Von Ax-les-Thermes nach Prades

Direkt an meinem kleinen netten Hotel Bellevue geht die Straße vorbei hoch zum Col de Pailhères, die sich später von der Strecke zum Col de Chioula trennt. Am Anfang ist noch etwas Verkehr, der aber, je weiter ich steige, schnell abnimmt. Ein letzter Blick auf Ax-les-Thermes mit der Seilbahn und dann bin ich schon an einem kleinen Stausee. Bis hierhin läuft es super. Es sind immerhin 1250 Höhenmeter an einem Stück zu bewältigen. Der Col de Pailhères ist einiger der wenigen Pyrenäen Pässe, der über 2000 liegt. Bei 1500 Meter kommt mir eine Gang von drei Bike-Packing Frauen entgegen, die sich schon von weitem als deutsch zu erkennen geben. Sie sagen freundlich „Bonjour“ aber ich höre dann bald „eh Alter“ auf was sich auch immer das bezieht. Vier Rennradler sind nun auch schon an mir vorbei gezogen und später kommen noch zwei weitere und Motorradfahrer gibt es kaum.

Umso mehr wundere ich mich darüber die Porsche-Parade an der ersten Station des Skigebiets zu sehen. Das Skigebiet zieht sich hoch bis zum Pass. Zwischendrin wird es nun doch wieder steiler, nachdem es zu Anfang mit 6% sehr angenehm zu fahren war. Bei den engen Serpentinen geht es dann wieder besser. Aber dennoch brauche ich ziemlich genau 3h für die knapp 1300 Höhenmeter. Dort oben ist nichts außer dieser Hütte. Die Hoffnung ein längeres Päuschen einlegen zu können zerschlägt sich.

In sehr steiler Abfahrt auf sehr engen Serpentinen auf ganz schmaler Straße geht es schnell runter bis zur nächsten Skistation. Ab dort wird die Straße breiter. Mein Garmin macht Zicken, weil seine Strecke und seine Messergebnisse nicht harmonieren. Aber es ist nicht so schwer, immer auf der Straße bleiben. Trotzdem versichere ich mich an jeder Kreuzung noch einmal wo lang es geht. Ich habe keine Lust mit 10% irgendwo 1-2 Kilometer runter zufahren, die ich dann wieder hoch muss.

Am tiefsten Punkt bei etwa 800 Meter verlasse ich das Departement Ariege und komme in das Departement Aude. Die Aude ist hier allerdings nicht mehr als ein kleiner Bach, dem ich nun mit moderater Steigung ein paar Kilometer folge. Links zur D17 geht es ab und es wird auf eine Essgelegenheit in der „ferme“ hingewiesen. Die finde ich leider nicht. Vor dem Pass Col du Garavel erreiche ich den Zwischenpass, den Col de Moulis, der sich hier mit 1099 Meter brüstet und weitere 50 Höhenmeter kostet. Hier ist eine Farm mit Schweinen aber es gibt nichts. So erreiche ich den Col de Garavel bei 1256 Meter nach sehr schweißtreibendem Aufstieg von ca. 500 Metern ohne weitere Pause. Es ist sehr heiß geworden, ca. 35 Grad und ich zehre von meinen letzten Riegeln.

Auf der Passhöhe wird ein Restaurant in 5km angezeigt. Leider ist da nichts. In eines der nächsten Dörfer Roquefort-de-Sault fahre ich langsam ein und schon nach wenigen Metern werde ich herzlich mit Bonjour begrüßt und selbstverständlich könne man hier was trinken und auch essen. So gibt es ein halbes Baguette Schinken-Käse Sandwich und zwei kleine alkoholfreie Bier, wieder aufgefüllte Flaschen und eine schattige Pause. Die Dame ist sehr nett und kann in ganz vielen Sprachen ein paar Worte. Wir müssen dann aber schnell ins Französische zurück.

Der Auffahrt zum Col de Jau ist so ein bisschen der Schrecken genommen. Immerhin sind es weitere 650 Höhenmeter bei 6-7%. Es geht auf einsamen Wegen, kaum ein Auto, keine Motorräder, nur in Richtung Passhöhe kommt ein Trupp Engländer auf Rennrädern, die gut trainiert in allerdings durchaus beachtlichen Abständen an mir vorbeiziehen. Der Weg nach oben ist waldig, es gibt einen Menhir zu sehen, den schau ich mir aber nur von von der Straße aus an. Kein Meter extra. Oben haben sich die Engländer gesammelt und ihr Begleitfahrzeug hat leckere Snacks ausgelegt.

Von 1500 Metern geht es nun auf 350 Meter runter über 24 Kilometer. Man passiert den idyllisch gelegenen Ort Mosset und die Schlucht der Casselane. Es haben sich auf dem Weg nach oben einige Gewitterwolken gebildet und es grummelt in der Ferne. Ich bin froh, dass ich kaum treten muss, denn das schmerzt. Beim Ortsschild von Prades kommen die ersten Tropfen. Ich komme aber trocken zum Chambre Hôte. Mein Fahrrad findet in der Motorradgarage Platz. Die Hausherrin hat mir einen Melonendrink gemixt und das Zimmer ist sehr schön. Für mehr als das Foto von der Kirche hat es nicht mehr gereicht, da ich als erstes unbedingt was essen musste und mir die Zeit damit vertrieben habe, das hier zu erstellen.

Bei einer Distanz von 95 km habe ich heute 2546 Höhenmeter absolviert, was eindeutig über dem liegt, was mein Trainingszustand zulässt, vor allem mit den fast 10 kg Gepäck. Jetzt ist aber erstmal Schluss mit Pässen und vorgebuchten Quartieren. Bis Dienstag muss improvisiert werden.