Von Prades nach Banyuls-sur-Mer

Nachdem ich mir gestern in der Stadt noch die Beine vertreten habe, ein Pizza gegessen und das Debakel der Portugiesen gegen Georgien in einem Pub beobachtet habe, konnte ich ganz gut schlafen. Heute war Frühstück um 8h angesagt. Gestern hatt die Chefin gefragt ob eher salzig oder süß und was ich trinken möchte. So war sie bestens vorbereitet und hat mir einen Schinken-Käse-Toast und einen Toast mit verschiedenen Käsearten, Tomaten, Oliven, Avocado gemacht. Dazu gab es Pudding, Obstsalat und zwei kleine Croissants, eins mit Schokolade. Das ganze serviert auf einer einzigartigen Terasse. Viel besser geht es nicht. Mit mir gemeinsam frühstückte ein weiterer Deutscher aus Remagen. Er ist drei Wochen unterwegs und will dabei 8000 km schaffen. Er hat eine riesige BMW. Später will er mit seinem Sohn entlang der dalmatinischen Küste nach Albanien und Montenegro.

Ich lasse mir Zeit mit dem loskommen. Ist ja nicht so weit heute.

Zunächst führt über 15 km leider nur wieder die Nationalstraße raus aus Prades, bis ich dann auf kleinere D Straßen mit weniger Verkehr komme. Einen weiteren Pass, den ich hier überqueren durfte, will ich nicht vorenthalten. Je weiter es gen Süden geht, nimmt der Verkehr aber wieder zu. Ab und zu passiert man einen netten Ort und Weingüter. Sonst sind die Aussichten nicht so berückend. In Elme folge ich dann nicht mehr meiner Komoot-Route und biege ohne gute Navigation nach Argelès-sur-Mer ab, wo ich dann das Meer nach gut 60 km und gut drei Stunden erreiche.

Es gibt dort einen schönen großen Sandstrand. Die Hotelauswahl und auch die sehr auseinander gezogene ziemlich große Stadt ist mir nicht so sympathisch und ich schaue ob ich noch ein bisschen weiter komme. Am Hafen setz ich mich in eine Bar, trinke ein kleines alkoholfreies Bier für 5€ und suche nach Unterkünften.

In Banyuls-sur-Mer finde ich ein ganz schönes Hotel, preislich im Rahmen und trotzdem mit allen Annehmlichkeiten. Da will ich noch hin. Als ich Google nach dem Weg frage, meint es 1 Stunde 15 Minuten und viele Steigungen. Das ist halt der Charakter einer Küstenstraße. Zunächst verfolge ich den Weg auf der Corniche mit schönen Örtchen, wie beispielsweise hier Collioure und Buchten. Nach den Schildern, die mich schon den ganzen Weg begleiten, befinde ich mich immer noch auf der „Route de Cols“. Dann muss ich nach etwas Fehlnavigation auf die D914 und in Banyuls-sur-Mer kommt Google völlig durcheinander und will mich über Treppen und durch volle Fußgängerbereiche lenken.

Aber schließlich finde ich das auf dem Hügel gelegene Hotel. Leider noch ein paar Höhenmeter dafür toller Blick aus dem Fenster mit Balkon. Da kann ich mein Radzeug mal ein bisschen sauberer bekommen und es auf dem heißen Balkon trocknen. Ich entscheide mich dafür hier noch eine weitere Nacht dranzuhängen, mal einen echten Ruhetag einlegen und muss deshalb, nachdem ich schon geduscht habe von 444 auf 439 wechseln, denn sonst wäre es morgen komplizierter geworden. Der Blick ist ähnlich aber ein bißchen anders. Man sieht den Pool.

So sind es heute doch ganze 82 km geworden und die Höhenmeter waren mit 538 überschaubar, wobei davon 360 auf die 16 km lange Küstenpassage fallen.

Der Ort ist über eine steile Treppe erreichbar. Ein großer Teil der Promenade ist aktuell Baustelle. Der Strand ist ehrer steinig. Statuen von nackten Figuren schmücken den Rest der Promenade. Es gibt unzählige gut bewertete Restaurants. Ich lande im La Vieille Cave. Es gibt Fisch des Tages und Wein aus dem Rousillon durch den ich heute entlang der „Route du Vin“ gefahren bin.

Von Ax-les-Thermes nach Prades

Direkt an meinem kleinen netten Hotel Bellevue geht die Straße vorbei hoch zum Col de Pailhères, die sich später von der Strecke zum Col de Chioula trennt. Am Anfang ist noch etwas Verkehr, der aber, je weiter ich steige, schnell abnimmt. Ein letzter Blick auf Ax-les-Thermes mit der Seilbahn und dann bin ich schon an einem kleinen Stausee. Bis hierhin läuft es super. Es sind immerhin 1250 Höhenmeter an einem Stück zu bewältigen. Der Col de Pailhères ist einiger der wenigen Pyrenäen Pässe, der über 2000 liegt. Bei 1500 Meter kommt mir eine Gang von drei Bike-Packing Frauen entgegen, die sich schon von weitem als deutsch zu erkennen geben. Sie sagen freundlich „Bonjour“ aber ich höre dann bald „eh Alter“ auf was sich auch immer das bezieht. Vier Rennradler sind nun auch schon an mir vorbei gezogen und später kommen noch zwei weitere und Motorradfahrer gibt es kaum.

Umso mehr wundere ich mich darüber die Porsche-Parade an der ersten Station des Skigebiets zu sehen. Das Skigebiet zieht sich hoch bis zum Pass. Zwischendrin wird es nun doch wieder steiler, nachdem es zu Anfang mit 6% sehr angenehm zu fahren war. Bei den engen Serpentinen geht es dann wieder besser. Aber dennoch brauche ich ziemlich genau 3h für die knapp 1300 Höhenmeter. Dort oben ist nichts außer dieser Hütte. Die Hoffnung ein längeres Päuschen einlegen zu können zerschlägt sich.

In sehr steiler Abfahrt auf sehr engen Serpentinen auf ganz schmaler Straße geht es schnell runter bis zur nächsten Skistation. Ab dort wird die Straße breiter. Mein Garmin macht Zicken, weil seine Strecke und seine Messergebnisse nicht harmonieren. Aber es ist nicht so schwer, immer auf der Straße bleiben. Trotzdem versichere ich mich an jeder Kreuzung noch einmal wo lang es geht. Ich habe keine Lust mit 10% irgendwo 1-2 Kilometer runter zufahren, die ich dann wieder hoch muss.

Am tiefsten Punkt bei etwa 800 Meter verlasse ich das Departement Ariege und komme in das Departement Aude. Die Aude ist hier allerdings nicht mehr als ein kleiner Bach, dem ich nun mit moderater Steigung ein paar Kilometer folge. Links zur D17 geht es ab und es wird auf eine Essgelegenheit in der „ferme“ hingewiesen. Die finde ich leider nicht. Vor dem Pass Col du Garavel erreiche ich den Zwischenpass, den Col de Moulis, der sich hier mit 1099 Meter brüstet und weitere 50 Höhenmeter kostet. Hier ist eine Farm mit Schweinen aber es gibt nichts. So erreiche ich den Col de Garavel bei 1256 Meter nach sehr schweißtreibendem Aufstieg von ca. 500 Metern ohne weitere Pause. Es ist sehr heiß geworden, ca. 35 Grad und ich zehre von meinen letzten Riegeln.

Auf der Passhöhe wird ein Restaurant in 5km angezeigt. Leider ist da nichts. In eines der nächsten Dörfer Roquefort-de-Sault fahre ich langsam ein und schon nach wenigen Metern werde ich herzlich mit Bonjour begrüßt und selbstverständlich könne man hier was trinken und auch essen. So gibt es ein halbes Baguette Schinken-Käse Sandwich und zwei kleine alkoholfreie Bier, wieder aufgefüllte Flaschen und eine schattige Pause. Die Dame ist sehr nett und kann in ganz vielen Sprachen ein paar Worte. Wir müssen dann aber schnell ins Französische zurück.

Der Auffahrt zum Col de Jau ist so ein bisschen der Schrecken genommen. Immerhin sind es weitere 650 Höhenmeter bei 6-7%. Es geht auf einsamen Wegen, kaum ein Auto, keine Motorräder, nur in Richtung Passhöhe kommt ein Trupp Engländer auf Rennrädern, die gut trainiert in allerdings durchaus beachtlichen Abständen an mir vorbeiziehen. Der Weg nach oben ist waldig, es gibt einen Menhir zu sehen, den schau ich mir aber nur von von der Straße aus an. Kein Meter extra. Oben haben sich die Engländer gesammelt und ihr Begleitfahrzeug hat leckere Snacks ausgelegt.

Von 1500 Metern geht es nun auf 350 Meter runter über 24 Kilometer. Man passiert den idyllisch gelegenen Ort Mosset und die Schlucht der Casselane. Es haben sich auf dem Weg nach oben einige Gewitterwolken gebildet und es grummelt in der Ferne. Ich bin froh, dass ich kaum treten muss, denn das schmerzt. Beim Ortsschild von Prades kommen die ersten Tropfen. Ich komme aber trocken zum Chambre Hôte. Mein Fahrrad findet in der Motorradgarage Platz. Die Hausherrin hat mir einen Melonendrink gemixt und das Zimmer ist sehr schön. Für mehr als das Foto von der Kirche hat es nicht mehr gereicht, da ich als erstes unbedingt was essen musste und mir die Zeit damit vertrieben habe, das hier zu erstellen.

Bei einer Distanz von 95 km habe ich heute 2546 Höhenmeter absolviert, was eindeutig über dem liegt, was mein Trainingszustand zulässt, vor allem mit den fast 10 kg Gepäck. Jetzt ist aber erstmal Schluss mit Pässen und vorgebuchten Quartieren. Bis Dienstag muss improvisiert werden.