Von Piesport  nach Traben-Trarbach

Heute müssen wir in der Ferienwohnung selbst unser Frühstück organisieren. Damit fällt es etwas spärlicher aus und wir sind bereits um 10h auf dem Rad. Heute ist es nur eine ziemlich kurze Etappe und auf knapp der Hälfte liegt mit Bernkastel-Kues das erste touristische Highlight mit pittoresker Altstadt, riesigem Parplatz und Anleger für viele Flußkreuzfahrtschiffe.

An dem Kiosk mit Strohballen, in den vermeintlich ein armer Radler hinein geraten ist, nehmen wir noch nichts zu uns zu. Die Simultankirche oder Gemeinschaftskirche in Brauneberg, 1/3 abgeteilt für die Evangelischen und 2/3 für die Katholischen (aufgeteilt nach finanziellem Anteil für den Umbau), schauen wir uns kurz an. Es ist heute Tag des offenen Denkmals. Es gibt schon Kuchenverkauf, aber es ist noch zu früh für uns. Die weitere Besonderheit dieser Kirche ist der sehr schiefe Zwiebelkirchturm.

Auf dem Weg nach Traben-Trarbach gibt es dann etliche Dörfer und Einkehrmöglichkeiten. Wir suchen uns ausgerechnet einen Kiosk aus, bei dem es heute nur Obstkuchen gibt, so dass ich mich mit Kaffee zufrieden gebe. Der schöne Ort Kröv, der leider aufgrund des eingestürzten Hotels in die Schlagzeilen geraten ist, liegt auf der andern Moselseite und grüßt nur mit seiner Weinlage. Die riesige Hochmoselbrücke dominiert einige Zeit das Landschaftsbild.

Auf der Trarbacher Seite erreichen wir unser heutiges Ziel. Enten und Nilgänse halten einträchtig Wache, wobei die Nilgänse eindeutig auf der Stecke dominieren. Es ist Flohmarkt unter der Brücke. Unser Hotel ist ca. 1km flussabwärts gelegen. Knapp eine Stunde zu früh können wir bald auf das Zimmer und machen uns dann zu einem Spaziergang auf. Nach ein paar hundert Meter kommen wir an der Stelle vorbei, an der die Mosel mit 16,64 Meter am tiefsten ist. Hier fließt das Wasser grünlich gefärbt. Zunächst führt der Weg an der Mosel zurück wieder über die Brücke nach Trarbach, vorbei am Brückentor, wo wir den Weg hoch zur Burgruine suchen. Der Weg steigt sehr steil durch teilweise noch viel steilere Weinlagen bis zum Kriegerdenkmal, auf dem gestorbene Soldaten aus dem Krieg 1871 geehrt werden sollen.

Auf steilen Treppen geht es hoch bis zur Ruine Grevenburg, die wiederum von Franzosen zur sicheren Festung ausgebaut wurde. Hier oben haben wir nun endlich einen Blick auf die gesamte Moselschleife, die ich allerdings nur mit dem Panoramamodus als Ganzes erfassen kann. Auf der anderen Seite schlängelt sich der Weg dann wieder in vielen Serpentinen durch den Wald zurück zur Brücke.

Über die Brücke zurück nach Traben kommen wir dann am Lorettahaus vorbei, was nach einer Gräfin aus dem 14. Jahrhundert benannt. Sie wurde dafür bekannt, dass sie den sie bedrohenden Kurfürst Balduin an der tiefsten Stelle der Mosel einfangen und entführen ließ. Nach mehreren Monaten lenkte er mit Lösegeld und Zugeständnissen in einem „Sühnevertrag“ ein. So wird das Stadtbild mit diesem und einigen anderen Häusern im Jugendstil oder klassizistischen Stil geprägt, dass sich die Stadt auch „Hauptstadt des Jugendstils“ benennt.

Die überschaubare Distanz 43 km mit 161 Höhenmetern, die sich über einige sehr kurze und steile Zwischenanstiege summieren, ergänzen wir mit weiteren 6 km zu Fuß und 150 Höhenmetern, die diesmal recht schweißtreibend zur Ruine hoch geführt haben.

Abendessen gab es im sehr empfehlenswerten Anker direkt an der Mosel. Interessanter Weise war zwar verkaufsoffener Sonntag, aber ein Großteil der Gaststätten hatte Ruhetag.

Von Trier nach Piesport

Nach einem guten Frühstück packen wir noch bei grauem Himmel unsere Sachen ein. Der Fahrstuhl führt in die Tiefgarage, wo unsere Räder auf einem Doppelparker aneinander geschlossen sind. Direkt neben der Ausfahrt ist tatsächlich ein Märklin-Shop mit einer wunderschön gestalteten Eisenbahnlandschaft, die an gute alte Zeiten erinnert. Wir müssen einfach nur eine Straße Richtung Mosel runter rollen und überqueren diese bei viel Autoverkehr, aber mit tollem Blick auf die wartenden Schiffe und dem roten Sandstein. Der Radweg ist weitgehend perfekt ausgebaut, allerdings gibt es doch einige unerfreuliche Umleitungen, die dann eher irritierend beschildert sind.

Im Gegensatz zu Frankreich ist hier nun die Gastronomiedichte ziemlich hoch. Man könnte eigentlich so ziemlich alle 10 Minuten einkehren. Das machen wir auch zweimal. Ein kleiner Weinausschank ist direkt neben dem römischen Frauenkopf, der bei einem Grab des 3 Jahrhunderts gefunden wurde. Gesellige Radfahrerrunden lassen sich da viel Zeit und wer aus Versehen einen Flammkuchen bestellt, muss ohnehin viel Zeit mitbringen. Das bleibt uns erspart und nach einer kleinen Schorle sind wir schon wieder weg.

Ein paar Kilometer später wird mit eigenem Kuchen, Zwiebelkuchen und Federweißer geworben und als wir das direkt am Radweg gelegene Café erreichen, lassen wir uns auch davon überzeugen. Ab dann geht es einfach zügig entlang des Radwegs, der immer gut von der Straße getrennt ist, auch wenn er ab und zu mal direkt daneben läuft. Heute ist der Himmel endlich mal wieder blau und es bleibt trocken, aber gegen Mittag wird es dann wieder heiß, was ein bisschen an unseren Kräften zehrt.

So erreichen wir Piesport und suchen unser Appartement mitten im Ort. Es ist groß genug für eine ganze Familie, aber der ganze Ort ist voll von Angeboten, die über Booking alle nicht zu finden waren. Zu Fuß laufen wir unten am Fluss entlang, decken uns im Edeka für Frühstück und den Abend ein und suchen dann ein Restaurant. Das erweist sich als gar nicht so einfach, da sie am Telefon dann mit eher bescheidenen mentaler Kraft auf die Herausforderung reagieren können, das ggf. ein Tisch frei werden könnte und der dann für den nächsten Gast zu reservieren wäre. Der spontane direkte Besuch führt dann aber zum Erfolg und so bekamen wir in der Moselloreley gegenüber des gleichnamigen imposanten Felsens einen Tisch und was zu essen und zu trinken. Zuvor sind wir schon den Radweg bis zurück zur Brücke gelaufen. Das Panorama auf die Felsen, die Weinberge, die bis in die letzte Ecke hinein bewirtschaftet werden und die Kirche auf der anderen Seite ist toll.

Wir sind heute 53 km gefahren und haben 223 Höhenmeter erklommen. Ein paar Brücken und ein paar kleine Zwischenanstiege in die Weinberge. Dennoch war die Belastung heute auf Grund der Wärme etwas deutlicher spürbar.