Von Arreau nach Cierp-Gaud

Bei fast blauem Himmel und schön beleuchtetem Rathaus bin ich heute von meiner Airbnb Privatunterkunft bei Katia in ihrer kleinen Wohnung in einem kleinen Zimmer in dem ich sehr gut geschlafen und mich wohl gefühlt habe. Wir haben uns gut unterhalten und alles war sehr unkompliziert. Direkt an der Wohnung ging es über die kleine Ortsstraße in Richtung des ersten Passes heute dem Col de Peyresourde. Auf den knapp 20 km dahin zieht es sich erst mit ganz gemütlicher Steigung. Insgesamt geht es ganz gut auf die erste Höhe von 1569 Metern mit grandiosen Blicken auf die hohen Berge.

In langer schneller Abfahrt geht es über tolle Serpentinen nach Luchon hinunter. Die Orte schmücken sich schon für die Tour de France, die dieses Jahr auch über diesen Pass kommt. Witzig sind die kleinen Ampeln extra oder auch für Radfahrer: wenn man zu schnell ankommt sind sie rot, wenn man etwas bremst, dann werden sie gleich grün. Luchon ist ganz attraktiv, einige Hotels und Restaurants und eine Gondel mit der man ins Skigebiet kommt. Dementsprechend auch viele „Location Ski“. Ab hier wären es noch 15 km zum Hotel und ich kämpfe mit der Versuchung den direkten Weg zu nehmen.

Dann schlage ich aber doch die Richtung zum Col de Portillion ein. Der ist leider im oberen Teil mal wieder richtig hart und ich pedaliere mich in den ganz kleinen Gängen nach oben. Meist ist es hier waldig, kaum Fernblicke nur immer wieder Wasserfälle, die aus den steilen Felsen runter rauschen. Hier einer, vor dem sich einer der vielen Motorradfahrer von seiner Freundin ablichten lässt. Als ich komme muss ich natürlich ein Foto von beiden machen. Kurz vor der Höhe überholt mich eine Rennradlerin, die hier lebt und mich lobt ob meines extra Gepäcks. Nachdem ich ihr erzähle, dass ich bis ans Mittelmeer will, möchte sie gleich ein Foto von mir machen. Auf dem Pass überquert man wieder die Grenze nach Spanien. Auf einem Platz mit schöner Aussicht in die spanischen Pyrenäen kommt man an einer Statue vorbei mit der, durch das daneben angebrachte Schild, alle spanischen Tour de France Sieger geehrt werden.

Bis zum spanischen Ort Bossòst geht das auch sehr flott auf gut ausgebauter Straße runter. Dann sind es leider noch 35 km auf großer Nationalstraße mit viel Gegenwind entlang der Garonne oder in Spanien Garona. Der Hotelwirt hat schon per SMS angefragt wann ich denn komme und ich hatte ihm optimistisch 15:30 geantwortet. Aber angesichts des Windes wird es dann doch fast 16h. Ed, der Besitzer des „Les Deux Rives“ ist sehr freundlich. Mein Fahrrad steht direkt hinterm verschlossenen Eingang. Ich bekomme ein kleines originell eingerichtetes Zimmer.

Eigentlich hatte ich ja in St. Beat was gesucht aber es gab nichts. So muss ich sowohl heute als auch morgen 5 km extra in Kauf nehmen. Das Hotel und mein Zimmer liegt direkt an dem auch wieder viel Wasser führenden Fluss „La Pique“ so heisst auch die Bar gegenüber. Kurz nach dem Ort mündet er in der Garonne. So lässt sich sicher der Name des Hotels herleiten. Sonst gibt es wenig bis gar nichts hier. Ein Intermarché ist da in 15 Minuten Entfernung zu Fuß und „das“ Restaurant (Lou Casteu) des Ortes hinterm Intermarché. Das besuche ich dann heute auch und es gibt wieder eine sehr gut Pizza. Eine große Flasche Wasser ist wie überall gratis und der Wein ist gut und günstig.

Auf der Distanz von 75 km habe ich 1645 Höhenmeter erklettert. Leider waren die letzten Kilometer unter sehr dicker Wolkendecke und es nieselte zuletzt immer wieder. Aber ich habe es trocken ins Hotel geschafft so auch bislang bei den kleinen Spaziergängen.

Von Argelès-Gazost nach Arreau

Nachdem ich heute sehr gut geschlafen habe und ein ganz hervorragendes Frühstück genossen habe und ich mit Blick auf dem Fenster sehe, dass es mit dem Hotelnamen geklappt hat und die Sonne scheint gibt es doch eine Enttäuschung. Als ich der Hoteldirektorin erzähle, das heute der Col de Tourmalet dran ist, meint sie, der wäre heute zu. Ich frage ob das auch für Fahrräder gilt. Sie wollte um 9h beim Tourismusbüro anrufen und um 9h bestätigt sich: für alle Fahrzeuge geschlossen, Arbeit mit großen Maschinen, zu gefährlich.

Man kann sich hier nie sicher sein ob das wirklich ernst ist aber auf 2100 Meter hoch radeln um dann im schlimmsten Fall wieder zurück geschickt zu werden, ist mir dann doch zu riskant. Ich suche einen Weg außen rum. Am einfachsten wäre Lourdes und dann rechts abbiegen, das ist eher flach oder ganz kleine weiße Sträßchen zum Col de Croix Blanche für was ich mich entscheide. Die Flüsse führen irrsinnig viel Wasser. An der Abzweigung vom flachen Radweg nach Lourdes sehe ich, dass ich nur noch 4 km entfernt bin, eigentlich hätte ich ja Zeit, aber entscheide mich dann doch dagegen, vor allem weil plötzlich nicht mehr blau sondern grau am Himmel dominiert. Eine weitere Sperrung auf dem Weg nach oben signalisiert, dass in 2km Schluss sei. Das Risiko gehe ich ein, zumal mir ein Rennradler entgegen kommt. Da stehen dann ein paar Laster und die Straße ist frei. Oben gibt es einen tollen Blick über die Pyrenäenausläufer.

Der Weg zum Col d‘Aspin zieht sich zunächst entlang der Aspe lang leicht steigend hin. Kurz vor Bayenne ein paar Nieseltropfen, dann auf einmal ein paar Regentropfen, ich erinnere mich an das Werbeschild von McDonalds, gebe Gas und erreiche das rettende Vordach von McDonalds gerade als der Wolkenbruch losgeht. Ich war schon lang nicht mehr bei McDonalds und bestellt wird an großen Touchscreens an denen man dann auch direkt mit Karte bezahlt. Man nimmt sich ein Nummernschild und schon bald wird einem das Essen gebracht. In meine Fall das Menü mit Burger, Salat und Cola.

Nachdem ich damit fertig bin, hat sich auch der Regen verzogen. So geht es immer weiter bis in St. Marie-de-Campan die Abzweigung zum Tourmalet kommt. Merkwürdigerweise steht hier „offen“ und es gibt keine Warnschilder. Ab hier wird es steiler obwohl der Col d‘Aspin kein sehr steiler Pass ist, so zwischen 4 und 10 Prozent. Aber ich komme auch wieder nur sehr gemächlich voran und werde von vielen Rennradlern überholt. Der Blick in die verschiedenen Richtungen oben ist gut aber es gibt immer wieder dunkle Wolken zu sehen. Auf der Auffahrt beim Ski- und Touristenzentrum Payolle beginnt es wieder zu nieseln. Schnell die Regenjacke an aber 150 Höhenmeter weiter ist schon wieder Schluss damit. Die Jacke wieder ausziehen und es hat schon gereicht, dass die Arme und Ärmel von innen nass sind. Das ist halt doch noch nicht die optimale Atmungsaktivität.

Von oben sind es dann noch 12 km steile Serpentinenabfahrt bis nach Arreau. Auf dem Weg begegnen mir ein paar Motorräder, viele Rennradler, die auch noch nach oben wollen und einer der mit vier Packtaschen und einer großen Quertasche hinten mit sehr kleiner Übersetzung zügig pedaliert. In Arreau komme ich eine Stunde zu früh an und wärme mich im Salon de Thé mit einer Quiche und Kaffee. Auch hier wieder tosende Gebirgsflüsse in einem schönen kleinen Ortszentrum. Da werde ich sicher nachher was gutes zu essen finden.

Ich bin in einem sehr preiswerten und sehr kleinen Privatzimmer untergebracht und muss mein Rad 2 Stockwerke tragen um es sicher vor der Tür zu platzieren.

Insgesamt war ich dann heute 72 km unterwegs und die 1516 Höhenmeter waren etwas angenehmer als die ursprünglich 2400 geplanten. Mir hat es trotzdem gereicht. Trotzdem sehr schade, dass ich dieses Highlight verpasst habe. Hier hat Jan 1997 das ok bekommen seine Funktion als Edelhelfer aufzugeben und voll zu fahren, was zum einzigen deutschen Tour de France Sieg geführt hat. Das waren allerdings 253 km, die er in 7 Stunden und 46 Minuten gefahren ist (33 km/h). Selbst mit den Einwänden: „kein Gepäck, gedopt, 40 Jahre jünger“ sind das schon unglaubliche Leistungen verglichen mit meinen 11 km/h.

Im Restaurant l’Arbizon werde ich fündig. Da ich heute sehr preisbewusst unterwegs bin: billiges Privatzimmer, billiges Menü mittags bei McDonalds (war gerade richtig für mich) kann ich mir abends was leisten. Aber die empfohlene Flasche Wein und das Drei-Gang-Menü plus Café ist heute auch für unter 40€ zu haben. Salat mit Lachs und Meeresfrüchten, Forellenfilet mit Reis und Gemüse und schließlich noch ein kleines Eis und dabei pro Gang noch eine tolle Auswahl versöhnen mich ganz langsam mit der französischen Küche.

Live Musik gab es dann auch mit französischen und internationalen Hits. Ich habe den Platz hinter der Scheibe gewählt. Da kann ich die beiden super sehen und es ist nicht so laut. Gute Idee: ein Whiteboard, auf dem alle Gäste ihre Wünsche aus einem Repertoire-Menü aufschreiben können.