Von Aulus-les-Bains nach Ax-les-Thermes

Gestern hatte ich im einzigen Restaurant „Café Restaurant L’etape“ noch ein sehr ordentliches Abendessen mit gegrilltem Fleisch, Frites und Salat hat köstlich gemundet und in der Einsamkeit sind die Preise unten. Das gilt natürlich nicht für mein Appartementloch in dem ich dann leider gar nicht gut geschlafen habe. Um 8h in der Frühe macht der kleine Lebensmittelladen auf und ich kaufe ein Croissant und Chocolatine. Dann sehe ich, dass das Restaurant schon wieder auf hat und ich frage ob ich auch was frühstücken kann. So bekomme ich zusätzlich noch ein dickes Schinken-Sandwich mit Salat und einen Milchkaffee.

Nachdem der Chef Mittag gestern noch einen äußerst mißmutigen Eindruck machte, scheint er langsam aufzutauen, je öfter ich ihn besuche. Er entpuppt sich als großer Radfahrerfreund und wir betrachten seine Postkartenwand wo auch die kalifornische Westküste reichlich vertreten ist und ich ihm von meiner Fahrradreise dort erzählen kann. Sandwich und Kaffee sollen 8€ kosten, aber er will lieber mein Kleingeld und gibt sich dann auch mit 6€ + x Cent zufrieden. In meinem Appartement hatte sich im Bad durch das offen gelassene vergitterte Fenster ein Vogel in der Dusche eingenistet und ich versuche ihn mit allen Tricks in Richtung Fenster zu bewegen. Irgendwann ist er dann weg.

So wird es heute 9:30 bis ich auf das Rad komme und direkt vom Ort aus beginnt der langsame Anstieg zum Col d‘Agnes. Bis da hoch auf 1580 Meter bin, brauche ich fast zwei Stunden. Es ist wenig los auf der Straße. Kurz vom Gipfel überholt mich eine Rennradlertruppe, die ich dann oben alle wieder sehe wie sie dort mit ihrem Begleitwagen interagieren und jeder braucht ein Gipfelfoto. Diesmal steht das Schild mitten im Matsch und ich mache mal besser die Taschen ab, um es dahin drapieren zu können. Der Pass wird im oberen Teil weniger steil und bietet in jeder Kurve neue fantastische Ausblicke. Für die Tour-de-France wird auch schon vorbereitet und abgesperrt, dass sich da nicht schon Tage vorher die Camper positionieren.

Der nächste Pass, ist kurz und gar nicht steil und man erreicht nach kurzer Abfahrt vom Col d‘Agnes, bei der man von oben kommend schon den kleinen See „Etang de Lers“ sieht. Dort gibt es ein Restaurant aber ich habe vor dem Gipfel noch keine Lust dazu. Auf dem Weg dort begegne ich einer Kindergruppe, die von aufmerksamen Begleiterinnen gehütet werden aber mitten auf der Straße laufen müssen. Der Weg zum Pass Port de Lers führt in einem langen Bogen um eine grüne Hochebene herum auf dem viele Kühe und Pferde frei weiden, wie auch oben auf 1517 Meter eine Kuhherde grast.

In steilen Serpentinen führt der Weg nun zunächst über sehr enge Straßen Richtung Tarascon-sur-Ariège. Ich komme an einigen großen Wasserfällen vorbei und mir kommen unzählige Rennradler entgegen. Langsam wird die Straße breiter und weniger steil und leicht abschüssig sind so die letzten 10 km bis Tarascon zu bewältigen. Hier mache ich ein paar Bilder, das sind fast die gleichen Motive, die ich auch schon 2006 im Visier hatte, als wir mit dem großen Camper hier auf dem Campingplatz Station gemacht haben.

An dem führt jetzt auch mein Weg vorbei. Ich nutze die Gelegenheit etwas zu trinken und mit dem Chef darüber zu reden, dass uns hier vor 18 Jahren ein Playmobil-Männchen verloren gegangen ist, was zu einer kleinen Krise geführt hatte. Er macht mir allerdings wenig Hoffnung, dass wir das noch hier auffinden und spricht mit mir, in fast perfektem Deutsch, über die Strecke und das Wetter. Den Col d‘Aubisque kennt er auch gut, da er lange in Argeles-Gazost gewohnt hatte. Als ich erzählte, dass der Tourmalet geschlossen war, meinte er, die machen einfach überall mal zu, um für die Tour de France vorzubereiten.

Der Weg nach Ax-les-Thermes ist nun eigentlich mit ca. 25 km nicht mehr weit. Dabei sind 300 Höhenmeter zu absolvieren, die kommen natürlich nicht gleichmäßig, sondern summieren sich über kleine fiese Zwischenanstiege, bei denen in der Abfahrt danach wieder einiges verloren geht. Außerdem geht ein großer Teil der Strecke ohne Alternative auf der großen Nationalstraße, die oft aber leider nicht immer ein bisschen Seitenstreifen hat und da wird es einem immer ein bisschen mulmig, wenn ein großer Laster vorbei will. Außerdem sticht die Sonne und es ist sehr heiß. Nach schlechter Nacht, wenig essen während des Tages, auch zu wenig getrunken, merke ich das nun. Mir fallen die letzten Kilometer ziemlich schwer. Endlich erreiche ich dann aber doch mein kleines Hotel Bellevue. Das Rad kommt ganz versteckt in eine sichere Kammer und ich habe heute wieder ein richtiges schönes Zimmer mit einem (allerdings sehr kleinen) Bad.

In Ax-les-Thermes ist Wasser und Therme das große Thema. Außerdem wird ganz viel gebaut. Mit einer Gondel kommt man hier hoch, auch im Winter als Ausgangspunkt für das Skigebiet obwohl nur 700 Meter hoch. In einem Becken mit heißem Thermalwasser baden sich die Leute ihre Füße und als ich beim zweiten Mal vorbei komme, setze ich mich dazu. Der Ort ist ganz ansehnlich und mal wieder eine richtige kleine Stadt, es gibt viele Restaurants und Bars. Da kann man es sich ganz gut gehen lassen.

Die Distanz von 74 km mit 1495 Höhenmetern ist nicht so beeindruckend, dagegen hatte ich trotzdem ordentlich zu kämpfen, bis ich es endlich geschafft hatte.