Von Passau nach Obermühl

Als wir aufwachen, regnet es. Wir lassen es langsam angehen und kommen spät zum Frühstück. Das Angebot ist ok, aber für den Preis steht es deutlich dem in Deggendorf nach. Wenig stilvoller Massenbetrieb mit von allem was, aber eben keine besonderen Käse o.ä. Schön ist, dass der Himmel aufreißt. Wir verlassen Passau bei schönstem Licht und kommen nach den ersten Bildern zügig auf der linken Seite voran. Bei diesem Licht sieht man auch die verschiedenen Farben der Flüsse viel besser.

Bei Obernzell überqueren wir die Donau mit der Fähre und betreten Österreich. Beim riesigen Wasserkraftwerk Jochenstein hätten wir auch queren können. Das Ausflugsschiff, was wir bei ca. 25km/h nicht einholen konnten, braucht in der riesigen Schleuse länger als wir. Wir bleiben auf der rechten Seite und müssen einige kleinere Steigungen überwinden, so dass wir von Pedelec-Gruppen oder Bike-Packern überholt werden. Bis Schlögen bleiben wir auf dem gut ausgebauten Radweg, steuern beim großen Campingplatz den Gasthof an. Gerade rechtzeitig, denn kaum haben wir unsern Kuchen vertilgt, beginnt es heftig zu regnen.

Als es dann wieder aufhört, beschließe ich bis zum Aussichtspunkt über die Schlögener Schlinge hochzufahren. Dazu geht es ein kurzes Stück, ca. 2km auf der Bundesstraße und dann ab auf eine kleine einspurige Straße und auf dieser über knapp 2km mit 12-16% Steigung hoch. Obwohl ich die Taschen im Restaurant gelassen habe, ist das eine ziemlich schwierige Aufgabe. Oben ist dann auf den Waldwegen zwar Radfahren verboten, aber das geht trotzdem ganz gut. Nicht schlimmer als der Schotter, den wir zuweilen hatten. Da oben verzettele ich mich zu Fuß, bis ich den Ausblick gefunden habe, aber zuletzt werde ich mit dieser phantastischen Aussicht über die Donauschleife belohnt.

Bis nach Obermühl an der Donau sind es dann weniger als 10 km. Leider beginnt es nun wieder leicht zu regnen, aber wir verzichten auf die Regensachen. Schließlich müssen wir wieder mit der Fähre rüber und dann sind es nur noch 100 Meter. Nachdem wir wieder sauber sind, vertreten wir uns die Füße in dem nur aus wenigen Häusern bestehenden Ort und beschließen einer Komoot Wanderung bis hoch zum Burgstallblick über die Donau zu folgen. Da geht es sehr steil über winzige Pfade den Hang hoch. Auf 2km machen wir 350 Höhenmeter. Ganz oben gibt es noch einen hölzernen Aussichtsturm, den ich erklimme und über ziemlich feuchte Wege geht es dann weniger steil zurück. Da wir im Fischgasthof Aumüller zu Gast sind, wird Zanderfilet mit Spargel offeriert und da der Betrieb preisgekrönt für seine Mostvariationen ist, werde ich dazu verleitet, einige davon zu probieren.

Die 60 km, die wir heue geradelt sind, wurden mit 497 Höhenmetern erkämpft, von denen 200 besonders hart waren. Die gut 6km lange Wanderung hatte es bezüglich Höhenmeter und Wegbeschaffenheit ebenfalls in sich. Meine Barfußschuhe haben die nächste Prüfung bestanden, allerdings nicht auf nassem Stein.

Rundgang durch Passau

Eine konkrete Kilometerangabe und eine zugehörige Karte kann ich heute nicht liefern, nur ein paar Eindrücke, was es in Passau an Sehenswürdigkeiten gibt. Um 10:30 Uhr haben wir uns am Domportal zu einer Stadtführung eingefunden, die uns mit Humor und Sachverstand an die wichtigsten Punkte in der Altstadt geführt hat. Der Platz vor dem Dom wimmelte von Schirmen, um dem Regen zu trotzen und Stadtführungen in allen Sprachen wurden von den jeweiligen Kreuzfahrtschiffen durchgeführt.

Hinter dem Wittelsbacherbrunnen mit Dom symbolisieren Engel die Flüsse (Donau mit Getreide, Inn mit Tirolerhut, auf der Rückseite Ilz mit Perlen). Morgens zeigt sich ein bisschen blauer Himmel, sonst war es meist grau oder hat geregnet. Das goldene Dach als Äquivalent zu dem in Innsbruck und das kunstvolle Treppenhaus in der fürstlichen Residenz mit Deckengemälde, welches die Stadt Passau mit Zeus darstellt.

Zur Festung „Vesta Oberhaus“ führen ein paar gut besuchte Treppen auf den Berg, aber für den eigentlichen 3 Flüsse Aussichtspunkt muss man Eintritt für das Museum bezahlen und wir geben uns mit den tiefer gelegenen Aussichten zufrieden. Einmal sieht man unten die Ilz in die Donau münden und von hinten kommt das hellgrüne Wasser des Inn dazu. Aber gleichzeitig sind immer nur zwei Flüsse zu sehen.

Auf dem Weg zurück zur Inn-Mündung beginnt es heftig zu regnen, so dass wir im Kaffee-Inn Unterschlupf suchen und finden. Da es weiter regnet, schauen wir uns mit unserem neu erworbenen Wissen der Stadtführung noch einmal den Dom an, mit dem kostbarsten Kunstwerk des Donaulandes in Niederbayern, der goldenen Kanzel (nicht wegen des Goldes, das macht vom Gewicht nur zwei Tafeln Schokolade aus, sondern wegen der vielfältigen Schnitzereien). Die Eisenbahnbrücke, so heißt sie im Volksmund, in der Vergrößerung des Domes über den Inn, heißt eigentlich Kaiserin-Elisabeth-Brücke, da selbige nach 10 Jahren mit der Eisenbahn wieder von Wien herkam, um im Hotel „wilder Mann“ ihre Familie zu treffen.

Vor dem Dom steht ein Statue des Königs Maximilian I von Bayern, der dem Dom den Rücken zudreht und damit signalisiert, mit der Macht der Passauer Erzbischöfe ist es vorbei und gleichzeitig den Blick in Richtung München richtet, um zu signalisieren, dass Passau jetzt zu Bayern gehört.

Nachdem wir zu dritt diesen Rundweg absolviert haben, regnet es leider immer noch und wir finden in der Stadtgalerie trockenen Unterschlupf und können uns im Mediamarkt versorgen und auf den Massagesesseln, die dort aufgestellt sind, entspannen.

Bei gut 17.000 Schritten dürften sich so an die 12 km akkumuliert haben. Tochter-2 wird mit dem Camper abgeholt und wir sind froh, dass wir heute nicht Rad gefahren sind. Die Prognose für morgen sieht ein bisschen besser aus.

Von Deggendorf nach Passau

Nachdem ich gestern mit dem Gedanken gespielt hatte, das Hotel zu stornieren, war ich heute beim Frühstück sehr froh, dass wir unseren Plan eingehalten haben. Für das Frühstück ist ein riesiges Buffet entlang des breiten Korridors angerichtet. In schön eingerichteten Räumen, die den Charme eines alten etablierten Hotels versprühen, genießen wir die grandiose Auswahl.

Gestern sind wir zur Abwechslung mal in einem indischen Restaurant eingekehrt und mit der hervorragenden Bewertung von 4.8 waren wir einverstanden. Das Essen kam so schnell, so dass wir es sogar noch zur Sneak Preview Night des lokalen Kinos geschafft haben. Der Film war nicht ununterhaltsam, aber im Großen und Ganzen ein ziemlicher Schmarrn, wie der Niederbayer dazu sagen würde. Da wir ein paar Minuten zu spät kamen und bis zum Ende des Abspanns der Name des Films nicht genannt wurde, musste ich den Namen des Films recherchieren. Mit den Stichworten “ … film usa 2024 kansas kalifornien brüder korea dreieck homosexualität … “ konnte mich Google zielsicher zum Namen des Films „On Swift Horses“ führen. Erster Eintrag bei taz.de „Spielfilm über unterdrückte Queerness“.

Auf dem Weg kommen wir an einem Museum zu Ehren Gerhard Neumann vorbei, es geht um fliegen und Triebwerke. Es gibt wieder Baustellen auf dem Donauradweg und Umleitungen, die tatsächlich über gute Wege führen. Es gibt wenige Attraktionen auf dem Weg, hier mal eine große Linde mit einem versteckten Kreuz und in der kleinen Gemeinde Winzer gibt es eine Burgruine und ein verwirrende Wegführung: darf man nun hier fahren oder nicht?

In Vilshofen machen wir eine Pause. Am Kai liegen Kreuzfahrtschiffe und direkt vorm Tor finden wir eine kleine Bäckerei, in der es ein bisschen Kuchen und Kaffee gibt. Ungefähr 12km vor Passau geht es dann wieder auf Schotterwegen weiter, bis wir dann weitgehend gut, aber einmal dann doch wieder verwirrend durch Passau geführt werden. Wir sehen unser erstes fahrendes Kreuzfahrtschiff und wundern uns über die geringe Frequenz von Booten, die wir bisher beobachtet hatten. Bevor wir unser mk Hotel beim Bahnhof in Passau beziehen, fahren wir erst einmal bis zur Spitze der Insel, wo der Inn in die Donau mündet, das ist das erste große Ziel: die deutsche Donau. Die nächste Etappe wird nach Österreich führen. Grund genug mein Rad vor der Mündung ins Bild zu bringen.

In Passau werden wir eine weitere Nacht bleiben und können deshalb ein bisschen was waschen. Die Treppe im Hotel läuft um den beleuchteten Globus. Dann geht es zum Rundgang durch die Altstadt, mit Dom von außen und innen und dem Passauer Tölpel und über den Inn-Kai wieder zurück.

Abends erwartet uns eine besonders schöne Überraschung, denn Tochter-2 kommt mit Freund im Camper auf dem Weg nach Süden in Passau vorbei und wir werden zum Abendessen eingeladen.

Das Wetter auf den 64 km mit 246 Höhenmetern war sonnig, bis es ab Vilshofen wieder wolkiger wurde. Morgen soll es schlecht werden. Mal sehen, wie wir unseren Ruhetag da verbringen können.