Von Györ nach Komárno

Heute haben wir nur eine kurze Etappe vor uns. Das Frühstück im Danubius Hotel, ein ziemlich schmuckloser Kasten von außen, aber innen schön eingerichtet, war sehr ordentlich. Frische Eier, Gemüse, verschiedene Käseangebote etc. und auch frische Säfte, da kann man nicht klagen. Nur sind wir natürlich zur Hauptzeit gekommen, was insbesondere zu Schlangen an den beiden Kaffeeautomaten führte. Letztlich haben wir alles bekommen, was wir wollten und auch genug davon.

Wir haben uns Zeit gelassen und es ist schon halb elf, bis wir auf dem Rad sitzen. Statt der Strecke, die in der Komoot Sammlung geführt ist, lassen wir uns eine neue Strecke ausrechnen, die immer entlang der Nationalstraße 1 ohne einen einzigen Meter Split führt. Wir kommen schnurgerade aus der Stadt raus, verzetteln uns einmal kurz, obwohl es eigentlich klar hätte sein sollen und fahren auf gelb gekennzeichneten Wegen oft mit gestricheltem Mittelstreifen.

Der unbeschrankte Bahnübergang über den eine Lok kommt, wird einfach durch den zweiten Fahrer gesichert, der dann wieder aufspringt. Photovoltaik ist auf den meisten Häusern noch nicht angekommen, aber ab und zu sieht man ein paar Platten und insbesondere bei einem Kraftwerk liegt ein großes Feld. In der Ferne konnten wir auch ein paar Windräder erkennen.

In Gönyü, kurz hinter der Mündung der Moroni-Duna in die Donau, fahren wir einmal vom Weg ab, um über kleine Wanderwege direkt an die Donau zu kommen. Direkt am Wasser bekommen wir einen kleinen Eindruck zur Mächtigkeit des Stromes. Nach knapp zwei Stunden haben wir Komárno schon erreicht und fahren zu der riesigen Befestigungsanlage, die fast direkt am Weg liegt. Man kann sie auch innen besichtigen, aber wir schauen es uns nur kurz von außen an. Es handelt sich um die größte Befestigungsanlage in Mitteleuropa der Neuzeit und war zu Zeiten der Sowjetunion ein riesiges, streng bewachtes Munitionslager.

Im ungarischen Teil der Stadt verbringen wir wenig Zeit, ein kurzer Blick auf die zentrale Kirche mit einem Brunnen und dann fahren wir schon über die Brücke zurück in die Slowakei. Über die Brückenkonstruktion lässt sich bereits die slowakische Seite sehen und in der Mitte ist die Grenze, die wieder ohne jegliche Kontrollen passiert werden kann.

Obwohl es gerade mal 13:30 ist, können wir unser Zimmer schon beziehen. Der Hotelier freut sich, dass er uns ein Upgrade für eine Suite geben kann. Außerdem schenkt er uns zur Begrüßung Holundersoda ein, den wir gerne annehmen. Er zeigt uns das Appartement ganz genau und es ist alles frisch renoviert. Komárom ist ein kleines Städtchen mit einer netten Altstadt und einem kleinen Platz, um den herum irritierenderweise die unterschiedlichsten Häusertypen stehen. Es handelt es sich um den Europaplatz und die Idee besteht darin, unterschiedliche in Europa vorkommende Architekturstile zu zeigen. Analog gibt es auch einen Park mit heterogenem Baumbestand.

In der Andreas Basilika findet heute bereits um 17h ein Konzert mit bekannten Tenören statt, nicht billig und online sehe ich, dass es kaum noch Karten gibt. Angesichts des aufwändigen Programmes, was auf eine längere Darbietung schließen lässt und der Aussicht über zwei Stunden auf Kirchenbänken zuzubringen, verzichten wir diesmal auf Kultur. Stattdessen geht es in unsere kleine Suite und wir suchen nach einem Restaurant.

Mit 45 km und geringen 143 Höhenmetern, die durch leichte Wellen entlang der flachen Nationalstraße zustande gekommen sind, war die Tour heute deutlich entspannter als gestern. Der Wind kam freundlicherweise oft von hinten. Es gab ein paar Sportradler und wenige kleine Gruppen. Heute ist uns auf der Fahrt kein einziger mit Taschen am Rad begegnet. Nur die Hitze war auch heute wieder recht heftig. In Gönjü habe ich noch einmal für Wassernachschub im örtlichen Spar gesorgt.