Von Larrau nach Oloron-Sainte-Marie

Nach dem vorzüglichen Abendessen gestern Abend hatte ich trotz eines sehr guten lokalen Weines nicht sehr tief geschlafen. Abend saß ich noch auf dem Balkon und habe dunkle Wolken aufziehen sehen. Heute früh sieht es ziemlich düster aus. Grauer Himmel und dichte Wolken in den Bergen. Es gibt ein gutes Frühstück aber auch das ist nicht inklusive, so daß es diesmal keine kleine Rechnung ist. Aber es war ein wirklich guter Aufenthalt.

Neben mir sind um 7:30 schon eine Gruppe von 5 Italienern da, die ganz offensichtlich die Besitzer der 4 Edelrennräder in der Garage sind. Da sie alle sehr ordentlich mit gutem Schuhwerk gewandet sind, vermute ich, dass der fünfte Mann der Fahrer für das Gepäck ist. Das erweist sich als richtig. sie fahren kurz vor mir los, auf dem Weg stehen sie und ich überhole. Auf dem Weg zum Col du Soudet überholen sich mich kurz bevor es steil wird.

Während es zunächst bei der steilen Abfahrt ganz leicht bei kühlen 17 Grad nieselte, ist die Straße Richtung nach Saint Engrace trocken und es zeigt sich der ein oder andere Sonnenstrahl. Bis zur romanischen Kapelle am Ortsende des lang gestreckten Ortes geht es mit moderaten Steigungen voran, so daß ich einigermaßen vorwärts komme. Dann wird es wieder übel.

Die durchschnittlichen 5,6% Steigung, die auf dem Schild angezeigt sind, beziehen sich eben auf die ganze Strecke. Auf über 10 km ergeben sich wieder Steigungen jenseits der 10%, was mein Fortkommen erheblich behindert. Für die ersten 10 km benötige ich 25 Minuten für die nächsten 55, für die nächsten knapp zwei Stunden und dann geht es im Rekord mit ca. 15 Minuten für 10 km wieder nach unten. In der Auffahrt gibt es große Splitfelder, die ich durch Wechsel der Fahrbahn zu umgehen suche.

Das geht heute ganz gut, denn bis auf einen einzigen Motorrad-Schwarm ist hier heute kaum Verkehr. Auf dem Pass gibt es ein paar Ausblicke, insbesondere der Blick über das Wolkenmeer ist schön. Sonst gibt es nichts, keine Gastronomie, wahrscheinlich ist das alles ein Stück oberhalb an der spanischen Grenze.

Die Kollegen, die in Komoot ihre Touren zur Verfügung gestellt hatten, sind auf diesem Abschnitt nach Spanien und dann wieder zurück, was 2.400 Höhenmeter und über 100 km gewesen wäre. Das habe ich mir gespart und bin den direkteren Weg zum Col du Soudet gefahren, den ich nach 30 km erreicht habe. Der kürzeste Weg wäre übrigens nur bergab und ca. 40 km lang gewesen.

Neben und auf der Straße weiden Schafe, Kühe und Pferde, was dazu führt, das reichlich Hinterlassenschaften auf der Straße sind. Das freut die Fliegen, die sich immer sehr erschrecken, wenn ich mich mit dem Rad nähere und dann einen großen Schwarm um mich bilden. Auf der Abfahrt sind dann viele kleine Geschosse, die auf Brille oder im Gesicht landen.

Ab jetzt geht es in langer steiler Abfahrt über breite sensationelle Straßen, fast verkehrsfrei von über 1500 Meter auf ca. 400 Meter runter. Auf den letzten 20 km geht es dann mit geringem Gefälle bis nach 70 km und 1309 Höhenmetern Oloron-Sainte-Marie erreicht ist.

Das ist ein recht schöner Ort durch den die Gave fließt. Mein Zimmer ist heute ein kleines Appartement in einem ziemlich scheußlichen Gebäude mit dem klangvollen Namen Entre terre et mer. Schlüssel liegt in einer Box und nur das Aufschließen bringt mich zu Anfang etwas zur Verzweiflung. Die Wohnung ist im dritten Stock, das Rad kommt im Aufzug mit. Nachdem ich eine Zeit durch den Ort geschlendert bin und sehe wie ganz dunkle Wolken von Westen kommen, erreiche ich das Appartement kurz bevor das Gewitter ausbricht.

Von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Larrau

Mangels Vorhänge bin ich in meinem gemütlichen Zimmer bei Patricia schon früh aufgewacht und habe mir als erstes ein Café für das Frühstück gesucht. Das erste Café wird primär von Einheimischen frequentiert, so dass ich nun Originalbaskenmützen zu sehen bekomme. Das Frühstück selbst ist ein bisschen robust wie auch der Wirt aber für 10€ bekomme ich Schinken-Sandwich, 2 Café au lait, Croissant und Pain au chocolat. Das hält hoffentlich eine Zeit lang vor. Es geht leicht ansteigend in Saint-Jean los.

Der Startpunkt für viele Pilger ist auch mit Bahnhof zu erreichen und bedeutet: Heiliger Johannes am Fuße des Passes, den die Pilger gehen müssen um nach Spanien zu kommen. Schon bald erreiche ich Saint-Jean-le-Vieux auf einer Straße mit viel Verkehr, der aber deutlich nachlässt, nachdem ich auf die D18 zum Pass Col d’Iraty abbiege. Es geht noch eine Zeit lang leicht ansteigend in Richtung Berge, denen ich so immer näher komme.

In Frankreich ist ja Service für all Radler, dass man kontinuierlich informiert wird, wie weit es noch ist und wieviel Höhenmeter noch zu leisten sind. Leider sieht die Anzeige hier etwas harmloser aus, denn es gibt hier einen kleinen Zwischenpass auf 1100 Metern und über 2 km verliert man wieder an die 200 Meter. Für die eigentlich zu überwindenden Höhenmeter bleiben also weniger Kilometer, das bedeutet es ist wesentlich steiler als das Schild suggeriert. Und dann geht es auch gleich mitten rein in die Wand. 12, 13, 14, 15 Prozent Steigung werden bei mir angezeigt und mein Schnitt für die nächsten 10 Kilometer sinkt auf unter 6 km/h. Dann kommt ab 800 Metern auch noch Gegenwind.

Nach der kleinen Zwischenabfahrt auf der der Wind so bläst, dass ich viel bremsen muss, liegen die Schafe auf der Straße. Entlang des Weges wie auch oben am Pass, den ich endlich nach knapp 4 Stunden erreicht habe, grasen die Kühe. Für Menschen gibt es leider nichts, da sie hier oben alle Mittagspause machen. So fahre ich ohne was zu essen bis zu meinem Zielort Larrau.

Leider geht es nach langer, zunächst sehr ruppiger, Abfahrt von 1327 Metern auf etwa 400 Meter noch einmal 2 km auf 620 Meter hoch, natürlich genauso steil. So sind auf einer Distanz von nur 45 km 1507 Höhenmeter zusammen gekommen.

In der Erwartung mir etwas anschauen zu können laufe ich, nachdem sie mich dann doch vor 15h und nicht erst nach 16h auf mein Zimmer gelassen haben, durch den Ort und es gibt da schlicht nichts. Kein Café, keine Bar, keinen Laden nur das 3 Sterne Hotel in das es mich verschlagen hat. Erfreulicherweise mit Abendessen und Frühstück. Abendessen ist aber erst um 20h. Was mache ich in den 4 Stunden?

Da fällt mir ein Prospekt in die Hand: die Pont d‘Holzarten ist eine Hängebrücke über eine riesige Schlucht und nur knapp 5 km entfernt. Ich bin zwar schon geduscht und in zivil aber ich packe Fahrradschloss und die notwendigsten Utensilien ein und setze mich wieder auf mein Rad. 2,5 km geht es dann sehr steil den Berg runter bis zu einem Parkplatz an dem ich das Rad an einem Baum befestige und dann mit kleinem Rucksack den 2 km Spaziergang in meinen Merrel Barfussschuhen angehe. Die Schuhe begleiten mich auf allen hier geschilderten Radtouren zuverlässig und sind mit mir schon weite Wege gegangen. Die Herausforderungen auf diesen 2 km übertreffen aber das für sie bisher geleistete.

Anfänglich ist der Waldweg noch moderat, dann wandelt er sich aber zu einer extrem steilen und sehr schweißtreibenden Kletterpartie. Es sind zwar nur 200 Höhenmeter auf 2 km auf dem GR 10 (auf dem man zu Fuß die Pyrenäen überwinden kann), aber durch ein paar flache Passagen bleiben genügend Höhenmeter für extrem steile, steinige und verblockte Passagen. Nach einer Stunde habe ich mein Ziel erreicht. Grandiose Aussichten gibt es hier und auch den ganzen Weg entlang. Die Mutprobe über die schwankende Brücke mit Blick durch den Boden in die Schlucht hinunter meistere ich auch noch.

Nach zwei Stunden erreiche ich mein Fahrrad wieder und nehme in der Gite Etappe, an dem die GR 10 Wanderer ihre Sachen trocknen, ein großes Panaché (Radler) zu mir.

Die 2,5 km zurück zum Hotel sind nun bei 10-12% und gut 200 weiteren Höhenmetern in einer knappen schweißtreibenden halben Stunde bewältigt. Mal sehen, wie sich mein kurzes Hemd macht, nachdem ich es getrocknet habe. Auf diese Weise sind dann noch einmal 11 km dazu gekommen und mit 468 Höhenmeter addiert sich das für den Tag auf 1975 Höhenmeter.

Der Himmel war heute wieder den ganzen Tag blau mit kleinen Wölkchen, oft kletterte das Thermometer auf über 30 Grad.

Zur Belohnung gibt es im Hotel ein Dreigängemenü mit Wein, nachdem ich seit dem Frühstück das essen völlig vergessen hatte. Das Menü ist zumindest das bisherige kulinarische Highlight.

Von Biarritz nach Saint-Jean-Pied-de-Port

Im Hotel wurde für 13€ auch noch ein Frühstück angeboten, was ich recht früh zusammen mit einer Gruppe Motorradfahrer eingenommen habe. Bis gegen 9h hat es dann doch gedauert bis ich losgekommen bin. Zuvor musste ich mit der hoteleigenen Pumpe die Reifen auf ein gutes Niveau bringen und den Sattel nach justieren. Zunächst noch einmal runter zum Grand Plage wo sich die ersten Surfer bereits in die Wellen wagen. Mit der geplanten und auf dem Garmin installieren Tour ist es kein großes Problem aus der Stadt zu kommen. Über äußerst hügeliges Gelände, das heißt immer ca. 40 Meter runter und wieder hoch und das ständig, geht es bis zur spanischen Grenze. Obwohl ich relativ kleinen Nebenstraßen folge, ist doch ziemlich Verkehr.

In Spanien geht es dann zum ersten Pass der Tour „Otsondo“, mit 600 Metern kein Riese aber mir langt es. Bis da hoch sind sicher 1000 Motorräder und eine Schwarm von um die 50 Porsches (alte und neue) lautmalerisch, neben dem sonstigen Verkehr, an mir vorbei gezogen. Nach dieser ersten Abfahrt geht es dann irgendwann auf ein sehr kleines Strässchen Richtung Frankreich ab. Dort komme ich durch das malerische Dörfchen Erratzu. Die spanischen Namen in Spanien und die französischen Namen in Frankreich sind meistens übermalt, damit nur die baskische Form zu lesen. Wenigstens schmeißen die Nationalhelden keine Bomben mehr.

Auf dieser engen Straße entlang des Flüsschen Araneko ist der Verkehr geringer, was nicht bedeutet, dass in den engen Serpentinen nicht immer irgendeine Gruppe Motorräder zu hören ist. Auf der namenlosen Passhöhe, die wieder die Grenze zu Frankreich markiert, sind drei Bars, unzählige Autos und Motorräder und ein großartiges Panorama zurück in die spanischen Berge und auf der andern Seite in die französischen Berge zu bewundern. Eine kleine Pause mit einem alkoholfreien Heineken aus der Büchse gönne ich mir an einem Stehtisch.

Nach langer, steiler und schneller Abfahrt, bei der ich trotz zügiger Fahrweise noch von einem Rennradler überholt werde, erreiche ich das Dorf Saint-Étienne-de-Baigorry, bei dem ich den ersten Nive-Arm gleich mehrmals quere. Eine alte Steinbogenbrücke gibt es da zu sehen. Auf der Abfahrt kommt mir diesmal ein Großschwarm von mindestens 30 alten und neueren BMW Motorrädern entgegen, die offensichtlich die gemeinsame Ausfahrt unter Gleichgesinnten genießen. Aber einmal hat mich auch ein VW ID4 überholt, wissentlich das einzige E-Mobil. Wird alles sicher noch werden. Da werde ich mich jetzt wohl ein bisschen dran gewöhnen müssen und verspreche nicht immer darüber zu klagen,

Nach etwas ermüdender Fahrt auf größerer Straße und einem letzten Anstieg erreiche ich dann den heutigen Zielort Saint-Jean-Pied-de-Port. Das Zimmer ist nicht ganz im Zentrum in einer ruhigen Gegend und nachdem ich alles und mich versorgt habe, laufe ich in einer Viertelstunde wieder ins Zentrum zurück.

Der Ort liegt mitten auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella. Es gibt hier zwar viele Unterkünfte für wenige Euros, wenn man gewillt ist in einem Schlafsaal zu übernachten, aber wenige Zimmer. Meine Unterkunft habe ich als fast einziges Angebot nur über Airbnb gefunden. Die liegt im Privathaus von Patricia, die ein Ensemble von Schlafraum, Küche, Bad und WC vermietet. Sonst werkelt sie auch am Sonntag in ihrem großen Gemüsegarten. Saint-Jean liegt an einem anderen Arm der Nive und mehrere malerische Brücken kann ich bei meinem Stadtrundgang bewundern. Das nur am Sonntag oder Freitag stattfindende baskische Pelote Spiel schenke ich mir dann doch heute. Es gibt sogar ein eigenes Pelote Museum.

Stattdessen lande ich in einer kleinen Bar und probiere den Gateau-de-Basque mit einer Kugel Vanilleeis und schau den Pilgern auf der Straße zu. Fast jedes Haus in der Innenstadt wirbt mit Schlafsaalzimmern. Angeblich gibt es dort auch Zimmer aber keine Ahnung wo ich die hätte finden können. Wahrscheinlich sind die immer als erstes ausgebucht. Obwohl es erst 17h ist, ist das eine Haus schon ausgebucht.

In einem ganz gut bewerteten Restaurant begnüge ich mich heute mit Cäsar-Salat und Bier.

Die Strecke war heute 78 km lang und die 1520 Höhenmeter waren wahrscheinlich schon Rekord für dieses Jahr. Auf den Steigungen komme ich nur sehr langsam voran und neben dem o.g. Verkehr sind auch unzählige Rennradler unterwegs, die oft in abenteuerlicher Geschwindigkeit an mir vorbei ziehen. In Saint-Jean sehe ich dann auch zwei Langstreckenradler, die mit einer irrsinnigen Menge an Gepäck fahren.

Das Wetter hat heute sehr gut mitgespielt. Durchweg blauer Himmel mit ein paar Wölkchen und Temperaturen an die 30 Grad.

Nach Biarritz

Mein heutiges Ziel liegt wieder an der Atlantikküste, aber ein bisschen nördlicher im Baskenland. Der Zug bringt mich von Heidelberg bis Frankfurt Hauptbahnhof und von dort mit der Regionalbahn zum Frankfurter Flughafen. Der fast pünktlich aus Österreich kommende IC hat erfreulicherweise ein großes Fahrradgepäckabteil, meinen Fahrrdplatz hatte ich zuvor reserviert.

Lufthansa fliegt mich dann nach Biarritz. Dafür war das Rad vorher in einer Kiste zu verpacken. Die habe ich mir beim sehr netten Radladen Scheuber in Kirchheim geholt. Nachdem ich Lenker, Vorderrad, Pedale und Sattel abgemacht hatte, passen Fahrrad und alle drei Taschen in den Karton und mit 26 kg ist auch noch Luft zur Lufthansa Höchstgrenze von 32 kg.

Um den Karton rollen zu können habe ich mir bei Obi einen Gasflaschenroller mit 4 kleinen Rädern für 17 Euro gekauft und das funktioniert super, nachdem ich den Karton darauf ausbalanciert habe. Das Tape habe ich dabei, damit ich ganz zuletzt auch noch diesen Roller und die letzten Sachen in den Karton legen und wieder verschließen kann. Bei der Sperrgepäckabgabe helfe ich dem netten Personal den Karton auf den Transportwagen zu legen und muss dann 2 Stunden am Flughafen verbringen bis es um 15h in den Flieger geht. Das ist genügend Zeit um im Rewe beim Fernbahnhof noch ein Wasser für 49 Cent und ein Brötchen zu holen. Im Flughafen sind sie mittlerweile bei der gleichen Menge Wasser bei 4.50. Nichts ist los an der Kontrolle und fast pünktlich erreichen wir Biarritz.

Der Karton kommt auch fast unversehrt in Biarritz an und in einer halben Stunde habe ich das Rad wieder zusammen geschraubt. Ein alter Schlafanzug hat in zerschnittener Form dazu gedient die empfindlichen Komponenten zu schützen. Der landet wie auch der Rollring im Müll und nach Nachfrage beim freundlichen Gepäckservice darf ich den Karton neben dem Mülleimer stehen lassen.

Im Anflug auf Biarritz sehe ich in der Ferne die mit Schnee bedeckten Gipfel der Pyrenäen. Mal sehen was mich da für ein Wetter erwartet.

Kurz nach Abfahrt mit dem Rad am Flughafen schalte ich noch meine Uhr in den GPS Modus und fahre die 3 km mit 3 Höhenmetern zum Hotel Akena. 5 Minuten zu Fuß sind es zum Grand Plage, wo in den hohen Wellen einige Surfer in Neoprenanzügen dümpeln. In zweiter Reihe gibt es einen gut besuchten Italiener les Colonnes mit gutem Essen zu halbwegs akzeptablen Preisen.

Obwohl die Ferien in Frankreich und auch sonstwo nicht begonnen haben ist in Biarritz einiges unterwegs. Viele Kneipen, viele Surfer Typen.

Von Saumur nach Tours

Um 6:30 wache ich auf,  ob des stärker einsetzenden Straßenverkehrs von Autos, die auf nasser Straße fahren. Das Rive Gauche könnte deutlich mehr unternehmen, um die Zimmer von innen und außen vor Lärm zu schützen. Das Frühstück ist ganz gut. Es gibt Käse, Joghurt, Obst und Eier.

Im Supermarkt decken wir uns mit Wasser ein und fahren voller Optimismus ohne Regenjacken los. Der hält nur kurz: bevor wir Saumur verlassen haben, sind wir wieder in voller Regenmontur eingekleidet. Bald ist wieder Schluss und wieder ausziehen. Kurz nachdem wir den 0. Längengrad überqueren, kommen wir durch verschiedene Dörfer, die in die Kalksteinfelsen eingehauen sind.

Insbesondere in Turquant sind gut erhaltene Höhlenwohnungen zu sehen, die direkt in die Kalksteinhänge integriert wurden. Es gibt Gewerke wie Juweliere, Bildhauer, sonstige Kunst zu sehen.

Ab hier geht’s trocken auf guten Radwegen und Nebenstraßen mit ein bisschen Rückenwind sehr zügig mit im Schnitt über 20km/h weiter. In Bréhémont machen wir in einer netten Bar und einer Épicerie Pause. Noch keine 12h und schon über 40 km. Als wir wieder los wollen, ist der westliche Himmel schwarz und der Regen holt uns ein. Eine Stunde mit strömendem Regen und dann ist wieder Schluss. Ab der Mündung der Chere geht es an diesem Fluss weiter. Es kommen ein paar hundert Meter auf praktisch unbefahrbarem Kopfsteinpflaster. Währenddessen hört der Regen auf und wir erreichen unser Hotel pünktlich um 15h und können das Zimmer direkt beziehen.

Wir haben noch ein bisschen Zeit um noch einmal durch ein paar andere Ecken von Tours zu spazieren, bis wir abgeholt werden. Dabei kommen wir am Rathaus und dem Turm der ehemaligen Basilika für den heiligen Martin aus Tours vorbei.

Zum Abschluss holen wir unser Auto wieder und werden sehr sehr reichlich und sehr sehr gut bewirtet. Bevor wir ins Hotel gehen, gibt es noch ein Abschlussgetränk in einer der vielen Bars in der Altstadt.

Die letzte Etappe war 76 km lang und mit 170 Höhenmetern fast flach. Der Wind blies weiterhin sehr günstig für uns, aber die Regenjacken sind wieder zum Einsatz gekommen. Ich denke, ich werde mich mal nach passenden Schutzblechen umschauen.

Von Angers nach Saumur

Im Chambres Mathilde war Frühstück inklusive und entsprechend des Stils seines Hauses gibt es das auf edlem Porzellan und mit Silberbesteck inklusive silberner Messerbänkchen. Mit Marmelade und gesalzener Butter muss man zufrieden sein, aber wir haben noch ein paar Käsereste dabei.

Während wir uns fertig machen, verheißt der Himmel nichts Gutes. Und schon bald regnet es. Ich ziehe meine Regenjacke an, aber als wir aus dem Haus kommen, ist wieder Schluß. So bleibt es dann auch. Einmal kamen noch ein paar Tropfen und oft war die Straße nass.

Die ersten 20 km sind wir weit von der Loire entfernt und fahren in fantasievollem Zick Zack raus aus der Stadt und als erstes durch ein zum Erholungsgebiet umgewidmetes Schieferabbaugebiet des berühmten Schiefers von Angers.

Der Radweg führt über ein Kanalsystem, welches über eine kleine Selbstbedienungsfähre überquert werden soll. Das geht leider schief. Trotz äußerster Anstrengung lässt sich die Fähre nicht an unser Ufer ziehen. Auf dem letzten Meter blockiert was und auf der Gegenseite ist erkennbar, dass sich die Kette verhakt hat. Das erfordert ein paar Kilometer Umweg.

In Saint-Mathurin erreichen wir wieder die Loire und machen eine Pause mit Blick auf die Brücke. Auf der andern Seite in Saint-Rémy ist dann eine alte besichtigbare Kirche mit Priorei. Der Weg führt teilweise recht weit weg vom Fluss, was zur Folge hat, dass es hügelig wird, mit Auswirkungen auf die Höhenmeterstatistik. Sonst ist da wieder einsame Landwirtschaft. Die Sonnenblumen, die noch vor drei Wochen erwartungsvoll in die Sonne blickten, lassen reif die Köpfe hängen und warten auf die Ernte.

In Saumur angekommen, müssen wir uns ein bisschen mit dem Rad die Zeit vertreiben. Die Rezeption im „Rive Gauche“ ist leider erst ab 16h besetzt. Die Zeit verbringen wir mit Croque Monsieur, in der uns lieb gewonnenen Fast Food Boulangerie „La Mie Caline“ und ein bisschen rumrollen durch die Altstadt.

Im Hotel können wir unsere Räder im geschlossenen Restaurant parken. Wir steuern zielstrebig das Schloss an, um da mit 2×8,50€ die Zeit nutzen zu können. Es gibt eine Tolkien Ausstellung (50. Todesjahr), viel Porzellan und ein Pferdemuseum. Steigbügel, Trensen, Zaumzeug, Sättel, … alles ganz interessant, aber eben doch nicht so interessant, dass man sich jedes Detail anschauen möchte.

Auf dem Weg durchqueren wir die Altstadt mit vielen Plätzen und Bars. Das beste am 50 Meter höher liegenden Schloss sind die Panoramen auf den Fluss. Flussaufwärts ist Sonne und abwärts drängen schon wieder Wolken nach.

Nachdem wir zuletzt noch die Brücke überqueren, ergeben sich dann allerdings die besten Bilder auf Schloss, Fluss, Brücken.

Heute sind wir mit Umweg dann 56 km unterwegs gewesen, mit immerhin 280 Höhenmetern. Der Wind war heute deutlich stärker und glücklicherweise meistens wieder von hinten.

Von Ancenis nach Angers

Nach dem Frühsport für Rücken und Schulter begann der Tag heute mit einem sehr guten Frühstück in angenehmer Umgebung im sonst geschlossenen Restaurant. Das wird mangels Personal nur noch für Hochzeiten genutzt. Nachdem wir alles zusammengepackt haben, müssen wir unsere Räder aus der nahegelegenen Garage holen. Kaum biegen wir auf die Straße ein, beginnt es zu tröpfeln. Ich ziehe meine Regenjacke an, aber nach wenigen Minuten ist es trocken und wird schnell zu warm. Diese Übung haben wir heute noch 2-3 Mal wiederholt. Aber bis auf kurze Sprühschauer hat das Wetter trotz dicker Wolkendecke ganz gut gehalten.

Auf der Mischung aus Radwegen mit feinem Kies, manchmal ein paar Steinen, zwischendrin kurze heftige Kopfsteinpflasterpassagen, aber insgesamt sehr guten und sehr gut ausgezeichneten Wegen, kommen wir nach Le Fresne sur Loire mit einem kleinen Schloss. An der Brücke machen wir auf einen Milchkaffee Pause in einem kleinen Cafe mit guter Jazzmusik. Wir wechseln die Loire-Seite und kommen durch Montjean-sur-Loire. Da gibt es einen Campingplatz und es ist eine ganze Menge los. Interessant sind verschiedene Statuen, die aus massivem gebogenem Metall hergestellt sind, was aber erst von relativ nah erkannt werden kann. Über die Île de Chalonnes fahren wir weiter, bis wir wieder auf die linke Seite rüber kommen.

In Savennières machen wir noch einmal in einem kleinen Bistro mit großem Garten Pause, bekommen leckeres Rillettes-Poisson und wieder ganz gute Musik, diesmal aus der Box, die der Wirt, der den Garten alleine bewirtschaftet, ausgelegt hat. Bei Bouchemaine verlassen wir, ohne es zu bemerken, die Loire und folgen der Maine. Vorher kommen wir noch an einer Landmarke, dem „La Pierre Bécherelle“ vorbei. Er wurde wohl etwas abgebaut, da man Material für die Eisenbahn gebraucht hat, aber ist immer noch beeindruckend hoch.

Der Radweg an der Maine ist eingefasst in eine dichte Baumallee und dazwischen ist dann immerhin noch Platz für einen ordentlichen gepflasterten Streifen. Irgendwann kommt auch links Wasser, alles voller Schwäne. An einer Aussichtsterasse öffnet sich der Blick zum „Lac de Maine“, auch hier alles voller Schwäne und auf dem See Surfer und Segelboote. Das letzte Stück fahren wir durch den „Parc de Balzac“, wo sich dann ein sensationeller Blick auf das Schloss von Angers öffnet.

Nachdem wir uns in unserem Gästehaus „Les Chambres de Mathilde“ eingerichtet haben, brechen wir zum Spaziergang in die Stadt auf. Das erste Ziel ist die Kathedrale, die wir durch eine ganz angenehme Fußgängerzone erreichen. Leider wird ziemlich viel restauriert. Das Portal ist nicht zu sehen und das Rosettenglasfenster aus dem 13. Jahrhundert auch nicht.

Das was zu sehen ist, ist allerdings hinreichend imposant und lässt sich auch wesentlich länger besichtigen. Wir gehen kurz die Treppe zur Loire runter und suchen dann das Schloss.

Dort angekommen stellen wir fest, dass es nur noch eine Stunde auf hat und trotzdem noch 9,50€ pro Person kostet. Machen wir halt und es lohnt sich. Es gibt schon einiges zu sehen.

Einerseits der Blick auf die und von der Stadtmauer und darüberhinaus ist natürlich die besondere Attraktion der „Apokalypse Wandteppich“, das längste je gewebte Stück Stoff, welches die Visionen der Apokalypse des Johannes in gewebten Bildern abbildet.

Später schlendern wir durch die Fußgängerzone vorbei an vielen belebten Bars. Diesmal wird es wieder ein italienisches Restaurant in der Innenstadt.

Mittlerweile ist es richtig warm geworden. Der Himmel ist blau. Heute sind wir 63 km bei flachen 175 Höhenmetern geradelt und froh, dass es nur ein ganz klein bisschen geregnet hat.

Von Nantes nach Ancenis

In unserem kleinen Appartement „L‘Atelier Graslin“ frühstücken wir zunächst. Das Appartement im Erdgeschoss wurde auf ziemlich phantasievolle Weise renoviert, was zwar funktional und von der Einrichtung super passt, auch für unsere Räder gab es eine Ecke, aber die Waschbecken, Dusche und Toilette waren winzig.

Als erstes besuchen wir einen Radladen mit lauter edlen Rädern und einer Bar, bei dem wir gestern ein paar Schutzbleche entdeckt hatten, die vielleicht bei mir passen würden. Das Fahren bei Regen im Matsch ist ohne Schutzbleche doch eine ziemliche Sauerei. Er hat zwar welche, aber die passen nur für noch schmalere Räder bis 28mm Breite und ich fahre ja aktuell 32mm. Der freundliche Mann im Radladen hat mir noch ganz viel erklärt, aber leider habe ich nur wenig verstanden. Also geht es dann doch ohne weiter auf den relativ kurzen Weg nach Ancenis. Aus Nantes führen uns richtig große und gut asphaltierte, toll in den Verkehrsfluss integrierte Radwege aus der Stadt hinaus.

Ein letzter Blick auf die letzte Brücke von Nantes mit Radweg. Die tollen Radwege gehen noch lange so weiter. Irgendwann habe ich gerätselt, warum der Tourenvorschlag von Google so unterschiedlich gegenüber dem von Komoot war und vermute, dass die „Single-Trails“ vor Oudon durch die uns Komoot auf der linken Loire Seite (aus der Perspektive unserer Fahrtrichtung) führt, nicht bei Google-Maps im Plan sind. In Oudon machen wir eine kurze Pause und schauen uns das Schloss von außen an.

Eigentlich wäre die Strecke völlig flach, aber wir bauen ein paar Schwierigkeiten ein. Vom Komoot-Weg abweichend wechseln wir die Loire Seite und steuern den Panoramapunkt in Orée d’Anjou an und müssen ca. 50 Meter aufwärts klettern. Schon auf der Brücke bietet sich ein super Blick auf den Fluss. Oben angekommen werden wir mit diesem großartigen Panorama belohnt.

Wir bleiben auf der andern Loire Seite und fahren für die letzten 10 km auf kleinen Sträßchen, obwohl uns mein Mobiltelefon, diesmal von Google-Maps kommandiert, immer wieder auf grobe Schotterpisten führen will. Dabei sind die Straßen kaum befahren.

Trotzdem wir uns viel Zeit gelassen haben, sind wir bereits um 15h am Hotel und können auch gleich vorzeitig unser Zimmer beziehen. Diesmal ein schönes modernes Doppelzimmer mit einer eingebauten Küchenzeile. Unsere Räder finden in einem abgeschlossenen Käfig in der Tiefgarage Platz. Die ganze Fahrt über konnten unsere Regenklamotten in den Packtaschen bleiben. Kurz nachdem wir nun zu einem ersten Rundgang starten, beginnt es leicht zu tröpfeln. Nachdem wir ein paar Sachen geholt haben und wieder im Zimmer sind, regnet es richtig. Das Schloss passieren wir durch den Schlossgarten, es ist jetzt nicht gerade eine Wucht, eher runter gekommen, soll aber schöne Ausstellungen beherbergen.

Später kehren wir beim „La Table du Pêcheur“ ein und bekommen hervorragende Muscheln und Fisch. Danach ist die Sonne wieder da und wir können noch einmal die überschaubaren Sehenswürdigkeiten abgehen. Insbesondere der Dolmen aus der Jungsteinzeit am Ortsrand zur Hälfte im Teich versunken und die Brücke, über die wir gekommen sind, präsentieren sich im Abendlicht. Das Verteidigungssystem des Schlosses mit zwei massiven Türmen, die tief in den Grund eingemauert sind, gibt dem Schloss noch einmal eine interessante Note.

Ancenis ist sicher keine große Attraktion, aber gerade deshalb auch wieder ein sympathisch unaufgeregtes kleines Städtchen mit guter Infrastruktur und eine gute Zwischenstation.

42 km sind es geworden, die 179 Höhenmetern war nur am Anstieg zum Panoramaaussichtspunkt spürbar. Das Wetter war ideal. Leichte Bewölkung, 22 Grad und ein leichter Wind, der uns wieder meistens freundlich gesonnen war.

Von Saint Nazaire nach Nantes

Nachdem wir gestern viel Regen erlebt haben, freuen wir uns, dass der Himmel ganz passable aussieht, aber in dem Moment, in dem ich aus dem Appartement auf die Straße gehe, beginnt der Nieselregen. Auf dem Rückweg von der Boulangerie wird es heftiger, so dass meine Regenjacke gleich mal wieder nass ist, aber es trocknet alles wieder. Das Appartement schräg gegenüber vom Theater war komfortabel und groß genug, dass wir unsere Räder bequem unterbringen konnten.

Unsere erste Herausforderung heute ist allerdings von ganz anderer Natur. Nachdem wir wie üblich kurz nach 10h los kommen, führt uns der Weg ein Stück zurück (diesmal mit dem Wind im Rücken). Als nächstes müssen wir die Loire überqueren, die an dieser Stelle schon ein paar Kilometer breit ist. Dafür müssen wir über die Brücke „Pont de Saint-Nazaire“. Die ist 3,3 km lang und die Fahrbahnhöhe ist 67 Meter über dem Wasser. Der Randstreifen für die Radfahrer ist mit knapp einem Meter mal wieder sehr knapp bemessen und zunächst geht es mit 3% Steigung und recht starkem Wind nach oben. Je weiter wir nach oben kommen, umso stärker wird der Wind. Als mir eine Böe fast den Lenker verreißt, beschließen wir abzusteigen und zu schieben. Auch das ist kein Vergnügen, ich kontrolliere immer wieder, ob mein Helm hält. Trotz der unwirtlichen Bedingungen schaffen es einige Pflanzen sogar Sonnenblumen auf der Brücke heimisch zu werden.

Auf der andern Seite ist dann auch Platz für ein paar Fotos und wir lesen die verschiedenen Schilder „streng verboten für Fußgänger“ und „kostenlose Überquerung für Fahrräder“. Jetzt erschließt sich, für was der Kleinbus mit Anhänger für Fahrräder, der gerade eins aufmontierte, gedacht war. Na gut, so ging es auch, aber obwohl in Komoot dies immer wieder als Radfahrer-Highlight gelobt wurde, das muss man nicht unbedingt haben. Aber der Ausblick auf Saint Nazaire und ein letzter Blick auf den Atlantik war natürlich schon phänomenal von da oben.

Ab jetzt geht es weitgehend flach entlang der Loire mit Blick auf eine Reihe von Fischfang-Einrichtungen. Wir kommen durch einige kleine Orte, die verschiedene interessante Dekorationen haben. Das Wetter hält zunächst, aber irgendwann kommt dann doch wieder ein Regenschauer, aufgrund dessen wir unsere Regensachen anziehen. Nach 30 km machen wir Pause an einem Ausstellungshaus zur Gegend und Landschaft mit angeschlossenem Kiosk und hier treffen sich ganz viele Loire-Radweg Wanderer. Denn nun begegnen wir alle paar Minuten einer Gruppe, die uns entgegen kommt. Am Kiosk ziehen wir wieder alles aus, aber nachdem wir nur wenige hundert Meter gefahren sind, ziehen wir es wieder an und behalten die Regensachen, auch wenn sie nicht so bequem sind, bis Nantes an, denn es kommen immer wieder kleinere oder größere Schauer.

Wir merken vom Wind nur indirekt etwas, denn er schiebt uns, so dass wir lässig mit 24 km/h entlang gleiten. Die uns entgegen kommen, haben deutlich mehr zu kämpfen. Irgendwann will uns Komoot auf die andere Seite des Ufers führen und tatsächlich gibt es da eine relativ große Fähre, die Fußgänger, Radfahrer, Autos kostenlos rüber transportiert. Gegen 15h erreichen wir Nantes und unser Appartement, was schon für uns vorbereitet ist und wir direkt beziehen können.

Das Appartement liegt im Graslin Viertel nur unweit des Place Graslin mit dem gleichnamigen Theater und der Brasserie „La Cigalle“, die im 19. Jahrhundert eingeweiht wurde und eine ganz besondere Einrichtung hat. Grund genug für einen Café au Lait und einen Teller mit Schokoladen- und Zitronenkuchen. Über die Passage Pommeraye mit vielen eher exklusiven Geschäften und einer extravaganten Dekoration geht es weiter Richtung Zentrum.

Die Kathedrale ist großartig von außen, denn betreten darf man sie nicht. Im Jahr 2020 hat es gebrannt, Brandstiftung (3 Stellen gleichzeitig), die Orgel wurde zerstört und seither wird renoviert. Die Stadt ist voller Kunstwerke, die an verschiedenen Stellen in die historische Umgebung integriert sind. Da gäbe es dutzende Motive. Besonders eindrucksvoll und amüsant ist diese Gruppe mit griechischen Statuen.

Als nächstes kommen wir zum Schloß der „Herzöge der Bretagne“, welches im 15. Jahrhundert gebaut wurde mit dem Ziel, die Unabhängigkeit der Bretagne zu sichern. Etwa 100 Jahre später wurde dann allerdings die Bretagne per Heirat (Duchesse Anne, die es auch hier als Statue gibt) mit Frankreich vereinigt. Aber das Schloss gibt es immer noch. Die Besichtigung der Anlage, Innenhof, Befestigungsmauer etc. ist kostenfrei, aber es gibt auch noch einige Museen, für die wir natürlich keine Zeit haben.

Nachdem wir lange durch das lebhafte und malerische Stadtzentrum geschlendert sind, wollen wir noch auf die Insel „Île Beaulieu“, um die auch in der Brochure „Le Voyage à Nantes“ beworbenen „Les Machines de L‘Île“ zu sehen. Auf dem Weg machen wir eine kleine Pause, um unter Studenten ein Bier zu trinken. Blöderweise finden wir diesen Elefanten, der angeblich 50 Personen tragen kann, nicht, obwohl wir den Platz mehrfach abgelaufen haben. Stattdessen treffen wir eine „urban-fitness“ Gruppe, die auf dem Gelände geführtes Freiluft-Fitness-Training machen.

Das Kriegsschiff / Zerstörer, welches auf Wunsch General de Gaulles am Flussufer als Museum eingerichtet wurde, liegt uns gegenüber. Die Suche nach Essen führt uns in ein griechisch/türkisches Restaurant, was tatsächlich den Bewertungen stand hält, auch wenn mir die Bedienung immer eine ganze Flasche statt einer halben Flasche Restina bringen will. Im Gegensatz zu Saint Nazaire ist Nantes eine faszinierende Stadt, in der man auch ein paar Tage bleiben kann.

Wir waren heute 63 km auf dem Rad unterwegs. Die Etappe war mit 180 Höhenmetern sehr flach, davon sind allein 60 die Brücke. Der Wind war heute ausschließlich zu unseren Gunsten und das Wetter hätte auch schlimmer sein können.

Von Vannes nach Saint-Nazaire

Die Ausbeute an schönen Bildern ist nicht üppig heute. Um 8h wache ich auf und schau aus dem Fenster, Regen und Sturm. Mit dem anderen Fahrrad (mit Schutzblechen) hole ich uns etwas aus der Boulangerie. Die Bäckerei ist einen Kilometer entfernt und der Weg gibt mir Gelegenheit, schon mal zu prüfen, wie sich Rücken- und Gegenwind anfühlen. Erst um 11:20 verlassen wir das Appartement, weil die Wetter-App prognostiziert hatte, dass dann der Regen aufhört. Da müssen wir allerdings noch gut 30 Kilometer warten.

So wie letzten Sonntag ist heute das Wetter wieder äußerst miserabel. Diesmal müssen wir allerdings die ersten 30 Kilometer in starkem Dauerregen fahren. Erst nach 30 km, in Muzillac, machen wir eine Pause. Erfreulicherweise finden wir gleich eine moderne Boulangerie / Patisserie mit Sandwich-Angebot, richtigen Tischen und Strom. Hier halten wir uns eine ganze Zeit lang auf. Die Räder und unsere Ausrüstung (vor allem meine) ist furchtbar dreckig. Wir können uns trotz grenzwertiger Erscheinung bei Kaffee und Sandwich aufwärmen. Während wir da drin sitzen, geht es draußen noch einmal richtig los, aber nach einer Dreiviertelstunde ist dann erstmal Schluss mit Regen. Unsere Regenklamotten lassen wir die ganze Zeit an. Es kommen immer wieder ein paar Schauer und mit den Klamotten bleiben wir einigermaßen warm, obwohl es beim Dauerregen dann doch irgendwann durchkommt.

Erst bei der Brücke nach Arzal bietet sich Gelegenheit, mal zwei Fotos von den Booten im Schlick zu machen. Das Mobiltelefon liegt in der neuen Ortlieb Lenkertasche, die eine oben bedienbare Klarsichtfolie hat und durch die kleinen Schlitze nach unten mit dem Tascheninhalt verbunden ist. Darüber lässt sich auch eine Powerbank anschließen und damit lässt sich einigermaßen navigieren. Die Wege sind diesmal fast immer gut. Durch das Naturschutzgebiet geht es über Holzstege und matschige Wege, auf denen mein Reifen an seine Grenzen kommt. Später landen wir für ca. 5 km auf einer stärker befahrenen gelben Straße.

Ohne weitere Pause kurbeln wir die weiteren 52 km ab und kommen richtig schnell voran, denn der stürmische Wind kommt fast immer von schräg hinten. Manchmal merken wir ihn von der Seite und erst auf den letzten 10 km vor Saint Nazaire mit ganz tollen Radwegen quälen wir uns gegen ihn von vorne kommend. So absolvieren wir die letzten Kilometer mit einigem Kraftaufwand. Unser Gastgeber wartet schon auf uns, ich hatte etwas zu optimistisch gemeldet, dass wir in 20 Minuten da seien.

Unser Appartement ist groß genug und im Erdgeschoss, so können die Räder in der Küche parken. Das Stadtzentrum ist völlig ausgestorben und seelenlos. Da wünschen wir uns in die lebhafte Bar-Szene von Lorient zurück. Besonders sind hier die absurd riesigen U-Boot Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Die Betonmengen stehen seither wohl weitgehend unverändert.

Nach längerer Suche nach einem halbwegs akzeptablen Restaurant landen wir bei Don Papa in unmittelbarer Nähe unserer Wohnung. Es gibt Pizza und Foccacia, nachdem das häufigste Gericht „il n‘y a plus“ war.

Wir waren 82 km unterwegs, es waren 470 Höhenmeter und über das Wetter ist alles gesagt.