten Motorenlärm. Trotzdem geht es auf der Straße ziemlich schnell voran. Wir kommen dann nach ca. 30 km um 11:10 an der Fähre in Visegrad an.
Die Fähre fährt einmal stündlich, Abfahrt ist um 11:45. Bis dahin sammelt sich eine lange Autoschlange. Wir rollen ein bisschen durch den Ort, aber von Schloss und Burg sieht man von hier unten auch nur Fragmente. Um 11:45 ist dann das erwartete Chaos an der Fähre. Sinnbefreit werden zuerst die Autos, dann die Motorräder, dann die Fußgänger und Fahrräder auf die Fähre gelassen. Damit ist natürlich der Weg versperrt, die Räder an die Reling legen zu können. Stattdessen lehne ich mein Rad dann einfach an ein Auto, was zwangsläufig geduldet wird. Bei dem Verkehr wäre ein Takt von 30 Minuten vielleicht auch noch zumutbar gewesen, zumal Personal und Material ja ohnehin da sind.

Auf der linken Seite der Donau fahren wir dann über schöne Orte und Landschaften und über sehr schnucklige kleine und schmale Radwege weiter. Heute, Pfingstmontag, ist auch in Ungarn Feiertag. Das bedeutet, einiges ist geschlossen und die Leute haben frei und machen Ausflüge. Von ganz klein bis ganz groß, von ganz langsam bis ganz schnell und von kleinen Gruppen bis zu langen E-Biker-Zügen ist alles dabei. Die schmalen Wege sind dann auch nicht so richtig frei von Schlaglöchern und somit kommen wir zwar abwechslungsreich, aber auch sehr langsam voran. In Vac machen wir eine Pause mit Kaffee und Kuchen und danach schlängelt sich der Weg durch weitere Ortschaften.
Die Radwege verlaufen heute eben nicht auf einem kahlen Deich sondern durch kleine Wälder und Auen, in denen sich nicht nur die vielen Radfahrer sondern auch Myriaden von Mücken oder sonstige Kleinlebewesen wohl fühlen. Wie zuvor schon gesagt ist man gut beraten eine Brille zu tragen und den Mund geschlossen zu halten, dennoch ist es kein schönes Gefühl immer wieder durch solche Wolken von Insektenschwärmen durchzustoßen.
Nach etwa 6 Stunden erreichen wir dann Budapest. Am Anfang sind die Radwege super, aber irgendwann wird es dann ein bisschen zum Hindernisparcours auf schmalen Wegen für Fußgänger, auf die auch Radfahrer dürfen und nach Esztergom unterqueren wir wieder die erste Brücke über die Donau. Über die übernächste fahren wir wieder auf die andere Seite der Donau nach Buda und dann über die prächtige Margit Brücke wieder auf die linke Donauseite oder auch die Pester Seite. Von der Brücke aus fotografieren wir das bekannteste Motiv der Stadt, das Parlament über der Donau.

Von hier ist es nicht mehr weit in den 7. Bezirk, wo wir ein Appartement gemietet haben. Mit dem Aufzug bringen wir Taschen und Räder in den dritten Stock und versuchen erst einmal die Temperatur in der Wohnung zu senken, indem wir die Fenster öffnen.
Auf dem Weg dahin erleide ich noch ein Missgeschick mit meinem Samsung Handy. Während der Komoot Führung, über die ich versuche, ans Ziel zu navigieren, schaltet es sich aus. Beim wieder einschalten, will es eine PIN. Die war mir mit meinem neuen Vertrag gar nicht mehr präsent und so beginnt mit Hilfe von Laptop, mobilem Hotspot ein aufwändiger Prozess, bis das Handy wieder benutzbar ist und mit 20% Reststrom finden wir dann auch über die Anweisungen in die Wohnung.
Auf diese Weise sind so 88 km Fahrtstrecke zustande gekommen und tatsächlich waren auch immer wieder kleine Steigungen zu überwinden, so dass sich 369 Höhenmeter gesammelt haben. Da wir entlang der Donau einige Male die Richtung gewechselt haben, kam der recht heftige und böige Wind öfters von der Seite und von Vorne, aber dann doch meistens von der richtigen Seite. Ich denke, dass ich unterm Helm einen kleinen Sonnenbrand bekommen habe.
Unser Ziel haben wir heute pannenfrei und mit nur einmal Aufpumpen während der knapp 1300 Kilometer erreicht. Angesichts dessen sind diese kleinen Missgeschicke eher Marginalien.