Von Obermühl nach Linz

Im Aumüller hatten wir wieder direkten Ausblick auf den Fluss. Das Frühstück war ansprechend. Neben uns war eine Gruppe von vier älteren Kanadiern, die alle auf dem selben Pedelec-Typ unterwegs waren. Wir müssen auf jeden Fall irgendwann eine Fähre nehmen, denn die linke Seite wird durch Felsen, die direkt an die Donau reichen, unterbrochen. Wir entscheiden uns dafür, erst bis Untermühl auf der linken Seite zu fahren. Bis hierher sind wir fast alleine. An der Fähre von Untermühl treffen wir auf eine Vierer-Gruppe von Österreichern mit Klapprädern. Ihre Tradition für das Vatertagswochenende. Auf diese Weise kommen wir mal zu einem gemeinschaftlichen Foto in der kleinen Fähre.

Die grünen Hügel steigen links und rechts der Donau steil auf, so dass wenig Platz für Wege und Straßen bleibt. Autoverkehr gibt es kaum, aber die Wege sind perfekt ausgebaut. Nach der Fähre von Untermühl öffnet sich das Tal langsam und irgendwann ist auch wieder Platz für Autoverkehr. Der Radweg läuft parallel und später auf dem Donaudamm.

Kurz nach dem „Donauwirt“ gibt es eine gut ausgestattete Service-Station. Wir nutzen die Gelegenheit die Reifen aufzupumpen und ein bisschen sauber zu machen. Bei Ottensheim müssen wir per Drahtseilfähre auf die linke Seite wechseln. Wir warten dort mit einigen Radlern und ein paar Autos und keine Fähre ist zu sehen, bis sich irgendwann ein Teil des Anlegestegs von gegenüber langsam in Bewegung setzt. Auf dieser Art Fähre ist viel Platz für Autos und Fahrräder. Ein Radler mit ganz viel Gepäck fällt mir auf. Er kommt aus Frankreich und fährt den Eurovelo – Radweg 6 vom Atlantik (Loire Mündung) bis zur Donau Mündung im schwarzen Meer.

In Ottensheim machen wir noch eine kurze Pause bei kaltem Kaffee mit kaltem Milchschaum. Dann sind wir auch schon bald in Linz und werden gut durch die Peripherie geführt. Das Zimmer im Hotel am Schillerpark ist auch schon um 13:30 für uns bereit.

Unser Stadtrundgang führt uns über den neuen Dom, den Hauptplatz zurück zur Donau und zum Donaupark. Auf dem Rückweg kommen wir an einem Platz mit Live-Musik vorbei. Resi Reiner gibt gerade als letztes Stück ihren Hit „Naja, geht so“ zum besten.

Dann laufen wir zum alten Dom mit barocker Einrichtung. Im Seitenaltar ist mal wieder Maria Magdalena mit der Schlange kunstvoll abgebildet. Außerdem ist die Orgel zu besichtigen, auf der Anton Bruckner jahrelang als Dom-Organist gespielt hat. In der k.u.k Hofbäckerei gibt es Linzer Torte nach Originalrezept und die Melange dazu ist leider nicht erste Klasse.

In nostalgischer Erinnerung an das Heidelberger „da Vinci“ gehen wir hier auch in ein Restaurant gleichen Namens. Die Bewertung liegt bei 4.3. Es gibt keine nudelessenden Kinostars in schwarz-weiß, dafür Reproduktionen von Michelangelo und sehr viel Knoblauch. Danach schlendern wir wieder zum Stream-Festival. Dabei kommen wir an einer Tanzbühne mit ohrenbetäubendem Techno vorbei. Die aktuell aufspielende Band Night-Tapes ist kein Geheimtip. Das Festival kostet keinen Eintritt, das wird durch den Bierpreis kompensiert.

Die Distanz von 49 km hatte mit 130 Höhenmetern keine nennenswerten Steigungen zu bieten. Allerdings kamen mir die ersten 10 Kilometer, obwohl immer auf Höhe der Donau, ständig wie bergauf vor.

Von Passau nach Obermühl

Als wir aufwachen, regnet es. Wir lassen es langsam angehen und kommen spät zum Frühstück. Das Angebot ist ok, aber für den Preis steht es deutlich dem in Deggendorf nach. Wenig stilvoller Massenbetrieb mit von allem was, aber eben keine besonderen Käse o.ä. Schön ist, dass der Himmel aufreißt. Wir verlassen Passau bei schönstem Licht und kommen nach den ersten Bildern zügig auf der linken Seite voran. Bei diesem Licht sieht man auch die verschiedenen Farben der Flüsse viel besser.

Bei Obernzell überqueren wir die Donau mit der Fähre und betreten Österreich. Beim riesigen Wasserkraftwerk Jochenstein hätten wir auch queren können. Das Ausflugsschiff, was wir bei ca. 25km/h nicht einholen konnten, braucht in der riesigen Schleuse länger als wir. Wir bleiben auf der rechten Seite und müssen einige kleinere Steigungen überwinden, so dass wir von Pedelec-Gruppen oder Bike-Packern überholt werden. Bis Schlögen bleiben wir auf dem gut ausgebauten Radweg, steuern beim großen Campingplatz den Gasthof an. Gerade rechtzeitig, denn kaum haben wir unsern Kuchen vertilgt, beginnt es heftig zu regnen.

Als es dann wieder aufhört, beschließe ich bis zum Aussichtspunkt über die Schlögener Schlinge hochzufahren. Dazu geht es ein kurzes Stück, ca. 2km auf der Bundesstraße und dann ab auf eine kleine einspurige Straße und auf dieser über knapp 2km mit 12-16% Steigung hoch. Obwohl ich die Taschen im Restaurant gelassen habe, ist das eine ziemlich schwierige Aufgabe. Oben ist dann auf den Waldwegen zwar Radfahren verboten, aber das geht trotzdem ganz gut. Nicht schlimmer als der Schotter, den wir zuweilen hatten. Da oben verzettele ich mich zu Fuß, bis ich den Ausblick gefunden habe, aber zuletzt werde ich mit dieser phantastischen Aussicht über die Donauschleife belohnt.

Bis nach Obermühl an der Donau sind es dann weniger als 10 km. Leider beginnt es nun wieder leicht zu regnen, aber wir verzichten auf die Regensachen. Schließlich müssen wir wieder mit der Fähre rüber und dann sind es nur noch 100 Meter. Nachdem wir wieder sauber sind, vertreten wir uns die Füße in dem nur aus wenigen Häusern bestehenden Ort und beschließen einer Komoot Wanderung bis hoch zum Burgstallblick über die Donau zu folgen. Da geht es sehr steil über winzige Pfade den Hang hoch. Auf 2km machen wir 350 Höhenmeter. Ganz oben gibt es noch einen hölzernen Aussichtsturm, den ich erklimme und über ziemlich feuchte Wege geht es dann weniger steil zurück. Da wir im Fischgasthof Aumüller zu Gast sind, wird Zanderfilet mit Spargel offeriert und da der Betrieb preisgekrönt für seine Mostvariationen ist, werde ich dazu verleitet, einige davon zu probieren.

Die 60 km, die wir heue geradelt sind, wurden mit 497 Höhenmetern erkämpft, von denen 200 besonders hart waren. Die gut 6km lange Wanderung hatte es bezüglich Höhenmeter und Wegbeschaffenheit ebenfalls in sich. Meine Barfußschuhe haben die nächste Prüfung bestanden, allerdings nicht auf nassem Stein.