Zurück nach Heidelberg

Die letzten 32 km mit 350 Höhenmetern waren nicht geplant. Trotz der nicht besonders schönen Lage können wir im B&B Hotel ganz gut ausschlafen und bekommen ein dem Hotelstandard angemessenes Frühstück. Es begann zu regnen und die Tropfen auf dem Fensterbrett waren tatsächlich die größte Geräuschquelle. Kein Problem wir müssen ja nur noch 10 Minuten zum Bahnhof und dann geht es im Zug bis Heidelberg.

Zunächst schauen wir uns den Rhein an, die echte Loreley und die Radfahrer, die mit Packtaschen und gegen Regen gerüstet auf dem Rhein-Radweg unterwegs sind. Die Strecken waren alle etwas seltsam und gegen die Intuition. Entweder bis nach Kaiserslautern und dann in 4 Minuten von Gleis 1 auf Gleis 10 oder nach Frankfurt und dann eine gute halbe Stunde warten. Alle zwei Stunden geht auch Mainz, umsteigen nach Mannheim und dann umsteigen nach Heidelberg. Da die vier Minuten umsteigen in Kaiserslautern unrealistisch sind, liebäugeln wir in der RE17 nach Kaiserslautern bei Bingen damit, nach Mainz umzusteigen, um dort auf den Anschluss nach Mannheim zu warten. Das wäre etwas schneller als in Kaiserslautern mit der nächsten S-Bahn zu fahren. Wir entscheiden uns dann aber doch für die bequemere Variante mit nur einmal umsteigen.

Das war leider eine nicht vorhersehbare Fehlentscheidung. Wenige Minuten später die Durchsage: „in Rockenhausen endet der Zug, ein Baum liegt auf der Strecke. Wir wissen noch nicht wie es weitergeht.“ Nachdem wir mit den Rädern raus sind (einmal durch die Unterführung) die Durchsage: „der Betrieb nach Kaiserslautern geht weiter“. Wieder durch die Unterführung wie auch der gesamte restliche Zug. Für uns heißt das Aufzug runter und Aufzug wieder hoch. Im Zug kommt uns dann der Lokführer entgegen, was wir hier wollen, der Zug würde nicht fahren. Wir dagegen: „die Durchsage hätte gesagt es geht weiter“, er: „ich bin der Lokführer, ein Baum liegt auf der Strecke, der Zug fährt nicht“ … „die Durchsagen würden von der Deutschen Bahn kommen, da hätte er nichts mit zu tun“. Also zum dritten Mal durch die Unterführung, das hat nicht zur Verbesserung unserer Laune beigetragen.

Super Sushi gestern abend und verdreckte Räder heute

Wir ziehen uns um und setzen uns auf das Rad und steuern den Bahnhof Winnweiler an. Wenn der Baum dazwischen liegt, dann geht es von dort vielleicht weiter. Über Komoot und Radwegausschilderung finden wir den Weg, der sich in Kürze zu einem matschigen Schotter-Sand-Waldweg entwickelt. Gleichzeitig ist er mit heftigen Steigungen gespickt. In Winnweiler kommen wir völlig verdreckt an. Auf den beiden Bahnsteigen herrscht Chaos. Ein Zug steht einsam und wartet. Auf dem anderen Gleis steht eine riesige Traube von Menschen, die verschiedene Theorien austauschen, wo der Baum liegt, ob er schon weg ist und wann es weitergeht. Ich schimpfe ein bisschen auf die Unfähigkeit der deutschen Bahn und vor allem das völlige Chaos in deren Kommunikation. Ein Herr, der unweit von uns steht und stoisch sein Handy beobachtet, erbarmt sich und erklärt uns einen Weg über Landstraßen mit Radwegen in Richtung Kaiserslautern. Ein kleines DB-Logo an seiner Jacke outet ihn als Mitarbeiter, vielleicht war er auch ein Fan. Aber die Aussage, dass das hier noch ewig dauert, mit den Rädern seien wir schneller, spricht für die Eingangshypothese.

Der Weg entlang Landstraßen mit Radwegen daneben erweist sich als gut fahrbar. Der Regen hat aufgehört, nur noch Spritzwasser, aber das ist nun egal. Statt kurz vor 12h erreichen wir den Hauptbahnhof in Kaiserslautern um kurz vor 14h. Um ca. 14:17 komme die RE17 aus Koblenz an und siehe da eine ältere Dame, die mit uns im Zug war, steigt aus. Mit der S1 sind es nun noch knapp 1,5 Stunden nach Heidelberg.

Von Cochem nach Koblenz

Im Fata Morgana, eine wiederum von Niederländern betriebene Pension, mussten wir gestern exakt angeben, was wir zum Frühstück essen möchten und haben das dann auch exakt so bekommen. Das war alles einwandfrei. Für Niederländer scheint Cochem ohnehin ein sehr begehrtes Ziel zu sein. Rund um uns herum in den Lokalen und sind einige Texte und Beschilderungen neben deutsch auch niederländisch.

Der Himmel war bedeckt mit sonnigen Lichtblicken und es sollte den ganzen Tag trocken bleiben. Der Wind war teilweise erheblich, aber er kam meistens von hinten. Als wir aufgrund eines kleinen Navigationsfehlers wieder 100 Meter zurück mussten, haben wir den Wind sehr heftig von vorne gespürt.

Der Radweg ist gesäumt mit einigen Burgen und bei der letzten Schleuse vor Koblenz gibt es einen Aussichtspunkt mit nicht sehr beeindruckenden Aussichten, aber interessanten Hintergründen zu und Funktionsweise der Schleuse.

Leider verläuft der linksseitige Radweg lange entlang der Bundesstraße. Einwandfreier Belag und wir fahren um die 25 km/h. Mit nur wenigen Fotopausen erreichen wir schon nach etwa zwei Stunden und 40 km den Ort Winningen. Dazwischen gibt es noch eine riesige Autobahnbrücke, abenteuerlich terrassierte Weinberge und ein „von der Leyen“ Schlösschen über der Bundesstraße.

In Winningen war bis gestern Weinfest. Die meisten der vielen Kneipen müssen sich erholen und haben zu. Wir steuern wieder eine Vollkornbäckerei an und bekommen einen kleinen Snack mit Kaffee. Leider gibt es trotz Sitzgelegenheiten keine Toilette. Von hier sind es nur noch gute 15 km bis zum deutschen Eck.

Die Mosel mündet in den Rhein. Auf der anderen Seite des Rheins ist die Befestigungsanlage Ehrenbreitstein zu sehen, wo man für aktuell 14,90€ hin und zurück mit einer Seilbahn übersetzen kann. Die Sonne kämpft mit düsteren Wolken und dementsprechend ist das ohnehin düstere Kaiser Denkmal auch eher ein düsteres Motiv.

In letzter Minute haben wir das B&B Hotel gebucht. Die meisten inserierten Hotels sind schlecht bewertet oder überteuert. Unser Hotel liegt im Dreieck von Gleisanlagen und vierspurigen Straßen, aber die Fenster sind gut isoliert. Zu Fuß steuern wir wieder die Fußgängerzone an. Es gibt das ein oder andere interessante zu sehen, einige Erker vor alten Fassaden unten allerdings die Fritten-Kette. Es gibt durchaus einige interessante Geschäfte, aber auch sehr viel Leerstand.

Das sehenswerte Wahrzeichen der Stadt ist die mit zwei Zwiebeltürmen renovierte Liebfrauen-Kirche, deren Ursprünge auch auf die Römerzeit zurück geht. Daneben finden wir neben der Jesuitenkirche (die heute evangelisch ist) ein Glockenspiel, welches uns zu Ehren direkt mit dem Spiel beginnt. Auf dem nächsten Platz ist eine interessante Säule installiert, in der über die verschiedenen Etagen die Geschichte der Stadt von den Römern bis heute dargestellt wird.

Nach verschiedenen, eher seelenlosen großen Plätzen finden wir ein Kino und da wollen wir rein. Deshalb müssen wir schnell etwas zu essen finden. Das gelingt in dem großen asiatischen Restaurant Papa Umi, wo schnell mit hervorragendem Service tolles asiatisches Essen serviert wird. Nun beginnt es doch wieder leicht zu regnen.

Die Distanz von 58 km mit 201 Höhenmetern war auch ziemlich schnell absolviert. Der Radweg war zwar wunderbar asphaltiert, aber direkt neben der Straße nicht angenehm zu fahren. Kurz vor Winningen sind wir auf die Strecke hinter der Bahnlinie in die Weinberge gewechselt, wo wenige Höhenmeter mehr zusammen gekommen sind.