Von Krems nach Wien

Nach dem massiven Gewitter von gestern Abend und verschiedenen Überschwemmungen, die sich in der Gegend ereignet haben sollen, hatten wir gestern in der Bierbar Piano geplant, dass wir heute eher versuchen früh los zu kommen. Außerdem mussten wir unsere Herberge schon um 9:30 verlassen haben, nicht ohne die Bettwäsche abgezogen und abgegeben zu haben. Das Frühstück war, wie erwartet, eher einfacher Natur, aber es war einiges da, um satt zu werden. Die beiden Damen waren sehr freundlich und sehr interessiert an unseren Radtouren und hatten auch einige Geschichten auf Lager, welche Art von Extremtouren schon bei ihnen einen Stop eingelegt haben. Sie meinten, dass es nach Regen riecht und in der Tat war der Himmel ziemlich grau.

Um 9:01h sitzen wir auf den Rädern und unsere Hoffnung, dem schlechten Wetter davon fahren zu können, erfüllt sich. Die Radwege sind ausnahmslos perfekt, ganz fein asphaltiert und selbst die kleinen Umwege, die dann auch verständlich ausgeschildert sind, befinden sich in sehr gutem Zustand. Eine erste Pause machen wir nach einer kleinen Kurve in einem idyllischen Kiosk direkt an der Donau. Erst beim Weiterradeln erkennen wir, dass dieser direkt am Atomkraftwerk Zwentendorf liegt. Neben den Kreuzfahrtschiffen, die wir an den Schleusen immer wieder überholen, gibt es auch ein paar Drachenboote mit Jugendlichen, die in Tulln anlegen.

Tulln ist eine interessante Zwischenstation, die namentlich im Nibelungenlied genannt ist, wo Kriemhild an Etzel übergeben wird, bevor in Wien dann die Hochzeit erfolgt. Die Stadtpromenade ist in Gärten angelegt und Kaiser Marc Aurel wacht auf seinem Ross direkt über dem Radweg.

Kurz vor Klosterneuburg rasten wir im Gasthaus am Silbersee. Ich liege, nach Kuchen gefragt, dem Missverständnis auf, dass es Rehrücken gäbe. Den habe ich dann auch bestellt: Schokoladenkuchen mit einer dünnen Schicht Konfitüre. In Klosterneuburg nehmen wir die Klosterkirche von weitem zur Kenntnis und auch beim Museum machen wir nur einen kurzen Stop. Die Radwegeführung nach Wien hinein ist schon außergewöhnlich gut.

Über uns braust der Verkehr, wir fahren unter Brücken am Kanal entlang und das Großstädtische sind die bemalten Brückenpfeiler mit unterschiedlichsten Motiven. Irgendwann müssen wir dann doch ins Getümmel, aber die Komoot Strecke führt uns auf sinnvollen Wegen vor unser Hotel. Ein kleiner Rundgang durch die naheliegende Fußgängerzone endet mit den ersten richtigen Tropfen des Tages. Schnellen Schrittes eilen wir zurück zu unserem Hotel. Dort sind wir mit einer Freundin aus Heidelberg verabredet, mit der wir zusammen ins Café Restaurant G’schamster gehen, was wir als die letzten Gäste wieder verlassen.

Die 85 km mit 225 Höhenmetern (also flach) sind uns heute recht leicht gefallen. Der Wind kam fast immer perfekt von hinten. Teilweise haben wir ohne größere Anstrengung Geschwindigkeiten von knapp 30 km/h erreicht und so haben wir das Hotel schon vor 15h erreicht. Das Kalkül, dem Wetter davon zu fahren, hat funktioniert. Über die ganze Strecke war ideales Radfahrwetter. Kurz nach 19h ging es dann los mit dem Regen.

Von Ybbs nach Krems

Um 7:30 schaue ich aus unserem Zimmer: leider Wolken. Das Zimmer ist diesmal mit Balkon, auf dem ich dann auch die ersten Übungen vollführe. Nachdem wir im Frühstücksraum das bislang abwechslungsreichste Frühstücksangebot vorgefunden haben, sind die Wolken dann auch weitgehend verzogen und kurz nach 10h sitzen wir auf den Rädern. Wir bleiben bis zur letzten Brücke nach Krems auf der rechten Seite der Donau.

Es sind einige Radler auf den wiederum bestens ausgebauten Radwegen unterwegs. Viele mit Motor und auch einige Sportradler. Einige Rennradler ziehen allerdings die Straße vor. Unsere erste größere Station ist Melk mit dem imposanten Stift, das man von weitem sich schon über das große Kraftwerk hinweg im Fluss spiegeln sieht. Hier lagern die Kreuzfahrtschiffe in mehreren Reihen und entsprechend voll ist der Radweg mit kreuz und quer laufenden Kreuzfahrern im sehr gesetzten Alter. Über die Hub-Nietenbrücke aus den 30er Jahren kommt man dann nach mehreren Kurven in die Stadt und an das Stift. Das betrachten wir aber nur von außen. Interessant ist, dass, ergänzend zu den Kreuzfahrtschiffen, diese auch von einigen Bussen begleitet werden, um sofort für die Landausflüge Vorort sein zu können.

In Schönbühl sehen wir auf dem Felsen die Burg und die Kreuzfahrtschiffe geben Gas. Sie fahren ungefähr mit einer Geschwindigkeit von 26km/h die Donau hinunter. Wir sind auf jeden Fall ein bisschen zu langsam. Leider muss auch der Radweg nun um den Felsen rum und das bedeutet einen kleinen steilen Anstieg.

Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir die Burg und die Weinberge rund um Spitz. Hier beginnt mehr oder weniger das Weinbaugebiet der Wachau. Im Vordergrund ist wieder ein Kreuzfahrtschiff zu sehen und einige Kanuten haben schwer mit den Wellen der großen Schiffe zu kämpfen.

In Rossatzbach schauen wir auf den blauen Kirchturm von Dürnstein unterhalb einer markant und weithin sichtbaren Burgruine. Das Wasser der Donau scheint warm genug zu sein, dass sich einige schon hinein wagen. Einen haben wir mitten im Fluss mit starker Strömung gesehen. Das scheint mir angesichts des mittlerweile erheblichen Schiffsverkehrs nicht ganz ungefährlich. Schließlich queren wir die Donau bei der Brücke von Mautern und begeben uns in unsere heute leider äußerst einfache Behausung, die Radfahrherberge Krems. In unserem Zimmer gibt es sieben Betten, aber wir haben es als Doppelzimmer gebucht. Ein ziemlicher Gegensatz zu unserer Luxusherberge gestern.

Wir sehen in Krems das steinerne Tor, die zentrale Fußgängerzone und den Dom der Wachau, die St. Veits Kirche und irgendwann beginnt es zu tröpfeln, dann in Strömen zu regnen, bis sich dann im Gewitter Sturzbäche durch die Stadt ergießen. Wir haben Unterschlupf im MarktSpiel gefunden. Die schenken bis 18h zwar noch zu trinken aus, aber sonntags bleibt die Küche abends kalt. Nach unserem hervorragenden griechischen Essen im Offenburger Zeus haben wir uns nun zu Ja Mas aufgemacht und es ist ganz ok, große Portionen, aber leider nicht ganz so gut. Auf dem Heimweg tröpfelt es schon wieder.

Auf der Entfernung von 64 km, die wir mit kurzen Steigungen und 185 Höhenmetern zu bewältigen hatten, war heute ideales Radfahrwetter; nicht zu heiß, ein paar Wolken, aber schön trocken. Mit dieser Auffassung waren wir nicht alleine und der sonntägliche Verkehr war erheblich, aber auf den breiten und bestens asphaltierten Wegen kein Problem. Was aber an der ein oder anderen Engstelle erwachsene „stark“ gewachsene E-Biker dazu verleitet, die nicht einzusehende Linkskurve auf der linken Seite zu nehmen, erschließt sich einem kaum. Wir waren Zeuge von mehreren Fast-Unfällen. Gerade an solchen Stellen muss man äußerst vorsichtig sein.