Von Ybbs nach Krems

Um 7:30 schaue ich aus unserem Zimmer: leider Wolken. Das Zimmer ist diesmal mit Balkon, auf dem ich dann auch die ersten Übungen vollführe. Nachdem wir im Frühstücksraum das bislang abwechslungsreichste Frühstücksangebot vorgefunden haben, sind die Wolken dann auch weitgehend verzogen und kurz nach 10h sitzen wir auf den Rädern. Wir bleiben bis zur letzten Brücke nach Krems auf der rechten Seite der Donau.

Es sind einige Radler auf den wiederum bestens ausgebauten Radwegen unterwegs. Viele mit Motor und auch einige Sportradler. Einige Rennradler ziehen allerdings die Straße vor. Unsere erste größere Station ist Melk mit dem imposanten Stift, das man von weitem sich schon über das große Kraftwerk hinweg im Fluss spiegeln sieht. Hier lagern die Kreuzfahrtschiffe in mehreren Reihen und entsprechend voll ist der Radweg mit kreuz und quer laufenden Kreuzfahrern im sehr gesetzten Alter. Über die Hub-Nietenbrücke aus den 30er Jahren kommt man dann nach mehreren Kurven in die Stadt und an das Stift. Das betrachten wir aber nur von außen. Interessant ist, dass, ergänzend zu den Kreuzfahrtschiffen, diese auch von einigen Bussen begleitet werden, um sofort für die Landausflüge Vorort sein zu können.

In Schönbühl sehen wir auf dem Felsen die Burg und die Kreuzfahrtschiffe geben Gas. Sie fahren ungefähr mit einer Geschwindigkeit von 26km/h die Donau hinunter. Wir sind auf jeden Fall ein bisschen zu langsam. Leider muss auch der Radweg nun um den Felsen rum und das bedeutet einen kleinen steilen Anstieg.

Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir die Burg und die Weinberge rund um Spitz. Hier beginnt mehr oder weniger das Weinbaugebiet der Wachau. Im Vordergrund ist wieder ein Kreuzfahrtschiff zu sehen und einige Kanuten haben schwer mit den Wellen der großen Schiffe zu kämpfen.

In Rossatzbach schauen wir auf den blauen Kirchturm von Dürnstein unterhalb einer markant und weithin sichtbaren Burgruine. Das Wasser der Donau scheint warm genug zu sein, dass sich einige schon hinein wagen. Einen haben wir mitten im Fluss mit starker Strömung gesehen. Das scheint mir angesichts des mittlerweile erheblichen Schiffsverkehrs nicht ganz ungefährlich. Schließlich queren wir die Donau bei der Brücke von Mautern und begeben uns in unsere heute leider äußerst einfache Behausung, die Radfahrherberge Krems. In unserem Zimmer gibt es sieben Betten, aber wir haben es als Doppelzimmer gebucht. Ein ziemlicher Gegensatz zu unserer Luxusherberge gestern.

Wir sehen in Krems das steinerne Tor, die zentrale Fußgängerzone und den Dom der Wachau, die St. Veits Kirche und irgendwann beginnt es zu tröpfeln, dann in Strömen zu regnen, bis sich dann im Gewitter Sturzbäche durch die Stadt ergießen. Wir haben Unterschlupf im MarktSpiel gefunden. Die schenken bis 18h zwar noch zu trinken aus, aber sonntags bleibt die Küche abends kalt. Nach unserem hervorragenden griechischen Essen im Offenburger Zeus haben wir uns nun zu Ja Mas aufgemacht und es ist ganz ok, große Portionen, aber leider nicht ganz so gut. Auf dem Heimweg tröpfelt es schon wieder.

Auf der Entfernung von 64 km, die wir mit kurzen Steigungen und 185 Höhenmetern zu bewältigen hatten, war heute ideales Radfahrwetter; nicht zu heiß, ein paar Wolken, aber schön trocken. Mit dieser Auffassung waren wir nicht alleine und der sonntägliche Verkehr war erheblich, aber auf den breiten und bestens asphaltierten Wegen kein Problem. Was aber an der ein oder anderen Engstelle erwachsene „stark“ gewachsene E-Biker dazu verleitet, die nicht einzusehende Linkskurve auf der linken Seite zu nehmen, erschließt sich einem kaum. Wir waren Zeuge von mehreren Fast-Unfällen. Gerade an solchen Stellen muss man äußerst vorsichtig sein.

Von Linz nach Ybbs

Nachdem wir im Hotel Schillerpark durch ein sehr gutes Frühstück gestärkt wurden, bedurfte es fast 7 km, bis wir aus der Stadt wieder den Donauradweg am Ausgang von Linz erreicht haben. Das Stadtbild von Linz ist an dieser Seite eher industriell und so auch der Blick über die Donau auf Linz zurück. Der Radweg ist perfekt ausgebaut. Allerdings ist heute am Samstag mit strahlendem Wetter und steigenden Temperaturen ziemlich viel los. Auf der Radlerrennbahn sind so auch sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten unterwegs.

Je mehr wir den städtischen Einzugsbereich verlassen, reduziert sich die Anzahl der reinen Sportradler und Freizeitradler und die Langstrecken-Tourer dominieren. Unsere Etappe heute ist länger geplant und wir sind deshalb zügig unterwegs. Die Blicke auf die Donau ähneln sich. Der breite Fluss, mit Hochwasserdämmen und Mauern zu dessen Verstärkung und ein sehr gut asphaltierter Weg sind die Regel. Teilweise müssen wir ins Landesinnere ausweichen und fahren auf verkehrsarmen Straßen.

Unsere erste Pause machen wir erst nach 60 Kilometern in Grein, das man schon von weitem aus sehen konnte und was wir nach gut 3 Stunden erreichen. Den ersten Kiosk am Camping Platz lassen wir aus, aber auch das zweite Café mit vielen Kuchen, aber direkt am Parkplatz mit unzähligen Fahrzeugen, Autos, Fahrrädern und Motorrädern erscheint uns nicht so gemütlich. Wir lassen uns dann im Hof eines Gasthauses mit langer Tradition und einer denkmalgeschützten Lärchendecke im Inneren nieder. Von hier sind es nur noch gute 20 km bis zu unserem Zielort Ybbs und wir müssen über die Brücke eines riesigen Kraftwerks mit entsprechender Schleuse, die gerade von einem dicken Kreuzfahrtschiff besetzt ist, die Donau queren.

Kurz nach Grein verschmilzt der Radweg für 10km leider mit der verkehrsreichen B3. Seit wir in Österreich sind, sind wir übrigens auf den Radwegen bislang nicht einen einzigen Zentimeter auf Split oder Schotter gefahren und jeder Weg ist besser geteert als die Straße, in der ich wohne. In Ybbs ist Stadtlauf, da ist einiges abgesperrt, aber der Babenberger Hof ist trotzdem schnell gefunden.

Dort bekommen wir ein „Upgrade“ für die Donau Lodge. Nach einem kleinen Rundgang durch die kleine historische Stadt, von der aber seit einem Brand im 19. Jahrhundert einiges nicht mehr steht, gibt es im Babenberger Hof noch ein Lachsfilet mit Kartoffelgratin auf drei Spargeln. Nicht schlecht, aber auch nicht der große Hochgenuss. Raffiniert ist die Idee, Brot, Butter, Salz und Öl für 5€ pro Person in einer stilvollen kleinen Holzkiste anzubieten.

Die Distanz über 83 km war heute schon einigermaßen anstrengend, zumal die Sonne einerseits erfreulicherweise den ganzen Tag schien, andererseits aber auch die Temperatur fast 30 Grad erreichte. Bei 204 Höhenmetern waren keine Steigungen zu überwinden, außer einer kleinen fiesen Rampe vor Grein.