Von Donaueschingen nach Fridingen

Die heutige Etappe bis Fridingen ist überschaubar und wir lassen uns morgens Zeit. Beim Frühstück sind wir die letzten, aber es gibt noch genug für uns. Bei strahlender Sonne und kühlem Wind halten wir erst noch einmal bei der Donauquelle mit etwas anderem Licht, durchqueren den Schlosspark und passieren den Donauursprung, bis wir dann einigermaßen in Fahrt kommen. Am Anfang hat der Fluss tatsächlich eine gewisse Breite aber interessanterweise wird er immer kleiner.

Über leicht hügeliges Gelände mit kleinen Anstiegen geht es über saftig grüne Blumenwiesen und über die ein oder andere historische Holzbrücke. In Möhringen gibt es eine eindrucksvolle Rathauspassage und in Tuttlingen machen wir eine kleine Pause, die Marktbuden in der Fußgängerzone packen gerade zusammen, so dass wir in einer kleinen Bäckerei landen.

Auf dem Weg dahin kommen wir an der Donauversickerung vorbei und tatsächlich ist aktuell von der Donau nichts zu sehen. Sie ist in den Untergrund verschwunden, in Teilen fließt sie in Richtung Aachquelle und von dort in den Bodensee und somit über den Rhein letztlich in die Nordsee und der Rest taucht dann ein paar Kilometer weiter wieder im Donautal auf und diesem Teil folgen wir, allerdings nicht bis ans schwarze Meer.

Unser Hotel Sonne in Fridingen hat Ruhetag. Die Schlüssel liegen zur Selbstabholung bereit, das Zimmer ist geräumig, aber kein Beispiel für schwäbische Reinlichkeit, die man eigentlich hier erwarten würde, wenngleich es angesichts des wilden Grenzverlaufs gar nicht so einfach ist, festzustellen, ob man in Baden oder Württemberg ist. Donaueschingen bis Möhringen ist Baden, Tuttlingen ist Württemberg und dann kommt wieder Baden. Naja Zimmer saugen kann man auch in Baden erwarten.

Die Distanz mit dem Rad war 54 km mit 262 Höhenmetern.

Nachdem wir unsere Sachen im Hotel abgelegt haben, machen wir uns zu den richtigen Sehenswürdigkeiten von Fridingen auf. Die sind nicht im ziemlich langweiligen Ort zu finden, sondern ein paar hundert Höhenmeter oberhalb. Von ca. 650 Meter steigen wir auf knapp 800. Dabei geht es aber ziemlich hoch und runter. Dafür sind die Ausblicke über die Felsen und das Donautal dieses ersten Donaudurchbruchs äußerst spektakulär.

Über mehrere Ausblickpunkte kommen wir über die Sperberhöhle bis zum letzten Aussichtspunkt mit Restaurant, dem Knopfmacherfelsen. Ein Knopfmacher wurde abends im Jahr 1823 von einer Dame (einem Hardt-Fräulein?) zu besagtem Felsen gelockt und ist mitsamt Pferd abgestürzt. Dafür hat man seinen Berufsstand durch Benennung des Felsen geehrt. Von dort sieht man bis zum Kloster Beuron.

In dem auch mit dem Auto erreichbaren Berggasthof Knopfmacherfelsen kehren wir kurz ein. Auf dem Rückweg kürzen wir durch einen Weg durch die Wiese ab und kommen so zufällig durch die Naturbühne Steintäle, die im Jahr 1960 hier in den Fels eingebaut wurde. Der wird nun jedes Jahr im Sommer ein Stück präsentiert. Begonnen hat es mit Wilhelm Tell. Dieses Jahr ist Dr. Jekyll und Mr. Hyde dran.

Das gastronomische Angebot erweist sich als schwierig. Sonne und Löwen sind geschlossen, Scharfeck sieht sehr unsympathisch aus und so landen wir wieder beim Italiener, dem Wendelstein da Giovanni, der mich wieder mit italienischem Essen versöhnt.

Da es hier sonst nichts gibt, decken wir uns noch beim Rewe ein, der erfreulicherweise bis 22h auf hat. Der Spaziergang über die Felsen waren mit 9 km und 395 Höhenmetern nach der Radtour eine gute Ergänzung und eine unbedingte Empfehlung, sich diese Ausblicke nicht entgehen zu lassen. Meine neuen Barfußschuhe von Merrel haben ihre Feuerprobe bestanden, wenngleich schottrige Wege nicht zu meinem Lieblingsuntergrund werden, wenn ich diese Schuhe trage.

Rundgang in  Donaueschingen

Unsere erste Station ist Donaueschingen, mit Nahverkehr über Karlsruhe recht gut zu erreichen. Wir kommen nachmittags gegen 15:30 mit 15 Minuten Verspätung an. Rechtzeitig, um noch einen ausführlichen Rundgang durch die Stadt zu unternehmen. In der Nähe unseres Hotels Hirschen ist das blaue Rathaus mit dem Musikantenbrunnen. Auf dem Marktplatz gibt es Milchkaffee und Käsekuchen, bevor wir uns den künstlich eingefassten Donauquellbrunnen neben dem Schloss und dem Schlosspark anschauen. Der Boden der Quelle ist übersät von Münzen.

Durch den Schlosspark über und entlang der Brigach kommt man dann zum wirklichen Donauursprung, dem Zusammenfluss von Brigach und Breg. Ein Radler meint, wenn es so weiter geht, dann haben wir hier bald die zweite Donauversickerung. In der Tat scheint insbesondere die Breg ziemlich wenig Wasser zu führen. Ein langer Baumstamm symbolisiert den Zusammenfluss und zeigt verschiedene Orte und Bauwerke, die im weiteren Verlauf der Donau folgen.

Durch den Schlosspark, immer noch im Privatbesitz des Fürstenhauses, das ihn den Untertanen öffentlich zur Verfügung stellt, gibt es verschiedene Denkmäler, einen See mit Insel und Pfauen und viele interessante und zum Teil exotische Bäume.

In der Brigach schwimmt eine Schwanenfamilie mit ziemlich frisch geschlüpften Küken und nachdem die Wolken sich kurzzeitig ziemlich verdunkelten, wird es über dem Brauhaus des allgegenwärtigen Fürstenberg-Biers mit dem Diana-Brunnen wieder heller.

Abendessen gibt es sparsam beim Italiener im Hotel Linde, der die 4.4 Bewertung aus Google nicht wirklich wert erscheint. Auf diese Weise sind heute dann 6 km ohne nennenswerte Höhenmeter zusammen gekommen.

Wanderung durch die Pfalz

Bevor wir wieder eine größere Radreise antreten, ein kleiner Test. Nachdem ich hier einige Monate gar nichts aufgeschrieben habe, muss ich erst einmal testen was ich eigentlich so alles eingerichtet habe.

Es ist ein Montag und die meisten der Schenken im davon gut versorgten Pfälzer Wald öffnen erst am Mittwoch um 11h. Mit dem Oppauer Naturfreundehaus haben wir aber doch noch was gefunden und es hat gut geschmeckt. Über steilen An- und wieder Abstieg über den Eckkopf haben wir das Lokal erreicht und sind auf dem schnellsten Weg (nach Komoot) zurück. Vorbei an den Heidenlöchern, die wir verpasst haben und der Michaeliskapelle. Es waren gut 20 km und 650 Höhenmeter.

Paris – Montmartre und Centre Pompidou

Heute bricht unser letzter Tag an und erfreulicherweise ist der Himmel diesmal wirklich blau. Mit der Metrolinie 2 fahren wir 2 Stationen und steigen dann den Berg hoch zur Kirche Sacre Coeur, die wir diesmal auch von innen bewundern. Wir haben Glück, keine Schlange zu sehen, wie mittlerweile fast überall an den Hotspots gibt es eine kurze Gepäckkontrolle mit Blick in den Rucksack. Drinnen ist fast alles verboten, aber ein paar Fotos erlaube ich mir. Gegen Ende unseres Aufenthaltes beginnt die Messe und das sollte man eigentlich nicht fotografieren, aber ein Pulk von ein paar dutzend Leuten drückt sich herein und sieht das nicht sehr verbissen.

Über Montmartre steigen wir gemütlich ab, kommen an der ersten Mühle vorbei und landen dann unten direkt vor der roten Mühle, Moulin Rouge. Auf dem Weg zum Place Pigalle gibt es noch ein paar Sex-Shops oder Table-Dance Bars zu sehen, bei denen allerdings am Vormittag die Rollläden runter gelassen sind. Ein Kebap-Laden wirbt mit Berliner Döner Qualität, da kommen offensichtlich die besten her.

Mit den Metro Linien 12 und 3 und ein paar Minuten zu Fuß erreichen wir dann das Centre Pompidou und können zwischen mehreren Sonderausstellungen (Surrealisten, Comic-Zeichnungen) und der Hauptausstellung wählen.

Bei den Surrealisten ist es sehr voll, eng und unübersichtlich. Dagegen ist die Standardausstellung für moderne und zeitgenössische Kunst wieder was ganz besonderes. Auf den Außengalerien hat man tolle Ausblicke auf die verschiedenen Wahrzeichen der Stadt. Rechts hoch sieht man Sacre Coeur, links den Eifelturm. Zuletzt wandern wir auf der alten Uferstraße an der Seine. Auf der Höhe der Bastille laufen wir dann entlang vieler Flußschiffe und Yachten bis zur Place de la Bastille, von wo wir wieder direkt zum Gare du Nord kommen. Dort können wir noch ein paar Zugtickets kaufen, denn wir sind in Palaiseau verabredet. Die Linie B fährt direkt vom Gare du Nord in etwa einer halben Stunde hin und wir genießen gute französische Küche in mehreren Gängen.

In zwei Etappen mit ein paar Metro Fahrten dazwischen sind wir etwa 10 km unterwegs gewesen und haben keine nennenswerten Höhenmeter absolviert.

Paris – Buttes Chaumont nach Père-Lachaise

In meinem alten Baedeker Reiseführer heißt die Route, der wir heute folgen „Trendviertel mit Historie und Exotik“, die wir allerdings rückwärts gehen. Unser erstes Ziel ist der Parc des Buttes Chaumont, der mit einigen Hügeln und künstlich angelegten Seen und Schluchten idyllisch liegt und einige Ausblicke unter anderem auf das im Dunst liegende Sacre Coeur bietet. Auf dem Weg dahin ist sonntaglicher Flohmarkt mit hunderten Ständen entlang der Straße. Im Park sind die Hauptattraktionen wegen Bauarbeiten gesperrt, es gibt dennoch genug zu sehen. Sonntagvormittags ist der Park fest in der Hand unterschiedlich sportlicher Jogger, die dort ihre Runden drehen.

Anschließend versuchen wir der Strecke zu folgen und drehen eine Runde durch das Viertel Belleville mit schöner Aussicht zum Eifelturm und Invalidendom. Das Museum Edit Piaf wird privat geführt und man muss sich da voranmelden, das machen wir nicht. Dann schlängeln wir uns durch das Viertel Oberkampf wieder bis zur Rue de Pyrenes , vorbei am Place de Maurice Chevalier und der Kirche Notre Dame de la Croix.

Eine gesperrte Bahnlinie mit zwei angesperrten Tunneln rechts und links ist von Obdachlosen in Beschlag genommen, die dort ihre Zelte aufgestellt haben. Die Wandmalerei hat hier erfreulicherweise eine andere Qualität als die meisten andern.

Nachdem wir uns in einer Patisserie noch einmal mit einer Curry Quiche stärken können, ist die nächste Station der große Friedhof Père Lachaise, wo man entlang verwirrender Wege unzählige Gräber von bekannten Persönlichkeiten findet.

So haben wir beispielsweise die Gräber von Oscar Wilde, Honoré de Balzac, Frederic Chopin, direkt daneben Michel Petrucciani und schließlich, von einigen Bauzäunen geschützt, das umlagerte Grab von James Douglas (Jim) Morrison gesehen.

Am südlichen Ausgang des Friedhofs wartet eine Bar auf uns, und nach 16h ist Happy Hour, so dass es ausnahmsweise mal ein Pint IPA zu akzeptablen Konditionen gibt.

Insgesamt eine schöne Tour abseits der Massen. Nach ca. 16 km und 271 Höhenmetern kaufen wir im Intermarche, der wie unzählige Geschäfte und alle Supermärkte Sonntags offen hat, noch ein paar Sachen fürs Frühstück und lassen uns mit der Metro Linie 2 von Alexandre Dumas bis La Chapelle bringen. Abends schließlich finden wir tatsächlich ein preiswertes französisches Restaurant, in dem das Essen auch wieder schmeckt.

Paris – Rive Gauche

Nach zwei Stationen erreichen wir mit der RER B vom Nordbahnhof Saint Michel auf der linken Seine Seite und wandern durch das Quartier Latin. Die erste Station ist die Kirche Saint-Severin mit tollen Glasmalerein. Als wir wieder rauskommen, werden wir von einer jungen Damen angesprochen, ob wir gerne ein Interview mit Kamera machen möchten, aber ich traue mich nicht, mein Französisch öffentlich zu präsentieren. An der Universität Sorbonne vorbei, erreichen wir das Pantheon und sehen das Foucaultsche Pendel und eine monumentale Ausstellung von Exponanten von Anselm Kiefer.

Von dort kommen wir zum Jardin du Luxembourg mit Blumenarrangements, aber insgesamt schon recht herbstlich. Die Kirche Saint Sulpice liegt auf dem Weg und unser Bädeker Führer (vor 2008) wird zunehmend ungenauer. Das Musée Maillol ist auf jeden Fall geschlossen, da man sich dort auf eine neue Ausstellung vorbereitet.

So erreichen wir durch wenig frequentierte Staßen, die mit edlen Boutiquen gesäumt sind, das Museum Rodin. Die Ausstellung dort beginnt mit seiner Manie, den Schriftsteller Honoré de Balzac möglichst umfassend abbilden zu können und seinen monumentalen Studien und Statuen. Der große Garten enthält einge Statuen unter anderm seine berühmtesten Werke „der Denker“ oder „der Kuss“ .

Über die Straße ist dann schon der Invalidendom, den wir uns nur von außen anschauen. Nun ist es schon so spät, dass wir den Heimweg langsam antreten müssen, da wir abends ein Konzert gebucht haben.

Wir steuern wieder die Haussmann Station an und bekommen in Sichtweite der Oper in einem italienischen gut bewerteten Restaurant unglaublich teure Nudeln und ein großes Bier liegt bei 10€. Auf dem Weg dahin kommen wir beim Grand und Petit Palais wieder an größeren Menschenmengen vorbei.

Das Trianon liegt nur 25 Minuten Fußweg von unserer Wohnung und auch dort steht wieder eine längere Schlange, an der wir uns diesmal hinten anstellen müssen. Wir haben zufällig gesehen, dass Nena und Lissa Bloch im Vorprogramm spielen. In so einem Konzert waren wir noch nie, aber warum nicht, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Das war teuer und gut besucht, die zweite Kategorie ist eine reine Stehfläche und wir sind nur bei wenigen altbekannten Liedern von der Musik angetan. Die Meisten von 1091 waren begeistert.

Heute haben wir um die 12 km gewandert mit flachen 102 Höhenmetern und bei diesem Spaziergang sind wir kaum mit größerem Touristenaufkommen kollidiert.

Rundgang durch Paris

Nachdem ich beim Studium alter Bilder festgestellt habe, dass es bereits 16 Jahre her ist, dass wir das letzte Mal in Paris waren, haben wir uns spontan entschlossen, dort ein paar Tage zu verbringen. Mit dem Zug geht es trotz der Unzulänglichkeiten der deutschen Bahn immer noch ganz gut, sobald man in Frankreich, von Straßburg nach Paris durchfährt, geht dann auch alles gut, zur deutschen Verspätung kommt keine neue dazu. Der Gare de l’Est liegt nur 10 Minuten Fußweg zu unserem Appartement entfernt.

Unser Quartier ist eine wunderschöne kleine Wohnung in der Nähe des Gare du Nord. Die Gegend ist lebhaft, viel indisches und afrikanisches Publikum, Geschäfte und Restaurants. Da die Wohnung im Hinterhof liegt, ist es absolut ruhig. Unser Abendspaziergang führt uns über die Gleise ins afrikanische Viertel. Richtung Montmarte gibt es ein italienisches Restaurant nachdem die afrikanischen Restaurants auf dem Weg doch alle nicht so richtig einladend aussahen. Danach sind wir über steile Treppen zur Kirche Sacre Coeur hoch gestiegen. Die Kirche ist angeleuchtet und von Nebelschwaden umgeben. Auch in den Gassen des Montmartre schafft der Nebel eine besondere Atmosphäre.

Am nächsten Morgen ist der Nebel immer noch da und heute sind die Massentouristenstationen geplant. Von Notre Dame über Louvre, Tuilerien, Place de la Concorde, Champs Elysée, Triumphbogen, dann wieder zurück zur Seine und auf der anderen Seite zum Eifelturm.

In der Nähe des Riesenrades in den Tuilerien entdecke ich zwei Bronzestatuen von Aristide Maillol, dessen Figuren ich vor ein paar Wochen schon in Banyul sur Mer bewundert habe. Entlang der Seine sind die bekannten Buchstände und Schallplatten gibt es auch. Der Eifelturm ist vom Place de la Concorde aus nur zur Hälfte zu sehen, aber während wir mit den Menschenmassen gemeinsam entlang des Champs Elysées schlendern, kommt die Sonne langsam heraus, so dass sich der Triumphbogen uns schon bei fast blauem Himmel präsentiert.

Der Eifelturm ist dann für ein paar Fotos erfreulicherweise gut beleuchtet und auf dem Rückweg über den Fluss betrachten wir das Schauspiel, wie sich eine Menschenschlange vor den olympischen Ringen bildet, um sich vor die Ringe mit Eifelturm im Hintergrund in Szene setzen zu können. Schlangen gibt es praktisch an jeder Station. Bei Notre Dame ist eine Bühne aufgebaut, um über die Baustelle hinweg Fotos aufnehmen zu können, denn da ist noch immer kein Einlass. Die Schlange für den Louvre ist mehrere hundert Meter lang, ebenso wie vor dem Triumphbogen und auch dem Eifelturm, den man für 35€ erklimmen kann, wenn man lange genug gewartet hat. Dementsprechend ist auch jeglicher Konsum von Kaffee etc. ein ziemlich teures Vergnügen.

Auf dem Weg zurück laufen wir dann fast bis zur Oper und steigen bei Haussmann in die Linie E ein, so dass sich auf der Uhr 19 km mit 160 Höhenmetern gesammelt haben. Bevor wir in die Bahn steigen, finden wir im Einkaufsviertel noch La Brulerie Caumartin, ein kleines französisches Restaurant, welches für diese Gegend zu moderaten Preisen eine gute Bavette mit Frites serviert.

Zurück nach Heidelberg

Die letzten 32 km mit 350 Höhenmetern waren nicht geplant. Trotz der nicht besonders schönen Lage können wir im B&B Hotel ganz gut ausschlafen und bekommen ein dem Hotelstandard angemessenes Frühstück. Es begann zu regnen und die Tropfen auf dem Fensterbrett waren tatsächlich die größte Geräuschquelle. Kein Problem wir müssen ja nur noch 10 Minuten zum Bahnhof und dann geht es im Zug bis Heidelberg.

Zunächst schauen wir uns den Rhein an, die echte Loreley und die Radfahrer, die mit Packtaschen und gegen Regen gerüstet auf dem Rhein-Radweg unterwegs sind. Die Strecken waren alle etwas seltsam und gegen die Intuition. Entweder bis nach Kaiserslautern und dann in 4 Minuten von Gleis 1 auf Gleis 10 oder nach Frankfurt und dann eine gute halbe Stunde warten. Alle zwei Stunden geht auch Mainz, umsteigen nach Mannheim und dann umsteigen nach Heidelberg. Da die vier Minuten umsteigen in Kaiserslautern unrealistisch sind, liebäugeln wir in der RE17 nach Kaiserslautern bei Bingen damit, nach Mainz umzusteigen, um dort auf den Anschluss nach Mannheim zu warten. Das wäre etwas schneller als in Kaiserslautern mit der nächsten S-Bahn zu fahren. Wir entscheiden uns dann aber doch für die bequemere Variante mit nur einmal umsteigen.

Das war leider eine nicht vorhersehbare Fehlentscheidung. Wenige Minuten später die Durchsage: „in Rockenhausen endet der Zug, ein Baum liegt auf der Strecke. Wir wissen noch nicht wie es weitergeht.“ Nachdem wir mit den Rädern raus sind (einmal durch die Unterführung) die Durchsage: „der Betrieb nach Kaiserslautern geht weiter“. Wieder durch die Unterführung wie auch der gesamte restliche Zug. Für uns heißt das Aufzug runter und Aufzug wieder hoch. Im Zug kommt uns dann der Lokführer entgegen, was wir hier wollen, der Zug würde nicht fahren. Wir dagegen: „die Durchsage hätte gesagt es geht weiter“, er: „ich bin der Lokführer, ein Baum liegt auf der Strecke, der Zug fährt nicht“ … „die Durchsagen würden von der Deutschen Bahn kommen, da hätte er nichts mit zu tun“. Also zum dritten Mal durch die Unterführung, das hat nicht zur Verbesserung unserer Laune beigetragen.

Super Sushi gestern abend und verdreckte Räder heute

Wir ziehen uns um und setzen uns auf das Rad und steuern den Bahnhof Winnweiler an. Wenn der Baum dazwischen liegt, dann geht es von dort vielleicht weiter. Über Komoot und Radwegausschilderung finden wir den Weg, der sich in Kürze zu einem matschigen Schotter-Sand-Waldweg entwickelt. Gleichzeitig ist er mit heftigen Steigungen gespickt. In Winnweiler kommen wir völlig verdreckt an. Auf den beiden Bahnsteigen herrscht Chaos. Ein Zug steht einsam und wartet. Auf dem anderen Gleis steht eine riesige Traube von Menschen, die verschiedene Theorien austauschen, wo der Baum liegt, ob er schon weg ist und wann es weitergeht. Ich schimpfe ein bisschen auf die Unfähigkeit der deutschen Bahn und vor allem das völlige Chaos in deren Kommunikation. Ein Herr, der unweit von uns steht und stoisch sein Handy beobachtet, erbarmt sich und erklärt uns einen Weg über Landstraßen mit Radwegen in Richtung Kaiserslautern. Ein kleines DB-Logo an seiner Jacke outet ihn als Mitarbeiter, vielleicht war er auch ein Fan. Aber die Aussage, dass das hier noch ewig dauert, mit den Rädern seien wir schneller, spricht für die Eingangshypothese.

Der Weg entlang Landstraßen mit Radwegen daneben erweist sich als gut fahrbar. Der Regen hat aufgehört, nur noch Spritzwasser, aber das ist nun egal. Statt kurz vor 12h erreichen wir den Hauptbahnhof in Kaiserslautern um kurz vor 14h. Um ca. 14:17 komme die RE17 aus Koblenz an und siehe da eine ältere Dame, die mit uns im Zug war, steigt aus. Mit der S1 sind es nun noch knapp 1,5 Stunden nach Heidelberg.

Von Cochem nach Koblenz

Im Fata Morgana, eine wiederum von Niederländern betriebene Pension, mussten wir gestern exakt angeben, was wir zum Frühstück essen möchten und haben das dann auch exakt so bekommen. Das war alles einwandfrei. Für Niederländer scheint Cochem ohnehin ein sehr begehrtes Ziel zu sein. Rund um uns herum in den Lokalen und sind einige Texte und Beschilderungen neben deutsch auch niederländisch.

Der Himmel war bedeckt mit sonnigen Lichtblicken und es sollte den ganzen Tag trocken bleiben. Der Wind war teilweise erheblich, aber er kam meistens von hinten. Als wir aufgrund eines kleinen Navigationsfehlers wieder 100 Meter zurück mussten, haben wir den Wind sehr heftig von vorne gespürt.

Der Radweg ist gesäumt mit einigen Burgen und bei der letzten Schleuse vor Koblenz gibt es einen Aussichtspunkt mit nicht sehr beeindruckenden Aussichten, aber interessanten Hintergründen zu und Funktionsweise der Schleuse.

Leider verläuft der linksseitige Radweg lange entlang der Bundesstraße. Einwandfreier Belag und wir fahren um die 25 km/h. Mit nur wenigen Fotopausen erreichen wir schon nach etwa zwei Stunden und 40 km den Ort Winningen. Dazwischen gibt es noch eine riesige Autobahnbrücke, abenteuerlich terrassierte Weinberge und ein „von der Leyen“ Schlösschen über der Bundesstraße.

In Winningen war bis gestern Weinfest. Die meisten der vielen Kneipen müssen sich erholen und haben zu. Wir steuern wieder eine Vollkornbäckerei an und bekommen einen kleinen Snack mit Kaffee. Leider gibt es trotz Sitzgelegenheiten keine Toilette. Von hier sind es nur noch gute 15 km bis zum deutschen Eck.

Die Mosel mündet in den Rhein. Auf der anderen Seite des Rheins ist die Befestigungsanlage Ehrenbreitstein zu sehen, wo man für aktuell 14,90€ hin und zurück mit einer Seilbahn übersetzen kann. Die Sonne kämpft mit düsteren Wolken und dementsprechend ist das ohnehin düstere Kaiser Denkmal auch eher ein düsteres Motiv.

In letzter Minute haben wir das B&B Hotel gebucht. Die meisten inserierten Hotels sind schlecht bewertet oder überteuert. Unser Hotel liegt im Dreieck von Gleisanlagen und vierspurigen Straßen, aber die Fenster sind gut isoliert. Zu Fuß steuern wir wieder die Fußgängerzone an. Es gibt das ein oder andere interessante zu sehen, einige Erker vor alten Fassaden unten allerdings die Fritten-Kette. Es gibt durchaus einige interessante Geschäfte, aber auch sehr viel Leerstand.

Das sehenswerte Wahrzeichen der Stadt ist die mit zwei Zwiebeltürmen renovierte Liebfrauen-Kirche, deren Ursprünge auch auf die Römerzeit zurück geht. Daneben finden wir neben der Jesuitenkirche (die heute evangelisch ist) ein Glockenspiel, welches uns zu Ehren direkt mit dem Spiel beginnt. Auf dem nächsten Platz ist eine interessante Säule installiert, in der über die verschiedenen Etagen die Geschichte der Stadt von den Römern bis heute dargestellt wird.

Nach verschiedenen, eher seelenlosen großen Plätzen finden wir ein Kino und da wollen wir rein. Deshalb müssen wir schnell etwas zu essen finden. Das gelingt in dem großen asiatischen Restaurant Papa Umi, wo schnell mit hervorragendem Service tolles asiatisches Essen serviert wird. Nun beginnt es doch wieder leicht zu regnen.

Die Distanz von 58 km mit 201 Höhenmetern war auch ziemlich schnell absolviert. Der Radweg war zwar wunderbar asphaltiert, aber direkt neben der Straße nicht angenehm zu fahren. Kurz vor Winningen sind wir auf die Strecke hinter der Bahnlinie in die Weinberge gewechselt, wo wenige Höhenmeter mehr zusammen gekommen sind.

Von Traben-Trarbach nach Cochem

Nachdem wir gestern noch bei angenehmen Temperaturen mit Blick auf den tiefsten Punkt der Mosel beim Litziger Lay (alles österreichisch) gesessen haben, begann es nachts zu regnen. Heute war es sehr wolkig, es tröpfelte immer wieder und die Temperaturen lagen zwischen 13 und 18 Grad.

Die Ausblicke auf die Dörfer oder die Staustufen sind dennoch schön. Bei Bullay kreuzen wir die doppelstöckige Brücke (oben Bahn unten der Rest) und verpassen leider den Fotomoment für den Zug, der gerade drüber fährt.

Ein Stück weiter entdecken wir auf der gegenüberliegenden Seite die Klosterruine Stuben und versuchen die supersteilen Weinberge mit dazwischen liegenden Felsarealen ins Bild zu bringen. Aber es bleibt dann doch ziemlich grau.

In Ediger-Eller beschließen wir eine kleine Pause einzulegen, aber der Ort ist noch in Erstarrung aufgrund des gestern beendeten Weinfestes. Wir landen bei Brot & Brood, einer von einem Niederländer betriebenen Bäckerei, in der das Meiste ausverkauft ist. Während wir da sitzen, regnet es auf einmal ziemlich stark und nachdem wir nach dem zweiten bescheidenen Milchkaffee wieder aufgebrochen sind, holen wir bald den Regen ein und kleiden uns in volle Regenmontur.

Nach 15 Minuten ist schon wieder alles vorbei, an der Fähre nach Beilstein kommt das Regenzeug wieder runter und mit Blick auf Beilstein und die Burg Metternich beobachten wir die kleine Fähre bei ihrer Überfahrt, aber bleiben auf der linken Moselseite, bis nach wenigen Kilometern auch schon Cochem, mit Blick auf die Reichsburg, erreicht ist.

In unserer Pension Fata Morgana, die auch wieder von Niederländern betrieben wird, sind leider die Handtücher nicht trocken geworden, was uns wiederum das Trocknen nach der Dusche erschwert. Diesmal nehmen wir die Regenjacken mit und das war gut so, denn wir kommen immer wieder in ordentlichen Niederschlag. Wir gehen über den Marktplatz mit Brunnen, Fachwerkhäusern, Rathaus hoch zur Burg. Da beginnt es recht heftig zu regnen und wir nutzen die Zeit, um im Burgrestaurant ein Bier zu trinken. Nach einer guten halben Stunde wird es heller und wir wagen den Abstieg.

Eine Besonderheit von Cochem besteht darin, dass ich noch nie so eine Dichte von miserabel bewerteten Restaurants gesehen habe. Egal wo wir stehen bleiben, Bewertungen bei Google von unter oder gerade eben über zwei sind die Regel. Letztlich landen wir bei einem ordentlichen Italiener (La Baia direkt an der Brücke) mit knapp über vier und das war auch ok so – nur ein bisschen teuer. Der Himmel klart auf und auf der Brücke gibt es dann auch noch einmal einen abendlichen Blick auf Mosel, Schiffe und Reichsburg.

Die 57 km mit 192 Höhenmetern sind uns nicht schwer gefallen, wenngleich auf den letzten 10 km ein deutlich spürbarer Gegenwind das Tempo gedrosselt hat.