Trotz oder wegen des Rauschens der Pique direkt vor meinem Fenster konnte ich sehr gut schlafen. In einiger Entfernung beim Rathaus feierten Sie ein Fest mit Zelt, DJ-Musik und Bar. Als ich nachts gegen 4:30 mal aufgewacht war, habe ich immer noch leise die Musik gehört. Der Blick aus dem Fenster stimmt mich nicht optimistisch. Dafür ist das Frühstück von Ed ein echtes Highlight und bringt ein bisschen Glanz in die tristen Ausblicke grauer Mauern in grauer Landschaft mit grauen tief hängenden Wolken. Kurz vor 9h geht es bei Niesel los und nach 5 km ist St. Beat wieder erreicht. Die Garonne fließt durch den Ort aber das Erscheinungsbild des Ortes ist trotzdem recht düster.
Auf dem Weg zum Col de Menté sind die Straßen nass aber bis auf 1060 Meter bleibt es trocken. Nur für die letzten 300 Höhenmeter setzt der Nieselregen wieder ein. Kurz vor der Passhöhe überholen mich die ersten Rennradler. Es gibt eine Hütte aber ich bin nicht hungrig.

Auf dem Gipfel gibt es das obligate Pass-Gipfel-Foto, diesmal auch mit mir selbst von einem freundlichen Franzosen gemacht. In steilen Serpentinen geht es dann wieder tief runter bis der 4,5 km kurze aber sehr steile Anstieg zum Col de Portet d‘Aspet erreicht ist. Auch da gibt es ein paar Gehöfte und auf einer Terasse sitzen Freudenstädter und ein paar Franzosen und ich bekomme alkoholfreies Bier, eine Tarte und einen Kaffee bei ganz entspannter Jazz-Musik. Ab jetzt kommen keine nennenswerten Anstiege mehr. Nach anfänglichen vielen Serpentinen zieht sich die Strecke über 30 km bis Castillon. In jedem Ort auf der Abfahrt wird ordentlich Werbung für die Tour de France gemacht, die mir hier am 14. Juli dieses Jahr folgt.
Castillon ist ist ein sehr kleines Örtchen in dem ich bei Natasha ein Zimmer gefunden habe. Eigentlich ist Einlass erst ab 15:30. Ich probiere es trotzdem mal. Natasha öffnet mir nach einiger Zeit und war nicht so sehr begeistert, da ich ihren Mittagsschlaf unterbrochen habe. Nach einiger Zeit war sie dann aber ganz engagiert. Es gibt hier wieder nur ein Restaurant und das wollte heute gar nicht aufmachen. Aber nach verschiedenen Telefonaten von Natasha darf ich heute um 19h kommen. Mal sehen was mich erwartet.

Auf der Distanz von 52 km über zwei Pässe hatte ich nach 30 km etwa knapp 1400 Höhenmeter erreicht. Insgesamt sind es 1458 Höhenmetern geworden.

Nach der Dusche schreibe ich erst einmal meinen Bericht für heute und verlasse meine Unterkunft um den Ort zu erkunden. Ich muss noch einmal zurück und die Jacke wechseln, denn es ist auf einmal ganz warm geworden und die Sonne scheint. Auf einem kleinen Gipfel über dem Ort gibt es eine alte Kapelle inmitten eines wild gewachsenen Park. Entlang eines Kreuzgangs, den die Eidechsen als Revier in Beschlag genommen haben, kommt man hoch und hat einen guten Blick über den Ort und die Berge. Als ich wieder runter komme stoße ich direkt auf die Bar im Ortszentrum, die als einzige geöffnete Gastronomie gut besucht ist. Hier lasse ich mich erst einmal für einen Café au lait nieder und ergänze dies hier.


