Im Hotel wurde für 13€ auch noch ein Frühstück angeboten, was ich recht früh zusammen mit einer Gruppe Motorradfahrer eingenommen habe. Bis gegen 9h hat es dann doch gedauert bis ich losgekommen bin. Zuvor musste ich mit der hoteleigenen Pumpe die Reifen auf ein gutes Niveau bringen und den Sattel nach justieren. Zunächst noch einmal runter zum Grand Plage wo sich die ersten Surfer bereits in die Wellen wagen. Mit der geplanten und auf dem Garmin installieren Tour ist es kein großes Problem aus der Stadt zu kommen. Über äußerst hügeliges Gelände, das heißt immer ca. 40 Meter runter und wieder hoch und das ständig, geht es bis zur spanischen Grenze. Obwohl ich relativ kleinen Nebenstraßen folge, ist doch ziemlich Verkehr.

In Spanien geht es dann zum ersten Pass der Tour „Otsondo“, mit 600 Metern kein Riese aber mir langt es. Bis da hoch sind sicher 1000 Motorräder und eine Schwarm von um die 50 Porsches (alte und neue) lautmalerisch, neben dem sonstigen Verkehr, an mir vorbei gezogen. Nach dieser ersten Abfahrt geht es dann irgendwann auf ein sehr kleines Strässchen Richtung Frankreich ab. Dort komme ich durch das malerische Dörfchen Erratzu. Die spanischen Namen in Spanien und die französischen Namen in Frankreich sind meistens übermalt, damit nur die baskische Form zu lesen. Wenigstens schmeißen die Nationalhelden keine Bomben mehr.
Auf dieser engen Straße entlang des Flüsschen Araneko ist der Verkehr geringer, was nicht bedeutet, dass in den engen Serpentinen nicht immer irgendeine Gruppe Motorräder zu hören ist. Auf der namenlosen Passhöhe, die wieder die Grenze zu Frankreich markiert, sind drei Bars, unzählige Autos und Motorräder und ein großartiges Panorama zurück in die spanischen Berge und auf der andern Seite in die französischen Berge zu bewundern. Eine kleine Pause mit einem alkoholfreien Heineken aus der Büchse gönne ich mir an einem Stehtisch.

Nach langer, steiler und schneller Abfahrt, bei der ich trotz zügiger Fahrweise noch von einem Rennradler überholt werde, erreiche ich das Dorf Saint-Étienne-de-Baigorry, bei dem ich den ersten Nive-Arm gleich mehrmals quere. Eine alte Steinbogenbrücke gibt es da zu sehen. Auf der Abfahrt kommt mir diesmal ein Großschwarm von mindestens 30 alten und neueren BMW Motorrädern entgegen, die offensichtlich die gemeinsame Ausfahrt unter Gleichgesinnten genießen. Aber einmal hat mich auch ein VW ID4 überholt, wissentlich das einzige E-Mobil. Wird alles sicher noch werden. Da werde ich mich jetzt wohl ein bisschen dran gewöhnen müssen und verspreche nicht immer darüber zu klagen,
Nach etwas ermüdender Fahrt auf größerer Straße und einem letzten Anstieg erreiche ich dann den heutigen Zielort Saint-Jean-Pied-de-Port. Das Zimmer ist nicht ganz im Zentrum in einer ruhigen Gegend und nachdem ich alles und mich versorgt habe, laufe ich in einer Viertelstunde wieder ins Zentrum zurück.
Der Ort liegt mitten auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella. Es gibt hier zwar viele Unterkünfte für wenige Euros, wenn man gewillt ist in einem Schlafsaal zu übernachten, aber wenige Zimmer. Meine Unterkunft habe ich als fast einziges Angebot nur über Airbnb gefunden. Die liegt im Privathaus von Patricia, die ein Ensemble von Schlafraum, Küche, Bad und WC vermietet. Sonst werkelt sie auch am Sonntag in ihrem großen Gemüsegarten. Saint-Jean liegt an einem anderen Arm der Nive und mehrere malerische Brücken kann ich bei meinem Stadtrundgang bewundern. Das nur am Sonntag oder Freitag stattfindende baskische Pelote Spiel schenke ich mir dann doch heute. Es gibt sogar ein eigenes Pelote Museum.

Stattdessen lande ich in einer kleinen Bar und probiere den Gateau-de-Basque mit einer Kugel Vanilleeis und schau den Pilgern auf der Straße zu. Fast jedes Haus in der Innenstadt wirbt mit Schlafsaalzimmern. Angeblich gibt es dort auch Zimmer aber keine Ahnung wo ich die hätte finden können. Wahrscheinlich sind die immer als erstes ausgebucht. Obwohl es erst 17h ist, ist das eine Haus schon ausgebucht.
In einem ganz gut bewerteten Restaurant begnüge ich mich heute mit Cäsar-Salat und Bier.

Die Strecke war heute 78 km lang und die 1520 Höhenmeter waren wahrscheinlich schon Rekord für dieses Jahr. Auf den Steigungen komme ich nur sehr langsam voran und neben dem o.g. Verkehr sind auch unzählige Rennradler unterwegs, die oft in abenteuerlicher Geschwindigkeit an mir vorbei ziehen. In Saint-Jean sehe ich dann auch zwei Langstreckenradler, die mit einer irrsinnigen Menge an Gepäck fahren.
Das Wetter hat heute sehr gut mitgespielt. Durchweg blauer Himmel mit ein paar Wölkchen und Temperaturen an die 30 Grad.


