Blog

Von Larrau nach Oloron-Sainte-Marie

Nach dem vorzüglichen Abendessen gestern Abend hatte ich trotz eines sehr guten lokalen Weines nicht sehr tief geschlafen. Abend saß ich noch auf dem Balkon und habe dunkle Wolken aufziehen sehen. Heute früh sieht es ziemlich düster aus. Grauer Himmel und dichte Wolken in den Bergen. Es gibt ein gutes Frühstück aber auch das ist nicht inklusive, so daß es diesmal keine kleine Rechnung ist. Aber es war ein wirklich guter Aufenthalt.

Neben mir sind um 7:30 schon eine Gruppe von 5 Italienern da, die ganz offensichtlich die Besitzer der 4 Edelrennräder in der Garage sind. Da sie alle sehr ordentlich mit gutem Schuhwerk gewandet sind, vermute ich, dass der fünfte Mann der Fahrer für das Gepäck ist. Das erweist sich als richtig. sie fahren kurz vor mir los, auf dem Weg stehen sie und ich überhole. Auf dem Weg zum Col du Soudet überholen sich mich kurz bevor es steil wird.

Während es zunächst bei der steilen Abfahrt ganz leicht bei kühlen 17 Grad nieselte, ist die Straße Richtung nach Saint Engrace trocken und es zeigt sich der ein oder andere Sonnenstrahl. Bis zur romanischen Kapelle am Ortsende des lang gestreckten Ortes geht es mit moderaten Steigungen voran, so daß ich einigermaßen vorwärts komme. Dann wird es wieder übel.

Die durchschnittlichen 5,6% Steigung, die auf dem Schild angezeigt sind, beziehen sich eben auf die ganze Strecke. Auf über 10 km ergeben sich wieder Steigungen jenseits der 10%, was mein Fortkommen erheblich behindert. Für die ersten 10 km benötige ich 25 Minuten für die nächsten 55, für die nächsten knapp zwei Stunden und dann geht es im Rekord mit ca. 15 Minuten für 10 km wieder nach unten. In der Auffahrt gibt es große Splitfelder, die ich durch Wechsel der Fahrbahn zu umgehen suche.

Das geht heute ganz gut, denn bis auf einen einzigen Motorrad-Schwarm ist hier heute kaum Verkehr. Auf dem Pass gibt es ein paar Ausblicke, insbesondere der Blick über das Wolkenmeer ist schön. Sonst gibt es nichts, keine Gastronomie, wahrscheinlich ist das alles ein Stück oberhalb an der spanischen Grenze.

Die Kollegen, die in Komoot ihre Touren zur Verfügung gestellt hatten, sind auf diesem Abschnitt nach Spanien und dann wieder zurück, was 2.400 Höhenmeter und über 100 km gewesen wäre. Das habe ich mir gespart und bin den direkteren Weg zum Col du Soudet gefahren, den ich nach 30 km erreicht habe. Der kürzeste Weg wäre übrigens nur bergab und ca. 40 km lang gewesen.

Neben und auf der Straße weiden Schafe, Kühe und Pferde, was dazu führt, das reichlich Hinterlassenschaften auf der Straße sind. Das freut die Fliegen, die sich immer sehr erschrecken, wenn ich mich mit dem Rad nähere und dann einen großen Schwarm um mich bilden. Auf der Abfahrt sind dann viele kleine Geschosse, die auf Brille oder im Gesicht landen.

Ab jetzt geht es in langer steiler Abfahrt über breite sensationelle Straßen, fast verkehrsfrei von über 1500 Meter auf ca. 400 Meter runter. Auf den letzten 20 km geht es dann mit geringem Gefälle bis nach 70 km und 1309 Höhenmetern Oloron-Sainte-Marie erreicht ist.

Das ist ein recht schöner Ort durch den die Gave fließt. Mein Zimmer ist heute ein kleines Appartement in einem ziemlich scheußlichen Gebäude mit dem klangvollen Namen Entre terre et mer. Schlüssel liegt in einer Box und nur das Aufschließen bringt mich zu Anfang etwas zur Verzweiflung. Die Wohnung ist im dritten Stock, das Rad kommt im Aufzug mit. Nachdem ich eine Zeit durch den Ort geschlendert bin und sehe wie ganz dunkle Wolken von Westen kommen, erreiche ich das Appartement kurz bevor das Gewitter ausbricht.

Von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Larrau

Mangels Vorhänge bin ich in meinem gemütlichen Zimmer bei Patricia schon früh aufgewacht und habe mir als erstes ein Café für das Frühstück gesucht. Das erste Café wird primär von Einheimischen frequentiert, so dass ich nun Originalbaskenmützen zu sehen bekomme. Das Frühstück selbst ist ein bisschen robust wie auch der Wirt aber für 10€ bekomme ich Schinken-Sandwich, 2 Café au lait, Croissant und Pain au chocolat. Das hält hoffentlich eine Zeit lang vor. Es geht leicht ansteigend in Saint-Jean los.

Der Startpunkt für viele Pilger ist auch mit Bahnhof zu erreichen und bedeutet: Heiliger Johannes am Fuße des Passes, den die Pilger gehen müssen um nach Spanien zu kommen. Schon bald erreiche ich Saint-Jean-le-Vieux auf einer Straße mit viel Verkehr, der aber deutlich nachlässt, nachdem ich auf die D18 zum Pass Col d’Iraty abbiege. Es geht noch eine Zeit lang leicht ansteigend in Richtung Berge, denen ich so immer näher komme.

In Frankreich ist ja Service für all Radler, dass man kontinuierlich informiert wird, wie weit es noch ist und wieviel Höhenmeter noch zu leisten sind. Leider sieht die Anzeige hier etwas harmloser aus, denn es gibt hier einen kleinen Zwischenpass auf 1100 Metern und über 2 km verliert man wieder an die 200 Meter. Für die eigentlich zu überwindenden Höhenmeter bleiben also weniger Kilometer, das bedeutet es ist wesentlich steiler als das Schild suggeriert. Und dann geht es auch gleich mitten rein in die Wand. 12, 13, 14, 15 Prozent Steigung werden bei mir angezeigt und mein Schnitt für die nächsten 10 Kilometer sinkt auf unter 6 km/h. Dann kommt ab 800 Metern auch noch Gegenwind.

Nach der kleinen Zwischenabfahrt auf der der Wind so bläst, dass ich viel bremsen muss, liegen die Schafe auf der Straße. Entlang des Weges wie auch oben am Pass, den ich endlich nach knapp 4 Stunden erreicht habe, grasen die Kühe. Für Menschen gibt es leider nichts, da sie hier oben alle Mittagspause machen. So fahre ich ohne was zu essen bis zu meinem Zielort Larrau.

Leider geht es nach langer, zunächst sehr ruppiger, Abfahrt von 1327 Metern auf etwa 400 Meter noch einmal 2 km auf 620 Meter hoch, natürlich genauso steil. So sind auf einer Distanz von nur 45 km 1507 Höhenmeter zusammen gekommen.

In der Erwartung mir etwas anschauen zu können laufe ich, nachdem sie mich dann doch vor 15h und nicht erst nach 16h auf mein Zimmer gelassen haben, durch den Ort und es gibt da schlicht nichts. Kein Café, keine Bar, keinen Laden nur das 3 Sterne Hotel in das es mich verschlagen hat. Erfreulicherweise mit Abendessen und Frühstück. Abendessen ist aber erst um 20h. Was mache ich in den 4 Stunden?

Da fällt mir ein Prospekt in die Hand: die Pont d‘Holzarten ist eine Hängebrücke über eine riesige Schlucht und nur knapp 5 km entfernt. Ich bin zwar schon geduscht und in zivil aber ich packe Fahrradschloss und die notwendigsten Utensilien ein und setze mich wieder auf mein Rad. 2,5 km geht es dann sehr steil den Berg runter bis zu einem Parkplatz an dem ich das Rad an einem Baum befestige und dann mit kleinem Rucksack den 2 km Spaziergang in meinen Merrel Barfussschuhen angehe. Die Schuhe begleiten mich auf allen hier geschilderten Radtouren zuverlässig und sind mit mir schon weite Wege gegangen. Die Herausforderungen auf diesen 2 km übertreffen aber das für sie bisher geleistete.

Anfänglich ist der Waldweg noch moderat, dann wandelt er sich aber zu einer extrem steilen und sehr schweißtreibenden Kletterpartie. Es sind zwar nur 200 Höhenmeter auf 2 km auf dem GR 10 (auf dem man zu Fuß die Pyrenäen überwinden kann), aber durch ein paar flache Passagen bleiben genügend Höhenmeter für extrem steile, steinige und verblockte Passagen. Nach einer Stunde habe ich mein Ziel erreicht. Grandiose Aussichten gibt es hier und auch den ganzen Weg entlang. Die Mutprobe über die schwankende Brücke mit Blick durch den Boden in die Schlucht hinunter meistere ich auch noch.

Nach zwei Stunden erreiche ich mein Fahrrad wieder und nehme in der Gite Etappe, an dem die GR 10 Wanderer ihre Sachen trocknen, ein großes Panaché (Radler) zu mir.

Die 2,5 km zurück zum Hotel sind nun bei 10-12% und gut 200 weiteren Höhenmetern in einer knappen schweißtreibenden halben Stunde bewältigt. Mal sehen, wie sich mein kurzes Hemd macht, nachdem ich es getrocknet habe. Auf diese Weise sind dann noch einmal 11 km dazu gekommen und mit 468 Höhenmeter addiert sich das für den Tag auf 1975 Höhenmeter.

Der Himmel war heute wieder den ganzen Tag blau mit kleinen Wölkchen, oft kletterte das Thermometer auf über 30 Grad.

Zur Belohnung gibt es im Hotel ein Dreigängemenü mit Wein, nachdem ich seit dem Frühstück das essen völlig vergessen hatte. Das Menü ist zumindest das bisherige kulinarische Highlight.

Von Biarritz nach Saint-Jean-Pied-de-Port

Im Hotel wurde für 13€ auch noch ein Frühstück angeboten, was ich recht früh zusammen mit einer Gruppe Motorradfahrer eingenommen habe. Bis gegen 9h hat es dann doch gedauert bis ich losgekommen bin. Zuvor musste ich mit der hoteleigenen Pumpe die Reifen auf ein gutes Niveau bringen und den Sattel nach justieren. Zunächst noch einmal runter zum Grand Plage wo sich die ersten Surfer bereits in die Wellen wagen. Mit der geplanten und auf dem Garmin installieren Tour ist es kein großes Problem aus der Stadt zu kommen. Über äußerst hügeliges Gelände, das heißt immer ca. 40 Meter runter und wieder hoch und das ständig, geht es bis zur spanischen Grenze. Obwohl ich relativ kleinen Nebenstraßen folge, ist doch ziemlich Verkehr.

In Spanien geht es dann zum ersten Pass der Tour „Otsondo“, mit 600 Metern kein Riese aber mir langt es. Bis da hoch sind sicher 1000 Motorräder und eine Schwarm von um die 50 Porsches (alte und neue) lautmalerisch, neben dem sonstigen Verkehr, an mir vorbei gezogen. Nach dieser ersten Abfahrt geht es dann irgendwann auf ein sehr kleines Strässchen Richtung Frankreich ab. Dort komme ich durch das malerische Dörfchen Erratzu. Die spanischen Namen in Spanien und die französischen Namen in Frankreich sind meistens übermalt, damit nur die baskische Form zu lesen. Wenigstens schmeißen die Nationalhelden keine Bomben mehr.

Auf dieser engen Straße entlang des Flüsschen Araneko ist der Verkehr geringer, was nicht bedeutet, dass in den engen Serpentinen nicht immer irgendeine Gruppe Motorräder zu hören ist. Auf der namenlosen Passhöhe, die wieder die Grenze zu Frankreich markiert, sind drei Bars, unzählige Autos und Motorräder und ein großartiges Panorama zurück in die spanischen Berge und auf der andern Seite in die französischen Berge zu bewundern. Eine kleine Pause mit einem alkoholfreien Heineken aus der Büchse gönne ich mir an einem Stehtisch.

Nach langer, steiler und schneller Abfahrt, bei der ich trotz zügiger Fahrweise noch von einem Rennradler überholt werde, erreiche ich das Dorf Saint-Étienne-de-Baigorry, bei dem ich den ersten Nive-Arm gleich mehrmals quere. Eine alte Steinbogenbrücke gibt es da zu sehen. Auf der Abfahrt kommt mir diesmal ein Großschwarm von mindestens 30 alten und neueren BMW Motorrädern entgegen, die offensichtlich die gemeinsame Ausfahrt unter Gleichgesinnten genießen. Aber einmal hat mich auch ein VW ID4 überholt, wissentlich das einzige E-Mobil. Wird alles sicher noch werden. Da werde ich mich jetzt wohl ein bisschen dran gewöhnen müssen und verspreche nicht immer darüber zu klagen,

Nach etwas ermüdender Fahrt auf größerer Straße und einem letzten Anstieg erreiche ich dann den heutigen Zielort Saint-Jean-Pied-de-Port. Das Zimmer ist nicht ganz im Zentrum in einer ruhigen Gegend und nachdem ich alles und mich versorgt habe, laufe ich in einer Viertelstunde wieder ins Zentrum zurück.

Der Ort liegt mitten auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella. Es gibt hier zwar viele Unterkünfte für wenige Euros, wenn man gewillt ist in einem Schlafsaal zu übernachten, aber wenige Zimmer. Meine Unterkunft habe ich als fast einziges Angebot nur über Airbnb gefunden. Die liegt im Privathaus von Patricia, die ein Ensemble von Schlafraum, Küche, Bad und WC vermietet. Sonst werkelt sie auch am Sonntag in ihrem großen Gemüsegarten. Saint-Jean liegt an einem anderen Arm der Nive und mehrere malerische Brücken kann ich bei meinem Stadtrundgang bewundern. Das nur am Sonntag oder Freitag stattfindende baskische Pelote Spiel schenke ich mir dann doch heute. Es gibt sogar ein eigenes Pelote Museum.

Stattdessen lande ich in einer kleinen Bar und probiere den Gateau-de-Basque mit einer Kugel Vanilleeis und schau den Pilgern auf der Straße zu. Fast jedes Haus in der Innenstadt wirbt mit Schlafsaalzimmern. Angeblich gibt es dort auch Zimmer aber keine Ahnung wo ich die hätte finden können. Wahrscheinlich sind die immer als erstes ausgebucht. Obwohl es erst 17h ist, ist das eine Haus schon ausgebucht.

In einem ganz gut bewerteten Restaurant begnüge ich mich heute mit Cäsar-Salat und Bier.

Die Strecke war heute 78 km lang und die 1520 Höhenmeter waren wahrscheinlich schon Rekord für dieses Jahr. Auf den Steigungen komme ich nur sehr langsam voran und neben dem o.g. Verkehr sind auch unzählige Rennradler unterwegs, die oft in abenteuerlicher Geschwindigkeit an mir vorbei ziehen. In Saint-Jean sehe ich dann auch zwei Langstreckenradler, die mit einer irrsinnigen Menge an Gepäck fahren.

Das Wetter hat heute sehr gut mitgespielt. Durchweg blauer Himmel mit ein paar Wölkchen und Temperaturen an die 30 Grad.

Nach Biarritz

Mein heutiges Ziel liegt wieder an der Atlantikküste, aber ein bisschen nördlicher im Baskenland. Der Zug bringt mich von Heidelberg bis Frankfurt Hauptbahnhof und von dort mit der Regionalbahn zum Frankfurter Flughafen. Der fast pünktlich aus Österreich kommende IC hat erfreulicherweise ein großes Fahrradgepäckabteil, meinen Fahrrdplatz hatte ich zuvor reserviert.

Lufthansa fliegt mich dann nach Biarritz. Dafür war das Rad vorher in einer Kiste zu verpacken. Die habe ich mir beim sehr netten Radladen Scheuber in Kirchheim geholt. Nachdem ich Lenker, Vorderrad, Pedale und Sattel abgemacht hatte, passen Fahrrad und alle drei Taschen in den Karton und mit 26 kg ist auch noch Luft zur Lufthansa Höchstgrenze von 32 kg.

Um den Karton rollen zu können habe ich mir bei Obi einen Gasflaschenroller mit 4 kleinen Rädern für 17 Euro gekauft und das funktioniert super, nachdem ich den Karton darauf ausbalanciert habe. Das Tape habe ich dabei, damit ich ganz zuletzt auch noch diesen Roller und die letzten Sachen in den Karton legen und wieder verschließen kann. Bei der Sperrgepäckabgabe helfe ich dem netten Personal den Karton auf den Transportwagen zu legen und muss dann 2 Stunden am Flughafen verbringen bis es um 15h in den Flieger geht. Das ist genügend Zeit um im Rewe beim Fernbahnhof noch ein Wasser für 49 Cent und ein Brötchen zu holen. Im Flughafen sind sie mittlerweile bei der gleichen Menge Wasser bei 4.50. Nichts ist los an der Kontrolle und fast pünktlich erreichen wir Biarritz.

Der Karton kommt auch fast unversehrt in Biarritz an und in einer halben Stunde habe ich das Rad wieder zusammen geschraubt. Ein alter Schlafanzug hat in zerschnittener Form dazu gedient die empfindlichen Komponenten zu schützen. Der landet wie auch der Rollring im Müll und nach Nachfrage beim freundlichen Gepäckservice darf ich den Karton neben dem Mülleimer stehen lassen.

Im Anflug auf Biarritz sehe ich in der Ferne die mit Schnee bedeckten Gipfel der Pyrenäen. Mal sehen was mich da für ein Wetter erwartet.

Kurz nach Abfahrt mit dem Rad am Flughafen schalte ich noch meine Uhr in den GPS Modus und fahre die 3 km mit 3 Höhenmetern zum Hotel Akena. 5 Minuten zu Fuß sind es zum Grand Plage, wo in den hohen Wellen einige Surfer in Neoprenanzügen dümpeln. In zweiter Reihe gibt es einen gut besuchten Italiener les Colonnes mit gutem Essen zu halbwegs akzeptablen Preisen.

Obwohl die Ferien in Frankreich und auch sonstwo nicht begonnen haben ist in Biarritz einiges unterwegs. Viele Kneipen, viele Surfer Typen.

Der letzte Tag in Lissabon

Unseren letzten Tag in Lissabon starten wir etwas planlos und beschließen, einige Aussichtspunkte und Attraktionen auf dem nächsten Hügel der Stadt anzusteuern. Beim Bahnhof Rossio entdecken wir wieder die Statue einer Fadosängerin und steigen parallel zu einem kleinen Bähnchen, welches genau für diese Steigung konstruiert ist, zum Miradouro des São Pedro de Alcântara auf. Dort gibt es einen guten Blick auf die vorgestern erklommene Burg. Das Licht wäre nachmittags wahrscheinlich etwas günstiger.

An der Büste des Zeitungsgründers Eduardo Coelho vorbei, mit einem Jungen, der die Zeitung austrägt, kommen wir zum nächsten Garten. Dort sehen wir eine riesige Zeder und ausladende Bäume, deren Lianen nach unten wachsen, dort anwurzeln und die Äste stützen. An jeder Ecke der Parks gibt es kleine Cafés, unter anderem mit einigen Leuten, die dort an ihren Laptops arbeiten. Unser nächstes Ziel ist die Basilika Estrella, eine weitere Barockkirche.

Auf dem Weg kommen wir am Parlament mit Wachsoldaten vorbei. Vis-à-vis hat ein Obdachloser sein Quartier aufgeschlagen, kunstvoll als Schiff getarnt, mit Flagge und mit wenig freundlichen Worten für die Regierung.

Der Eintritt in die Kirche ist frei, aber die Terrasse, quasi das Kirchendach, kostet 4€ und wird über ein kleine Wendeltreppe erreicht. Von dort schaut man direkt auf die Kuppel und Türme der Kirche. Zum Gottesdienstbeginn hören wir auch die Glocken und in der Kuppel kann man wieder tief in die Kirche hinab schauen. Gegenüber der Kirche ist wieder ein schöner Park mit vielen Cafés und einem großen Spielplatz. Auch hier wieder Menschen, die im Café im Park am Laptop arbeiten.

Unser nächstes Ziel ist die „Green Street“, die sich durch bewachsene Häuser auszeichnet, mit kleinen alternativen Gastronomien. Es geht wieder steil runter und auf der andern Seite müssen wir wieder hoch durch kleine Gassen und ab und zu quert die Tram 28 wieder unsern Weg.

Unser nächstes Ziel ist der Miradouro Santa Catarina mit Blick auf Fluss und Brücke und von dort zur letzten Attraktion, dem Elevador de Santa Justa, mit dem man von unten für 5€ hoch fahren kann oder wie wir von oben, ohne Kosten. Die Treppe ganz nach oben ist abgesperrt.

Wir sind 10 km gemütlich mit 250 hügeligen Höhenmetern gelaufen. Um 15h muss ich wieder in der Wohnung sein, denn es steht auch für mich ein bisschen Arbeit an.

In Sintra

Nachdem wir uns versichert hatten, dass die wesentlichen Attraktionen in Sintra auch am Montag geöffnet sind, machen wir uns auf zum sehenswerten Bahnhof Rossio, der von uns etwa 5 Minuten zu Fuß entfernt ist. Während sich die bisherigen Bahnfahrten nach mühseliger Online-Registrierung recht leicht online buchen ließen, wollen wir uns das Ticket nach Sintra diesmal einfach am Automaten holen. Das dachten einige andere auch und so bilden sich die gewohnten Schlangen sowohl vor dem personell besetzten Ticket-Schalter, als auch vor den Automaten. Die vor den Automaten teilt sich dann in zwei Schlangen, die beide ähnlich langsam voran kommen. Zahlreiche Touristen verzweifeln an den eigentlich recht einfachen Buchungsschritten, aufgrund der wenig intuitiven Menüführung.

Eigentlich wollten wir unsere Karte aufladen, das will aber der Automat nicht, also müssen wir für 50 Cent eine neue kaufen. Damit kostet die Reise nach Sintra hin und zurück 5,85€. Die Bahn um 10:41 fährt aufgrund der Warteschlangen ohne uns, aber um 11:01 geht schon die nächste, die wir dann auch so rechtzeitig betreten können, dass wir einen Sitzplatz finden.

Nach 40 Minuten ist Sintra erreicht und die Massen passieren langsam die Ausgangskontrolle. Wir können uns erst einmal orientieren, nachdem wir schon von Ferne den Nationalkönigspalast mit den zwei Kegeln sehen. Wie wir später erfahren, sind es die 33 Meter hohen Abzugskamine der königlichen Küche, in der zu Königszeiten bis zu 28 Köche tätig waren. Eine rosa gewandete englisch sprachige Dame mit eleganten Sandalen erklärt ihrem Begleiter mit Blick auf die Karte „nobody walks there“, aber davon lassen wir uns, mit besserem Schuhwerk ausgestattet, nicht entmutigen.

Im Touristenbüro können wir ohne Schlange Tickets für den Garten des Peña-Palastes und für den Königspalast kaufen. Für den Innenbereich des Peña-Palastes gibt es Zeitfenster und die seien für heute bereits vergeben, aber man sehe auch viel vom Garten aus. Der Weg nach oben am maurischen Kastell vorbei ist steil, aber wirklich empfehlenswert. Er führt durch grüne, blühende, exotische Pflanzen, kleine Türmchen, viel Wasser und sogar Kletterfelsen. Bis zum Palast ist man aber schon eine Stunde unterwegs und es ist eine richtige kleine Bergtour, für die man besser halbwegs stabile Schuhe anhat. Der Ausblick auf das maurische Kastell ist schon beeindruckend, aber den Eintritt dort hinein lassen wir aus. Es ist ein sehr weitläufiges Gelände und wir schauen uns nur ein paar Artefakte auf dem Weg zum Eingang an. Die Ticketschalterschlange, um in den Garten zu kommen, können wir links liegen lassen. Der Palast ist natürlich ein Wucht. In unterschiedlichen Stilrichtungen und Farben kommt man an unterschiedlichsten Perspektiven vorbei.

Die FotografInnen sind sehr zahlreich und im Eingangstunnel bildet sich die Zeitfensterschlange. Im Führer steht, dass man vom oben gelegenen Café auch einen tollen Ausblick hat. Dort wollen wir einen Kaffee nehmen, lassen davon aber gleich wieder ab, nachdem wir die Schlange sehen und gehen direkt auf die Terrasse, wo wir das Geschehen und Getümmel gut sehen können. Durch eine kleine Passage kommt man fast überall hin. Etwas zögerlich, ob wir hier nicht etwas verbotenes tun, erkunden wir das Gelände. Es ist uns gar nicht klar, was man durch den offiziellen Eintritt noch mehr anschauen könnte. Ein vielleicht nicht ganz offizieller Geheimtipp.

Auf dem Rückweg führt uns Google zunächst den direkten Weg nach unten. Beim Vale dos Lagos biegen wir dann doch ab. Ein Kette von kleinen Seen oder Teichen mit Türmchen und Schwänen und kleinen Wasserkanälen, über die das Wasser von Teich zu Teich läuft. Wir verlassen diesen tollen Garten, in dem man auch noch viel mehr Zeit verbringen kann, durch das untere Tor.

Dort warten Busse und viele Fahrzeuge. Ein paar hundert Meter weiter treffen wir wieder auf die Aufstiegspassage und klettern den Rest hinunter. Ein deutsches Trio (zwei große Jungen, eine ältere Frau) ist vor uns. Sie versucht mit glatten Sandalen über Treppen und Felsen mit den andern Schritt zu halten, die sich um ihre Bemühungen, das Tempo zu verlangsamen, nicht recht kümmern. Man kann auch mit Bus oder Taxi hoch und runter fahren und steht dann aber zunächst in den Bus-Warteschlangen und dann im Stau den Berg hoch und wieder runter.

In einer kleinen Gasse in der Altstadt finden wir tatsächlich in einem kleinen Winkel eine kleine Pasteiria. Hier lernen wir, dass es ganz unterschiedliche Queijadas gibt. Vorm Königspalast ist die Schlange kurz. Wir kommen von Raum zu Raum mit guten Erklärungstafeln. Vor uns eine portugiesische Reisegruppe mit Führer, dann eine englische und eine deutsche gibt es auch noch. Wir versuchen zwischen den Reisegruppen zu bleiben, was auch ab etwa dem dritten Raum gelingt. Es gibt viele interessante Räume und Ausblicke auch auf das Maurische Kastell, der eindrucksvollste Raum ist die Großküche mit den beiden Kaminkegeln.

Um 17h bekommen wir die Bahn zurück und finden diesmal gleich einen guten Platz. Hinter uns eine laut telefonierende Skandinavierin mit dem modernen Modus alle per Lautsprecher an beiden Teilen des Gesprächs teilhaben zu lassen. Ihre Begleitung hat dafür die Stöpsel im Ohr, liest und schafft es dennoch zur Belästigung beizutragen, in dem sie ihre schwarzen staubigen Stiefel auf den gegenüberliegenden Sitz legt.

In Sintra waren wir gute 11 km unterwegs und haben immerhin über 400 Höhenmeter bewältigt, die noch durch einen Spaziergang vom Bahnhof Rossio, der mit schönen Kachelillustrationen verziert ist, über eine Treppe mit Blick auf die Burg zur Kirche São Roque verlängert wird. Auf dem Heimweg finden wir wieder einen Bordalo II und den ältesten Buchladen der Welt (im Guiness Buch der Rekorde).

In Belem

Es ist Sonntag und unsere Annahme war, dass es angesichts der vielen Touristen kaum einen Unterschied macht, ob wir heute oder an einem anderen Tag nach Belem fahren. An unserer Unterkunft fährt die Straßenbahn 15e vorbei und unten am Platz Comercio hat sich bereits eine längere Schlange für den Einstieg gebildet. Wir haben unser Metro Kärtchen mit einer Tageskarte aufgeladen.

Das kostet 6,50€ und berechtigt für Metro, Straßenbahn und Busse. Nachdem die Bahn kommt, passt auch ein Großteil der Schlange in die vollgestopfte Bahn. Die ca. 30 Minuten sind entsprechend wenig komfortabel, zumal an den folgenden Haltestellen auch immer noch welche dazu wollen. Wir steigen beim Kloster Mosteiro dos Jerónimos aus, das man von der Promenade aus gut in ganzer Länge sehen kann.

Die vierspurige Uferstraße unterquert man durch einen Tunnel, um an das Denkmal zu kommen, das zu Ehren Heinrich des Seefahrers errichtet wurde. Der war zwar kein Seefahrer, aber er hat die Seefahrt unterstützt und damit zum Erfolg des Zeitalters der „Entdeckungen“ und Inbesitznahmen beigetragen. Darauf scheinen die Portugiesen generell auch recht stolz zu sein, die äußerst dunklen Seiten werden ausgeblendet.

Vom Seefahrer-Denkmal ist es ein gemütlicher Spaziergang von ca. 20 Minuten bis zur nächsten Attraktion, dem Torre de Belem. Der stand als Befestigungsanlage früher mitten im Fluss. Nun ist das Ufer aufgeschüttet. Den Turm im spätgotischen manuelistischen Stil kann man auch von innen besichtigen, aber da steht eine lange Schlange und wir verzichten. Auf dem Rückweg schlendern wir durch den Ort und entdecken dabei einen Waschbären von Bordalo II. Seit dem Hasen in Porto nun schon der Dritte.

Vor dem Kloster steht eine lange Schlange, aber wir werden bevorzugt behandelt und müssen nur ganz kurz warten. Innen ist wieder ein großartiger Kreuzgang auch wieder im manuelistischen Stil zu sehen.

Die Anzahl der Menschen innerhalb wird durch die Schlange außen reguliert und das ist dann innen auch angenehm.

Nach einem kurzen Rundgang entlang der Touristenkneipen und der Geburtsstätte der Pastéis de Nata im Pastéis de Belem, die heute verhältnismäßig wenig besucht ist, stellen wir uns in der nächsten Schlange für die Kirche an. Die Kirche ist mit freiem Eintritt und zieht entsprechend viele Menschen an. Auch hier wieder grandiose manuelistische Pfeilerlandschaften und die Gräber vom Schriftsteller Luis de Camões und Vasco da Gama, Entdecker des Seewegs nach Indien.

Danach machen wir uns in Etappen auf den Rückweg. Erst einmal stellen uns an der Haltestelle in die nächste Schlange und fahren mit dem erstbesten Bus bis etwa zur Brücke. Dort, fast unter der Brücke, gibt es einen ehemaligen Industriebereich. Der wird LX Factory genannt und wurde durch kleine, moderne, innovative Läden, einem Buchladen und Cafés zumindest auf Erdgeschossebene in Beschlag genommen.

Dem Verfall, der in den oberen Etagen noch weiter zu sehen ist, wird so entgegengewirkt. Sonst gibt es einige Wandgemälde, die düstere graue Wände verschönern und an der Wand eines Hostels entdecken wir diesmal eine Biene von Bordalo II.

An der nächsten Haltestelle gibt es keine Schlange, dafür kommt die angekündigte Straßenbahn nicht und auch keine Busse. Während wir fast eine halbe Stunde warten, fliegen im 3 Minutentakt landende Flugzeuge über unsere Köpfe. Diese Gegend ist dem Fluglärm schon deutlich heftiger ausgesetzt. Unser nächstes Ziel hätten wir in den 30 Minuten auch zu Fuß erreicht. Mich hat das Jagdfieber gepackt und ich finde den nächsten Bordalo II, einen Fuchs.

Von dort ersparen wir uns die öffentlichen Verkehrsmittel und laufen die letzten 2 Kilometer zum Appartement an Markt und Pink-Street vorbei und kommen durch den oberen Teil von Baixa.

Insgesamt haben wir 23 km bewältigt, aber etwa die Hälfte davon mit Bahn oder Bus.

In Lissabon

Unser Appartement erweist sich die erste Nacht als ruhig und komfortabel. Es ist hervorragend renoviert, mit ordentlichen Fenstern, die den Lärm der Straße im fünften Stock sehr gut abfangen. Wir folgen zu Fuß teilweise dem Verlauf des historischen Straßenbähnchen mit der Nummer 28. Das ist der Touristentipp, denn sie fährt an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei und ist deshalb immer vollgestopft.

Die große Kathedrale ist den Eintritt von 5€ wert. Toller Ausblick vom Balkon, ein gigantisches Fenster, eine Zusatzausstellung mit Schatz und verschiedene Legenden, wie bspw. der heilige Antonius bei der Abwehr des Teufels durch Zeichnung eines Kreuzes beiträgt. Die Schlange ist kurz, wenngleich die Stadt von Menschenmassen durchströmt wird.

Der Verkehr kommt in den kurvenreichen kleinen Straßen oft zum erliegen. Dann stehen auch Straßenbahnen, Tuk tuks etc. Die Fahrweise derjenigen, die sich hier im Auto bewegen, wenn sich was bewegt, ist entsprechend aggressiv.

An den Aussichtspunkten treffen sich dann alle für die obligatorischen Bilder mit oder ohne Selfiestick.

Der Aussichtspunkt bei der Statue des heiligen Vinzenz bietet freien Blick auf das neu gebaute Kreuzfahrtterminal.

Durch das Portal zum Castelo de S. Jorge Strömen die Menschen, aber die Schlange ist in wenigen Minuten abgearbeitet und auf dem Gelände und in dem großartigen Garten verteilen sich die Massen ganz gut. Der Garten ist von vielen Pfauen bevölkert, die die Scheu weitgehend verloren haben. In der Burg kann man die Verteidigungsmauern entlang wandern und hat in alle Richtungen Ausblick auf Stadt, Fluss, Brücke. Am Miradouro Graça ist dann wieder eine Kirche und es gibt Aussicht auf Kastell und Brücke.

Wir lassen uns für Milchkaffee (Galão) und sehr leckerem kleinem Käsekuchen (Queijada) am Miradouro de Graça nieder. Neben uns drei laute rauchende, biertrinkende Deutsche, die sich über die Dimensionen ihrer Pickups unterhalten. Das hässliche Bild des Tourismus lässt sich in vielerlei Hinsicht beobachten. Das ist ein eigenes Kapitel.

Ebenso ein eigenes Kapitel ist die Vielzahl der runter gekommenen oder völlig verfallenen Häuser. Viele Fassaden der weniger attraktiven Gebäude sind mit kleinen oder großen Fassadengemälden verschönert.

Wenngleich Portugal eine der am stärksten wachsenden Ökonomien der EU ist, so ist trotzdem oder vielleicht auch deshalb der Wohnraum knapp. Die sozialistische Regierung hat verschiedene obskure Maßnahmen ins Leben gerufen um das zu ändern, ohne Erfolg. Die neue Regierung versucht es gerade wieder rückgängig zu machen.

Natürlich wird auf die Wohnungsvermieter geschimpft,  die ihre Häuser gerne schön herrichten um sie dann teuer an Touristen zu vermieten, statt die Häuser verfallen zu lassen und billig an andere zu vermieten.

Abends mache ich mich noch einmal auf zum Sonnenuntergang an der Tejopromenade und treffe dort wieder auf Tausende, die das auch tun und sich mit Plastikbechern und Bier- und Weinflaschen versorgt haben, um nicht in den dennoch überfüllten Cafés und Bars Cocktails oder ähnliches kaufen zu müssen. Sandkünstler kreieren zwischendrin Figuren.

Insgesamt bin ich so ca. 12 km durch die Stadt gewandert und obwohl es hügelig hoch und runter geht, haben sich nur 190 Höhenmeter gesammelt.

Von Coimbra nach Lissabon

Für eine Nacht bleiben wir im Hotel Oslo beim Bahnhof, was wir schon zuvor in Erwägung gezogen hatten. Die Zimmer sind sehr beengt, aber das Frühstück ist sehr gut. Da unser Zug erst um 11:35 fährt, nutzen wir den Vormittag, um die alte Kathedrale auch noch einmal von innen zu betrachten und sehen den Kreuzgang diesmal von unten. Die Kathedrale selbst enthält viele Gemälde und neben einem Goldaltar auch eine Kapelle mit kunstvollen Steinstatuen, 10 Jüngern, Evangelisten, Jungfrau und ihr Sohn. Auch die heilig gesprochene Königin Isabel hat als Patronin hier ein Gemälde bekommen und der Chef-Inquisitor hat auch viele Gutes für diese Kirche getan.

Auf dem Weg hoch zur Kathedrale ist ein Denkmal für eine Fado-Sängerin aufgestellt und auf dem Weg zurück entdecken wir, dass Schleich jetzt auch alle Propanten aus Harry-Potter-Filmen als Spielfiguren anbietet.

Zunächst geht die Regionalbahn nach Coimbra B und mit 6 Minuten Verspätung mit dem IC in 2 Stunden bis Lissabon Santa Apolonia. Dort sind es noch 2 Stationen mit der Metro und weitere 5 MInuten zu Fuß. Kurz nach 14:30 beziehen wir das diesmal sehr schöne großzügige Appartement, neu renoviert, lärmisoliert mit Aussicht und Balkon.

Bei einem ersten Rundgang über knapp 5 km kommen wir zunächst an den zentralen Praco do Comércio, sehen in der Ferne Brücke und Jesus-Statue. Wir finden die umgebauten Markthallen und die Barockkirche Sao Paolo mit einem interessanten perspektivischen Freskengemälde über die ganze Decke.

Die Suche nach einem Supermarkt erweist sich als schwierig. Zuletzt finden wir einen kleinen in unserer Nähe. Oft sind es eigentlich Souvenirshops mit Getränke- und Früchteangebot.

Auf der Suche finden wir den Lift zur Aussichtsplattform und auf dem Praça Dom Pedro IV suggerieren die Pflastersteine Wellen. Die vollbesetzte Straßenbahn 28 fährt im Stau mit. Da sie durch die ganze Stadt fährt, ist sie bei Touristen sehr begehrt.

Es ist heute sehr heiß und die Kleidung sommerlich. Das Appartement ist schon richtig warm geworden und mit sanft einsetzendem Abendwind können wir ein bisschen mit Luft kühlen. Das Essensangebot in unserer Umgebung ist riesig. Geht man durch die meist breiten Einkaufs-/Prachtstraßen, wird man vor jedem Restaurant angesprochen. Wir folgen einer Empfehlung um die nächste Ecke mit ganz großartigem Garnelenrisotto.

Von Óbidos nach Coimbra

Nachdem ich nach dem Frühstücken noch den Beitrag von gestern geschrieben habe, sind wir in unser Auto, was diesmal direkt vor der Tür geparkt war, wieder Richtung Norden gefahren. Die Orte Fatima und Tomar haben wir auf unserer Fahrt nach Süden ausgelassen. Eigentlich war die Idee den Wagen in Lissabon abzugeben, aber für One Way werden zusätzliche 150€ fällig. Wir beschließen, das Auto wieder in Coimbra abzugeben und auf dem Weg liegen die beiden Orte.

Fatima ist in verschiedener Hinsicht faszinierend. Nachdem drei Hirtenkinder eine Marienerscheinung hatten, ist hier in den letzten gut 100 Jahren eine monumentale Industrie entstanden, die alle Größenordnungen sprengt. Eine der größten Kirchen mit Fassungsvermögen für 9.000 Menschen, auf dem Platz zwischen den Kirchen Platz für 250.000 Menschen, am Tag der Eröffnung der neuen Kirche 500.000 Menschen.

Die Gräber der Hirtenkinder sind in der Basilika (der etwas älteren Kirche) und bei der Erscheinungskapelle (der ersten Kirche) ist die Stelle der „ursprünglichen“ Erscheinung mit einer Marienfigur im geschützten Glaskasten markiert. Ein Pfad für Büßer, der auf den Knien (meist mit Knieschützern) begangen wird, eine Verbrennungsanlage für Wachs und Kerzen, die um die Ecke preiswert in allen Größen gekauft werden können.

Etwas außerhalb finden sich dann weitere Souvenirläden; dabei sticht ein ganz besonderer Kreuzgang hervor, in dem sicher an die 100 Kleinstgeschäfte sind, die alle das Gleiche haben. Heiligenfiguren, Marienfiguren, Wachskerzen und besonders interessant Wachskörperteile, Beine, Arme, Köpfe, die man wohl im Feuer opfern kann. Da es leider keinen Rücken gab und ich der Sache ohnehin etwas skeptisch gegenüberstand, habe ich für heute auf Opfergaben verzichtet.

Von Fatima geht es weiter nach Tomar. Auch die Sehenswürdigkeiten dort sind monumental. Das Templer-Kastell und das angebaute Christuskonvent sind ein riesiges Areal. Ein als Templerritter Verkleideter weist uns den Weg in die Ruine der Templerburg. Die wesentliche Information, dass der Eingang zum Christuskonvent auf die Nord-Seite verlegt ist (also einmal außen rum), erschließt sich uns sukzessive nach Studium nicht ganz eindeutiger Wegweiser.

Nachdem die Templer vernichtet wurden, gab es in Portugal mit dem Christusorden einen Neuanfang. Das Konvent und Kloster sprengt in Größe und Prächtigkeit alles bisher Gesehene. Es gibt nicht nur einen oder zwei Kreuzgänge, sondern ein ganzes Labyrinth davon. Insgesamt sind es acht, aber weiß nie so ganz genau, wo man sich nun wieder befindet.

Das bislang selten wahrgenommene Wort Manuelinik begegnet uns hier überall. Das Fenster mit den steinernen Verzierungen in diesem Stil der Spätgotik ist dafür herausragendes Beispiel. Die irrsinnig langen Gänge in T-Form sind das Dormitorium der Mönche. Die zentrale Kirche ist rund und die Säulen sind mit unzähligen Verzierungen und ikonischen Figuren aufgebaut.

Im Rundgang sind viele Bilder mit neutestamentlichen Geschichten. Auf Schildern ist zweisprachig (portugiesisch, englisch) gut erklärt, was zu finden ist. Wenn man alles liest und alles anschaut, dann kann man hier viel Zeit verbringen. Wir brauchen zwei Stunden und bekommen in der Klostercafeteria Kaffee und einen kleinen Snack und sind die einzigen Gäste.

211 km sind heute auf der Uhr und es ist nicht so ganz erkennbar, wieviel davon in Fatima und Tomar tatsächlich zu Fuß bewältigt worden sind. Ein paar Kilometer kommen schon zusammen. Während es gestern schon warm wurde, war es heute heiß mit entsprechender Intensität der Sonne.