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Von Piesport  nach Traben-Trarbach

Heute müssen wir in der Ferienwohnung selbst unser Frühstück organisieren. Damit fällt es etwas spärlicher aus und wir sind bereits um 10h auf dem Rad. Heute ist es nur eine ziemlich kurze Etappe und auf knapp der Hälfte liegt mit Bernkastel-Kues das erste touristische Highlight mit pittoresker Altstadt, riesigem Parplatz und Anleger für viele Flußkreuzfahrtschiffe.

An dem Kiosk mit Strohballen, in den vermeintlich ein armer Radler hinein geraten ist, nehmen wir noch nichts zu uns zu. Die Simultankirche oder Gemeinschaftskirche in Brauneberg, 1/3 abgeteilt für die Evangelischen und 2/3 für die Katholischen (aufgeteilt nach finanziellem Anteil für den Umbau), schauen wir uns kurz an. Es ist heute Tag des offenen Denkmals. Es gibt schon Kuchenverkauf, aber es ist noch zu früh für uns. Die weitere Besonderheit dieser Kirche ist der sehr schiefe Zwiebelkirchturm.

Auf dem Weg nach Traben-Trarbach gibt es dann etliche Dörfer und Einkehrmöglichkeiten. Wir suchen uns ausgerechnet einen Kiosk aus, bei dem es heute nur Obstkuchen gibt, so dass ich mich mit Kaffee zufrieden gebe. Der schöne Ort Kröv, der leider aufgrund des eingestürzten Hotels in die Schlagzeilen geraten ist, liegt auf der andern Moselseite und grüßt nur mit seiner Weinlage. Die riesige Hochmoselbrücke dominiert einige Zeit das Landschaftsbild.

Auf der Trarbacher Seite erreichen wir unser heutiges Ziel. Enten und Nilgänse halten einträchtig Wache, wobei die Nilgänse eindeutig auf der Stecke dominieren. Es ist Flohmarkt unter der Brücke. Unser Hotel ist ca. 1km flussabwärts gelegen. Knapp eine Stunde zu früh können wir bald auf das Zimmer und machen uns dann zu einem Spaziergang auf. Nach ein paar hundert Meter kommen wir an der Stelle vorbei, an der die Mosel mit 16,64 Meter am tiefsten ist. Hier fließt das Wasser grünlich gefärbt. Zunächst führt der Weg an der Mosel zurück wieder über die Brücke nach Trarbach, vorbei am Brückentor, wo wir den Weg hoch zur Burgruine suchen. Der Weg steigt sehr steil durch teilweise noch viel steilere Weinlagen bis zum Kriegerdenkmal, auf dem gestorbene Soldaten aus dem Krieg 1871 geehrt werden sollen.

Auf steilen Treppen geht es hoch bis zur Ruine Grevenburg, die wiederum von Franzosen zur sicheren Festung ausgebaut wurde. Hier oben haben wir nun endlich einen Blick auf die gesamte Moselschleife, die ich allerdings nur mit dem Panoramamodus als Ganzes erfassen kann. Auf der anderen Seite schlängelt sich der Weg dann wieder in vielen Serpentinen durch den Wald zurück zur Brücke.

Über die Brücke zurück nach Traben kommen wir dann am Lorettahaus vorbei, was nach einer Gräfin aus dem 14. Jahrhundert benannt. Sie wurde dafür bekannt, dass sie den sie bedrohenden Kurfürst Balduin an der tiefsten Stelle der Mosel einfangen und entführen ließ. Nach mehreren Monaten lenkte er mit Lösegeld und Zugeständnissen in einem „Sühnevertrag“ ein. So wird das Stadtbild mit diesem und einigen anderen Häusern im Jugendstil oder klassizistischen Stil geprägt, dass sich die Stadt auch „Hauptstadt des Jugendstils“ benennt.

Die überschaubare Distanz 43 km mit 161 Höhenmetern, die sich über einige sehr kurze und steile Zwischenanstiege summieren, ergänzen wir mit weiteren 6 km zu Fuß und 150 Höhenmetern, die diesmal recht schweißtreibend zur Ruine hoch geführt haben.

Abendessen gab es im sehr empfehlenswerten Anker direkt an der Mosel. Interessanter Weise war zwar verkaufsoffener Sonntag, aber ein Großteil der Gaststätten hatte Ruhetag.

Von Trier nach Piesport

Nach einem guten Frühstück packen wir noch bei grauem Himmel unsere Sachen ein. Der Fahrstuhl führt in die Tiefgarage, wo unsere Räder auf einem Doppelparker aneinander geschlossen sind. Direkt neben der Ausfahrt ist tatsächlich ein Märklin-Shop mit einer wunderschön gestalteten Eisenbahnlandschaft, die an gute alte Zeiten erinnert. Wir müssen einfach nur eine Straße Richtung Mosel runter rollen und überqueren diese bei viel Autoverkehr, aber mit tollem Blick auf die wartenden Schiffe und dem roten Sandstein. Der Radweg ist weitgehend perfekt ausgebaut, allerdings gibt es doch einige unerfreuliche Umleitungen, die dann eher irritierend beschildert sind.

Im Gegensatz zu Frankreich ist hier nun die Gastronomiedichte ziemlich hoch. Man könnte eigentlich so ziemlich alle 10 Minuten einkehren. Das machen wir auch zweimal. Ein kleiner Weinausschank ist direkt neben dem römischen Frauenkopf, der bei einem Grab des 3 Jahrhunderts gefunden wurde. Gesellige Radfahrerrunden lassen sich da viel Zeit und wer aus Versehen einen Flammkuchen bestellt, muss ohnehin viel Zeit mitbringen. Das bleibt uns erspart und nach einer kleinen Schorle sind wir schon wieder weg.

Ein paar Kilometer später wird mit eigenem Kuchen, Zwiebelkuchen und Federweißer geworben und als wir das direkt am Radweg gelegene Café erreichen, lassen wir uns auch davon überzeugen. Ab dann geht es einfach zügig entlang des Radwegs, der immer gut von der Straße getrennt ist, auch wenn er ab und zu mal direkt daneben läuft. Heute ist der Himmel endlich mal wieder blau und es bleibt trocken, aber gegen Mittag wird es dann wieder heiß, was ein bisschen an unseren Kräften zehrt.

So erreichen wir Piesport und suchen unser Appartement mitten im Ort. Es ist groß genug für eine ganze Familie, aber der ganze Ort ist voll von Angeboten, die über Booking alle nicht zu finden waren. Zu Fuß laufen wir unten am Fluss entlang, decken uns im Edeka für Frühstück und den Abend ein und suchen dann ein Restaurant. Das erweist sich als gar nicht so einfach, da sie am Telefon dann mit eher bescheidenen mentaler Kraft auf die Herausforderung reagieren können, das ggf. ein Tisch frei werden könnte und der dann für den nächsten Gast zu reservieren wäre. Der spontane direkte Besuch führt dann aber zum Erfolg und so bekamen wir in der Moselloreley gegenüber des gleichnamigen imposanten Felsens einen Tisch und was zu essen und zu trinken. Zuvor sind wir schon den Radweg bis zurück zur Brücke gelaufen. Das Panorama auf die Felsen, die Weinberge, die bis in die letzte Ecke hinein bewirtschaftet werden und die Kirche auf der anderen Seite ist toll.

Wir sind heute 53 km gefahren und haben 223 Höhenmeter erklommen. Ein paar Brücken und ein paar kleine Zwischenanstiege in die Weinberge. Dennoch war die Belastung heute auf Grund der Wärme etwas deutlicher spürbar.

Von Perl nach Trier

Gestern Abend haben wir im nahe gelegenen gut bewerteten Hotel noch gut gegessen und als wie dann im trockenen Zimmer sitzen, beginnt es draußen ziemlich heftig zu regnen. In der Gegend gibt es starke Gewitter. Heute früh ist der Himmel wieder grau und es nieselt. Nachdem wir uns mit Frühstück und Zusammenpacken Zeit lassen, trocknet es langsam ab. Mit knapp 20 Grad ist es deutlich kühler geworden, aber trotz bedecktem Himmel bleibt es den restlichen Tag trocken.

Unser erstes Ziel ist das römische Mosaik in Nennig, für das wir einen kleinen Umweg oder Abstecher in Kauf nehmen. Im 19. Jahrhundert wurde es von einem Bauern entdeckt, recht bald mit einer Schutzhütte umgeben, dann vollständig ausgegraben und mittlerweile mehrfach renoviert. Um die 3 Millionen Steine sind kunstvoll und eindrucksvoll verlegt.

Eine große niederländische Reisegruppe kommt kurz nach uns und wir bekommen deshalb noch einen interessant aufbereiteten Film zur Geschichte und zu den riesigen Ausmaßen der ursprünglichen Römervilla und der Bedeutungen des Mosaiks zu sehen. Letztlich sind es blutrünstige Geschichten rund um Gladiatorenkämpfe mit und ohne Tiere.

Der Radweg führt aus unserer Sicht (flussabwärts) auf der rechten Seite der Mosel entlang. Auf der gegenüberliegenden Seite schauen wir auf Dörfer und Weinberge in Luxemburg. Invasive Gänse-Arten haben mittlerweile auch schon einen großen Teil des Ökosystems in Besitz genommen und lungern entlang oder auf dem Radweg.

Keltische Symbole und eine kleine Bergbaubahn gibt es bei Wellen zu sehen. Kurz danach überqueren wir kurz die Mosel, um in Luxemburg in der kleinen Stadt Grevenmacher am Brunnen unter zylindrisch geschnittenen Bäumen eine kleine Zwischenmahlzeit zu uns zu nehmen.

Bei Konz erreichen wir nach einer weiteren halben Stunde die Saarmündung. Der Radweg führt dann über die Saarbrücke und nach einer weiteren halben Stunde haben wir Trier erreicht. Dank des Ministeriums für Verkehr und Digitales wird der Radweg ausgebaut, sollte bis Ende Juli gesperrt sein und obwohl auf dem Weg nichts zu sehen ist, ist er immer noch gesperrt. So navigieren wir uns über wenig schön geführte Wege bis zu unserem Hotel am Rand der Innenstadt.

Die Räder finden in der Tiefgarage Platz und wohl auf Grund meines irritierten Blicks erlassen sie uns die eigentlich fälligen 3 Euro Parkgebühr pro Rad. Die Innenstadt von Trier ist einerseits voll mit den üblichen Geschäften, aber auch voller reich verzierter Stadthäuser, von denen man hier bestenfalls eine kleine Auswahl zeigen kann.

Das erste ganz große Highlight ist die Porta Nigra, die ich vom extra eingerichteten Fotopunkt tatsächlich am besten ins Bild bekomme. Im Haus gegenüber wird ein Kind auf der Fassade getragen.

Unser nächstes Ziel ist der Dom, der mit der angeschlossenen Liebfrauenkirche einen riesigen Bereich abdeckt. Der Innenraum ist von einer Vielzahl von verschiedenen Stilarten und Gebäudebestandteilen geprägt, die teilweise bis auf die Konstantinische Zeit zurück reichen. Die Granitsäulen wurden aus dem Odenwald bezogen (einen der Steinbrüche hatten wir kürzlich dort besucht).

Der Garten und der Kreuzgang, die erfreulicherweise ebenso gratis betreten werden können wie die Kirche selbst, sind dann noch viel schöner.

Ein paar Schritte weiter, beim Kaufhaus Marx, erreichen wir dann die Konstantin Basilika, die nun wieder in karger Ausstattung als evangelische Kirche fungiert. Die apokalyptischen Reiter in moderner Form, große farbprächtige Ölgemälde, werden aktuell ausgestellt. Davor war es dem kurfürstlichen Schloss angegliedert, das sich auch prächtig und mit prächtigem Park auf der Rückseite der Basilika präsentiert.

Nachdem wir im französischen Restaurant Krämerei Trier eine gute Galette zu uns nehmen, schlendern wir noch einmal durch die Innenstadt und auch mit teurer Beleuchtung ist die Porta Nigra ein toller Anblick.

Insgesamt betrug die gefahrene Distanz heute 60 km mit 222 Höhenmetern. Dazu kommen noch ein paar Kilometer, die wir zu Fuß durch Trier gelaufen sind. Nach nur kurzem Aufenthalt im Saarland sind wir heute schon in Rheinland-Pfalz angekommen.

Von Metz nach Perl

Nachdem wir gestern noch einige Motive und ein paar lokale Biere gefunden hatten, war die Nacht nicht ganz optimal, da die gegenüberliegende Wohnung im Hof einen starken Generator zur Klimatisierung verwendet. Da musste ich meine Ohrstöpsel zum Einsatz bringen. In der Nacht regnet es und morgens ist der Himmel grau. Das Frühstück ist nicht ganz so exquisit wie gestern in Nancy, aber insgesamt sehr in Ordnung.

Eine der Sehenswürdigkeiten, an denen wir gestern nicht vorbei gekommen sind, ist das „deutsche Tor“. Einmal durch die Altstadt entlang der „Rue allemande“ erreicht man es in wenigen Minuten und es hat heute ausnahmsweise wegen einer Veranstaltung geschlossen. Ein paar Fotos von außen müssen genügen.

Nachdem wir den Moselradweg wieder erreicht haben, gibt es noch einen letzten Blick auf die Kathedrale in milchig grauem Himmel. Wir fahren durch einige industrielle Ansiedlungen, unter anderem ein riesiges Kohle- und Holzlager. Die Wege sind perfekt ausgebaut und asphaltiert und die Wegweiser sind genauso eindeutig und einfach zu finden.

In etwa zwei Stunden haben wir die nächste größere Stadt Thionville oder auf deutsch von Google als Diedenhofen benannt. Wir rollen durch die Innenstadt und lassen uns dann für eine Crêpe / Galette mit einer Karaffe Cidre in einem Hinterhof nieder. Das war gut und entspannend. Der Ausflug hat uns eine Stunde gekostet. Wir machen uns dann wieder auf den Weg. Weiterhin perfekter Ausbau des Weges entlang des Ufers mit viel Buschwerk und wenig Siedlungen, aber im Gegensatz zu gestern doch die ein oder andere Möglichkeit zur Einkehr, die wir ungenutzt lassen.

In Sierck-les-Bains gibt es eine eindrucksvolle Festungsanlage mit Blick auf die Mosel. Diese lassen wir links liegen und dann sind wir schon im Grenzort von Frankreich: Apach mit riesigen Gleisanlagen und marodem Bahnhof, dafür aber einem kleinen Eiffelturm. Grundsätzlich werden die Häuser Richtung Grenze immer grauer und weniger attraktiv. Weder die Bewohner von Apach werden von der Apache Software Foundation wissen, noch die Bewohner von Perl von der gleichnamigen Programmiersprache.

Nachdem wir am Ortsende von Apach nach Deutschland und damit Perl einreisen, biegen wir direkt auf der Brücke nach Schengen in Luxemburg ab. Im auch eher grauen Design des Schlosses von Schengen genießen wir einen Milchkaffee mit stilvoll goldenen Löffeln und schauen uns dann noch die Eigenwerbung zur Reisefreiheit in der EU an.

Interessant ist der „Schlossständer“, den sie hier aufgestellt haben, um das Bedürfnis, sein eigenes markiertes Schloss irgendwo aufzuhängen, zu befriedigen.

Dann geht es auf einem steilen Anstieg durch eine Baustelle zum sehr sympathischen Hotel Perler Hof. Es gibt noch einen schönen Barockgarten und der Saar-Hunsrück-Wanderweg startet genau dort. Sonst ist der Ort überschaubar. Wir haben allerdings 4 Versicherungsvertreter gezählt und einige Luxemburger scheinen die günstigeren Wohnverhältnisse zu nutzen.

Dem letzten Anstieg verdanken wir dann doch noch ein paar ernsthafte Höhenmeter, der Rest der 378 Höhenmeter sind kleine Brücken oder Messfehler. Insgesamt waren wir 73 km unterwegs.

Von Nancy nach Metz

Wie befürchtet ist der Himmel heute ziemlich bedeckt und auch der Fußboden im Innenhof verheißt nichts Gutes. Die Hitzewelle ist zu Ende oder pausiert. Das Frühstück im Hotel ist fantastisch und wir lassen uns Zeit, da die Wetter App Besserung verspricht.

Um 10h sitzen wir auf dem Rad und folgen dem Komoot Moselradweg aus der Stadt hinaus. Es tröpfelt nur ganz leicht und wir durchqueren auf gut asphaltierten Radwegen einige Industrieareale.

Alles läuft gut, bis wir in Custines ohne Böses zu ahnen vertrauensvoll dem Komoot Weg folgen. Es geht steil den Berg hinauf und kaum ist die Kuppe erreicht, endet der Asphalt. Es beginnt ein Schotterweg, der für Mountainbike ok aber für alles andere inakzeptabel ist. Leider kehren wir hier nicht um sondern folgen dem angezeigten Weg weiter und landen in Schotter, Sand und Morast bis wir wieder auf der Straße bzw. dann auch bald auf dem richtigen fein asphaltierten Radweg landen. Das Vertrauen zum Komoot Weg ist erschüttert und wir folgen fortan den offiziellen grünen Schildern auch wenn Komoot mal links oder rechts abbiegen will und der Garmin uns zwischenzeitlich den Weg nach Koblenz auf direktem Weg über Land navigieren möchte. Guter Rat: folgt der offiziellen Ausschilderung, die ist völlig ausreichend.

Der Weg führt nun durch ein unübersichtliches Gewässersystem über Dämme, kleine Brücken entlang verschiedener Kanäle und Schleusen. Immer wieder kommen ein paar Tropfen aber die große Regenmontur kann in den Taschen bleiben. Leider sind die Räder und Taschen aufgrund des Abstechers ziemlich verdreckt. Der Mosel-Radweg ist von Seitenarmen, kleinen Seen, Kanälen umgeben, oft geht es auf schmalen Dämmen durch die verschiedenen Gewässer. Kleine Anglerhütten oder Feriendomizile säumen oft den Weg. Ein paar Kilometer vor Metz bietet sich dann plötzlich der Ausblick auf eine abgebrochene Brücke. Diese erweist sich als Rest eines römischen Viadukts. Über 22 km teilweise unterirdisch, teilweise über etliche Kilometer über die Mosel hinweg, diente dieses beeindruckende Bauwerk der Wasserversorgung.

Gegen 15h erreichen wir Metz und das Hotel de la Cathedrale gegenüber der gelben Kathedrale ist schnell gefunden. Nachdem ich ja dieses Jahr schon einige großartige Kirchen gesehen habe, ist diese Kathedrale wieder ein besonderer Höhepunkt. Ganz besonders sind hier die unzähligen Fenster, 6500 qm Fensterfläche sind es. Laterne Gottes wird die Kirche deshalb genannt. Seltsame Legenden gibt es auch hier. Ein böser, greulicher Drache „Grauli“ trieb im 3. Jahrhundert sein Unwesen, bis ihn der heilige Clemens (auch hier wieder erste Bischof der Stadt) durch seine Stola besiegte und an die Kette legen konnte. So zu sehen in einer der unzähligen fantastischen Steinfiguren in den Eingangsportalen.

Die Altstadt ist letztlich eine riesige Fußgängerzone mit internationalen Ketten und auch originellen Geschäften oder Gebäuden wie beispielsweise der blaue Salon du Thé am sehr belebten Platz Saint Jacques. Auch die monumentale protestantische Kirche auf der Moselinsel direkt neben dem großen Oper- und Theater Areal macht sich gut hinter Brücken, Blumen und Bäumen.

Zum Abendessen bescheiden wir uns heute mit Pizza. Die nächtliche Beleuchtung der Kirchen ist äußerst eindrucksvoll, insbesondere die Spiegelung im Fluss. Das Wetter scheint zu halten. Kein Regen mehr in Metz.

Mit einer Distanz von 67 km und 391 Höhenmetern war das alles bei durchwachsenem Wetter mit ein bisschen Nieselregen gut zu bewältigen. Lediglich der Abstecher durch Schotter und Matsch war unnötig.

Nach Nancy

Nach einer extensiven Hitzeperiode mit ganz wenig Regen soll es jetzt ein bisschen kühler werden und wir hoffen, dass wir in der länger geplanten kleinen Mosel-Radtour nicht die länger ersehnte Feuchtigkeit erleben müssen. Mit dem Regionalzug von Heidelberg nach Karlsruhe, von dort im nächsten Regionalzug bis Appenweiher dort im Bahnhof mit null Infrastruktur ein Aufenthalt von 50 Minuten. Gut, dass wir die Räder haben und 5 Minuten in den Ortskern radeln können, um dort einen Milchkaffee zu trinken. Im völlig überfüllten Zug sind es dann noch 20 Minuten bis Straßburg.

Bis Kehl gilt das Baden-Württemberg Ticket. Von Kehl bis Straßburg sind dann noch 9,40 für zwei fällig um zu vermeiden, dass man die gesamte Strecke zum weit teueren regulären Preis fahren muss. Auch in Straßburg haben wir wieder genügend Aufenthalt um durch enge Sträßchen zum Münster zu radeln und und in einer kleinen Bäckerei eine elsässische Bretzel zu genießen. Im Bahnhof kann man Musik machen und die alten Gemäuer sind mit einer riesigen Glasfront umgeben.

Für den TER Zug, der in knapp 1,5 Stunden nach Nancy fährt sind dann noch einmal 34€ pro Person fällig und unser Rad wird nach französischer Manier mit dem Vorderrrad an einem Haken aufgehängt. Unser Hotel de Guise im Zentrum ist schnell gefunden und bezogen. Die Räder haben im Innenhof einen trockenen sicheren Platz.

Das Zimmer ist groß und behindertengerecht im Erdgeschoss und die Entfernung zur ersten Attraktion einer zum Museum umgestalteten Kirche (Église de Cordeliers) ist kaum 100 Meter entfernt und enthält eine riesige Auswahl von Skulpturen und Reliefen.

Am Museum vorbei erreichen wir durch die mit Bars und Restaurants belebten Gassen den Platz Stanislaw mit vergoldeten Toren und sensationellen Brunnen. Unzählige Restaurants und Bars haben ausreichend Gäste, dass sich der Betrieb zu lohnen scheint. Damit ist die Stadt nicht nur mit Sehenswürdigkeiten gespickt sondern auch voller Leben und Aktivität. In einer Bar, die eher von Jugendlichen frequentiert ist, gibt es es gutes lokales Bier und wir suchen ein gut bewertetes Restaurant, die Brasserie Saint-Georges.

Wir freuen uns, dass unsere Erwartungen bestätigt werden. ein ganz ausgezeichnetes Faux Filet mit Gemüse ist auf einem Niveau, wo sich im Heidelberger Umfeld nur wenig adäquates findet. Die Aufmerksamkeit der Restaurant-Mitarbeiter und ihre Freundlichkeit ist auch weit über Durchschnitt. Abgerundet wird das Erlebnis durch eine kleine exklusive Ausstellung von Portrait Gemälden.

Die 1,5 km vom Bahnhof zum Hotel, die kleinen Ausflüge in Appenweiher und Straßburg mit den Rädern zählen nicht wirklich und so gibt es heute auf der Karte nur ca. 4,5 km, die wir Nancy zu Fuß durchschlendert haben.

Zurück nach Heidelberg

Die letzten 12 km und 30 Höhenmeter dieser Reise sind vom Flughafen Karlsruhe / Baden-Baden zum Bahnhof Baden-Baden zu absolvieren.

In Girona packe ich mein restliches Zeugs, geht ins Café für einen Milchkaffee und ein Brötchen und rufe den hoffentlich gestern informierten Taxifahrer zur Sicherheit noch einmal an. Er scheint nicht viel zu wissen. Aber pünktlich um 8:30 unten ist er da. Die verbleibende Packtasche passt auch noch in den Karton und die Box wird mit Klebeband verschlossen. Die Box passt bequem in den Kofferraum mit umgelegten Sitzen, vor 9h sind wir am Flughafen Girona und eine halbe Stunde später ist die Kiste mit 27 kg (30 kg sind bei Ryanair erlaubt) abgegeben. Die extra Tasche, wie bei Ryanair üblich, extra zu bezahlen war also überflüssig. Der Flug ist zunächst eine halbe Stunde dann 45 Minuten verspätet und ich vertreibe mir die Zeit beim Burger – Restaurant. Gegen 13:30 sind wir im Flughafen Karlsruhe angekommen und das Rad ist ca. 14:15 wieder aufgebaut. Beim Flughafenpersonal frage ich höflich, wo ich den Karton entsorgen darf und die freundliche Dame meint, ich solle ihn einfach hier bei ihr lassen, die würden das nachher abholen.

Ich dachte locker in Zivilklamotten die paar Kilometer abzuradeln aber es tröpfelt und ich mache einen taktischen Fehler. Ich fahre erst mal los und die Navigation führt mich plötzlich in den Wald. Da wird mir bewusst, dass Komoot von Girona noch auf „Wandern“ statt „Rennradfahren“ eingestellt war. Also wieder raus aus dem Wald, jetzt regnet es stärker. Dann ziehe ich wohl doch besser Radklamotten an, was im nassen Laub keine besonders dankbare Aufgabe ist. So bin ich erst kurz nach 15h am Bahnhof Baden-Baden und buche einen Zug nach Karlsruhe mit Umstieg zur S3 nach Heidelberg. Die Bahn macht es wie üblich spannend. Statt um 15:49 fährt sie um 15:54 ein und die S-Bahn um 15:56 ab. Also das Rad mit Packtaschen bei Gleis 9 nach unten und bei Gleis 5 wieder hoch tragen und pünktlich um 15:56 noch in die S-Bahn gesprintet, die dann auch um 16:06 los fährt. Bei kühlen und nassen 16 Grad muss ich noch die letzten 500 Meter nach Hause fahren.

Fazit: die Reise ist unfallfrei, pannenfrei und plangemäß verlaufen. Einmal die Räder aufgepumpt hat gereicht. Alles hat gut geklappt und trotz einiger anspruchsvoller Tage hatte ich eigentlich meistens schöne Wetterbedingungen.

In Girona

Frühstück gibt es im ByPillow Erba Hotel keins, aber im Umkreis von 200 Meter mehrere Kaffees. Das Hotel ist ok, Zimmer ist groß genug und mein Fahrrad hat Platz im recht kleinen Fahrradraum. Nach dem Frühstück mache ich mich auf um diesmal die Sehenswürdigkeiten, dass sind in erster Linie die wichtigsten Kirchen Saint Feliu und die Kathedrale, von innen zu besichtigen. Für die beiden Kirchen zahlt man 7€ und mit Audio Guide in englisch kann man da Stunden verbringen.

Zunächst entdecke ich noch ein paar Kuriositäten, den kletternden Löwen, als Wahrzeichen, eine Fliege als Symbol für den Heiligen Narziss, dem Schutzheiligen der Stadt. Als die Römer ihn zur Zeit der Christenverfolgung fangen wollten, konnte er einen falschen Fußabdruck hinterlassen, der ihm zunächst die Flucht ermöglichte und als die Franzosen Girona einnahmen und sein Grab schänden wollten, sind daraus so viele stechende Fliegen gekommen, die Pferde und Reiter der Franzosen zu Tode brachten. Diese Legende ist auch auf einem der Gemälde in Saint Feliu abgebildet.

Wenn die Kirche Saint Feliu schon beeindruckend ist, dann erst recht die Kathedrale. Riesig in den Außenmaßen, angeblich die gotische Kirche mit dem breitesten Kirchenschiff. 28 Seitenkapellen, eine Schatzkammer mit dem großartigen Schöpfungsteppich aus dem 11 Jahrhundert und einem Kloster-Kreuzgang. Der erste Gang wird von lauter Säulen getragen auf denen die Geschichten aus der Genesis in Stein gemeißelt erzählt werden. Die Audio Guides erklären die Geschichten recht gut, allerdings muss man sich da schon jeweils mindestens eine Stunde für Zeit nehmen und es ist durchaus noch mehr zu sehen.

Das Wetter ist heute durchwachsen. In der Nacht hat es geregnet, es ist bewölkt und ab und zu kommen noch ein ein paar Tropfen. Die Stadt ist eher voller als gestern, was wahrscheinlich da dran liegt, dass von den unzähligen Rennradlern ein paar einen Schlechtwetterruhetag einlegen. Die sind daran zu erkennen, dass unter ihren Shorts der obere Teil des Oberschenkels schneeweiß und der untere dunkelbraun heraus schaut. Auch die Costa Brava Touristen finden den Tag wahrscheinlich für einen Ausflug geeignet. Das sind die ganz braunen.

Ich muss um 16 Uhr zum Centre Biker Girona. Dort bekomme ich einen Karton und Füllmaterial, netter weise lösen sie mir auch die Pedale. Auf Nachfrage, was ich denn bezahlen dürfe, wollten sie nichts. Mit dem Karton auf dem rechten Pedal schiebe ich Rad und Karton zum Hotel. Dort wird das Rad zerlegt und reingepackt und die ersten zwei Taschen auch rein und zugeklebt. Die ganze Aktion hat eine Stunde gedauert.

Für meinen Streifzug durch die Stadt hat die Uhr 9 km und 86 Höhenmeter ermittelt. Eignet sich aber nicht als Rundgang zum Nachlaufen, da der Weg eher dem Zufallsprinzip folgte.

Von Figueres nach Girona

Die Distanz die heute auf der letzten Etappe zu bewältigen war, belief sich gerade mal auf 40 km und ein paar Anstiege verursachten 412 Höhenmeter. Die von Komoot ausgesuchte Strecke war ziemlich fantasielos. Fast immer auf N IIa, die zwar mit meist breitem Randstrreifen gut zu fahren war und auch der Verkehr hielt sich im Rahmen, da parallel die Autobahn läuft aber es macht keinen großen Spaß auf so einer großen Straße und schöne Motive gibt es schon gar nicht.

Gestern Abend wurde ich davon überrascht, dass neben meinem schönen Appartement direkt in der Stadtmitte die auf den Ramblas aufgebauten Zelten nun geöffnet waren. Dieses Wochenende ist Wein-Fest und es gibt die verschiedensten Arten von Tapas. Ich hole mir einen riesigen Käseteller für 10€ und sehe später, dass es auch einen kleineren für 5€ gegeben hätte. Nach dem großen passte nur noch ein exzellenter Miniburger rein, so satt war ich schon und es gab noch ganz viel andere tolle Sachen.

Die Weinproben funktionieren folgendermaßen: Man kauft sich ein Heft mit sechs Tickets und einem Weinglas, was man sich mit einer gelungenen Konstruktion um den Hals hängen kann. Dann geht man zum bevorzugten Weinstand und lässt sich für 1,2 oder 3 Tickets (je nach Qualität des Weines) das Glas vollfüllen. Wenn man fündig geworden ist, dann kann man am anderen Ende des Platzes den Wein in der Flaschen mit Rabatt kaufen. Um 21h schaue ich mir dann aber das Deutschland Dänemark Spiel auf spanisch an.

Heute früh ist direkt gegenüber eine Frühstücksbar offen, die alles haben und mit Milchkaffee, frisch gepresstem Orangensaft und einem großen Toast bin ich ausreichend versorgt für die relativ kurze Strecke. Mein Vermieter ist pünktlich um 10h da um mir das Rad zu geben. Gegen 12:30 bin ich dann schon in Girona und fühle beim Hotel vor ob es schon ein Zimmer gibt und habe Glück. Eins ist schon fertig. So bleibt der ganze Nachmittag um geduscht und umgezogen durch Girona zu streifen. Auf diese Weise habe ich auch noch 8km absolviert.

Zunächst laufe ich in die Gegenrichtung zum Fahrradhändler, zu dem ich morgen muss um meinen Bikekarton zu holen. Da führt der Riu Onyar noch äußerst wenig Wasser. Etwas weiter unten ist er dann auf mir noch unbekannte Weise auf einmal breiter. Das Monument del Lleó ist direkt neben dem Hotel.

Viele Einstellungen der Serie „Game Ort Thrones“ wurden hier gedreht und man kann sich führen lassen um auch ja alle Drehorte zu finden. Darauf verzichte ich und Saint Feliu Kirche, Kathedrale oder die „Pont de les Peixateries Velles“ eine Stahlkonstruktion in rot, auch schon wieder von Eiffel konstruiert, finde ich auch.

Von Banyuls-sur-Mer nach Figueres

Mein erster Blick aus dem Fenster fällt auf düstere Wolken über der Bucht. Eigentlich wollte ich noch einen Ort direkt an der Küste der Costa Brava ansteuern aber entweder waren die Bewertungen der verfügbaren Unterkünfte so schlecht oder die Preise haben sich in eine Richtung bewegt wo ich keine Lust mehr drauf hatte. Dann eben der direkte Weg; aber direkt nach Girona heißt dort drei Nächte verbringen, das scheint mir zu lang und so lege ich einen Zwischenstopp in Figueres ein. Einmal waren wir da schon um das Dali-Museum zu sehen. Das kann kann man sich aber auch ein zweites Mal anschauen. Am Abend finde ich überraschend über Airbnb ein sehr gelobtes Appartement direkt in der Altstadt, ein paar Meter zum Museum und das kann ich auch kurzfristig buchen. Beim Checkin lässt der Vermieter sich auf 14h ein.

Ich kann es ganz gemächlich angehen lassen. Frühstücken und ein bisschen lesen. Die Dame, die mir gestern das Handtuch geliehen hat, entpuppt sich beim auschecken als in Deutschland aufgewachsen und kann auch perfekt deutsch. Mein Fahrrad war sicher in der Garage und kurz vor 11h komme ich los. Die Strecke geht nun nicht mehr an die Küste sondern direkt zum berüchtigten Col de Banyuls. Davor suche ich aber noch das Museum Maillol, das in 4 km auch in dieser Richtung liegt. Als erstes kommt ein riesiger Kiesparkplatz mit einem Auto. Dann zwei Schilder: 300 Meter Fußweg auf der Schotterstrecke oder rechts auf einer sehr kleinen Teerstraße. Ich entscheide mich für rechts und fahre durch karge Weinberge und karge Landschaft und dann kommt wieder ein kleiner Parkplatz mit noch einem Auto. Ich sehe den Eingang gar nicht, fahre vorbei und erst beim umkehren sehe ich ein Schild. Da draußen ist das Meisterwerk einer sitzenden Frau zu sehen, wo er in seinem Anwesen begraben wurde. Innen ist man für die 7€ schnell durch. In der Zusatzausstellung mit äußerst verstörenden Bildern von Mykola Tolmachev halte ich mich nicht lange auf.

Auf der Hauptstrecke geht es mit sanften 4% nach oben, was dazu führt, das die durchschnittliche Reststeigung stetig steigt. Nachdem sie bei 10% angelangt ist, wird es steil und teilweise richtig steil bis auf 16% über 1,5 km, bis es dann wieder auf die 10% zurückkehrt. Oben kommt gerade eine Motorradgang an und ein paar Familien haben den trüben Tag für einen Ausflug genutzt. Es gibt hier das Denkmal von de Gaulle errichtet um den Kämpfern für das Gute eine Erinnerung zu schaffen. Bis da oben war es 11 km zuzüglich der 3 zum Museum. Während ich da oben für die Anstrengung mit nur bescheidenen trüben Blicken zum Meer belohnt werde, grummelt es in der Ferne.

Bis zum spanischen Espolla geht es meist bergab. Die Grenze verläuft da auf der Kuppe. Kurze Zwischenanstiege sind dabei. Dort angekommen donnert es aus den dunklen Wolken erheblich. Als die ersten Tropfen kommen schaffe ich es noch unter einen Baum und zieh mir dann doch für die verbleibenden 22 km nach Figueres meine Regenmontur an. Zuerst in Starkregen, der nimmt aber sukzessive ab und in Figueres scheint die Sonne. Fast pünktlich komme ich um 14:05 am Ziel vor dem Appartement an. Mein Rad findet Platz in einem nicht vermieteten Appartement im Erdgeschoss. Meins liegt im zweiten Stock und der Vermieter erklärt mir alles. Super sauber ist das hier, modernste Geräte und Einrichtung. Das Einzige, was die Perfektion stört, ist mein ziemlich schmutziges Erscheinungsbild in den vollgespritzten Regenklamotten.

Punkt 14:57h stehe ich geduscht und umgezogen vor der Kasse und um 15:02 halte ich mein Ticket in der Hand, pünktlich für den 15h Slot. Trotzdem sind eine ganze Menge Leute da und es ist schon eine Fülle von Sachen, die da zu sehen sind, so dass es nur zum Teil auch aufgenommen werden kann. Danach schlendere ich durch die Altstadt.

Dabei komme ich am Erkennungsbild von Figueres, dem Rathaus, einem verzierten Stadthaus und Dalis Geburtshaus vorbei. Es gibt café con leche und Käsekuchen mit Matcha. Dann hole ich mir ein Bier und eine Limo im Supermarkt um im perfekten WLAN dies hier zu schreiben und parallel Schweiz gegen Italien auf spanisch zu folgen bevor ich auf Restaurantsuche gehe.

39,5 km bin ich heute gefahren und Höhenmeter waren es 536.