Toulouse noch ein Spaziergang

Um 11:20 fährt der Zug in Ax-les-Thermes ab. Das Wetter ist super und lädt eigentlich zu weiteren Wanderungen ein aber für morgen ist Streik angesagt. Man will mal wieder alles blockieren. Besser sich rechtzeitig in Richtung Abflugort zu begeben. Auf die Minute pünktlich erreichen wir Toulouse um 13:12.

Die freundliche Rezeptionistin im ziemlich einfache än Hotel am Bahnhof lässt uns auch gleich auf das bereits fertige Zimmer.

Das Angebot im mittleren Preissegment war äußerst knapp bemessen. Wahrscheinlich schon in Beschlag genommen von denen die hier alles blockieren wollen.

Diesmal entdecken wir einen anderen Teil von Toulouse mit schönen Einkaufsstraßenund eindrucksvollen Plätzen. Viele Wohnungen in von außen zumindest wunderschönen Jugendstilhäusern stehen zum Verkauf.

An zwei schönen Kirchen kommen wir auch noch vorbei. Zuerst Notre Dame de la Dalbade. Die Fassade rund um das Portal ist sehr schön. Ein alter Wasserspeier liegt im Gebüsch und drinnen läuft Petrus auf dem Wasser.

Von dort kommen wir zur Garonne, die hier nicht so toll aussieht, dann zum Brunnen mit zwei Damen, die Ariege und Garonne symbolisieren, die kurz vor Toulouse zusammen fließen. Dann geht es weiter durch ein Viertel mit zunehmend edel anmutenden Geschäften zur Kathedrale Saint Etienne.

Da ist zwar rund rum eine riesige Baustelle mit viel Lärm, die asymmetrische Form ist aber ganz gut erkennbar und drinnen ist trotz Baustelle einiges zu sehen.

Morgen im Flieger will ich gerne meinen Rucksack ins Handgepäck nehmen und muß mein Taschenmesser und das Nagelmaniküreset aufgegeben. Also kaufen wir einen kleinen Karton bei der Post und ein Stück Schnur in einem Werkzeugladen und hoffen, dass wir das morgen so los bekommen.

Abends sind wir die ersten im gut bewerteten La Pastaciutta, daß sich aber sehr schnell füllt und der Bewertung standhält. Die Dame an der Rezeption hat recherchiert und am Vormittag fahren noch Busse zum Flughafen, danach nicht mehr.

Immerhin haben sich so 10 flache Kilometer summiert.

Ax-les-Thermes nach Vaychis

Gestern sind abends dann noch wie in Bluemeteo angekündigt die Wolken hier eingezogen und es sollte auch regnen. Deswegen hatten wir uns im Spar mit ein paar Lebensmitteln eingedeckt und sind in der Wohnung geblieben. Heute in der Frühe waren die Wolken noch da und haben sich, so wie von Bluemeteo angekündigt dann so gegen 10h langsam verzogen. So sind wir etwas später zu einer kleineren Wanderung aufgebrochen.

Zunächst steigen wir hinter dem Casino den steilen Hang nach Ignaux hoch. Dort schau ich mal ein bisschen genauer. Es wundert mich, dass überall recht viele Häuser zu sehen sind und es trotzdem so wenig Einwohner gibt. Schaut man sich gerade die größeren Häuser an, dann stellt man schnell fest, dass diese völlig verrammelt sind und somit den Eigentümern nur zeitweise als Domizil dienen oder einfach nur vermietet werden. Jetzt sind wir in der Nebensaison, da ist niemand mehr da. Diese kleinen absichtlich völlig krumm gezimmerten Hexenhäuschen werden wohl auch vermietet. Zumindest ist ein Schild zu sehen, welches ich aber entziffern konnte. Auf dem steilen Hang gegenüber springen einige bunte Ziegen, die hier umzäunt gehalten werden.

Entlang der Höhe von um die 1000 Meter geht es teilweise durch dichten, naturbelassenen Wald und über eine fast verfallene Brücke, die über einen kleinen Wasserfall führt, bis nach Vaychis. Am Ortseingang erwartet uns ein größeres Grundstück voller bunter Kisten, die wohl für die Zucht vieler unterschiedlicher Bienenvölker genutzt werden. Dann kommt noch eine kleine Kirche und ein steiler, steiniger Weg, der zurück ins Tal führt.

Im Dörfchen Savignac-les-Ormeaux gibt es auf der anderen Seite des Flusses tatsächlich ein bewirtschaftetes Lokal wo es Kaffee und Eis für uns gibt. Heute waren es 14 km und 500 Höhenmeter. Nach steilem Anstieg und noch steilerem Abstieg waren die letzten Kilometer ein gemütlicher Spaziergang entlang der Ariege.

Ax-les-Thermes über den Col de l’Osque

Wir starten in Ax am Parc de Teich mit dem nun wirklich völlig unspektakulären Teich. Über einen schön ausgebauten Rad- und Wanderweg (der wohl eben für gut 20T€ gebaut wurde, so eine Informationstafel) kommen wir zunächst zu einem kleinen idyllischen Stausee, dem Lac de Campauleil. Kurz danach findet sich ein kleiner Schrein mit der Sainte Germaine.

Orgeix (okzitanisch: Orgeish) ist die nächste kleine Gemeinde im Tal der Oriege. Auch hier leben nur 101 Einwohner und entlang des Flusses mit vielen malerischen Blicken in die steil aufsteigenden Berge erreichen wir Orlu. Hier beginnt am Ortsende der Aufstieg zum Col de l’Osque. In langen Serpentinen auf einem breiten Schotterweg führt der Weg in die Höhe. Die Steigung ist mässig, aber der gesamte Weg liegt in der Sonne. Nach knapp 2h haben wir die Höhe bei 1400 Metern erreicht. Es krabbelt und hüpft den ganzen Weg entlang. Unzählige kleine Tiere bevölkern den Hang.

Wenn man von oben auf die kleinen Orte schaut, dann fällt auf, dass trotz ganz viel Sonne gar keine Photovoltaic Anlagen zu sehen ist. Zum Gite La Forge d’Ascou führen von hier die Wegmarken, welches wir dann gegen 15:30 erreichen. Offiziel macht es leider erst um 16h auf. Drei große Hunde schleichen um unser Vesper. Irgendwann ist die Tür dann doch offen. Die Hunde verteilen sich im Raum und die Wirtin stimmt erfreulicherweise zu, uns was zu trinken zu verkaufen. Neben den vielen kleinen Krabblern gibt es im Wald unzählige interessante Pilze.

Wir folgen von hier dem GR107 Wanderweg nach Ascou durch ein wildes Tal. Wieder leben hier nur 115 Einwohner, obwohl es mindestens so viele kleine verwinkelte Häuser gibt in ebenso verwinkelten Gässchen.

In knapp 7 Stunden sind wir heute gute 23 km gelaufen und haben 910 Höhenmeter hoch und runter absolviert. Obwohl der Anstieg in schönen Serpentinen mit moderater Steigung eigentlich gar nicht so schlimm hätte sein sollen, hat es sich in der prallen Sonne ziemlich gezogen und Kraft gezehrt.

Ax-les-Thermes zum Refuge Chioula

Nach dem regnerischen Tag gestern scheint die Morgensonne auf unseren Balkon und wir brechen diesmal zu einer längeren Tour auf. In der Ferne sehen wir die weiße Marienstatue in der Sonne leuchten. Zunächst müssen wir runter durch das Zentrum und kommen an Casino und Bad vorbei. Das Becken neben dem Bad mit warmem Thermalwasser dampft in der Sonne. Nachdem wir die höher gelegenen Teile von Ax durchquert hatten, erreichen wir Ignaux (okzitanisch Inhaus) wo sich Auf- und Abstieg trennen. Es gibt hier 126 Einwohner und ziemlich viele verschlossene Feriendomizile. Die Bewohner werden Ignaous genannt.

Unsere nächste Station ist die 90 Einwohner zählende Gemeinde Sorgeat. Ein Pilzsammler zeigt uns seine Beute, eine volle Tasche mit Steinpilzen. Das alte Waschhaus wurde zu einem kleinen Museum umdekoriert.

Wir kommen durch das Gebiet von Ascou, da wird es ein bischen steiler. Uns kommen am Sonntag einige Wanderer entgegen inklusive 2 Trail-Läuferinnen, eine mit dem Junior, der mit MTB runter fahren darf. Sie muss es allerdings bis zur Anhöhe schieben.

Auf der Passhöhe bei etwa 1650 Metern rastet eine Gruppe und die Aussicht von den bewaldeten Höhen wandelt sich in Weidegebiet bis wir das Refuge du Chioula auf gut 1600 Metern erreichen. Eine rieisige Gruppe französischer Wanderer sitzt an einem ganz langen Tisch. Deshalb gibt es auch nichts mehr zu essen. Wir kaufen Apfelsaft und müssen unseren Proviant essen.

Auf dem Rückweg müssen wir die Kuhherde durchqueren, die direkt vor die Hütte gewandert ist. Dabei vertue ich mich beim navigieren und biege zu früh ab, was uns gute 2 km Umweg beschert. Auch der Abstieg bietet unzählige schöne Panoramen und Motive. Es wird ein bisschen steiler bis wir dann wieder Ignaux erreichen und dort auf dem gleichen Weg nach Ax absteigen.

Die Distanz von 23 km mit 1099 Höhenmetern hoch und runter war machbar, aber wir haben nun doch schon einiges gespürt.

Regentag in Ax-les-Thermes

Die Wetterprognosen ändern sich hier täglich. Heute ist allerdings auch ohne Prognose sichtbar, dass es regnet und wir verbringen einige Zeit in der Wohnung. In einer kleinen Regenpause bewegen wir uns ein bisschen durch den Ort und wundern uns, dass die Thermalbecken, in denen man sich die Füße baden kann, eher lauwarm als heiß sind. Im Juni letzten Jahres, als ich hier mit dem Rad durchgefahren bin, waren diese Becken ganz heiß.

Das Foto mit dem blauen Himmel von der Kirche Saint-Vincent ist natürlich nachgereicht. Viel zu sehen ist in der Kirche nicht. Außen steht eine Glocke und es wird erklärt, dass der Heilige von den „Wisigoten“ zum Märtyrer gemacht wurde.

Abends gönnen wir uns angesichts des faulen Tags das etwas noblere Restaurant Le Fedou, etwas höher gelegen. Die Einrichtung, das hölzerne Treppenhaus und die präsentierte Kunst sind sehenswert.

Ax-les-Thermes nach Ax 3 Domaines

Für heute war ja kein schönes Wetter angesagt. Der Himmel ist bewölkt aber der Tag entwickelt sich zu einem idealen Wandertag. Nicht so heiß aber vor allem kein Niederschlag in Sicht. Wir finden eine Wanderung, die hoch in das Skigebiet Ax 3 Domaines führt. Da oben gibt es einiges an Restaurants, da wird man dann vielleicht auch einkehren können. Eigentich geht da auch die Seilbahn hoch aber die läuft erst wieder wenn es Schnee gibt und die Skisaison eröffnet wird.

Kurz nach dem Einstieg kommen wir an der weithin sichtbaren Marienstatue auf einem kleinen Turm vorbei, die ein exakter Nachbau einer römischen Statue ist. Von hier sieht man schön auf das Tal und den Ort und auch auf unser Domizil, das letzte Haus am Berg. Der Anstieg wird, nachdem wir die Brücke der Nationalstraße unterquert haben, teilweise sehr steil. Aber mit gemütlichem Tempo und moderatem Puls ist es zwar schweißtreibend aber wesentlich angenehmer als ständig einer schnelleren Gruppe hinterher laufen zu müssen. Ab und zu queren wir die Trasse der Seilbahn und bekommen ein paar Blicke auf den im Tal liegenden Ort. Knapp vor der Zielhöhe, so auf 1300 Metern öffnet sich dann das Panorama in die höheren Berge.

Auf der Höhe mit dem typischen Passschild (Ax Trois Domaines altitude 1400 m) sind in erster Linie riesige meist eher schäbig wirkende Appartementblöcke zu sehen, sowie ein paar Skipisten, Lifte und Bahnen. Es gibt ganz viele Restaurants und Geschäfte aber die sind alle geschlossen, auch die in Google als offen markiert waren.

So begeben wir uns wieder auf den Abstieg, der sich in schönen Serpentinen knieschonend den steilen Berg herunter schlängelt. Wir kommen durch kleine idyllische Dörfchen, die alle Bazerque heißen und der Einfachheit wegen durchnummeriert sind (première, deuxième, troisième). Die Ruhe entspricht allerdings nicht der einsamen Lage. Das Rauschen des Verkehrs auf der Nationalstraße N20, die auf riesigen Pfeilern über die Täler gebaut wurde, ist fast den ganzen Abstieg entlang zu hören.

Unten im Ort gibt es in einem ziemlich verranzten Lokal direkt gegenüber von den Bädern einen passablen Kaffee. Im Spar packen wir ein paar Flaschen und Lebenmsittel in die fast leeren Rucksäcke. Diese waren heute nur mit reichlich Wasser und Jacken für alle Eventualitäten gefüllt. Das deutlich leichtere Gewicht auf dem Rücken und 1000 Meter geringere Höhe, machen sich sehr deutlich bemerkbar.

Wenngleich man im Wald nicht so viele Fernblicke hat, so gibt es doch einiges zu entdecken, wie beispielsweise diese ansehnliche Sammlung ganz unterschiedlicher Pilze.

Insgesamt waren wir 17 km unterwegs und hatten dabei 880 Höhenmetern hoch und wieder runter zu bewältigen. Das hat ganz gut geklappt. Muskeln und Knie waren wieder einsatzbereit. Der Anstieg war teilweise sehr steil dafür der Abstieg moderater. Nun ist auf einmal die Wettervorhersage für morgen ganz schlecht (gestern war sie noch gut), mal sehen.

Spaziergang in Ax-les-Thermes

Heute sind wir von Montpellier nach Ax-les-Thermes umgezogen. Eine direkte Zugbuchung gestern war nicht möglich. Alles ausgebucht oder nicht buchbar. Angesichts Streik und Unruhen fahren vielleicht zu wenig Züge? Mit Flixbus gibt es eine Option um 7h. Beim Versuch Tickets nach Toulouse zu buchen bin ich dann aber erfolgreich. Um 9:50 geht es entspannter zunächst nach Narbonne (pünktlich ab und an) und nach 30 Minuten weiter nach Toulouse. Auch der Anschlusszug fährt pünktlich ab und kommt pünktlich an. In Toulouse entscheiden wir uns für Ax-les-Thermes, buchen ein kleines Appartement und den Anschlusszug. Novum: der fährt 5 Minuten zu spät ab, weil er auf Reisende wartet. Auf die Minute um 15:40 erreichen wir unseren Zielort und um 16h die über dem Ort liegende Wohnung. Schöner Blick aber man muß ein bisschen steigen.

Die Wohnung ist wirklich schön und diesmal ziemlich preiswert, richtig sauber und modern-pragmatisch eingerichtet. Die vielen Appartements hier sind wahrscheinlich eher im Winter nachgefragt. 10 Minuten : bis in den Ort zum Spar und zum Käseladen.

Der kleine Spaziergang von 2km ist nicht weiter erwähnenswert. Die Brücken über die Ariege bieten schöne Motive und auch der Ausblick von unserem Balkon ist schön. Abends geht es noch einmal runter um im „Table du Sud“ eine gute Galette zu bekommen. Der Laden ist super bewertet, sehr preiswert, eine sehr nette ältere Bedienung, die selber kocht und auch für uns ein bisschen langsamer französisch spricht. Kurzum wir sind zufrieden.

Leider sind die Wetteraussichten durchwachsen. Mal sehen ob wir noch ein paar Wanderungen hier machen können. Die Vorhersagen sind aber auch nicht sehr stabil.

Von Ax-les-Thermes nach Prades

Direkt an meinem kleinen netten Hotel Bellevue geht die Straße vorbei hoch zum Col de Pailhères, die sich später von der Strecke zum Col de Chioula trennt. Am Anfang ist noch etwas Verkehr, der aber, je weiter ich steige, schnell abnimmt. Ein letzter Blick auf Ax-les-Thermes mit der Seilbahn und dann bin ich schon an einem kleinen Stausee. Bis hierhin läuft es super. Es sind immerhin 1250 Höhenmeter an einem Stück zu bewältigen. Der Col de Pailhères ist einiger der wenigen Pyrenäen Pässe, der über 2000 liegt. Bei 1500 Meter kommt mir eine Gang von drei Bike-Packing Frauen entgegen, die sich schon von weitem als deutsch zu erkennen geben. Sie sagen freundlich „Bonjour“ aber ich höre dann bald „eh Alter“ auf was sich auch immer das bezieht. Vier Rennradler sind nun auch schon an mir vorbei gezogen und später kommen noch zwei weitere und Motorradfahrer gibt es kaum.

Umso mehr wundere ich mich darüber die Porsche-Parade an der ersten Station des Skigebiets zu sehen. Das Skigebiet zieht sich hoch bis zum Pass. Zwischendrin wird es nun doch wieder steiler, nachdem es zu Anfang mit 6% sehr angenehm zu fahren war. Bei den engen Serpentinen geht es dann wieder besser. Aber dennoch brauche ich ziemlich genau 3h für die knapp 1300 Höhenmeter. Dort oben ist nichts außer dieser Hütte. Die Hoffnung ein längeres Päuschen einlegen zu können zerschlägt sich.

In sehr steiler Abfahrt auf sehr engen Serpentinen auf ganz schmaler Straße geht es schnell runter bis zur nächsten Skistation. Ab dort wird die Straße breiter. Mein Garmin macht Zicken, weil seine Strecke und seine Messergebnisse nicht harmonieren. Aber es ist nicht so schwer, immer auf der Straße bleiben. Trotzdem versichere ich mich an jeder Kreuzung noch einmal wo lang es geht. Ich habe keine Lust mit 10% irgendwo 1-2 Kilometer runter zufahren, die ich dann wieder hoch muss.

Am tiefsten Punkt bei etwa 800 Meter verlasse ich das Departement Ariege und komme in das Departement Aude. Die Aude ist hier allerdings nicht mehr als ein kleiner Bach, dem ich nun mit moderater Steigung ein paar Kilometer folge. Links zur D17 geht es ab und es wird auf eine Essgelegenheit in der „ferme“ hingewiesen. Die finde ich leider nicht. Vor dem Pass Col du Garavel erreiche ich den Zwischenpass, den Col de Moulis, der sich hier mit 1099 Meter brüstet und weitere 50 Höhenmeter kostet. Hier ist eine Farm mit Schweinen aber es gibt nichts. So erreiche ich den Col de Garavel bei 1256 Meter nach sehr schweißtreibendem Aufstieg von ca. 500 Metern ohne weitere Pause. Es ist sehr heiß geworden, ca. 35 Grad und ich zehre von meinen letzten Riegeln.

Auf der Passhöhe wird ein Restaurant in 5km angezeigt. Leider ist da nichts. In eines der nächsten Dörfer Roquefort-de-Sault fahre ich langsam ein und schon nach wenigen Metern werde ich herzlich mit Bonjour begrüßt und selbstverständlich könne man hier was trinken und auch essen. So gibt es ein halbes Baguette Schinken-Käse Sandwich und zwei kleine alkoholfreie Bier, wieder aufgefüllte Flaschen und eine schattige Pause. Die Dame ist sehr nett und kann in ganz vielen Sprachen ein paar Worte. Wir müssen dann aber schnell ins Französische zurück.

Der Auffahrt zum Col de Jau ist so ein bisschen der Schrecken genommen. Immerhin sind es weitere 650 Höhenmeter bei 6-7%. Es geht auf einsamen Wegen, kaum ein Auto, keine Motorräder, nur in Richtung Passhöhe kommt ein Trupp Engländer auf Rennrädern, die gut trainiert in allerdings durchaus beachtlichen Abständen an mir vorbeiziehen. Der Weg nach oben ist waldig, es gibt einen Menhir zu sehen, den schau ich mir aber nur von von der Straße aus an. Kein Meter extra. Oben haben sich die Engländer gesammelt und ihr Begleitfahrzeug hat leckere Snacks ausgelegt.

Von 1500 Metern geht es nun auf 350 Meter runter über 24 Kilometer. Man passiert den idyllisch gelegenen Ort Mosset und die Schlucht der Casselane. Es haben sich auf dem Weg nach oben einige Gewitterwolken gebildet und es grummelt in der Ferne. Ich bin froh, dass ich kaum treten muss, denn das schmerzt. Beim Ortsschild von Prades kommen die ersten Tropfen. Ich komme aber trocken zum Chambre Hôte. Mein Fahrrad findet in der Motorradgarage Platz. Die Hausherrin hat mir einen Melonendrink gemixt und das Zimmer ist sehr schön. Für mehr als das Foto von der Kirche hat es nicht mehr gereicht, da ich als erstes unbedingt was essen musste und mir die Zeit damit vertrieben habe, das hier zu erstellen.

Bei einer Distanz von 95 km habe ich heute 2546 Höhenmeter absolviert, was eindeutig über dem liegt, was mein Trainingszustand zulässt, vor allem mit den fast 10 kg Gepäck. Jetzt ist aber erstmal Schluss mit Pässen und vorgebuchten Quartieren. Bis Dienstag muss improvisiert werden.

Von Aulus-les-Bains nach Ax-les-Thermes

Gestern hatte ich im einzigen Restaurant „Café Restaurant L’etape“ noch ein sehr ordentliches Abendessen mit gegrilltem Fleisch, Frites und Salat hat köstlich gemundet und in der Einsamkeit sind die Preise unten. Das gilt natürlich nicht für mein Appartementloch in dem ich dann leider gar nicht gut geschlafen habe. Um 8h in der Frühe macht der kleine Lebensmittelladen auf und ich kaufe ein Croissant und Chocolatine. Dann sehe ich, dass das Restaurant schon wieder auf hat und ich frage ob ich auch was frühstücken kann. So bekomme ich zusätzlich noch ein dickes Schinken-Sandwich mit Salat und einen Milchkaffee.

Nachdem der Chef Mittag gestern noch einen äußerst mißmutigen Eindruck machte, scheint er langsam aufzutauen, je öfter ich ihn besuche. Er entpuppt sich als großer Radfahrerfreund und wir betrachten seine Postkartenwand wo auch die kalifornische Westküste reichlich vertreten ist und ich ihm von meiner Fahrradreise dort erzählen kann. Sandwich und Kaffee sollen 8€ kosten, aber er will lieber mein Kleingeld und gibt sich dann auch mit 6€ + x Cent zufrieden. In meinem Appartement hatte sich im Bad durch das offen gelassene vergitterte Fenster ein Vogel in der Dusche eingenistet und ich versuche ihn mit allen Tricks in Richtung Fenster zu bewegen. Irgendwann ist er dann weg.

So wird es heute 9:30 bis ich auf das Rad komme und direkt vom Ort aus beginnt der langsame Anstieg zum Col d‘Agnes. Bis da hoch auf 1580 Meter bin, brauche ich fast zwei Stunden. Es ist wenig los auf der Straße. Kurz vom Gipfel überholt mich eine Rennradlertruppe, die ich dann oben alle wieder sehe wie sie dort mit ihrem Begleitwagen interagieren und jeder braucht ein Gipfelfoto. Diesmal steht das Schild mitten im Matsch und ich mache mal besser die Taschen ab, um es dahin drapieren zu können. Der Pass wird im oberen Teil weniger steil und bietet in jeder Kurve neue fantastische Ausblicke. Für die Tour-de-France wird auch schon vorbereitet und abgesperrt, dass sich da nicht schon Tage vorher die Camper positionieren.

Der nächste Pass, ist kurz und gar nicht steil und man erreicht nach kurzer Abfahrt vom Col d‘Agnes, bei der man von oben kommend schon den kleinen See „Etang de Lers“ sieht. Dort gibt es ein Restaurant aber ich habe vor dem Gipfel noch keine Lust dazu. Auf dem Weg dort begegne ich einer Kindergruppe, die von aufmerksamen Begleiterinnen gehütet werden aber mitten auf der Straße laufen müssen. Der Weg zum Pass Port de Lers führt in einem langen Bogen um eine grüne Hochebene herum auf dem viele Kühe und Pferde frei weiden, wie auch oben auf 1517 Meter eine Kuhherde grast.

In steilen Serpentinen führt der Weg nun zunächst über sehr enge Straßen Richtung Tarascon-sur-Ariège. Ich komme an einigen großen Wasserfällen vorbei und mir kommen unzählige Rennradler entgegen. Langsam wird die Straße breiter und weniger steil und leicht abschüssig sind so die letzten 10 km bis Tarascon zu bewältigen. Hier mache ich ein paar Bilder, das sind fast die gleichen Motive, die ich auch schon 2006 im Visier hatte, als wir mit dem großen Camper hier auf dem Campingplatz Station gemacht haben.

An dem führt jetzt auch mein Weg vorbei. Ich nutze die Gelegenheit etwas zu trinken und mit dem Chef darüber zu reden, dass uns hier vor 18 Jahren ein Playmobil-Männchen verloren gegangen ist, was zu einer kleinen Krise geführt hatte. Er macht mir allerdings wenig Hoffnung, dass wir das noch hier auffinden und spricht mit mir, in fast perfektem Deutsch, über die Strecke und das Wetter. Den Col d‘Aubisque kennt er auch gut, da er lange in Argeles-Gazost gewohnt hatte. Als ich erzählte, dass der Tourmalet geschlossen war, meinte er, die machen einfach überall mal zu, um für die Tour de France vorzubereiten.

Der Weg nach Ax-les-Thermes ist nun eigentlich mit ca. 25 km nicht mehr weit. Dabei sind 300 Höhenmeter zu absolvieren, die kommen natürlich nicht gleichmäßig, sondern summieren sich über kleine fiese Zwischenanstiege, bei denen in der Abfahrt danach wieder einiges verloren geht. Außerdem geht ein großer Teil der Strecke ohne Alternative auf der großen Nationalstraße, die oft aber leider nicht immer ein bisschen Seitenstreifen hat und da wird es einem immer ein bisschen mulmig, wenn ein großer Laster vorbei will. Außerdem sticht die Sonne und es ist sehr heiß. Nach schlechter Nacht, wenig essen während des Tages, auch zu wenig getrunken, merke ich das nun. Mir fallen die letzten Kilometer ziemlich schwer. Endlich erreiche ich dann aber doch mein kleines Hotel Bellevue. Das Rad kommt ganz versteckt in eine sichere Kammer und ich habe heute wieder ein richtiges schönes Zimmer mit einem (allerdings sehr kleinen) Bad.

In Ax-les-Thermes ist Wasser und Therme das große Thema. Außerdem wird ganz viel gebaut. Mit einer Gondel kommt man hier hoch, auch im Winter als Ausgangspunkt für das Skigebiet obwohl nur 700 Meter hoch. In einem Becken mit heißem Thermalwasser baden sich die Leute ihre Füße und als ich beim zweiten Mal vorbei komme, setze ich mich dazu. Der Ort ist ganz ansehnlich und mal wieder eine richtige kleine Stadt, es gibt viele Restaurants und Bars. Da kann man es sich ganz gut gehen lassen.

Die Distanz von 74 km mit 1495 Höhenmetern ist nicht so beeindruckend, dagegen hatte ich trotzdem ordentlich zu kämpfen, bis ich es endlich geschafft hatte.