Von Laruns nach Argelès-Gazost

Die Distanz 47 km mit 1363 Höhenmetern war heute nicht das Problem. Nachdem ich um halb acht in einer Boulangerie wieder einen Croque-Monsieur (freundlicher Weise ausgepackt und aufgewärmt) bekommen habe und in einer Bar noch einen Café au lait bekommen hatte, habe ich mich bis 10h im Apartment aufgehalten und mich dann für strömendem Regen in die Regengarnitur verpackt. Das Fahren ging ganz gut langsam zwar aber stetig. Unter positiv könnte man auch vermerken, dass ich die Sonnencreme gespart habe und vielleicht, dass fahren im Regen etwas meditatives hat. Man hört die Tropfen auf der Regenmütze, tosende Bergbäche rauschen links und rechts von einem hinunter, man überquert die Schlucht mit dem rauschenden Wasser zwischen dem Ort Eaux-Bonnes (bezeichnender Weise „gutes Wasser“) und dem auf über 1000 Meter liegenden Gourette mehrmals. In Eaux-Bonnes sah es einen winzigen Moment so aus, das sich die Sonne herauswagt, so dass ich auf dem Umweg über einen Feldweg, über den mich Komoot geführt hat, die Gelegenheit hatte von dem Aussichtspunkt einen Regenbogen einzufangen.

Das war aber dann das letzte Bild bis zum berühmten Pass „Col d‘Aubisque“ obwohl es auf dem Weg einige interessante Ausblicke hätte geben können. Dort habe ich mich dann überwunden die nassen Handschuhe und die ebenso nassen Überhandschuhe auszuziehen und mit eiskalten und nassen Fingern ein Foto vom Fahrrad und der Passhöhe mit den Tour de France Rädern im Nebel zu schießen. Dann habe ich mich nach drinnen verzögen. Sehr erfreulicher Weise gab es da oben eine schöne urige Hütte und in der war es ganz voll obwohl die Straße völlig leer war. Mangels Bildmaterial hier eine Innenaufnahme trotz Foto- und Videoverbot. Ein Rennradler ist kurz vor dem Gipfel an mir vorbei gezogen und ich habe es ihm nachgetan und einen leckeren „Gateau de Basque“ mit heißer Schokolade bestellt und später noch einen Milchkaffee um noch ein bisschen bleiben zu können. Durchnässtes Unterhemd und Trikot habe ich gewechselt.

Die Straßen hoch sind gut ausgebaut, teilweise überbreit, da Gourette ein Skiort mit Gondeln etc. ist. Da gäbe es auch was zum einkehren mit dem Charme eines verlassenen Skiortes. Da wollte ich aber noch nicht pausieren, da hatte ich noch 600 Höhenmeter vor mir, wenngleich mir der immer lauter werdende Donner und damit ein näher kommendes Gewitter gewisse Sorgen gemacht hat. Kurz vorm Gipfel sehe ich dann auch noch einen gewaltigen Blitz und bis zum Donner sind es noch 9 Sekunden, also ca. 3 km entfernt. Aber es verzog sich langsam.

Gestärkt und etwas getrocknet mache mich an die erste Abfahrt bis es zum Col de Soulor wieder hoch geht. Dort, nach knapp 200 weiteren Höhenmetern, verzichte auf das Pass-Foto und sehe mit Entsetzen, dass die Straße nach Argelès-Gazost gesperrt ist und eine weite Umleitung zu fahren ist. Das wollte ich nur äußerst ungern, denn die Hände waren schon wieder eiskalt. Ich rolle über die Sperrung und sehe einen Mann am Restaurant was werkeln und frage ihn ob ich da mit dem Fahrrad durchkomme. Er meinte das ginge schon, ein bisschen müsste ich das Rad tragen, die Straße sei abgesackt. Nach 3 km erreiche ich einen Zaun und mit einiger Wuchterei schaffe ich es das Rad dran vorbei zu tragen und schiebe es durch die Baustelle. Die Bauarbeiter, wie ich, im strömenden Regen schauen nur. Zwischen Bagger und Rand bleibt noch eine kleine Lücke, wo ich durch passe und auf der anderen Seite der Absperrung wieder das gleiche Spiel.

Dann geht es ohne weitere Zwischenfälle die ca. 20 km runter zu meinem Zielort Argelès-Gazost. Mit Google-Navigation, was bei strömendem Regen und kalten Fingern auch mühsam ist, habe ich das Hôtel du Soleil Levant schnell gefunden und komme zeitgleich mit einer Rennradlergruppe an, die vom Tourmalet kommen.

Wir werden alle sehr freundlich empfangen obwohl alle nass und dreckig sind und die Räder dürfen in eine Garage des Hotels. Das Zimmer ist sehr angenehm und ich kann alles zum trocknen aufhängen. Mal sehen ob das Soleil im Hotelnamen für morgen die gleiche Wirkung hat, wie Eaux-Bonnes für heute.

Während ich mich in meinem Zimmer wieder aufwärme und alles zum trocknen aufhänge und dann beginne diesen Beitrag zu schreiben, hört es doch tatsächlich auf zu regnen. Höchst erfreut mache ich mich noch zu einem Spaziergang durch den wirklich netten Ort auf und kann noch ein paar optimistisch stimmende Bilder nachlegen. Auf dem Bild unten ist in der Mitte das Hotel zu sehen.

In der Annahme, dass ich nicht mehr rauskomme, habe ich mich im Hotel zum Abendessen angemeldet. Das ist zwar nicht mit Larrau vergleichbar aber für 17€ ist es ein solides 3 Gänge Menü.