Von Cochem nach Koblenz

Im Fata Morgana, eine wiederum von Niederländern betriebene Pension, mussten wir gestern exakt angeben, was wir zum Frühstück essen möchten und haben das dann auch exakt so bekommen. Das war alles einwandfrei. Für Niederländer scheint Cochem ohnehin ein sehr begehrtes Ziel zu sein. Rund um uns herum in den Lokalen und sind einige Texte und Beschilderungen neben deutsch auch niederländisch.

Der Himmel war bedeckt mit sonnigen Lichtblicken und es sollte den ganzen Tag trocken bleiben. Der Wind war teilweise erheblich, aber er kam meistens von hinten. Als wir aufgrund eines kleinen Navigationsfehlers wieder 100 Meter zurück mussten, haben wir den Wind sehr heftig von vorne gespürt.

Der Radweg ist gesäumt mit einigen Burgen und bei der letzten Schleuse vor Koblenz gibt es einen Aussichtspunkt mit nicht sehr beeindruckenden Aussichten, aber interessanten Hintergründen zu und Funktionsweise der Schleuse.

Leider verläuft der linksseitige Radweg lange entlang der Bundesstraße. Einwandfreier Belag und wir fahren um die 25 km/h. Mit nur wenigen Fotopausen erreichen wir schon nach etwa zwei Stunden und 40 km den Ort Winningen. Dazwischen gibt es noch eine riesige Autobahnbrücke, abenteuerlich terrassierte Weinberge und ein „von der Leyen“ Schlösschen über der Bundesstraße.

In Winningen war bis gestern Weinfest. Die meisten der vielen Kneipen müssen sich erholen und haben zu. Wir steuern wieder eine Vollkornbäckerei an und bekommen einen kleinen Snack mit Kaffee. Leider gibt es trotz Sitzgelegenheiten keine Toilette. Von hier sind es nur noch gute 15 km bis zum deutschen Eck.

Die Mosel mündet in den Rhein. Auf der anderen Seite des Rheins ist die Befestigungsanlage Ehrenbreitstein zu sehen, wo man für aktuell 14,90€ hin und zurück mit einer Seilbahn übersetzen kann. Die Sonne kämpft mit düsteren Wolken und dementsprechend ist das ohnehin düstere Kaiser Denkmal auch eher ein düsteres Motiv.

In letzter Minute haben wir das B&B Hotel gebucht. Die meisten inserierten Hotels sind schlecht bewertet oder überteuert. Unser Hotel liegt im Dreieck von Gleisanlagen und vierspurigen Straßen, aber die Fenster sind gut isoliert. Zu Fuß steuern wir wieder die Fußgängerzone an. Es gibt das ein oder andere interessante zu sehen, einige Erker vor alten Fassaden unten allerdings die Fritten-Kette. Es gibt durchaus einige interessante Geschäfte, aber auch sehr viel Leerstand.

Das sehenswerte Wahrzeichen der Stadt ist die mit zwei Zwiebeltürmen renovierte Liebfrauen-Kirche, deren Ursprünge auch auf die Römerzeit zurück geht. Daneben finden wir neben der Jesuitenkirche (die heute evangelisch ist) ein Glockenspiel, welches uns zu Ehren direkt mit dem Spiel beginnt. Auf dem nächsten Platz ist eine interessante Säule installiert, in der über die verschiedenen Etagen die Geschichte der Stadt von den Römern bis heute dargestellt wird.

Nach verschiedenen, eher seelenlosen großen Plätzen finden wir ein Kino und da wollen wir rein. Deshalb müssen wir schnell etwas zu essen finden. Das gelingt in dem großen asiatischen Restaurant Papa Umi, wo schnell mit hervorragendem Service tolles asiatisches Essen serviert wird. Nun beginnt es doch wieder leicht zu regnen.

Die Distanz von 58 km mit 201 Höhenmetern war auch ziemlich schnell absolviert. Der Radweg war zwar wunderbar asphaltiert, aber direkt neben der Straße nicht angenehm zu fahren. Kurz vor Winningen sind wir auf die Strecke hinter der Bahnlinie in die Weinberge gewechselt, wo wenige Höhenmeter mehr zusammen gekommen sind.

Von Traben-Trarbach nach Cochem

Nachdem wir gestern noch bei angenehmen Temperaturen mit Blick auf den tiefsten Punkt der Mosel beim Litziger Lay (alles österreichisch) gesessen haben, begann es nachts zu regnen. Heute war es sehr wolkig, es tröpfelte immer wieder und die Temperaturen lagen zwischen 13 und 18 Grad.

Die Ausblicke auf die Dörfer oder die Staustufen sind dennoch schön. Bei Bullay kreuzen wir die doppelstöckige Brücke (oben Bahn unten der Rest) und verpassen leider den Fotomoment für den Zug, der gerade drüber fährt.

Ein Stück weiter entdecken wir auf der gegenüberliegenden Seite die Klosterruine Stuben und versuchen die supersteilen Weinberge mit dazwischen liegenden Felsarealen ins Bild zu bringen. Aber es bleibt dann doch ziemlich grau.

In Ediger-Eller beschließen wir eine kleine Pause einzulegen, aber der Ort ist noch in Erstarrung aufgrund des gestern beendeten Weinfestes. Wir landen bei Brot & Brood, einer von einem Niederländer betriebenen Bäckerei, in der das Meiste ausverkauft ist. Während wir da sitzen, regnet es auf einmal ziemlich stark und nachdem wir nach dem zweiten bescheidenen Milchkaffee wieder aufgebrochen sind, holen wir bald den Regen ein und kleiden uns in volle Regenmontur.

Nach 15 Minuten ist schon wieder alles vorbei, an der Fähre nach Beilstein kommt das Regenzeug wieder runter und mit Blick auf Beilstein und die Burg Metternich beobachten wir die kleine Fähre bei ihrer Überfahrt, aber bleiben auf der linken Moselseite, bis nach wenigen Kilometern auch schon Cochem, mit Blick auf die Reichsburg, erreicht ist.

In unserer Pension Fata Morgana, die auch wieder von Niederländern betrieben wird, sind leider die Handtücher nicht trocken geworden, was uns wiederum das Trocknen nach der Dusche erschwert. Diesmal nehmen wir die Regenjacken mit und das war gut so, denn wir kommen immer wieder in ordentlichen Niederschlag. Wir gehen über den Marktplatz mit Brunnen, Fachwerkhäusern, Rathaus hoch zur Burg. Da beginnt es recht heftig zu regnen und wir nutzen die Zeit, um im Burgrestaurant ein Bier zu trinken. Nach einer guten halben Stunde wird es heller und wir wagen den Abstieg.

Eine Besonderheit von Cochem besteht darin, dass ich noch nie so eine Dichte von miserabel bewerteten Restaurants gesehen habe. Egal wo wir stehen bleiben, Bewertungen bei Google von unter oder gerade eben über zwei sind die Regel. Letztlich landen wir bei einem ordentlichen Italiener (La Baia direkt an der Brücke) mit knapp über vier und das war auch ok so – nur ein bisschen teuer. Der Himmel klart auf und auf der Brücke gibt es dann auch noch einmal einen abendlichen Blick auf Mosel, Schiffe und Reichsburg.

Die 57 km mit 192 Höhenmetern sind uns nicht schwer gefallen, wenngleich auf den letzten 10 km ein deutlich spürbarer Gegenwind das Tempo gedrosselt hat.