Von Oloron-Sainte-Marie nach Laruns

Heute war die Distanz nur 43 km und auch die Höhenmeter muten mit 1032 bescheiden an. Dennoch ist es die immer wieder gleiche Geschichte: steil, steiler, noch steiler. So teilt das Schild in dem kleinen Ort Escot mit, dass der Pass Col de Marie-Blanque „ … eine echte Herausforderung für Fahrradfahrer darstellt, egal auf welchem Niveau …“ Es geht ganz gemütlich bei 330 Metern Höhe los und wird dann auf den letzten Kilometern immer steiler. Die letzten drei Kilometer bis 1035 Meter steigen mit 12-13%. Dennoch fällt es heute leichter, da die Steigungen kontinuierlich sind. Es geht nicht ständig wieder runter und dann mit unterschiedlichen Steigungen weiter, wie gestern.

Was mir seit gestern aufgefallen ist, dass sie die Ortsschilder immer verkehrt rum aufhängen. Erst dachte ich, dass wäre ein einzelner Gag, aber es zieht sich durch alle Orte durch.

Nachdem es gestern heftig gewittert und geregnet hat, sind die Straßen heute noch nass, die Wolken hängen tief, aber zunächst hält es. Dann bei ca. 800 Meter Höhe komme ich in die Wolke und es beginnt ein leichter beständiger Nieselregen. Für die letzten 200 Höhenmeter ziehe ich mich nicht um. Das kommt dann oben auf dem Pass. Regenjacke, Überschuhe und Handschuhe schützen mich vor Abfahrtswind und Nieselregen. Einige echte Rennradler sind unterwegs auch einer mit Gravel-Bike und „Bike-Packing“ Taschen. So komme ich in den Genuss eines Fotos mit mir selbst. Ein ganz besonderes Gefährt kommt kurz nach mir oben auf dem Pass an. Es ist elektrisches Einrad über und über mit kleinen Taschen bepackt und der Fahrer steht darauf. In den Abfahrten ist er so schnell wie die Fahrräder und unten im Flachen ist er mit über 30km/h unterwegs.

Auf dem Hochplateau „Les chevaux du Benou“ ist es bestimmt ganz idyllisch mit vielen frei laufenden Pferden und Kühen. Heute hängt die Wolke dicht über dem Plateau. Gerade eben waren die Kühe noch da, jetzt sind sie im Nebel. Durch die Wolke durch ist dann eine Zeit lang kaum was zu sehen bis es im Tal wieder fast trocken und nur noch wenige Tropfen vom Himmel kommen.

Schon um 13h bin ich in Laruns. Ich schreibe eine Nachricht über Airbnb bekomme aber keine Antwort. Leider ist Einlass in meine Appartement erst um 16h. So muss ich mir die Zeit vertreiben. Trotz der mitgenommenen Frühstücksnüsse habe ich Hunger und bekomme am zentralen Platz mit mehreren Gastronomien einen Croque Monsieur, ein Eis, ein Cola, einen Milchkaffee und fange an meinen heutigen Blogbeitrag zu erstellen, auch wenn das Fotomaterial noch recht bescheiden ist.

Das Appartement ist geräumig, einfach muffig. Fahrrad hat in der Küche Platz. Um 16h ist keiner da um mich reinzulassen, nach Anfrage mit kryptischen Antwort und 2x versucht wo anzurufen kommt endlich ein Rückruf. Ich soll zur blauen Tür, die sei offen, ist sie aber nicht.  Oh, das habe die Freundin wohl vergessen. Kurz danach kommt die Freundin, macht sich am Schlüsselkästchen zu schaffen, sie brauchte wohl auch erst die Nummer und lässt mich dann rein. Die Wohnung war also mittags schon fertig und mit winzigen Engagement hätte ich da auch früher rein können. Das wird meine erste negative Airbnb Bewertung.

Auch nachdem ich das Dorf erkundet habe gibt es nicht viele neue Bilder. Gegessen habe ich abends im l’Emabaradère, sehr gut.

Von Larrau nach Oloron-Sainte-Marie

Nach dem vorzüglichen Abendessen gestern Abend hatte ich trotz eines sehr guten lokalen Weines nicht sehr tief geschlafen. Abend saß ich noch auf dem Balkon und habe dunkle Wolken aufziehen sehen. Heute früh sieht es ziemlich düster aus. Grauer Himmel und dichte Wolken in den Bergen. Es gibt ein gutes Frühstück aber auch das ist nicht inklusive, so daß es diesmal keine kleine Rechnung ist. Aber es war ein wirklich guter Aufenthalt.

Neben mir sind um 7:30 schon eine Gruppe von 5 Italienern da, die ganz offensichtlich die Besitzer der 4 Edelrennräder in der Garage sind. Da sie alle sehr ordentlich mit gutem Schuhwerk gewandet sind, vermute ich, dass der fünfte Mann der Fahrer für das Gepäck ist. Das erweist sich als richtig. sie fahren kurz vor mir los, auf dem Weg stehen sie und ich überhole. Auf dem Weg zum Col du Soudet überholen sich mich kurz bevor es steil wird.

Während es zunächst bei der steilen Abfahrt ganz leicht bei kühlen 17 Grad nieselte, ist die Straße Richtung nach Saint Engrace trocken und es zeigt sich der ein oder andere Sonnenstrahl. Bis zur romanischen Kapelle am Ortsende des lang gestreckten Ortes geht es mit moderaten Steigungen voran, so daß ich einigermaßen vorwärts komme. Dann wird es wieder übel.

Die durchschnittlichen 5,6% Steigung, die auf dem Schild angezeigt sind, beziehen sich eben auf die ganze Strecke. Auf über 10 km ergeben sich wieder Steigungen jenseits der 10%, was mein Fortkommen erheblich behindert. Für die ersten 10 km benötige ich 25 Minuten für die nächsten 55, für die nächsten knapp zwei Stunden und dann geht es im Rekord mit ca. 15 Minuten für 10 km wieder nach unten. In der Auffahrt gibt es große Splitfelder, die ich durch Wechsel der Fahrbahn zu umgehen suche.

Das geht heute ganz gut, denn bis auf einen einzigen Motorrad-Schwarm ist hier heute kaum Verkehr. Auf dem Pass gibt es ein paar Ausblicke, insbesondere der Blick über das Wolkenmeer ist schön. Sonst gibt es nichts, keine Gastronomie, wahrscheinlich ist das alles ein Stück oberhalb an der spanischen Grenze.

Die Kollegen, die in Komoot ihre Touren zur Verfügung gestellt hatten, sind auf diesem Abschnitt nach Spanien und dann wieder zurück, was 2.400 Höhenmeter und über 100 km gewesen wäre. Das habe ich mir gespart und bin den direkteren Weg zum Col du Soudet gefahren, den ich nach 30 km erreicht habe. Der kürzeste Weg wäre übrigens nur bergab und ca. 40 km lang gewesen.

Neben und auf der Straße weiden Schafe, Kühe und Pferde, was dazu führt, das reichlich Hinterlassenschaften auf der Straße sind. Das freut die Fliegen, die sich immer sehr erschrecken, wenn ich mich mit dem Rad nähere und dann einen großen Schwarm um mich bilden. Auf der Abfahrt sind dann viele kleine Geschosse, die auf Brille oder im Gesicht landen.

Ab jetzt geht es in langer steiler Abfahrt über breite sensationelle Straßen, fast verkehrsfrei von über 1500 Meter auf ca. 400 Meter runter. Auf den letzten 20 km geht es dann mit geringem Gefälle bis nach 70 km und 1309 Höhenmetern Oloron-Sainte-Marie erreicht ist.

Das ist ein recht schöner Ort durch den die Gave fließt. Mein Zimmer ist heute ein kleines Appartement in einem ziemlich scheußlichen Gebäude mit dem klangvollen Namen Entre terre et mer. Schlüssel liegt in einer Box und nur das Aufschließen bringt mich zu Anfang etwas zur Verzweiflung. Die Wohnung ist im dritten Stock, das Rad kommt im Aufzug mit. Nachdem ich eine Zeit durch den Ort geschlendert bin und sehe wie ganz dunkle Wolken von Westen kommen, erreiche ich das Appartement kurz bevor das Gewitter ausbricht.