Von Straubing nach Deggendorf

In unserem geräumigen Zimmer hatten wir genügend Platz, all die nassen Sachen irgendwo hinzuhängen und morgens war auch alles wieder trocken. Ich suche meine Bürste aus den Tiefen einer meiner Taschen und begebe mich in den Hof, um die Regenklamotten vom trockenen Dreck zu befreien.

Das Frühstück ihm Gasthof Röhrl war gut, deutlich besser als gestern. Der Gasthof gehört wohl zu einer eigenen Brauerei, denn gestern hatte ich noch ein dunkles Röhrl Bier, genannt der „schwarze Bruder“. Den ein oder andern Sonnenstrahl sieht man. Aber gerade als ich langsam alles nach draußen bringen will, kommen kleine Tropfen von oben. Wir haben noch ein bisschen gewartet und dann wurde es immer heller.

In Straubing ist es bei der Abfahrt in Richtung Westen schon deutlich freundlicher, während es im Osten noch ziemlich düster ist. Der Stadtturm ist schon von blau umgeben. Die zwei Donauarme um die Insel liegen noch unter dunklen Wolken. Der Fluss hat nun mittlerweile schon deutlich an Breite gewonnen, aber Schiffe sind kaum zu sehen.

Auf den ersten 20 Kilometern waren die Straßen nass, was bei mir ohne Schutzbleche ordentlich spritzte. Dann auf einen Schlag war alles trocken und von oben kam heute auch nichts mehr nach. Vorsichtigerweise habe ich mir wieder eine Tour zusammengestellt, die mit dem Rennrad befahrbar ist, um größere Schmutzpassagen zu vermeiden.

Diese Planung hatte allerdings nicht im Kalkül, dass die Niederbayern offensichtlich den Klimawandel und dabei den Hochwasserschutz besonders ernst nehmen. Denn als erstes mussten wir durch eine riesige Baustelle hinter dem Donaudamm. Beim Reinfahren konnten wir die Absperrung umfahren, beim Rausfahren ging es dann eine steile Böschung runter und wieder hoch. Alles voller Kieswege, aber eine Umleitung oder Alternative war nirgends ausgeschildert.

Später bei Mariaposching fahren wir auch wieder in Richtung Donaudamm, aber sehen von weitem die riesige Baustelle, so dass wir auf der zweispurigen Straße bleiben und das war gut so.

Auf dem Weg gibt es auf dem Hügel bei Bogen die Wallfahrtskirche Heilig Kreuz von weitem zu sehen. Wir verzichten auf den Umweg und kommen an weiteren Donaudamm-Baustellen vorbei. Das bringt die Wege und Straßenführung ein bisschen durcheinander. Manchmal ist es perfekter Asphalt, dann wieder Baustellenschotter.

Nach gut zwei Stunden haben wir Deggendorf erreicht. Es wäre also kein Problem, heute auch noch 60 km bis Passau zu machen und das Hotel Donauhof zu stornieren, aber wir entscheiden dagegen, beziehen schon vor 14h unser extrem geräumiges Zimmer, diesmal mit Ausblick auf die Donau und die Brücke, da wir direkt unterm Dach im vierten Stock sind.

Frisch geduscht machen wir uns zum Stadtspaziergang bei blauem Himmel und 22 Grad auf, zunächst über einen kleinen Pfad hoch ich den Wald zum einzig verbliebenen Weinberg der Stadt. Dann weiter oben entlang mit Aussicht über die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt, vorbei an der Heilig-Grabkirche St. Peter und St. Paul in die Altstadt mit schön breiten boulevardartigen Straßen und Plätzen in Richtung altes Rathaus. Unschön ist der ziemlich intensive Verkehr, der hier mitten durchfließt.

Nach einer Kugel Eis schauen wir beim Bike-Händler vorbei. Nach dem Regen-Debakel von gestern mit eiskalten Fingern, lasse ich mich auf ein neues Roeckl-Handschuh-Experiment ein, denn der Wetterbericht lässt noch den ein oder anderen Regentag erwarten.

Die Distanz von 43 km war mit 148 Höhenmetern wieder fast flach und erfreulicherweise kam auch der Wind meist aus der richtigen Richtung.

Von Regensburg nach Straubing

Nach drei Stunden Fahrt im Dauerregen bei 10 Grad musste ich ein paarmal an die Abschiedsworte des gemütlichen Wirts vom Hotel Adler in Donaueschingen denken „… und immer dran denken, ist alles freiwillig … „. Glücklicherweise waren die Wege heute einwandfrei asphaltiert, nur 2,5 km übelsten Schotter mussten wir nach ca. 35 km überwinden. Wir kommen über die erste Brücke, kurz nach der Mündung der Regen, auf den markierten Radweg.

Die Etappe war ohne größere Höhepunkte. Den Aufstieg zur Wallhalla im Regen bei Donaustauf haben wir uns gespart. Das haben wir uns alles schon letztes Jahr angeschaut. Die Ausblicke auf die Donau waren selten und wenn, dann war alles düster und grau. Ein erster sehr großer Lastkahn ist uns begegnet, nachdem wir bei Kelheimwinzer gestern schon den ersten Jachthafen mit Motorbooten gesehen haben.

Vor dem Einstieg in die Schotterpiste schauen wir nach Alternativen, aber das ist alles zu umständlich. Nur die Schafe auf dem Deich scheinen sich trotz kürzlich erfolgter Schur nicht am Wetter zu stören.

Während gestern am Samstag das Leben überall tobte kommen uns heute nur wenige andere Radler entgegen. Alles wie ausgestorben.

Schon deutlich vor 14h haben wir unser Ziel, das Hotel Röhrl in Straubing, erreicht und können die Räder in einer eigens dafür eingerichteten Fahrradgarage mit Rolltür auf einem Haken aufhängen. Die Räder, die Taschen und die Regenklamotten sind völlig verdreckt. Schön, dass der Regen nun ein bisschen nachlässt, so dass wir uns in der gut besuchten Konditorei Schmidt unweit unseres Hotels mit Milchkaffee und Käsekuchen eine Stärkung gönnen können. Das Frühstück heute im Hampton in Regensburg war ok, aber auch nicht mehr. Angesichts Preis und Standard war die Auswahl eher nicht in Ordnung, zumal sie auch den Massenbetrieb am Sonntag nicht so wirklich im Griff hatten. Wir sind dennoch gut satt geworden, aber die Fahrt im Regen braucht noch ein bisschen mehr Energie.

Die Zeit bis zum nächsten Regenschauer nutzen wir mit einem Altstadtrundgang durch Straubing. Die goldene Dreifaltigkeitssäule glänzt ohne Sonne nicht so eindrucksvoll, der Stadtturm ist immer im Blick und die schönen historischen Gebäude mit Skulpturen und bemalten Fassaden sind auch bei diesem Wetter schön.

Über die Karmeliterkirche laufen wir zur Donau runter und sehen in der Ferne die Anlegestelle, die es offensichtlich innerhalb der Schleife gibt. Über die begradigte Fahrrinne mit riesiger Schleuse sind wir schon mit den Rädern gekommen. Durch den Park im Moosgraben kommen wir zum Spitaltor und von dort zur dominanten und weit sichtbaren Basilika St. Jakob, die nicht ganz so in Barock umgestaltet ist wie die vielen Kirchen, die wir bisher gesehen haben.

Stattdessen gibt es sehr eindrucksvoll bemalte Fenster, die wohl Anfang des 20. Jahrhunderts neu geschaffen worden sind. Orgelkonzert war gestern, aber heute testet ein Organist die Orgel mit Dauertönen auf den hohen Pfeifen. Das beendet unsere Besichtigung und draußen hat der Regen wieder eingesetzt.

Die flache Etappe von 49 km mit 133 Höhenmetern haben wir weitgehend ohne Pause absolviert. Die Schutzklamotten haben uns innen weitgehend trocken gehalten, aber Spaß beim Radfahren fühlt sich anders an.