Von Obermarchtal nach Ulm

Im Frühstücksraum sind außer uns noch die beiden Gäste, die auch gestern im Gasthof Adler gegessen haben und sich dabei recht laut unterhalten hatten, so dass wir deren Unterhaltung insoweit folgen konnten, dass der eine Stammgast im Schwarzen Peter in der Heidelberger Weststadt ist. In der kleinsten Stadt in Baden-Württemberg Munderkingen begegnen uns die beiden schon wieder. Der schwarze Peter Stammgast hat ein echtes Renn-Touren-Rad, der andere ein einfaches Pedelec. Unsere erste Station ist Ehingen mit dem eindrucksvollen Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist.

Der große Marktplatz mit dem phantasievollen Brunnen ist um 11:30 noch recht wenig belebt und mir ist es auch noch zu früh eine Rast einzulegen. Auch heute begleiten uns wieder Störche und Storchennester, manchmal sind die Nistplätze ein bisschen skuril, wie hier direkt auf dem Weg. Raps wird zur Kulturpflanze Nummer Eins, ein Feld folgt dem nächsten, auch gestern sind wir schon durch endlose Rapsfelder gefahren. Die Stadt Erbach, wo wir uns dann zu einer kleinen Rast entschließen, hat bei unserer Erkundung nicht viel zu bieten, nur Schloss und Kirche liegen auf dem Hügel und den haben wir nur von Ferne als Motiv wahrgenommen.

Der Radweg führt um Ulm herum erst durch ein Industrie- oder Gewerbegebiet und aus jeder Werksausfahrt kommen Autos oder Laster, deren Weg wir kreuzen. Das ist ein bisschen nervig und verlangt Aufmerksamkeit. In Ulm kommen wir dann nach zweimaligem Verfahren bei unserem Hotel Comfor an. Die Räder werden in einem großen Fahrradraum in der Tiefgarage eingeschlossen und unser Zimmer ist sehr geräumig und in sehr gutem Zustand.

In wenigen Minuten erreichen wir durch die Fußgängerzone den Münsterplatz und verbringen einige Zeit in dieser großartigen Kirche. Das gotische Chor-Gestühl mit lebensecht geschnitzten Figuren, den unzähligen Kunstgegenständen wie dem tollen Altarbild und den riesigen Ausmaßen, wie dem höchsten Kirchturm der Welt, ist es schon eine besondere Kirche.

Eine Dame kommt auf mich zu, sie muss Seelsorge in der Kirche leisten und der dafür benötigte Tisch steht an der falschen Stelle und so unterstütze ich sie dabei, den Tisch durch die Kirche zu tragen. Eine weitere Dame erzählt uns Geschichten zur Geschichte, wie beispielsweise, dass die jüngeren Fenster im zweiten Weltkrieg zerstört worden sind und durch neue ersetzt wurden, aber die wirklich alten Fenster wurden zuvor in Sicherheit gebracht und so gibt es sie noch im Original.

Als nächstes schlendern wir zur Donau runter, durch den Metzgerturm mit einer künstlerischen Verzierung aus lauter Seilen in Harfenform, der lebhaften Donauwiese und dem Rathaus mit prächtiger Fassadenmalerei. Auf der Brücke markiert eine Leiste die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Ein Scherzbold hat auf der bayerischen Seite den Aufkleber „Nett hier aber waren sie schon mal in .Baden-Württemberg“ angebracht.

Die 54 km haben wir mit allen Pausen in knapp vier Stunden absolviert, die Beine waren ein bisschen schwerer heute und der Wind war zwar nicht stark, aber meistens kam er von vorne. Wenige kleine Anstiege haben 266 Höhenmeter verursacht. Am blauen Himmel waren heute nur ganz wenige kleine Wölkchen zu sehen.

Von Sigmaringen nach Obermarchtal

Im Pfefferle ist das Frühstück direkt an den Tischen vorbereitet und man muss sich nicht zum Buffet bemühen. Wir werden vom Herbergsvater auch noch über die geschichtlichen Verschönerungen, die wiederum sein Vater eingebaut hatte, informiert und ich habe Gelegenheit im ausliegenden Spiralheft zum Donauweg bis Passau nachzulesen.

Durch die Radwegführung unter Straße und Bahn und über die Donau sind wir gleich wieder am Schloss. Beim Abschiedsfoto werden wir von der Betreuerin der Royal Rangers Pfadfinder, die hier heute 35 jähriges Bestehen feiern, in ein längeres Gespräch über Glaube und Werte verwickelt.

Beim Buck / Gaggli Produktionsstandort in Ennetach / Mengen, mit einer kunstvoll geformten Nudel aus Metall, kann man sich wochentags die Nudelproduktion oder zumindest verschiedene Erzeugnisse anschauen. Heute ist Sonntag und wir fahren gleich weiter.

Dabei werden wir in Mengen direkt nach der Kirche im oberschwäbischen Stil Zeuge einer großen Prozession. Diese wird immer am Sonntag nach dem 18. Mai abgehalten, um für die Rettung vor den Schweden im Jahr 1632 durch Unterstützung von 1000 Salemer und Überlinger Reiter zu danken.

Nach gut zwei Stunden haben wir die ersten 36km in Riedlingen, dem nächsten größeren Ort, hinter uns gebracht. Hier gibt es wieder einen oberschwäbischen Kirchturm mit Zwiefaltener Tor und verschiedenen Fachwerkhäusern, teilweise mit reich verzierten Fassaden. Immerhin einen Kaffee gibt es auf dem Marktplatz im Eiscafé, denn die Konditorei hat noch zu. Auffällig sind die vielen Storchnester und auch die vielen umherfliegenden Störche.

Nach nur weiteren 15 Kilometern erreichen wir schon unser Ziel, das relativ kleine Dorf Obermarchtal, was aber ein recht eindrucksvolles Kloster hat, welches schon aus der Ferne in der Sonne erkennbar ist. Wir sind früh dran und unser Zimmer, heute mit „Self-Check-In“, ist nicht sehr geräumig, aber dafür ist diesmal alles sauber und in gutem Zustand. Es liegt ein paar hundert Meter außerhalb.

Zu Fuß machen wir uns dann in den Ort auf und wandern durch den Klosterpark, das St. Peter und Paul Münster mit eindrucksvoller Barockverzierung, bis runter an die Donau.

Dort erhält man dann die ultimativen Fotomotive des Ortes, Kloster über die neu angelegte Fischtreppe in der neu naturierten Umgebung. Kajak- oder Kanufahrer müssen dieses Hindernis fortan umtragen.

Die heutige Distanz belief sich auf 54 km und es war mit 273 Höhenmetern nur mäßig hügelig. Anspruchsvoller war ein kühler manchmal recht heftiger Wind, der uns leider auch häufig entgegen wehte. Die letzten Etappen konnten wir mit kurzer Hose fahren, aber oben hatten wir die langen Jacken lieber anbehalten.