Von Linz nach Ybbs

Nachdem wir im Hotel Schillerpark durch ein sehr gutes Frühstück gestärkt wurden, bedurfte es fast 7 km, bis wir aus der Stadt wieder den Donauradweg am Ausgang von Linz erreicht haben. Das Stadtbild von Linz ist an dieser Seite eher industriell und so auch der Blick über die Donau auf Linz zurück. Der Radweg ist perfekt ausgebaut. Allerdings ist heute am Samstag mit strahlendem Wetter und steigenden Temperaturen ziemlich viel los. Auf der Radlerrennbahn sind so auch sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten unterwegs.

Je mehr wir den städtischen Einzugsbereich verlassen, reduziert sich die Anzahl der reinen Sportradler und Freizeitradler und die Langstrecken-Tourer dominieren. Unsere Etappe heute ist länger geplant und wir sind deshalb zügig unterwegs. Die Blicke auf die Donau ähneln sich. Der breite Fluss, mit Hochwasserdämmen und Mauern zu dessen Verstärkung und ein sehr gut asphaltierter Weg sind die Regel. Teilweise müssen wir ins Landesinnere ausweichen und fahren auf verkehrsarmen Straßen.

Unsere erste Pause machen wir erst nach 60 Kilometern in Grein, das man schon von weitem aus sehen konnte und was wir nach gut 3 Stunden erreichen. Den ersten Kiosk am Camping Platz lassen wir aus, aber auch das zweite Café mit vielen Kuchen, aber direkt am Parkplatz mit unzähligen Fahrzeugen, Autos, Fahrrädern und Motorrädern erscheint uns nicht so gemütlich. Wir lassen uns dann im Hof eines Gasthauses mit langer Tradition und einer denkmalgeschützten Lärchendecke im Inneren nieder. Von hier sind es nur noch gute 20 km bis zu unserem Zielort Ybbs und wir müssen über die Brücke eines riesigen Kraftwerks mit entsprechender Schleuse, die gerade von einem dicken Kreuzfahrtschiff besetzt ist, die Donau queren.

Kurz nach Grein verschmilzt der Radweg für 10km leider mit der verkehrsreichen B3. Seit wir in Österreich sind, sind wir übrigens auf den Radwegen bislang nicht einen einzigen Zentimeter auf Split oder Schotter gefahren und jeder Weg ist besser geteert als die Straße, in der ich wohne. In Ybbs ist Stadtlauf, da ist einiges abgesperrt, aber der Babenberger Hof ist trotzdem schnell gefunden.

Dort bekommen wir ein „Upgrade“ für die Donau Lodge. Nach einem kleinen Rundgang durch die kleine historische Stadt, von der aber seit einem Brand im 19. Jahrhundert einiges nicht mehr steht, gibt es im Babenberger Hof noch ein Lachsfilet mit Kartoffelgratin auf drei Spargeln. Nicht schlecht, aber auch nicht der große Hochgenuss. Raffiniert ist die Idee, Brot, Butter, Salz und Öl für 5€ pro Person in einer stilvollen kleinen Holzkiste anzubieten.

Die Distanz über 83 km war heute schon einigermaßen anstrengend, zumal die Sonne einerseits erfreulicherweise den ganzen Tag schien, andererseits aber auch die Temperatur fast 30 Grad erreichte. Bei 204 Höhenmetern waren keine Steigungen zu überwinden, außer einer kleinen fiesen Rampe vor Grein.

Von Obermühl nach Linz

Im Aumüller hatten wir wieder direkten Ausblick auf den Fluss. Das Frühstück war ansprechend. Neben uns war eine Gruppe von vier älteren Kanadiern, die alle auf dem selben Pedelec-Typ unterwegs waren. Wir müssen auf jeden Fall irgendwann eine Fähre nehmen, denn die linke Seite wird durch Felsen, die direkt an die Donau reichen, unterbrochen. Wir entscheiden uns dafür, erst bis Untermühl auf der linken Seite zu fahren. Bis hierher sind wir fast alleine. An der Fähre von Untermühl treffen wir auf eine Vierer-Gruppe von Österreichern mit Klapprädern. Ihre Tradition für das Vatertagswochenende. Auf diese Weise kommen wir mal zu einem gemeinschaftlichen Foto in der kleinen Fähre.

Die grünen Hügel steigen links und rechts der Donau steil auf, so dass wenig Platz für Wege und Straßen bleibt. Autoverkehr gibt es kaum, aber die Wege sind perfekt ausgebaut. Nach der Fähre von Untermühl öffnet sich das Tal langsam und irgendwann ist auch wieder Platz für Autoverkehr. Der Radweg läuft parallel und später auf dem Donaudamm.

Kurz nach dem „Donauwirt“ gibt es eine gut ausgestattete Service-Station. Wir nutzen die Gelegenheit die Reifen aufzupumpen und ein bisschen sauber zu machen. Bei Ottensheim müssen wir per Drahtseilfähre auf die linke Seite wechseln. Wir warten dort mit einigen Radlern und ein paar Autos und keine Fähre ist zu sehen, bis sich irgendwann ein Teil des Anlegestegs von gegenüber langsam in Bewegung setzt. Auf dieser Art Fähre ist viel Platz für Autos und Fahrräder. Ein Radler mit ganz viel Gepäck fällt mir auf. Er kommt aus Frankreich und fährt den Eurovelo – Radweg 6 vom Atlantik (Loire Mündung) bis zur Donau Mündung im schwarzen Meer.

In Ottensheim machen wir noch eine kurze Pause bei kaltem Kaffee mit kaltem Milchschaum. Dann sind wir auch schon bald in Linz und werden gut durch die Peripherie geführt. Das Zimmer im Hotel am Schillerpark ist auch schon um 13:30 für uns bereit.

Unser Stadtrundgang führt uns über den neuen Dom, den Hauptplatz zurück zur Donau und zum Donaupark. Auf dem Rückweg kommen wir an einem Platz mit Live-Musik vorbei. Resi Reiner gibt gerade als letztes Stück ihren Hit „Naja, geht so“ zum besten.

Dann laufen wir zum alten Dom mit barocker Einrichtung. Im Seitenaltar ist mal wieder Maria Magdalena mit der Schlange kunstvoll abgebildet. Außerdem ist die Orgel zu besichtigen, auf der Anton Bruckner jahrelang als Dom-Organist gespielt hat. In der k.u.k Hofbäckerei gibt es Linzer Torte nach Originalrezept und die Melange dazu ist leider nicht erste Klasse.

In nostalgischer Erinnerung an das Heidelberger „da Vinci“ gehen wir hier auch in ein Restaurant gleichen Namens. Die Bewertung liegt bei 4.3. Es gibt keine nudelessenden Kinostars in schwarz-weiß, dafür Reproduktionen von Michelangelo und sehr viel Knoblauch. Danach schlendern wir wieder zum Stream-Festival. Dabei kommen wir an einer Tanzbühne mit ohrenbetäubendem Techno vorbei. Die aktuell aufspielende Band Night-Tapes ist kein Geheimtip. Das Festival kostet keinen Eintritt, das wird durch den Bierpreis kompensiert.

Die Distanz von 49 km hatte mit 130 Höhenmetern keine nennenswerten Steigungen zu bieten. Allerdings kamen mir die ersten 10 Kilometer, obwohl immer auf Höhe der Donau, ständig wie bergauf vor.