Von Bratislava nach Györ

Während wir gestern in Frühstücksraum praktisch alleine waren, ist heute richtig was los. Die Qualität hat sich nicht verändert. Kurz vor 10h sitzen wir auf den Rädern und versuchen aus der Stadt hinaus zu navigieren. Die Strecke, die ich in Komoot gefunden habe, ist nicht gut geeignet. Erstmal ein Umweg, dann auf veralteten Wegen, aber nach ca. 5km sind wir wieder auf der Piste. Schon früh hat es knapp 30 Grad, leider immer noch ein kleiner Gegenwind und ein schnurgerader Radweg, auf dem sich der Belag manchmal von grob auf fein ändert.

Die Donausicht verbessert sich zunehmend und bis zum Kraftwerk hat die Donau den Charakter eines großen Sees. Das Insektenangebot ist überaus reichlich und man ist gut beraten, den Mund geschlossen zu halten und mit einer Brille zu fahren. Mit dem Nahrungsangebot sieht es dagegen nicht so gut aus. Die wenigen Orte sind vom Damm getrennt und es wäre ein großer Umweg, dort auf die Suche zu gehen. Letztlich sehen wir, dass es beim Staudamm ein offenes Restaurant gibt, welches wir dann auch ansteuern. Wir bekommen ein günstiges Mittagessen mit alkoholfreiem Bier und füllen die Flaschen wieder auf, die auf den ersten 50 Kilometern ohne Pause leer geworden sind.

Die eintönige Fahrt geht noch ein paar Kilometer weiter. Nach dem riesigen Staudamm mit gigantischen Schleusen, an dem überall EU – Symbole hängen, wahrscheinlich wegen der Finanzierung, erreichen wir irgendwann das Dörfchen Sap. Nomen est Omen, ab hier wird es schwierig und wir müssen improvisieren. Erst einmal beginnt direkt eine unzumutbare Schotterpiste, auf der sich nur sehr langsam fahren lässt. Die Autostraße läuft parallel und wir nutzen die Gelegenheit bei einem Feldweg zu wechseln.

Mit Radweg ist es dann an der Brücke über die Donau ohnehin vorbei. Wir kommen ohne Kontrolle durch alte Grenzanlagen nach Ungarn. Überall Fahrradverbotsschilder auf der Hauptstraße. Die Komoot Strecke zum Donauradweg würde hier einfach weiter führen, aber ich halte es für besser, mir einen neuen Weg zu suchen. So kommen wir durch kleine Dörfer, Neubausiedlungen mit super Häusern und großen Audis vor der Tür. Audi hat hier sehr große Fabriken, die verschiedene Modelle vollständig produzieren und auch unzählige Motoren. Die Ortsbilder mit Häusern und Fahrzeugen vermitteln sehr gute Lebensbedingungen.

Manchmal müssen wir trotz Verbot doch auf die Bundesstraße, bis wir uns dann durch Györ (auf deutsch Raab) schlängeln und das Hotel durch die Fußgängerzone erreichen.

Die kompakte historische Altstadt mit schönen Plätzen, Gebäuden, Brunnen und Brücken ist sehr lebhaft und es gibt einiges an Gastronomie. Dabei ist es aber nicht so touristisch wie Bratislava. In Györ / Raab mündet die Raab in die Mosoni-Duna, die später in die Donau mündet. Zum Abendessen suchen wir das Restaurant Szalai Vendéglo auf und sind mit dem Fisch sehr zufrieden. Zu trinken gibt es tschechisches Pilsner Urquell.

Statt mit Englisch kommt man hier mit Deutsch wesentlich besser an. Der Mann an der Rezeption, die Kellner und auch die Apothekerin, bei der wir wegen ein bisschen Sonnenbrand vorbei schauen müssen, sprechen alle gut oder ein bisschen deutsch.

Hitze und Gegenwind zum Einen, wenig Gelegenheit zu rasten und sich zu stärken zum Anderen und zuletzt die nicht ganz einfache Navigation nach Györ haben uns für die 82 flachen Kilometer (knapp 100 Höhenmeter) einiges abverlangt. Beim Aufbruch nach der Mittagspause haben sich dünne Wölkchen vor die Sonne gesetzt. Das hat uns gefreut , der Schatten war aber nur von kurzer Dauer. Nun ja, vor wenigen Tagen haben wir noch über Regen geklagt, jetzt ist es die Hitze.

Rundgang durch Bratislava

Auch wenn das Skaritz Hotel mit 4 Sternen versehen ist, merkt man das nicht am Frühstück. Der Rest ist aber völlig in Ordnung. Geschlafen habe ich hervorragend. Obwohl man es besser vermeidet, sich zu früh zur Ruhe zu begeben, da es die frühestens zwischen 23h oder 24h gibt. Morgens hört man den Anlieferverkehr dann auch schon in den Straßen. Wer aber zwischen kurz vor Mitternacht schlafen möchte und gegen 7:30 aufwacht, wie für uns, ist also alles in Ordnung.

Wir suchen uns verschiedene Quellen, um einen Rundgang durch die Stadt zu planen und finden eine Tour, der wir lose folgen. Die Anzahl der Motive ist riesig. Es gibt unglaublich viel zu sehen. Direkt beim Hotel kommen wir zum Schlossblick, der gestern Abend noch von Obdachlosen, die da lagerten, etwas beeinträchtigt war. Komischerweise haben sie sich heute auf die rechte Seite in die Sonne verzogen. Das Stadtbild hat neben wenigen Obdachlosen auch einige Schattenseiten. Es gibt wieder einige Bruchbuden, schöne abbruchreife Gebäude.

Nach den ersten Altstadtwinkeln kommen wir zum Parlamentsgebäude mit Kugelbrunnen und Wachpersonal mit strengem Zeremoniell. Dahinter gibt es einen schönen Park mit einem Brunnen nackter Badender und einem Reiterstandbild von Maria Teresa, die hier allgegenwärtig ist und im Martinsdom zur ungarischen Königin gekrönt wurde. Erst hier habe ich meine GPS Uhr eingeschaltet.

Das nächste Ziel ist die Burg, auf der wir natürlich nicht die Einzigen sind. Aber es verläuft sich in dem riesigen Gelände. Egal ob von unten nach oben oder umgekehrt gibt es grandiose Aussichten. Der Labyrinth-Garten enttäuscht ein bisschen und was es mit den riesigen Mönchen auf sich hat, habe ich nicht eruiert.

In der Stadt sieht man von oben den Martinsdom mit Stephanskuppel und in der Ferne einige Hochhäuser. Während wir in Österreich insgesamt zwei bis drei Windräder finden konnten, sehen wir hier von oben auf einmal Hunderte in der Ferne. Ob die nun jenseits der Grenze in Österreich oder der Slowakei stehen, lässt sich nicht feststellen. Das Ufo auf der Brücke ist auch ein Aussichtspunkt, auf den man hoch kann, den wir aber ausgelassen haben.

In den begehbaren Stadtmauerresten gibt es viele Schilder mit Kurzbiografien in slowakisch und deutsch von bekannten Personen mit jüdischer Herkunft, die hier in Preßburg (Bratislava) geboren, gelebt oder gewirkt haben. Unten am Donauufer gibt es verschiedene Denkmäler für den unbekannten Soldaten oder die bulgarischen Partisanen oder die Befreiung der Stadt durch die „rote Armee“ (hier die ukrainische Fraktion). Außerdem sind die Vikinger Kreuzfahrtschiffe in Reihe angedockt und werden gerade von vielen Lastern wieder mit neuem Proviant versorgt. Die Stadt ist voll mit Reisegruppen, die durch Schilder und Audio-Hörgeräte in unterschiedlich gebrechlicher Form als Viking-Reisende erkennbar sind.

Auf unserem Rundgang kommen wir dann auch an der blauen Kirche vorbei (eigentlich hatte ich sie schon fast vergessen) und sie liegt etwas abseits. Wenige Meter danach stoßen wir auf street art und große Supermärkte. Über das alte Rathaus und den Franziskusplatz mit dem Soldaten mit Napoleonhut gelangen wir zurück zum Hotel.

Gut 13 km sind wir dann mit 200 Höhenmetern durch die Stadt gelaufen. Mit 6 Stunden haben wir uns dafür viel Zeit gelassen. Das Wetter ist hochsommerlich. Es gibt so viel zu sehen. Bis auf den Martinsdom oder auch Preßburgdom genannt, waren wir nirgends drin und da gibt es auch noch Einiges. Der Abend klingt aus im Bratislav Flagship mit einem preiswerten slowakischen und guten Pirogge Gericht mit preiswertem und gutem Bier. Anschließend gehen noch in eine Bar, schräg gegenüber, mit einem Trio mit Jazz-Standards. Da kostet das Bier dann etwas mehr.

Von Wien nach Bratislava

Heute haben wir uns einigermaßen früh aufgemacht. Das Zimmer im Hotel Elaya war geräumig und ordentlich. Das Frühstück im Vergleich eher unteres Niveau. Die Lage war nahe einer großen Fußgängerzone und vom 6. über den 7. Bezirk war man schnell in das Zentrum hinein gelaufen.

Gestern Abend gab es Shakespeare „Wie es Euch gefällt“ im Burgtheater. Drei Stunden mit einer Pause, recht amüsant, aber die Sitze sind nicht für 3 Stunden gemacht. Um 10:30 habe ich heute einen Telefontermin, den ich in einer Raststätte an der Donau absolviere, nachdem wir uns über 7km aus Wien hinaus geschlängelt haben. Das reduziert unseren Schnitt natürlich erheblich. Das Wetter wechselt von wolkig bedeckt und kühl auf blauer Himmel und heiß. Es bleibt durchweg bei über 30 Grad. Leider kommt der Wind nun von vorne und das macht die Strecke deutlich länger. Statt wie vorgestern mit 28 km/h lautlos und ohne Anstrengung zu gleiten, sind es heute eher 20 km/h, bei denen man ganz schön drücken muss.

Die Strecke ist ohne Highlights. Nach dieser ersten Raststätte gibt es noch zwei, drei weitere und dann nichts mehr. Nur noch schnurgerader Radweg, erst hinter dem Deich, dann auf dem Damm. Die nächste Möglichkeit wo einzukehren ist erst in Hainburg, nachdem wir diese riesige Donaubrücke überquert haben. Schmaler Streifen für Räder und Fußgänger, ordentlicher Gegenwind und heftiger Verkehr, wenigstens durch ein Geländer getrennt. Auf der anderen Seite ist die Donau ziemlich tief unter uns. Das fühlt sich ein bisschen mulmig an. Das Gebiet bis dahin ist Nationalpark für Donau und Auenland, d.h. meistens Bäume links und rechts und ab und zu auch einmal ein bisschen Wasser. Auch wenn die meisten Wege heute sehr in Ordnung waren, waren doch zwei Splitpassagen und ein paar hundert Meter durch ziemlichen Matsch zu bewältigen.

Hainburg hat ein historisches Zentrum und ein bisschen Gastronomie. Wir landen in einer Bäckerei am Kirchplatz mit schlechtem Service und unfreundlicher Bedienung. Es sind nun noch knapp 20 km, aber die ziehen sich, denn der Gegenwind lässt nicht nach. Bei Berg überqueren wir die Grenze zur Slowakei. Da gibt es zwar ein bisschen was, aber das sieht alles nicht einladend aus. Entlang der lauten und vollen Autobahn geht es über Betonplatten vorbei an einem zum Museum umgebauten Weltkriegsbunker zur nächsten großen Donaubrücke, über die wir allerdings wesentlich komfortabler drüber kommen. Die schon von Weitem sichtbare Burg über der Donau dominiert das Stadtbild. Von dort geht es dann nur noch ein paar hundert Meter durch die historische Altstadt bis zu unserem Hotel.

Abends finden wir in der quirligen Altstadt noch ein schönes ursprüngliches, in einem Hinterhof gelegenes Restaurant mit jungem Karpfen und hervorragendem Bier von Bernard.

Die Distanz von 74 km mit fast völlig flachen 231 Höhenmetern war heute dank Gegenwind und Hitze deutlich anstrengender als die längeren Etappen, die wir bisher absolviert hatten. Während der Wind bislang von Westen kam, scheinen sich hier die Wetterverhältnisse zu drehen.