Von Traben-Trarbach nach Cochem

Nachdem wir gestern noch bei angenehmen Temperaturen mit Blick auf den tiefsten Punkt der Mosel beim Litziger Lay (alles österreichisch) gesessen haben, begann es nachts zu regnen. Heute war es sehr wolkig, es tröpfelte immer wieder und die Temperaturen lagen zwischen 13 und 18 Grad.

Die Ausblicke auf die Dörfer oder die Staustufen sind dennoch schön. Bei Bullay kreuzen wir die doppelstöckige Brücke (oben Bahn unten der Rest) und verpassen leider den Fotomoment für den Zug, der gerade drüber fährt.

Ein Stück weiter entdecken wir auf der gegenüberliegenden Seite die Klosterruine Stuben und versuchen die supersteilen Weinberge mit dazwischen liegenden Felsarealen ins Bild zu bringen. Aber es bleibt dann doch ziemlich grau.

In Ediger-Eller beschließen wir eine kleine Pause einzulegen, aber der Ort ist noch in Erstarrung aufgrund des gestern beendeten Weinfestes. Wir landen bei Brot & Brood, einer von einem Niederländer betriebenen Bäckerei, in der das Meiste ausverkauft ist. Während wir da sitzen, regnet es auf einmal ziemlich stark und nachdem wir nach dem zweiten bescheidenen Milchkaffee wieder aufgebrochen sind, holen wir bald den Regen ein und kleiden uns in volle Regenmontur.

Nach 15 Minuten ist schon wieder alles vorbei, an der Fähre nach Beilstein kommt das Regenzeug wieder runter und mit Blick auf Beilstein und die Burg Metternich beobachten wir die kleine Fähre bei ihrer Überfahrt, aber bleiben auf der linken Moselseite, bis nach wenigen Kilometern auch schon Cochem, mit Blick auf die Reichsburg, erreicht ist.

In unserer Pension Fata Morgana, die auch wieder von Niederländern betrieben wird, sind leider die Handtücher nicht trocken geworden, was uns wiederum das Trocknen nach der Dusche erschwert. Diesmal nehmen wir die Regenjacken mit und das war gut so, denn wir kommen immer wieder in ordentlichen Niederschlag. Wir gehen über den Marktplatz mit Brunnen, Fachwerkhäusern, Rathaus hoch zur Burg. Da beginnt es recht heftig zu regnen und wir nutzen die Zeit, um im Burgrestaurant ein Bier zu trinken. Nach einer guten halben Stunde wird es heller und wir wagen den Abstieg.

Eine Besonderheit von Cochem besteht darin, dass ich noch nie so eine Dichte von miserabel bewerteten Restaurants gesehen habe. Egal wo wir stehen bleiben, Bewertungen bei Google von unter oder gerade eben über zwei sind die Regel. Letztlich landen wir bei einem ordentlichen Italiener (La Baia direkt an der Brücke) mit knapp über vier und das war auch ok so – nur ein bisschen teuer. Der Himmel klart auf und auf der Brücke gibt es dann auch noch einmal einen abendlichen Blick auf Mosel, Schiffe und Reichsburg.

Die 57 km mit 192 Höhenmetern sind uns nicht schwer gefallen, wenngleich auf den letzten 10 km ein deutlich spürbarer Gegenwind das Tempo gedrosselt hat.

Von Piesport  nach Traben-Trarbach

Heute müssen wir in der Ferienwohnung selbst unser Frühstück organisieren. Damit fällt es etwas spärlicher aus und wir sind bereits um 10h auf dem Rad. Heute ist es nur eine ziemlich kurze Etappe und auf knapp der Hälfte liegt mit Bernkastel-Kues das erste touristische Highlight mit pittoresker Altstadt, riesigem Parplatz und Anleger für viele Flußkreuzfahrtschiffe.

An dem Kiosk mit Strohballen, in den vermeintlich ein armer Radler hinein geraten ist, nehmen wir noch nichts zu uns zu. Die Simultankirche oder Gemeinschaftskirche in Brauneberg, 1/3 abgeteilt für die Evangelischen und 2/3 für die Katholischen (aufgeteilt nach finanziellem Anteil für den Umbau), schauen wir uns kurz an. Es ist heute Tag des offenen Denkmals. Es gibt schon Kuchenverkauf, aber es ist noch zu früh für uns. Die weitere Besonderheit dieser Kirche ist der sehr schiefe Zwiebelkirchturm.

Auf dem Weg nach Traben-Trarbach gibt es dann etliche Dörfer und Einkehrmöglichkeiten. Wir suchen uns ausgerechnet einen Kiosk aus, bei dem es heute nur Obstkuchen gibt, so dass ich mich mit Kaffee zufrieden gebe. Der schöne Ort Kröv, der leider aufgrund des eingestürzten Hotels in die Schlagzeilen geraten ist, liegt auf der andern Moselseite und grüßt nur mit seiner Weinlage. Die riesige Hochmoselbrücke dominiert einige Zeit das Landschaftsbild.

Auf der Trarbacher Seite erreichen wir unser heutiges Ziel. Enten und Nilgänse halten einträchtig Wache, wobei die Nilgänse eindeutig auf der Stecke dominieren. Es ist Flohmarkt unter der Brücke. Unser Hotel ist ca. 1km flussabwärts gelegen. Knapp eine Stunde zu früh können wir bald auf das Zimmer und machen uns dann zu einem Spaziergang auf. Nach ein paar hundert Meter kommen wir an der Stelle vorbei, an der die Mosel mit 16,64 Meter am tiefsten ist. Hier fließt das Wasser grünlich gefärbt. Zunächst führt der Weg an der Mosel zurück wieder über die Brücke nach Trarbach, vorbei am Brückentor, wo wir den Weg hoch zur Burgruine suchen. Der Weg steigt sehr steil durch teilweise noch viel steilere Weinlagen bis zum Kriegerdenkmal, auf dem gestorbene Soldaten aus dem Krieg 1871 geehrt werden sollen.

Auf steilen Treppen geht es hoch bis zur Ruine Grevenburg, die wiederum von Franzosen zur sicheren Festung ausgebaut wurde. Hier oben haben wir nun endlich einen Blick auf die gesamte Moselschleife, die ich allerdings nur mit dem Panoramamodus als Ganzes erfassen kann. Auf der anderen Seite schlängelt sich der Weg dann wieder in vielen Serpentinen durch den Wald zurück zur Brücke.

Über die Brücke zurück nach Traben kommen wir dann am Lorettahaus vorbei, was nach einer Gräfin aus dem 14. Jahrhundert benannt. Sie wurde dafür bekannt, dass sie den sie bedrohenden Kurfürst Balduin an der tiefsten Stelle der Mosel einfangen und entführen ließ. Nach mehreren Monaten lenkte er mit Lösegeld und Zugeständnissen in einem „Sühnevertrag“ ein. So wird das Stadtbild mit diesem und einigen anderen Häusern im Jugendstil oder klassizistischen Stil geprägt, dass sich die Stadt auch „Hauptstadt des Jugendstils“ benennt.

Die überschaubare Distanz 43 km mit 161 Höhenmetern, die sich über einige sehr kurze und steile Zwischenanstiege summieren, ergänzen wir mit weiteren 6 km zu Fuß und 150 Höhenmetern, die diesmal recht schweißtreibend zur Ruine hoch geführt haben.

Abendessen gab es im sehr empfehlenswerten Anker direkt an der Mosel. Interessanter Weise war zwar verkaufsoffener Sonntag, aber ein Großteil der Gaststätten hatte Ruhetag.