In einer Woche kann man schon einiges sehen und so haben wir uns an den beiden letzten Tagen noch Standardprogramm für Touristen unterzogen. Insbesondere die nächtliche Donaufahrt, eine Runde an allen beleuchteten Highlights vorbei. Das dauert eine Stunde und ist nicht ganz billig aber lohnt sich schon. Ein kleines Bier haben wir auch noch bekommen. Trotz der Hitze sonst, waren wir auf der Donau froh eine Jacke eingesteckt zu haben.
Jeden Tag ist es ein bisschen heißer geworden und heute am Sonntag war es durchweg weit jenseits der 30 Grad. Die Margit-Insel, die man über die gleichnamige Brücke erreicht und die bis zur Arpad-Brücke reicht, bietet eine ganze Menge Schatten, Sportanlagen, ein riesiges Freibad, eine 5,3 km lange Jogging-Runde und verschiedene andere Attraktionen, wie bspw. den Musikbrunnen, der im Rhythmus der Musik beeindruckende Wasserfiguren produziert. Außerdem gibt es einen hohen Wasserturm, den man gegen Gebühr auch besteigen kann. Beim Parlament finden sich neben den schönen Ansichten auch ein Brunnen, der ab und zu Sprühnebel produziert. Unmittelbar springen die Umstehenden in die willkommene Abkühlung.
Das Parlament ist dann auch die letzte Station. Auf dem Hinweg haben wir Tickets für einen Slot um 15:30 besorgt. Als EU Bürger zahlt man die Hälfte. So sind es „nur“ gut 16€ pro Person. In 45 Minuten ist man durch, trotzdem ganz interessant. Über die Prachttreppe dürfen nur die hochrangigen Politiker eintreten. Wir müssen durch einen Seiteneingang. Das ungarische Parlament kommt mit 199 Abgeordneten aus. Da können wir nur von träumen. Die Kuppel mit dem 1000 kg schweren Kronleuchter ist schon ziemlich hoch, aber darüber sind dann noch 30 Meter Leerraum, was man im Querschnitt gut sieht. Der Architekt mit den Plänen in der Hand wurde, wie viele andere auch, durch eine Büste geehrt. Über bis zu 1000 Handwerker waren gleichzeitig tätig. 17 Jahre hat es gedauert. Klingt viel, wenn ich aber vergleiche, mit wie viel Leuten wir so wenig Software in ähnlicher Zeit schaffen und was hier nach 17 Jahren entstanden ist, dann ist das schon ziemlich beeindruckend. Die größte Synagoge Europas wäre am Sonntag auch wieder zu besichtigen, aber für 32€ pro Person sind wir zu geizig.
Insgesamt haben wir auf diesem Weg noch einmal 14 km absolviert und die 90 Höhenmeter kamen wohl durch die vielen Treppen zustande, die wir heute steigen mussten. Im Schatten der vielen Bäume der Insel oder im Parlament war das gut zu ertragen. Die Jogging-Runde auf der Margit-Insel, die schon ziemlich frequentiert war, muss es bei diesem Wetter nicht unbedingt sein.
Gestern haben wir ein koreanisches Restaurant besucht, nachdem das gut bewertete mit ungarischen Gerichten im „Keller“ einen derartigen Musiklärm produziert, dass wir es vorgezogen haben weiter zu ziehen. Der Koreaner war nicht der Hit, mal sehen, ob ich die roten Soßenspritzer wieder aus meinen hellblauen Hemd raus bekomme.
Im Anschluß sind wir per Gratisshot in eine Ruinenbar in unserer Straße „eingeladen“ worden. Ein Gorilla aus Holszstehlen mit roten Augen begrüßt uns. Der Innenhof der Hausruine sieht dem in unserem Appartement recht ähnlich. Los ist nichts um 22h, aber um Mitternacht wäre es voll, meint der Barkeeper.
Heute gehen wir in westliche Richtung. Als erstes kommen wir am Liszt Museum vorbei. Das ist recht klein und es tummeln sich dort zwei ungarische Schulklassen mit Führerinnen.
Das nächste Ziel ist der Stadtpark mit dem grandios angelegten ethnologischen Museum. Eines der größten in Europa. Zwei riesige bewachsene Rampen stehen sich gegenüber, unter denen das Museum untergebracht ist.
Weiter geht es zur Burg Vajdahunyad. Die ist zwar nicht historisch, sondern wurde mit dem nahe liegenden Heldenplatz zur Jahrhundertwende um 1900 errichtet.
Eine der Figuren ist der Anonymous, der den unbekannten Verfasser der Magyarenchronik ehrt. Scheint Glück zu bringen, wenn man an seinem Schreibstift reibt. Die 10.000 Forint, also 25€, für den kurzen Ballonausflug sparen wir uns.
Wir kommen noch am Thermalbad und am Heldenplatz vorbei und über einen Schlenker Richtung Donau über die Margitstraße am Herrn mit dem Dackel dann wieder zurück.
Knapp 14 km sind wir heute voran gekommen. Die einzigen Höhenmetern kamen beim Aufstieg auf die Rampe zustande. Heute war der Wind weg und es war ziemlich heiß.
Der Tag heute ist eigentlich schnell erzählt. Wir haben wieder Strom und haben mit Nespresso einen Tropfen Kaffee aus der Maschine geholt, ein Baguette gekauft und konnten somit frühstücken. Dann sind wir los auch wieder in Richtung Donau, nun aber durch den belebteren Teil des 7. Bezirks bis zur selbsternannten „Fashion-Street“ und dann bis zur weißen Hängebrücke (das ist die Elisabeth-Brücke, die davor heißt nur Kettenbrücke), über die wir die Donau überquert haben. An deren Ende ist der Gellert-Hegy (Hügel/Berg) und zu dessen Füßen beeindruckt ein monumentaler Bischof sein Kreuz hoch reckt. Der Hügel verdankt seinen Namen diesem Bischof Gellert, der von noch nicht christlichen Ungarn in einen Fass vom Berg in die Donau runter gerollt wurde.
Mit vielen anderen sind wir dann den Gellert-Hügel hinaufgelaufen. Es gibt dort viele Wege und Treppen. Recht weit unten ist schon eine Informationstafel, die darüber informiert, dass das Gelände oben nun endlich renoviert würde und deshalb der Zugang gesperrt sei. Die Malereien auf dem Schild geben zu der Vermutung Anlass, dass es schon länger da steht. Man kommt an unzähligen Aussichtspunkten vorbei. Manchmal muss man warten, bis man zum Foto zugelassen wird, also hier einmal ein Panorama mit Französinnengruppe. Oben ist dann auch die ungarische Freiheitsstatue in der Baustelle zu sehen und mit Zoom auch zu fotografieren. Tatsächlich ist die Freiheitsstatue mit durch Stacheldraht verstärkten Bauzaun eingesperrt. Wollen wir das nicht als schlechtes Zeichen deuten.
Auf dem Weg nach unten hat man dann einen schönen Blick auf die Szabadság hid (Freiheitsbrücke), die wir als vierte der Budapester Brücken dann auch bald überqueren, mit Blick auf viele weitere Kreuzfahrtschiffe, den Gellerthügel und das Burgviertel. Es sind 10 Budapester Brücken, wenn man Eisenbahn und Autobahnbrücken mitzählt. Die nächste kommt dann Donau aufwärts erst wieder in Esztergom. Schlösser an Brückengeländern ist natürlich auch hier eine der Sitten, deren Sinn man hinterfragen kann, genauso wie die teilweise absurden Aktionen, die man immer wieder beobachten kann um noch besonderere Fotos zu bekommen. An den Treppen zur Donau runter sitzt eine bemalte Figur. Vielleicht symbolisiert die blau-weiße Grenze wo das Wasser stehen sollte? Auf der Pester Seite gibt es eine Markthalle mit unten einigem an volkstümlichen Nahrungsmitteln und oben alles was sonst noch so volkstümlich ist. Hier beginnt die andere Seite der Einkaufsstraßen, durch die wir dann langsam wieder zurück schlendern.
In Summe hat sich eine Distanz von 12 km ergeben, die wir bei starkem Wind und mit immerhin etwa 200 Höhenmetern gewandert sind. Der Wind war so stark, dass ich die Mütze auf den Brücken lieber in die Tasche gesteckt hatte. So sind auch ein paar Wolken durchgezogen, aber im Großen und Ganzen war es wieder ein sonniger und ziemlich warmer Tag.
Gestern sind wir in einer zwar schönen und großen Airbnb Wohnung untergekommen, aber leider wird es hier heiß. Es gibt niemand mehr, der uns ein Frühstück bereitet. Gestern waren wir noch im Spar und haben ein bisschen vorgesorgt. Unter anderem als Brot ein Baguette zum Aufbacken. Das war ein Fehler, denn bei Benutzung des Ofens haut es die Sicherheit raus und wir finden nicht, wie wir sie wieder rein bekommen. Ein Handwerker soll es lösen, während wir weg sind.
Zu Fuß machen wir uns auf und passieren als erstes das Operngebäude, bis wir zur Stephans Basilika kommen. Wenngleich erst gute hundert Jahre alt, birgt sie doch einiges an Geschichte, insbesondere die Reliquie, die Hand des heilig gesprochenen Königs Stephan, dem offensichtlich siegreichen Befrieder der anderen Magyaren und damit der Gründer von Ungarn.
Sowohl der Kirchenraum, als auch der Turm kosten Eintritt. Dafür hat das im Innenraum nicht mehr viel mit Kirche zu tun. Unter den vielen laut geführten Reisegruppen sind auch wieder einige Wikinger. So kommen wir am kleinen Polizeimeister vorbei zur Donau und zur Kettenbrücke. Über das Parlament spazieren wir auf der Pester Seite bis zur Margit Brücke, über die wir gestern schon gekommen sind. Dort kommen wir am Imre-Nagy Denkmal vorbei.
Auf der Buda Seite nehmen wir erst einmal einen Kaffee, der mangels Strom heute ausgefallen war. Im Rossmann gibt es ein kühles Wasser. So ausgerüstet erklimmen wir den Burgberg und schauen uns die Matthiaskirche und die faszinierenden Gebäudekonstellationen an. Auch hier wird wieder der heilige Stephan mit einem Brunnen geehrt.
Die Ausblicke auf die Brücken, das Parlament, die Stephans Basilika sind außergewöhnlich. So geht es über weitere tolle Aussichten, vorbei an der Nationalgalerie, wieder zurück über die Kettenbrücke nach Pest. Da oben waren wir erwartungsgemäß nicht alleine. Wäre mal interessant rauszufinden, wie viel Terabytes fast identischer Bilder jeden Tag in irgendeine Cloud geladen werden.
Zurück im Appartement stellen wir fest, es hat sich nichts getan. Käse, Milch etc. gammeln im stromlosen Kühlschrank vor sich hin. Nach erneutem Aufbegehren per Airbnb Nachricht meldet sich der Handwerker und zeigt mir, wo man die Sicherung wieder rein bekommt. Morgen will er wieder kommen und sich den Herd anschauen.
16 Kilometer und immerhin knapp 200 Höhenmeter sind wir so langsam mit einigen Pausen durch die Stadt spaziert.
Unsere Befürchtung, heute durch Regen fahren zu müssen, ist nicht eingetreten. Der Himmel war blau, allerdings bewegten sich die Blätter in den Bäumen ziemlich heftig. Auch dieses Frühstück im letzten geplanten Hotel dieser Tour war völlig in Ordnung. Brot ist nicht mehr die Beilage der Wahl, aber es gibt eine Reihe guter Alternativen. 9:40 sitzen wir auf den Rädern und schon nach wenigen Metern spüren wir, dass wir besser erst einmal eine Jacke anziehen. Auch der Wind wendet sich nicht sehr freundlich gegen uns. Die Kuppel der Basilika und die Brücke sehen bei wenigen weißen Wolken deutlich freundlicher aus. Auch die Felsen, die wir nach wenigen Kilometern Radweg auf der gegenüberliegenden Seite sehen, präsentieren sich ab und zu in Sonnenlicht.
Nach wenigen Kilometern ist allerdings Schluss mit Radweg und wir müssen auf die Straße. Das ist die Nationalstraße 11, an deren Seite wir schon einmal mit perfektem Radweg fahren durften. Hier ist davon leider nichts zu sehen. Komoot und Google zeigen mir einen Weg über die Donau und wir fahren eine längere Stichstraße bis zum Fluss. Eine Fähre ist da nicht zu sehen. Nach ein bisschen rum suchen sehe ich den Rest einer Informationstafel, die erklärt (auch in englisch), dass diese Fähre seit Oktober 2022 nicht mehr funktioniert. Nächste Möglichkeit die Donau zu überqueren, wäre in Visegrad, in 12 km. Wir müssen also die Stichstraße wieder zurück und fahren die 12 km bis Visegrad auf einer ziemlich stark befahrenen Straße. Bei den ungarischen Fahrern gibt es auch solche und solche. Manche mit Abstand und Respekt, andere absichtlich eng und behindernd. Ab und zu ein „Poser“ mit hochgetuntem, geräuschoptimierten Motorenlärm. Trotzdem geht es auf der Straße ziemlich schnell voran. Wir kommen dann nach ca. 30 km um 11:10 an der Fähre in Visegrad an.
Die Fähre fährt einmal stündlich, Abfahrt ist um 11:45. Bis dahin sammelt sich eine lange Autoschlange. Wir rollen ein bisschen durch den Ort, aber von Schloss und Burg sieht man von hier unten auch nur Fragmente. Um 11:45 ist dann das erwartete Chaos an der Fähre. Sinnbefreit werden zuerst die Autos, dann die Motorräder, dann die Fußgänger und Fahrräder auf die Fähre gelassen. Damit ist natürlich der Weg versperrt, die Räder an die Reling legen zu können. Stattdessen lehne ich mein Rad dann einfach an ein Auto, was zwangsläufig geduldet wird. Bei dem Verkehr wäre ein Takt von 30 Minuten vielleicht auch noch zumutbar gewesen, zumal Personal und Material ja ohnehin da sind.
Auf der linken Seite der Donau fahren wir dann über schöne Orte und Landschaften und über sehr schnucklige kleine und schmale Radwege weiter. Heute, Pfingstmontag, ist auch in Ungarn Feiertag. Das bedeutet, einiges ist geschlossen und die Leute haben frei und machen Ausflüge. Von ganz klein bis ganz groß, von ganz langsam bis ganz schnell und von kleinen Gruppen bis zu langen E-Biker-Zügen ist alles dabei. Die schmalen Wege sind dann auch nicht so richtig frei von Schlaglöchern und somit kommen wir zwar abwechslungsreich, aber auch sehr langsam voran. In Vac machen wir eine Pause mit Kaffee und Kuchen und danach schlängelt sich der Weg durch weitere Ortschaften.
Die Radwege verlaufen heute eben nicht auf einem kahlen Deich sondern durch kleine Wälder und Auen, in denen sich nicht nur die vielen Radfahrer sondern auch Myriaden von Mücken oder sonstige Kleinlebewesen wohl fühlen. Wie zuvor schon gesagt ist man gut beraten eine Brille zu tragen und den Mund geschlossen zu halten, dennoch ist es kein schönes Gefühl immer wieder durch solche Wolken von Insektenschwärmen durchzustoßen.
Nach etwa 6 Stunden erreichen wir dann Budapest. Am Anfang sind die Radwege super, aber irgendwann wird es dann ein bisschen zum Hindernisparcours auf schmalen Wegen für Fußgänger, auf die auch Radfahrer dürfen und nach Esztergom unterqueren wir wieder die erste Brücke über die Donau. Über die übernächste fahren wir wieder auf die andere Seite der Donau nach Buda und dann über die prächtige Margit Brücke wieder auf die linke Donauseite oder auch die Pester Seite. Von der Brücke aus fotografieren wir das bekannteste Motiv der Stadt, das Parlament über der Donau.
Von hier ist es nicht mehr weit in den 7. Bezirk, wo wir ein Appartement gemietet haben. Mit dem Aufzug bringen wir Taschen und Räder in den dritten Stock und versuchen erst einmal die Temperatur in der Wohnung zu senken, indem wir die Fenster öffnen.
Auf dem Weg dahin erleide ich noch ein Missgeschick mit meinem Samsung Handy. Während der Komoot Führung, über die ich versuche, ans Ziel zu navigieren, schaltet es sich aus. Beim wieder einschalten, will es eine PIN. Die war mir mit meinem neuen Vertrag gar nicht mehr präsent und so beginnt mit Hilfe von Laptop, mobilem Hotspot ein aufwändiger Prozess, bis das Handy wieder benutzbar ist und mit 20% Reststrom finden wir dann auch über die Anweisungen in die Wohnung.
Auf diese Weise sind so 88 km Fahrtstrecke zustande gekommen und tatsächlich waren auch immer wieder kleine Steigungen zu überwinden, so dass sich 369 Höhenmeter gesammelt haben. Da wir entlang der Donau einige Male die Richtung gewechselt haben, kam der recht heftige und böige Wind öfters von der Seite und von Vorne, aber dann doch meistens von der richtigen Seite. Ich denke, dass ich unterm Helm einen kleinen Sonnenbrand bekommen habe.
Unser Ziel haben wir heute pannenfrei und mit nur einmal Aufpumpen während der knapp 1300 Kilometer erreicht. Angesichts dessen sind diese kleinen Missgeschicke eher Marginalien.